vonDetlef Guertler 18.10.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Für den Engländer ist der Container, den wir Container nennen, einer von vielen Behältern, aber wir trauen uns nicht, ihn Behälter zu nennen. Womit wir ihn zwar einerseits zu einem ganz besonderen Behälter machen (gut), aber das vor allem aus mangelndem Sprachvertrauen (schlecht). Schrieb ich hier vor drei Jahren. Jetzt aber habe ich entdeckt, dass dieses Wort nicht nur für Uneindeutschung eines englischen Begriffes steht, sondern auch für die Schöpfung eines gänzlich neuen Wortes – nämlich des Verbs containern. Dabei handelt es sich, wie ich Wikipedia entnehme, um das Mitnehmen weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern.

Im Deutschen ist das eine völlig ordentliche Verb-Bildung zu einem auf -er endenden Substantiv, so wie bei Pfeffer und pfeffern. Wenn hingegen zuerst das Verb war, und dann das Substantiv, fehlt dem Verb das r, wie bei drücken – Drücker oder pfeifen – Pfeifer. Nach diesem Muster wird wiederum der das Containern praktizierende Akteur als Containerer bezeichnet.

Aber das eigentlich Faszinierende am Containern ist, dass es nur auf Deutsch so heißt. Laut Wikipedia heißt es auf

Englisch: Dumpster Diving
Dänisch: Skraldning
Norwegisch: Söppelsanking
Finnisch: Roskisdyykkaus
Spanisch: Recoleccion_urbana
Niederländisch: Dumpster Diving
Schwedisch: Containerdykning

Mal ehrlich: Da sind die Deutschen doch am besten, oder?

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/10/18/containern/

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kommentare

  • Deutsch am Besten. Ja, im Vernietlichen. Lautistisch finde ich den spanischen Begriff schön. Und mein Finish ist immer noch gefürchtet. Besonders bei Finnen.

  • isländlich wäre spannend-fragen wir Wolfgang Müller?auf diesem wege?-derC.=1 kiste…kastenkistlern?kisteln?containern,und das umfaszt allerlei b-hälter =doch echt deutsch gut….

  • Ihre These, dass die Verben auf –ern (wie „schustern“, „schleudern“ oder „schimmern“) auf Substantive zurückgehen, die älter sind als sie selbst – wohingegen Verben, denen ein „r“ in der Endung fehlt („treiben“, „husten“ oder „lachen“) ihrerseits älter sind als die dazu gehörenden Substantive („Treiber“, „Huster“, „Lacher“) ist originell. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob sie stimmt – aber nur, weil ich nicht weiß, wie man das Alter von Verben und Substantiven generell so präzise bestimmen soll. Ich möchte zur Diskussion einladen; vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

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