vonDetlef Guertler 02.11.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Bei Kai Diekmann ist der Wehrmutstropfen selbstverständlich nur ein Schreibfehler (übrigens viel dümmer als der wortistisch völlig berechtigte Wehmutstropfen), aber bei meiner tazblogger-Kollegin Eva Schweitzer war in den vergangenen Tagen Wehrmut in Reinkultur zu beobachten. Wie sie sich seit Freitag ziemlich allein (sorry, ich hatte dieses Wochenende internetfrei) gegen eine Blogmobmeute zur Wehr setzte, die ein nicht-existentes Recht auf uneingeschränkten Textklau erjaulen wollte, und wie sie dabei von Beitrag zu Beitrag und von Kommentar zu Kommentar mehr Freude am Abfahrenlassen entwickelte, das hatte was. Wehr-Mut eben.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/11/02/wehrmut/

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kommentare

  • @Dennis: Drei deiner Absätze (2 bis 4) stimme ich gerne zu, den anderen drei nicht. Was den letzten Absatz angeht, bin ich gerne bereit zuzugestehen, dass den Blogmob nicht so sehr auszeichnete, was er gefordert hat (ohnehin keine Kernkompetenz von Mobs), als vielmehr wie er sich benommen hat.

  • Ich finde, André B. hat es mit seinem Beispiel weiter oben auf den Punkt gebracht!

    Auch ich würde vom „Wortwart der Nation“ eine ausgewogenere Wortwahl erwarten, die nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießt, sondern zur sachlichen Auseinandersetzung anregt. Meute, erjaulen, Textklau – das sind höchst einseitige und emotionale Polemken, die gerade der unterlassen sollte, der gegen die „Dummheit“ anderer anschreiben („kämpfen“) will. Finde ich.

    Das mag der werten Kollegin als Ausdruck der Solidarität vielleicht ein wenig Trost spenden – ein schöner Blumenstrauß oder eine Einladung zum Abendessen in gepflegtem Ambiente wäre da aber vermutlich erheblich sinnvoller, als hier zusammen mit – zugegeben ebenfalls sehr emtionalen und unsachlichen Reaktionen – gleich alle Blogger als jaulende Meute zu verunglimpfen. Es finden sich nämlich auch sehr viele sehr nachdenkliche und sachliche – und ja: Sogar geistreiche! – Beiträge zum Thema in den verschiedenen Blogs, die dem verehrten Herrn Wortwart wohl entgangen sein mögen …

    Aber wahrscheinlic habe ich die Zielsetzung dieses Blogs einfach auch nicht verstanden.

  • @Detlef
    Bei allem Respekt, aber bei den Kommentaren in den Links erkenne ich niemanden, der das „recht auf uneingeschränkten Text-Klau“ einfordert.

    Diese Kommentatoren verteidigen einen privaten unkommerziellen Blogger, der einen Text unter Angabe der Quelle und Link auf die Originalseite in von seinem eigenen Text deutlich farblich abgesetzten unterschiedlich dargestellten Format wiedergegeben hat.

    In keinster Weise hat dieser private unkommerzielle Blogger versucht, den Text als sein eigenes Produkt darzustellen.

    Er mag zuviel zitiert haben, als dass das Zitatrecht hier noch greifen würde, richtig.

    Da genügt eine Mail an den privaten Blogger. „Hör mal, Dein Hinweis auf meinen Artikel in Ehren, aber Du zitierst hier auf Deiner eigenen Seite einfach schon zuviel, das geht so nicht“.

    Statt dessen wird hier von einem Blogmob krakeelt der freien Text-Klau fordert. Bitte. Das ist einfach flach, unrichtig und populistisch.

  • @André B.: Kann es sein, dass Sie die Zielsetzung dieses Blogs entweder nicht kennen oder nicht verstanden haben?
    @Rene Meissner: Ihre Logik scheint mir unlogisch: Oder warum sollte ein Vorwurf dadurch obsolet sein, dass er schon eine lange Zeit besteht? Die Zeit mag Wunden heilen, aber doch keine Konflikte. Überdies kämpfe ich weder mit noch gegen Verlage oder Hobbyschreiber, sondern gegen Dummheit. Die gibt es auf allen Seiten.

  • > Detlef Guertler – 02.11.2009
    > @ blogmob.

    Es fällt schwer, sich ein noch ausgeprägteres Armutszeugnis auszustellen, als in einem semi-blog durch die amateurhafte Wortfindung „blogmob“ zu glänzen.

    Würde jemand im RL in eine TAZ-Redaktion stürmen und dabei „Ihr veganes, linkes Zeckenzüchterpack!“ brüllen – es hätte die gleiche Qualität.

    6, setzen Guertler.

  • @Detlef: Oh, wenn der Vorwurf schon solange existiert, wie die Verlage selbst, dann muss er ja obsolet sein, oder?

    Aber für Journalisten gilt ja möglicherweise inzwischen Seit-an-Seit kämpfen wir mit den Verlagen gegen die zunehmende Konkurrenz der Hobby-Schreiber.

  • @Rene Meissner: Für „große Unternehmen, die sich auf die Verwertung von Inhalten konzentrieren“ gibt es in meiner Branche schon einen stehenden Begriff: Verlage. Ich sehe keinen Bedarf für einen anderen – seit es Verlage gibt, wird ihnen schon vorgeworfen, dass sie „Künstler und Journalisten ausbeuten ohne ihnen ein adäquates Salär zu zahlen“.

  • @Detlef: Hätte ich annehmen müssen, dass sie wie ihre Kollegin, nur eingeschränkte Kenntnisse vom Diskurs haben, hätte ich Content-Mafia natürlich in Anführungszeichen geschrieben. Das ist ein stehender Begriff und wird gemeinhin für große Unternehmen verwendet, die sich auf die Verwertung von Inhalten konzentrieren und dabei Künstler und Journalisten ausbeuten ohne ihnen ein adäquates Salär zu zahlen. Das sind zum Beispiel die, die durch Änderung der Gesetze versuchen, den Journalisten per se das uneingeschränkte Nutzungsrecht für alle Medien abzutrotzen.

  • @ blogmob. Jeder, der hier bei seinem Kommentar eine m.E. falsche Mailadresse angibt, wird ohne Rücksicht auf den Inhalt des Kommentars gelöscht. Sollte ich dabei jemand treffen, der wirklich über eine so putzige Adresse wie homer@simpsons.de verfügt, kann ich das nicht ändern. Er darf sich dann gerne bei Häuslers oder Schäubles über Zensur beschweren.

  • @Detlef

    Ich hab auch bei allen „Flame“-Kommentatoren (um mal die nicht Ernstzunehmenden zu beschreiben) keinen einzigen Beitrag gefunden, bei dem jemand um die Legalisierung von Kontent-Klau „gejault“ hätte.

    Ich habe überhaupt keinen Beitrag gefunden, weder in Blogs noch hier, bei dem jemand die Lizenz zum uneingeschränkten Text-Klau gefordert hätte… jaulend oder anders…

  • @Detlef Guertler: Bitte lesen Sie einfach und überlesen Sie nicht bloß. Ich habe nach Augenmaß verlangt!

    Denn ich sehe am Ende nur einen korrekt zitierten Text, wenn die Autorin dies als „Textklau“ sieht, sollte sie eben anders reagieren als wenn der Blogger ihren Text als seinen Text ausgegeben hätte, ob dies kommerziell oder nicht-kommerziell passiert ist in der Tat unwichtig.

    Dieses, von mir eingeforderte, Augenmaß hat Frau Schweitzer vermissen lassen. Sie hat es nicht interessiert, dass der Blogger „nur“ auf ihren Text in der „Zeit“ hinweisen wollte und dabei, nach Meinung von Schweitzers Anwälten, einfach nur zu viel zitiert hat.

    Was ist so schwer daran, vom Blogger zu fordern: bitte kürzen Sie das Zitat und erwähnen Sie bitte die Autorin des Artikels.

    Vielleicht sollten Blogger mal solche Fälle erwähnen, wo sie direkt mit solchen formalen Bitten angsprochen wurden. So als Positivbeispiele.

  • Konnte keinen einzigen ernstzunehmenden Blogger oder Kommentator erkennen, der ein „Existenzrecht für Kontent-Klau“ forderte. Thema verfehlt, nicht verstanden oder absichtlich ignoriert?

    Ich vermute Letzteres…

  • Ich staune, dass Sie sich mit der Verteidigung Ihrer Kollegin so weit aus dem Fenster lehnen,
    denn in dem konkreten Fall von Content-Klau zu sprechen widerspricht zumindest dem gesunden Menschenverstand, wenn nicht sogar der derzeitigen Rechtslage(!) (falls Sie sich die Mühe gemacht haben sollten, das betreffende Posting mal anzuschauen). Hier von Content-Klau zu sprechen ist ebenso polemisch und beschränkt wie die oben erwähnte „Content-Mafia“

  • @bloodySunday: In meinen Kreisen immer nur Blogosphäre, mit einem g.
    @Thomas: Die Auffassung mancher Blogger, sie würden in einem urheberrechtsfreien Raum arbeiten, nur weil sie mit ihrem Tun kein Geld verdienen, ist irrig. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie würden am liebsten weiter wie kleine Kinder behandelt werden – obwohl sie sich in einer Erwachsenenwelt bewegen.
    @Rene Meissner: Content-Mafia ist ein interessantes Wort. Es versucht, diejenigen zu kriminalisieren, die die Anwendung der geltenden Gesetze einfordern. Newspeak vom feinsten. Da finde ich den Ansatz der Piraten-Partei ehrlicher, sich zum Bruch eben jener Gesetze zu bekennen.

  • Da kann ich nur wiederholen, was ich schon in einem (noch nicht veröffentlichten) Kommentar drüben bei Frau Dr. Schweitzer geschrieben habe:

    Wie gut, dass ich mein taz-Abo schon vor Jahren gekündigt habe!

    Der überhebliche selektive Blick auf die – wie sagt man in Ihren Kreisen – Bloggosphäre läßt mich an der Kompetenz der Holzmedien-Journaille mehr als zweifeln.
    Für Ihren weiteren Lebensweg wünsche ich Ihnen und Frau Dr. Schweitzer alles Gute!

  • Die Blogger fordern kein Recht auf Textklau, sondern Augenmaß bei Abmahnungen.

    Ihre Kollegin hat nämlich selbiges völlig verloren.

    Und das alles nur wegen drei, korrekt zitierter, Absätze in einem nicht-kommerziellen Blog.

  • Auch unter den Bloggern wurde die Frage, ob sich nomnomnom im Rahmen des Zitierrechts und der diesbezüglichen Rechtssprechung bewegt, kontrovers diskutiert. Nicht nur klassische Journalisten folgten der Einschätzung, dass die Abmahnung der Form nach gerechtfertigt sein könnte. Allerdings haben auch viele Kollegen, die Höhe der Forderung in Frage gestellt. Die Blogger haben nicht versucht, sich irgendeine Rechtsüberschreitung zu ‚erjaulen‘.

    Die meisten Blogger haben sich vollkommen zurecht darüber beschwert, dass eine – vernehmlich linke – Journalistin, sich Diensten und Anwälten bedient, denen sich auch die Content-Mafia und die Musikindustrie bedient. Und da Eva Schweitzer sehr früh anfing, den Spiess umzudrehen und dem Delinquenten und Spreeblick in Folge vorwarf, dass sie sich doch hätten melden können bevor sie das veröffentlichen, zog sie sich den Zorn des Mobs zu. Denn immerhin hatte sie es ja unterlassen, den Blogger zu kontaktieren.

    Wenn Eva Schweitzer dann auch noch beginnt, die Blogger zu beleidigen darf sie sich nicht wundern, dass sie auseinandergenommen wird. Dass die Angriffe dabei selten über der Gürtellinie stattfinden verwundert doch bitte keinen Journalisten wirklich, oder? Jeder gute Kollege hat schon kistenweise Leserbriefe bekommen in denen – gespickt mit persönlichen Angriffen – das Abo gekündigt wurde. Sich über das gleiche Phänomen im Netz aufzuregen ist bigott und vor allem nicht konstruktiv.

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