vonDetlef Guertler 30.08.2010

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Jews like to think that they are one big family. Tell them that you think that they all share the same genes and you are their best friend“, schrieb aus gegebenem Anlass mein Facefreund „Un monstruo muy monstruoso“ an seine Pinnwand.

Das mit den gemeinsamen Genen sehen übrigens auch Genforscher so, schrieb kürzlich die New York Times.

Jewish communities in Europe and the Middle East share many genes inherited from the ancestral Jewish population that lived in the Middle East some 3,000 years ago … The shared genetic elements suggest that members of any Jewish community are related to one another as closely as are fourth or fifth cousins in a large population, which is about 10 times higher than the relationship between two people chosen at random off the streets of New York City.

Aber Thilo Sarrazin darf das natürlich nicht sagen, meinen unter anderem die Kanzlerin und Michel Friedman. Eine sachliche Diskussion ist darüber in Deutschland nicht führbar, was zum einen natürlich daran liegt, dass Sarrazin ein ranziges, rülpsendes Volksempfinden aus dem Zombieschlaf geweckt hat; zum anderen aber auch daran, dass unsere Meinungseliten den Sarrazyniker als nicht diskursfähig abgestempelt haben.

Man könnte an dieser Stelle deshalb das Vorherrschen von „political correctness“ beklagen – was aber auch nicht so einfach geht, weil sich die Rülpser ja auch gerne als politisch inkorrekt bezeichnen. Also beklage ich lieber mit meinem Facefreund zusammen den Liberalfundamentalismus:

„I am really starting to get tired of fundamentalists. Muslim fundamentalists, liberal fundamentalists. May Allah smite their necks, all of them.“

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