Verbrecherbank

Nein, nicht alle Banker sind Verbrecher. Und nochmal nein, das Bankgeschäft an sich ist ein sinnvoller Bestandteil der modernen Wirtschaft, so wie es das auch schon vor 100, 200 und 2000 Jahren gewesen ist. Gerade deshalb wäre es ja eigentlich notwendig, bei der Aufarbeitung der Finanzkrise diejenigen Banker und Banken aus dem Verkehr und zur Verantwortung zu ziehen, die besonders sträflich gegen die traditionellen Grundsätze der Branche verstossen haben. Um auf diese Weise gute Banken, dumme Banken und Verbrecherbanken voneinander zu scheiden – die Verbrecher ins Gefängnis, ihre Gewinne an den Staat, die Dummen raus aus dem Business, ihre Assets an die im Rennen verbleibenden guten.

Ein grandioser Beitrag von Matt Taibbi in der aktuellen Ausgabe des „Rolling Stone“ legt nahe, dass der Kandidat Nummer Eins für den Titel „Verbrecherbank“ Goldman Sachs ist. Hier nur ein paar kleine Zitate daraus:

They weren’t murderers or anything; they had merely stolen more money than most people can rationally conceive of, from their own customers, in a few blinks of an eye. But then they went one step further. They came to Washington, took an oath before Congress, and lied about it.

Goldman was like a car dealership that realized it had a whole lot full of cars with faulty brakes. Instead of announcing a recall, it surged ahead with a two-fold plan to make a fortune: first, by dumping the dangerous products on other people, and second, by taking out life insurance against the fools who bought the deadly cars.

To recap: Goldman, to get $1.2 billion in crap off its books, dumps a huge lot of deadly mortgages on its clients, lies about where that crap came from and claims it believes in the product even as it’s betting $2 billion against it. When its victims try to run out of the burning house, Goldman stands in the doorway, blasts them all with gasoline before they can escape, and then has the balls to send a bill overcharging its victims for the pleasure of getting fried.

Lloyd Blankfein went to Washington and testified under oath that Goldman Sachs didn’t make a massive short bet and didn’t bet against its clients. The Levin report proves that Goldman spent the whole summer of 2007 riding a „big short“ and took a multibillion-dollar bet against its clients, a bet that incidentally made them enormous profits. Are we all missing something? Is there some different and higher standard of triple- and quadruple-lying that applies to bank CEOs?

Als sich Matt Taibbi vor knapp zwei Jahren schon einmal Goldman Sachs vornahm (hier unter dem Begriff Vampirkrake aufgenommen), schoss Goldman-Sprecher Lucas van Praag mit ähnlich scharfer Munition zurück: Die Story sei eine wüste Ansammlung von Verschwörungstheorien, es fehle nur noch, dass Taibbi Goldman Sachs auch für den Mord an John F. Kennedy und die gefälschten Bilder von der Mondlandung verantwortlich mache. Diesmal hat sich van Praag noch nicht zu Wort gemeldet. Möglicherweise ja, weil alles, was die Bank von nun an sagt, vor Gericht gegen sie verwendet werden kann.

Kommentare (3)

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  1. … oder in der Zelle auf der Sandbank unterbringen …

  2. Genau so, Hans Martin. Und am liebsten deren Chefs zum Übernachten auf die Parkbank. Natürlich nur bis zum Urteilsspruch – und danach zu Bernie Madoff in die Zelle.

  3. … so nach dem Motto, „Die Verbrecherbank auf die Anklagebank?“