Billiganbeter

Seit einigen Tagen folge ich dem Twitterer worthort, der mehrmals täglich mehr oder weniger neue und weniger oder mehr lustige Neuwörter produziert. Ich folge nur vereinzelt, da ich Twitter auch nur vereinzelt nutze, und gerade eben war das erste Mal etwas dabei, das mir richtig gut gefiel: der Billiganbeter eben. Ein wunderbares Wort für die schnäppchenjagenden Deutschen, eines mit denen man den aldisierenden Kik’ern endlich mal eine passende Beschreibung verpassen kann. Danke, worthort.

Kommentare (3)

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  1. „Billiganbeter sind für mich Leute wie Sie und alle anderen Frömmler, die ihr Gebet schnell und billig absolvieren, der eigentlichen Sache aber nicht anhängen“.
    Daran ist jedenfalls bedenkenswert, daß man das Wort auch in dieser Bedeutung gebrauchen kann und sollte. Nur wieso Herr Guertler zu jenen Frömmlern gehören soll, ist mir aus dem Kommentar nicht klargeworden.

  2. @Ein Freund (?): Jetzt muss ich aber mal Detlef zur Seite stehen:
    1) warum werden Sie gleich persönlich? Würde ich mir ganz schnell überlegen, das bleiben zu lassen, spätestens IRL kommt man da nirgendwo gut an
    2) Sparsam leben (müssen) und die deutsche Geiz-Ist-Geil-Mentalität sind zwei paar Stiefel. Dazu drei Anmerkungen:
    * Als in Deutschland wieder mal großes Geschrei aufkam anlässlich von Pestizidrückständen in Supermarktgemüsen, wurde ein spanischer Großhändler gefragt wieso das immer in Deuschland passiere. Die Antwort des Großhändlers war sinngemäß:“ Das liegt an den Einkäufern – die britischen kaufen vor allem rückstandskontrollierte Ware, die französischen die, frischeste und geschmackvollste und die deutschen immer die billigste…“
    * Die Ware bei den Kleidungsdiscounter ist a) überdurchschnittlich mit chemischen Mitteln aufbereitet und dünstet auch nach der Wäsche noch Schadstoffe aus. Die Textilien werden oft unter menschenunwürdigen Umständen in China gefördert.
    * Wenn man die Entwicklung seit Ende des zweiten Weltkriegs betrachtet, geben die Deutschen immer weniger für Nahrungsmittel aus und immer mehr für Nebensachen wie z.B. das liebste Kind (Auto), TV etc.

    Wenn man diese drei Dinge nachdenklich betrachtet, kommt die Geiz-Ist-Geil-Mentalität nicht mehr so gut weg und darf kritisiert werden. Wenn mir wenig Geld zur Verfügung steht kaufe ich lieber beim Discounter die Bio-Ware und kaufe weniger dafür strapazierfähigere Kleidung, von der ich sicher sein kann, dass die Arbeiter halbwegs vernünftig bezahlt wurden und die Ausdünstungen mich nicht gleich umbringen.

    Und warum darf dieser Blog über neue Worte nicht über die TAZ veröffentlicht werden? Gerade die TAZ steht doch für Meinungsvielfalt!

  3. Finde ich einen miesen Beitrag! Da könnte ich Sie selbst als Krisengewinnler beschimpfen. Zahllose Leute können gar nicht anders als billig einkaufen, weil sie sonst abgemagert und nackig herum laufen müssten. Die könnten Sie ja dann als Wohlstandsverweigerer und Burkagegner verhöhnen. Sie mit Ihrem Pattex-Lächeln und der Alberbrille sind einfach nur ein Wohlstandssäugling.

    Aber das so ein Blog überhaupt von der taz veröffentlicht wird …

    Billiganbeter sind für mich Leute wie Sie und alle anderen Frömmler, die ihr Gebet schnell und billig absolvieren, der eigentlichen Sache aber nicht anhängen.