vonDetlef Guertler 07.06.2011

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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von Ludwig Trepl:

Ich möchte ein Wort vorschlagen, das zwar nicht neu ist, aber sehr, sehr selten und dessen Seltenheit seiner Bedeutung nicht angemessen ist.

Den Kritikern der Anglisierung des Deutschen stehen ja im allgemeinen nur recht schwache Argumente zu Gebote. Manche meinen, das Deutsche sei irgendwie reicher als andere Sprachen, was aber wohl die Sprecher dieser anderen von ihrer Sprache auch meinen. Manche sind der Auffassung, man solle halt beim Hergebrachten bleiben, was mich jedoch nur in meiner Eigenschaft als Konservativer überzeugt, und das ist nicht meine einzige. Manche meinen, die Anglizismen hören sich einfach blöd an, was aber nur manchmal gilt, z. B. im Falle von „Job“, denn das klingt nach Verstopfung, während „Dimmer“ sich auch nicht blöder anhört als „Helligkeitsregler“.

Der entscheidende, ja einzig relevante Kritikpunkt entgeht den Kritikern aber in aller Regel. Die meisten Anglizismen kommen dadurch zustande, daß der Sprecher fürchtet, man könnte ihm hinter seinen Mangel an Weltläufigkeit kommen, er reagiert panisch und möchte der Enttarnung durch seine Wortwahl vorbeugen. Die englischen Wörter werden darum sozusagen schwitzend importiert, und das importierte Wort, auch wenn es weder schlecht aussieht noch sich schlecht anhört, riecht darum nach dem Angstschweiß des Importeurs. Wahrscheinlich haben die Kritiker nur das passende Wort nicht zur Hand: Man kann dem Anglizismus seine Einbürgerungsgeschichte anriechen.

Das Wort ist, wie gesagt, nicht neu, nur selten („man riecht der Wurst an, dass sie nicht mehr frisch ist“, steht im Duden). Neu ist es lediglich in Verbindung mit Wörtern; von denen glaubt man ja gemeinhin, aber irrtümlich, sie seien geruchsfrei.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2011/06/07/anriechen/

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kommentare

  • Mit Hilfe dieser Beispiel au sdem DWB kann man den Artikel zu ‚“anriechen“ genauer bsechreiben. Es ist also ein altes Verb.(Das riecht man diesem Verb auch an, meine ich.)

    „anriechen, ex odore agnoscere, tentare, dann auch, odore inficere, movere:
    der hund riecht alles an, schnüffelt an; man riechts ihm an, dasz er trinkt; man riecht es ihr an, wo sie grosz geworden ist; denn ich habs etwa auch ein wenig angerochen (tentiert). Luther 1, 149a;

    betastet sarg und wände und riecht den schädel an. Günther 1085;

    das neubackene brot riecht mich gut an; der käse riecht mich stark an. s. DWB anduften, DWB anstinken. “

    http://germazope.uni-trier.de:8080/Projekte/WBB2009/DWB/wbgui_py?lemid=GS12004

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