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vonDetlef Guertler 23.10.2011

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Falls es der eine oder andere in Deutschland vor lauter Eurokrisengipfelei nicht mitbekommen haben sollte: In der Schweiz waren heute Nationalratswahlen.

Und falls der eine oder andere in Deutschland vor lauter Eurokrisengipfelei die Schweizer Wahlen nicht so intensiv verfolgt haben sollte: Die grossen Gewinner der Wahl waren zwei ziemlich neue Parteien irgendwo in der Mitte (was in der Schweiz ein weites Feld ist): die BDP (Bürgerlich-Demokratische Partei) und die Grünliberalen (GLP).

Grünliberal? Wasn dasn? Eine sowohl wortistisch als auch inhaltlich völlig ordentliche Neubildung. Sogar die Deutschen wissen, dass man gleichzeitig grün und liberal sein kann, ich würde mir auch beide Adjektive umhängen wollen, und ein paar andere noch dazu. Nur dass daraus eine Partei werde könnte, das können wir uns nicht so gut vorstellen. Was schlicht daran liegt, dass wir seit mehr als einem Jahrhundert das Liberale zwischen den Rechten und den Linken aufgeteilt haben. Linksliberal, das war in Weimar die DDP, rechtsliberal, das war die DVP (und ein bisschen auch die DNVP), und alle Voradjektive, die seither dem Liberalen angeklebt wurden, ordnen sich in diese Rechts-Links-Kombination ein: wirtschaftsliberal, nationalliberal, ordoliberal, marktliberal (rechts), radikalliberal, liberaldemokratisch (links). Grünliberal kommt nicht vor.

Warum eigentlich nicht? Grün ist erfolgreich, und zwar so erfolgreich, dass die reine Quantität zu Rissen in der Parteifassade führt. Die FDP ist erfolglos, und zwar so erfolglos, dass der Partei der endgültige Exitus droht. Da könnte doch eigentlich ein ums eigene Überleben kämpfender Funktionärshaufen der FDP sich absentieren, um auf der grünen Welle mitzusurfen. Ich fände das spannend – und ein gutes Beispiel dafür, dass wir bornierten Deutschen von den Schweizern noch was lernen können.

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