vonDetlef Guertler 29.04.2012

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Eine total süße Idee aus dem Umfeld des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy:

– Wenn Nicolas Sarkozy nächste Woche in Frankreich abgewählt wird,

– Wird es ziemlich lange dauern, bevor die traditionelle Achse Berlin – Paris wieder so reibungslos wie bisher läuft,

– Weshalb Angela Merkel dann einen neuen verlässlichen und konservativen Partner in Europa braucht,

– Wofür sich niemand so anbietet wie der gerade eben erst mit absoluter Mandatsmehrheit gewählte Konservative Rajoy,

– Woraus sich als neues Kürzel statt des alten „Merkozy“ ein „Merkajoy“ ergeben würde.

Nun ja: Rein biometrisch wäre Rajoy sicherlich eher mit Merkel auf Augenhöhe als der Zwerg Sarkozy, aber das war’s dann auch schon. Als Ministerpräsident eines Landes, das in den nächsten Monaten etwa 200 Milliarden Euro aus welchen Töpfen auch immer braucht, um seine Banken und seine Wirtschaft zu retten, beziehungsweise das, was davon bei 25% Arbeitslosigkeit noch übrig geblieben ist, eines Landes, das dem deutschen AAA nicht mehr als ein BBB entgegen setzen kann, wäre völlig klar, dass hier der deutsche Meister mit dem spanischen Lehrling eine Achse bilden würde – Merkajoy stünde also für ein Europa nach deutschem Vorbild.

Ähem. Vielleicht ist die Idee ja doch nicht so süß. Sondern ganz schön bitter….

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https://blogs.taz.de/wortistik/2012/04/29/merkajoy/

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kommentare

  • Na ja, Christian: Das würde ich nicht so sehr als Prophezeiung sehen, sondern eher als eine Art Gegengift zu meiner Prognose. Und dass die FDP zu blöd war, um die Koalition mit Merkel rechtzeitig vor der BTW platzen zu lassen, dafür kann ja kein Zyklop nix.

  • Oh Polyphem, Deine Prognose ist genau anderthalb Jahre alt – und (fast) alles ist ganz ganz anders gekommen als Du gedacht hattest damals in Deinen Prophetenträumen … Das ist das Ärgerliche an verfehlten Prophezeiungen: Sie beginnen, gegen den Propheten zu sprechen.

  • […] ist derzeit ohnehin eine Nord-Süd-Achse angezeigt. Den treuherzigen Vorschlag aus Madrid, sich zu Merkajoy zu verbinden, hatte Angela Merkel noch als zu leichtgewichtig abgewiesen. Aber Italiens […]

  • @C.D.: Wetten würde ich nicht auf meine Prognosen. Es sind halt die schlimmsten Annahmen, die mir in den Sinn kamen. Und dann habe ich versucht, hinter dem Grausigen doch noch was gutes zu finden.

    Als Auto-Vielfahrer habe ich Standardalpträume. Sie handeln von Geisterfahrern und versagenden Bremsen. In Panik habe ich auch schon mal einen Bettpfosten umgetreten. Neuerdings kommt noch ein böser Traum hinzu: Fahren im Kreisverkehr ohne Ausfahrt. 🙂

  • Oh Polyphem! Ich zupfe ja schon manchmal ein bisschen an Detlef Gürtler rum, wenn ich später nachkucke, was aus all den Prophezeiungen geworden ist… Und nun Du! Bist Du sicher, dass Du das alles im Nachhinein wirst bestätigen können, was Du hier so fröhlich im Vorhinein herausplauderst? Oder gibst Du sofort zu, dass Du nur ein wenig Wind machen willst?

  • @polyphem et alii:
    Ich merkel mir:
    „Verrrotung“ auf dem Umweg über eine oder zwei oder drei Ampel(n)? Da hampeln ja Lindbrückroth oderBrücktrittlind u.a.?
    Nee!
    Politisch wird sich die Funktion der zersauselnden Ampeln gar arg schnell aufheben … wie sie im Landverkehr den ruhig befahrbaren Kreiseln weichen.

  • Nie wieder Merkozy.

    Aber auch keine neue Achse Berlin/Madrid. Es wird alles ganz anders kommen. Vermutlich wird Sarkozy genug Stimmen aus dem rechten Lager bekommen, um im Amt zu bleiben, doch die Entscheidungen, die uns von den Merk(el)wörtern endlich befreien werden, fallen in Deutschland. Zwar vorhersagen fast alle Propheten, Wahrsager, Schlauberger usw. dass, nachdem nach dem 13. Mai (2012) die FDP sowohl in Kiel wie auch in Düsseldorf wieder und die Piraten sowieso in den Landesparlamenten sitzen werden, sogenannte große Koalitionen (schwarz/rot oder rot/schwarz) gebildet werden; aber Kubicki und Lindner werden sich für klassische Ampeln aussprechen. Wenn das klappt, wird danach die FDP die Koalition im Bund platzen lassen (Vorratsdatenspeicherung!). Dann gibts auch dort eine Ampel – mit Kanzler Steinbrück (sic!). Mit langer Stillstandsphase (rot), damit sich die FDP erholen kann und mit einem ihr angemessenen Ergebnis bei der Bundestagswahl 2013 zu alter Schwäche zurück findet. Und dann ist wirklich Schluss mit Merkelwörtern.

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