vonDetlef Guertler 21.05.2012

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Grexit hatten wir hier ja schon, den inzwischen sehr intensiv diskutierten Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone. Wobei es mehr und mehr danach aussieht, dass alle außer den Griechen sich das wünschen würden – und dabei übersehen, dass man die Griechen eben nicht aus der Eurozone herauswerfen will, und dabei ebenfalls unterschätzen, wie sehr sich die Griechen dagegen stemmen, den Euro aufzugeben.

Neu hingegen ist der Begriff für eine Parallelwährung, die sich die Griechen zulegen könnten, ohne aus dem Euro auszusteigen. Für den Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer wäre der passende Begriff „Geuro“, viele Kommentatoren heute reden aber lieber vom „Greuro“. Zum einen natürlich, weil es in der Wortbildung zum „Grexit“ passt, zum anderen vielleicht auch, weil man im Falle eines unordentlichen Einstiegs in das Parallelwährungs-Szenario schnell einem anderen Land den Geuro zuerkennen müsste: Deutschland natürlich, bzw. dem „German Euro“.

Ich halte Greuro aus beiden Gründen für das bessere Wort, aber nicht für das richtige Szenario. Mein Szenario für einen möglichst soften Ausstieg aus der Eurozone sieht nicht den Aufbau einer Zweitwährung vor, sondern den Einstieg in ein Ökosystem von Währungen. In meinem (nicht prämierten) Beitrag für den Wolfson-Preis habe ich mir das, in Kurzform, so vorgestellt:

The government of a Eurozone country declares that it will accept payments for taxes and public services in any currency that is accepted by at least one of the three biggest credit card companies operating in the country.

Mal schauen, ob wir da noch landen…

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