vonDetlef Guertler 04.06.2012

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Meinten Sie Mobbing?“, fragt mich Google besorgt. Völlig zurecht: Der Blick auf die Suchergebnisse zeigt, dass die meisten, die „Mobbig“ schreiben, eigentlich „Mobbing“ meinen.

Ich aber nicht. Und Stephan Urbach auch nicht. Aus mir nicht bekannten Gründen ist der Referent für Wissens- und Informationsmanagement der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin derzeit nicht gerade glücklich mit seiner Partei. Und anstatt einen Antrag auf Ponytime zu stellen, oder seine Kollegen um ein paar Flauschs zu bitten, quengelt er vor sich hin. So auch auf den Kommentar des Piraten-Abgeordneten Christoph Lauer: „Ich freue mich auf das Enthüllungsbuch“ hatte der getwittert. Und Urbach antwortet: „Titel: Meine Zeit bei der mobbigsten Partei der Welt.“

Also ich hatte vorher noch nie gehört, dass jemand dieses Adjektiv zu Mobbing gebildet hätte. Dabei liegt es doch wirklich nahe – und es könnten ja nicht nur Parteien, sondern auch Menschen, Unternehmen oder Atmosphären mobbig sein. Und wenn man es denen nur deutlich genug sagt, („Ganz schön mobbig hier, Leute“), dann wird vielleicht auch aus einer mobbigen Atmosphäre kein wirkliches Mobbing.

Ich weiß ja nicht, ob es Stephan Urbach trösten kann – aber seine Wortschöpfung könnte geradezu dazu beitragen, Mobbing zu verhindern.

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