vonDetlef Guertler 10.06.2012

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Gerade ist die Pressekonferenz des spanischen Premierministers Mariano Rajoy zum gestern beschlossenen Eurozonen-Rettungspaket für die spanischen Banken zu Ende gegangen – und wenn ich das richtig verfolgt habe, hat er kein einziges Mal das Wort „Bailout“ benutzt (in einigen englischen Artikeln taucht es zwar auf, aber als eher missglückte Übersetzung für das spanische „intervencion“, also das, was Rajoy durch sein Handeln vermieden haben will).

Mit Absicht sicherlich, denn „Bailout“ steht im derzeitigen Sprachgebrauch für Rettungspakete für Euro-Staaten. Drei gibt es schon, für Griechenland, Irland und Portugal, und die spanische Regierung will alles, alles, alles vermeiden, was sie in diese Gruppe einreihen könnte; es ist ja nicht der spanische Staat, der Pleite ist, es sind „nur“ die spanischen Banken.

Wobei allerdings der spanische Staat das Geld gar nicht hätte, um einen Kollaps seines Bankensystems zu vermeiden, und er würde es vom Finanzmarkt auch nicht bekommen, so dass es eigentlich doch eine Staatspleite ist, die da gerade abgewendet wurde, und wenn wir sie nicht „Bailout“ nennen dürfen, dann eben Spailout.

Wortistisch scheint sich die Verbindung von Nationalitätenkennzeichen mit Wirtschaftsbegriffen langsam einzubürgern: Grexit und Greuro (und Geuro) haben wir hier schon diskutiert, und Diego Valiante albert bereits über Bailitaly.

Wobei der Spailout durchaus etwas sein könnte, was über Spanien hinausgeht: Die Konditionen, die die Eurozone nämlich an die, na, sagen wir mal: Kreditlinie von 100 Milliarden Euro geknüpft hat, sind nämlich derart lax(im Vergleich zu denen, die den Bailout-Nationen aufgedrückt wurden), dass sich die Iren sofort schon gemeldet haben: So etwas wie den Spailout hätten sie auch gerne. Der spanische Neojakobiner Juan Carlos Barba drückt es etwas drastischer aus:

„Ireland&Greece should both erect the middle finger and send the so-called „agreements“ they signed back in pieces to Merkel and her buddies.“

So gesehen, heißt Spailout möglicherweise nichts anderes als „Transferunion“.

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