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vonDetlef Guertler 10.04.2013

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Ist das nicht vielleicht Würstchenjournalismus?“,

lässt Thomas Hillenbrand einen imaginierten „Zeit“-Redakteur sich selbst fragen. Die Frage, so stellt es sich Hillenbrand vor, könnte in jenem schicksalhaften Moment gestellt worden sein, nachdem jener Redakteur auf der Webseite beratersprech.de lustige Sprüche von Unternehmensberatern gefunden hatte, und bevor er mit diesen einfach das Layout eines Zeit-Artikels bestückte. In der Hillenbrand’schen Imagination:

„Du willst schon zum Layout rennen und ein Scribble machen lassen, da beschleichen Dich Zweifel, ob Du die Inhalte von Beratersprech.de einfach kopieren und in deiner Zeitung verwursten darfst. Ist das nicht vielleicht Würstchenjournalismus? Weil, so Copyright irgendwie? Das Konzept ist Dir nicht völlig fremd. Du weißt, dass der Zeitverlag, bei dem Du beschäftigt bist, bei seinen eigenen Inhalten relativ humorfrei ist. Journalistenverbände haben sich bitterlich über “Die Zeit” beschwert, als Ihr seinerzeit von Euren freien Mitarbeitern extrem umfängliche Verwertungsrechte haben wolltet. Aber Du könntest die Sprüche so gut brauchen! Und außerdem geht es ja hier nicht um “richtige” gedruckte Inhalte. Sondern um so Zeugs im Internet. Dafür gelten doch wohl andere Regeln?“

Weshalb am Ende die Würstchenjournalismus-Frage entweder gar nicht gestellt oder doch verwurstungsmäßig beantwortet wurde – so dass einige der beratersprech-Sprüche ohne Quellenangabe oder Genehmigung oder ähnliches in der Zeit vom 27. März 2013 abgedruckt wurden. (Hillenbrands Gedanke, ein Redakteur des Chancen-Teils der Zeit könnte beim Denken auf ein völlig neues Wort kommen, ist natürlich vollkommen abwegig, aber das nur nebenbei.)

Arme Würstchen, die fremde Federn verwursten, betreiben Würstchenjournalismus, wäre folglich eine passende Definition für dieses Neuwort. In der Doppelfunktion der Bezeichnung von Contentklau und Nichtigkeit ein sehr brauchbarer Begriff. Für die schweren Fälle von Contentklau sollten ja auch weiterhin schwerere Begriffsgeschütze (wie Plagiat) aufgefahren werden. Falls jemand Interesse hat, sich in Zukunft intensiver um die Würstchen zu kümmern: Die Adresse wuerstchenjournalismus.de ist noch zu haben.

P.S.: Auf dieser komischen Internet-Seite mit den kostenlosen Berater-Sprüchen stand übrigens (da, wo es hingehört, im Impressum unter der Überschrift „Urheberrecht“, seit Jahr und Tag der Hinweis:

„Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Erstellers. Downloads und Kopien dieser Seite sind nur für den privaten, nicht kommerziellen Gebrauch gestattet.“

Da dies offenbar nicht ausdrücklich genug war, um den Textklau zu verhindern, hat Hillenbrand jetzt sprachlich aufgerüstet. Und hinzugefügt:

„Wenn Ihr Beratersprech-Inhalte republizieren oder weiterverwenden wollt, dann schreibt mir vorab eine Mail (ich bin da weder schwierig noch gierig). Allen Leuten, die meinen, Inhalte im Internet seien irgendwie umsonst und frei kopierbar, schickt Legal gerne ein 101 des deutschen Urheberrechts und ein C&D.“

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