vonDetlef Guertler 17.05.2013

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Springer CEO Mathias Döpfner besucht die „Welt“-Redaktion: „Online ist ihre Berufsversicherung, Lebensversicherung, Zukunftsversicherung…“

steht heute an der Facebook-Pinnwand von „Welt“-Chefredakteur Jan-Eric Peters, dort hingehängt von dessen Assistent Leeor Engländer.

Hm. Zukunftsversicherung? ZukunftsVERsicherung? Die Zukunftssicherung, ja, die ist allgemein bekannt. Aber eine Versicherung? Ist die sowas wie die Pflegeversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft was kostet? Oder so etwas wie die Lebensversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft verloren geht. Oder so etwas wie die Feuerversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft eintritt?

In jedem Fall aber ist eine Versicherung etwas, wofür man erst etwas bezahlen muss, bevor man dann später, unter bestimmten, vorher definierten Umständen etwas ausgezahlt bekommt. Wenn also Online die Zukunftsversicherung der Welt-Redaktion ist, dann müssen die Redakteure heute etwas dafür zahlen, dass ihnen eines Tages das Online etwas bezahlt. Oder war es nicht das Online, sondern doch der Verlag, der hier als der Versicherer auftritt? Man wird ja schon ganz wuschig.

Zumindest bei letzterem hilft uns Google. Das findet nämlich einen fünf Jahre alten Artikel aus der Welt, in dem der gleiche Döpfner auch schon einmal von der Zukunftsversicherung sprach:

Zukunftsversicherung für die Mediengruppe sei, „dass wir schon heute eine wirklich multimediale Gruppe sind.“

Und es findet einen drei Jahre alten Artikel aus der Welt, wonach Chinas Hunger unsere Zukunftsversicherung sei. Womit wir dann also doch noch eine plausible Antwort auf die Frage finden, was sich der Springer-Chef bei diesem Satz eigentlich gedacht haben könnte: Das, was für uns alle der chinesische Hunger ist, ist für die Welt-Redaktion das Online.

 

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