vonDetlef Guertler 09.11.2013

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Kennen Sie noch Felipe González? Der war mal der attraktivste Regierungschef der Welt, und ein Hoffnungsträger für Demokratie und Gesellschaft und Europa und Freiheit und Sozialismus noch dazu, als er 1982 die Wahl in Spanien gewann. 14 Jahre blieb er im Amt, und seit 17 Jahren ist er jetzt draußen.

Aber immer noch oder wieder mal ist González da – denn sooo viele Integrationsfiguren und Siegertypen haben die spanischen Sozialisten ja nicht gerade auf Lager. Und sogar ein eigenes Wort hat er sich ausgedacht, um die konservative Rajoy-Regierung zu attackieren: den Austerizid, die Zerstörung Sparniens, äh, Spaniens durch Sparpolitik. Gegen den hat González heute zur Rebellion aufgerufen – es bringe nichts, das Defizit mit noch mehr Einsparungen bekämpfen zu wollen.

Er hat allerdings da beim Wortschöpfen was falsch verstanden: bei den -zid Wörtern vom Fungizid bis zum Genozid geht es nämlich jeweils um die Auslöschung dessen, was davorsteht. So dass ein Austerizid ja eigentlich genau das sein müsste, was die Sozialisten jetzt angehen möchten, nämlich eben die Zerstörung der Sparpolitik. Vielleicht ist es ja doch ganz gut, dass González nicht mehr im Amt ist.

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