vonDetlef Guertler 12.11.2013

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Neues aus Dogmanistan“ kommentiert Reuters-Redakteur Olaf Storbeck eine Tirade in der FAZ, wonach sich die Europäische Zentralbank gerade in eine Banca d’Italia verwandle, anstatt dem hehren Pfad der Deutschen Bundesbank zu folgen.

Dogmanistan gefällt mir. Ein schöner Begriff für alles, was von Dickschädeln und Dummköpfen publiziert wird, die unseren guten alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollen unserer schönen alten D-Mark nachtrauern. Wenn man eine gemeinsame europäische Währung haben will, muss man sich damit abfinden, dass es eine Zentralbank gibt, die europäisch agiert, und eben nicht deutsch. Wenn einem das nicht passt, will man offenbar keine europäische Währung haben (was beim oben verlinkten FAZ-Text auch deutlich durchscheint). Okay. Aber das Land, das man sich da als neuen Währungsraum herbeifantasiert, ist eben nicht Deutschland. Sondern Dogmanistan.

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kommentare

  • Wortwahl, dogg-, pardon: dogmatisch oder ausgehärtet ?

    „(…)in Zement gegossenen Undogmatismus“.

    Ob materiell-stofflich oder metaphorisch: Beton, für mich ein anrüchiger Baustoff; mindestens seit 1902 in der Literatur als „geschundheits-, pardon: „gesundheitsschädlich“ bekannt:

    „Die zwischen den kleinen Rippengewölben und der Unterdecke eingeschlossene Luft bildet einen schlechten Leiter für Kälte und Hitze und bewirkt dazu Schalldichtheit. Der obere Fussboden kann in Asphalt oder in den Beton der Decke eingelassen werden, und es wird dadurch ein Ausfüllen der Decke – wie dies bei Balkendecken notwendig – vollständig beseitigt. Die Auffüllung besteht ja leider nur zu oft aus gesundheitschädlichen Stoffen, welche die Feuchtigkeit festhalten, Ungeziefer und Krankheitskeime beherbergen und durch Aufwirbelung des Staubes allerhand Unheil anrichten.“
    (Suck, Hans, Die Hygiene der Schulbank, Berlin: Wiegandt & Grieben 1902, S. 56)

    Wie hätte ein feinstofflich-sensibler Herr Suck über metaphorischen Beton, sprich Zement, gedacht?

  • Interessante Frage, Herr Krüger, ob ein tazblog zur „Publikation“ gute alte taz gehört. Als tazblogger gehöre ich jedenfalls nicht zur Redaktion – und Dogmatismus wurde mir meines Wissens auch noch nie vorgeworfen. Aber vielleicht verdränge ich das ja auch nur: Gerade neulich erst kam „zweitklassiger Medienmensch des Detailhandels“ und „madiges Geplärr“ zur Sammlung der auf mich gezielten Schimpfworte dazu, und man kann sich ja auch nicht alles merken.
    Ansonsten weise ich natürlich den Vorwurf, die taz praktiziere in Zement gegossenen Dogmatismus, mit Abscheu und Empörung zurück. Das Gegenteil ist richtig: Die taz praktiziert in Zement gegossenen Undogmatismus.

  • Ist dies die Rubrik „Steine aus dem Glashaus“? Wenn irgendeine Publikation ihren Dogmatismus in Zement gegossen hat, dann doch wohl die gute alte taz.

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