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vonDetlef Guertler 26.11.2013

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Wenn das derzeitige Wirtschaftssystem „in der Wurzel ungerecht“ ist, wie es Papst Franziskus heute verkündete, dann sollten wir uns wohl bemühen, so schnell wie möglich nach einem in der Wurzel gerechten Wirtschaftssystem suchen.

Ein Wirtschaftssystem also, in dem nicht das Recht des Stärkeren gilt (zumindest nicht immer), in dem die Menschen nicht nur als Konsumenten gesehen werden, in der nicht „Finanzspekulation, Korruption und Egoismen“ regieren und in dem die Schwachen nicht wie „Müll“ behandelt würden – der Papst schwärmt ja geradezu von den Zeiten (muss schon ein paar Jahrhunderte her sein), als die Armen und Schwachen noch ausgebeutet wurden, und nicht einfach weggeworfen.

In erster Annäherung klingt das für mich so, als wünsche sich der Papst die weltweite Einführung der Sozialen Marktwirtschaft deutscher Prägung – aus der Vor-Hartz-Zeit wohlgemerkt. Hatte da nicht erst neulich jemand die Weltgeltung der deutschen Sozialen Marktwirtschaft beansprucht? Ah doch, genau: Angela Merkel, am 31. Dezember 2008. Da wäre es doch eine tolle Idee, wenn der Papst sie schnellstmöglich zu sich nach Rom holen würde, um von dort aus die Wurzelgerechtigkeit in der Welt zu verbreiten. Das würde uns auch in Deutschland ganz viele Probleme auf einmal lösen.

Ach ja: Sollte Ihnen bei der Lektüre des o.a. Links aufgefallen sein, dass da noch jemand zitiert wird, der schon noch einmal fünf Jahre früher die Vorbildlichkeit der deutschen Sozialen Marktwirtschaft behauptet hat, äh ja, genau der, dann muss ich Sie leider enttäuschen: Er ist in diesem Blog viel zu unabkömmlich, um von Rom aus die Welt(wirtschaft) zu verbessern.

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