Trotz Cannabislegalisierung kiffen weniger Schüler in den USA

Derzeit ist Cannabis als Medizin in 23 Bundesstaaten der USA legal und in zwei Bundesstaaten (Colorado, Washington) ist auch der Gebrauch von Cannabis zu Genusszwecken legal. Im kommenden Jahr wird man auch in Alaska und in Oregon legal Cannabis zu Genusszwecken besitzen dürfen und man wird dort, wie schon in Colorado und Washington, ohne Angst vor Repressalien kiffen können.

Auch in Washington D.C. (Hauptstadt der USA, nicht zu verwechseln mit dem Bundesstaat Washington an der Westküste) gab es bei der Abstimmung am 4. November 2014 eine Mehrheit von 70 Prozent für die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken. Doch das Votum der Bürger kann nicht umgesetzt werden, da der US-Kongress das Sagen in der Hauptstadt hat und im Kongress (Senat und  Repräsentantenhaus) die Republikaner die Mehrheit haben. Anführer der Legalisierungsgegner ist der Republikaner Andrew P. Harris aus dem Bundesstaat Maryland. Harris behauptet, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei und keinen medizinischen Nutzen habe.

Einer der wichtigsten Sponsoren von Harris ist der Hersteller von Pharmazeutika Emergent BioSolutions in Rockville, Maryland. Emergent BioSolutions stellt u.a. Schmerzmittel her, die bei Krebserkrankungen häufig verschrieben werden. Cannabis wird auch in diesem Bereich eingesetzt und ist somit ein Konkurrenzprodukt zu den Produkten von der Firma Emergent BioSolutions. Cannabis ist jedoch verträglicher und die Gefahr einer Überdosierung ist weit geringer als bei einem Opioid. Gemäß einer Studie, die im Oktober 2014 publiziert wurde, ist die Häufigkeit von Todesfällen aufgrund von Überdosierungen mit Opioiden in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin zulässig ist, um 24,8 Prozent geringer als in Bundesstaaten, in denen es keine legale Abgabe von Cannabis als Medizin gibt. Doch für Harris ist Sponsoring wichtiger als Menschenleben oder ein demokratisches Votum.

Zeitreihe der Legalisierung von Cannabis als Medizin in US-Bundesstaaten von 1996 bis 2014 Abbildung 1 zeigt die Zeitreihe der Legalisierung von Cannabis als Medizin in US-Bundesstaaten von 1996 bis 2014. In Kalifornien wurde 1996 über die Legalisierung von Cannabis als Medizin abgestimmt. 1997 wurden die ersten Abgabestellen eröffnet und seit 1997 können Patienten in Kalifornien Cannabis als Medizin nutzen. In der Zwischenzeit sind 22 weitere US-Bundesstaaten hinzu gekommen. Derzeit können gut 40 Prozent der US-Bevölkerung bei Bedarf auf Cannabis als Medizin zugreifen. Seit einem Jahr können in zwei Bundesstaaten (Colorado, Washington) die Einwohner auch Cannabis zu Genusszwecken ganz legal nutzen. Entsprechend wird in den Medien heute wesentlich differenzierter, sachlicher und oft auch positiver über cannabis berichtet als noch vor 10 oder 15 Jahren. Dennoch hat der Anteil der Schüler, die Cannabis konsumieren, seit der Einführung von Cannabis als Medizin 1997 in Kalifornien bis heute nicht zu-, sondern abgenommen.

USA: Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1995 bis 2014Abbildung 2 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1995 bis 2014. Die obere blaue Linie zeigt die Jahres-Prävalenz (mindestens einmal im letzten Jahr konsumiert) des Cannabiskonsums. Dieser sank von 17,7 Prozent im Jahr 1997 auf 11,7 Prozent im Jahr 2014 um 6 Prozentpunkte. Auch die Monats-Prävalenz ist in diesem Zeitraum gesunken, insgesamt um 3,7 Prozentpunkte. Der tägliche Konsum (20 mal oder häufiger im letzten Monat gekifft) ist nahezu unverändert geblieben (-0,1 Prozent). Von 2013 bis 2014 ist auch in allen drei Kategorien eine Abnahme zu beobachten. Die Legalisierung in Colorado und Washington hat nicht zu einem Anstieg des Konsums bei Schülern in den USA geführt. Die Daten wurden am 16. Dezember 2014 vom National Institute on Drug Abuse (NIDA) veröffentlicht und sind auf der Website Monitoring the Future (MTF) survey verfügbar.

USA: Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1995 bis 2014Abbildung 3 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1995 bis 2014. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1997 bis 2014 um 7,5 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz um 3,9 Prozentpunkte und der tägliche Konsum um 0,3 Prozentpunkte. Von 2013 bis 2014 ist auch in dieser Altersstufe in allen drei Kategorien eine Abnahme zu beobachten.

USA: Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2014Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2014. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1997 bis 2014 um 3,4 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz um 2,5 Prozentpunkte und der tägliche Konsum ist heute genauso hoch wie 1997. Von 2013 bis 2014 ist jedoch in dieser Altersstufe in allen drei Kategorien eine Abnahme zu beobachten.

Der konservative Republikaner Andrew P. Harris betont immer wieder in seinen Kampagnen gegen die Legalisierung, dass eine solche „ein völlig falsches Signal“ sei, welches „dazu führen werde, dass Jugendliche zuhauf der Rauschgiftsucht verfallen“ würden. Die Daten der Studien zeigen, dass die geäußerten Befürchtungen von Harris jeglicher Grundlage entbehren. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, bläst ins gleiche Horn wie Harris. Auch sie betont immer wieder, dass eine Legalisierung das „falsche Signal“ sei und betont, dass das „Kleinreden der Gefahren dieser Droge durch Legalisierungsbefürworter“ absolut „verantwortungslos“ sei. Harris wie Mortler scheinen beide in der gleichen Festung der Ignoranz beheimatet zu sein.

Vergl. hierzu: Harald Staun: „Schützt unsere Kinder, stoppt die Prohibition!“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Montag, 22. Dezember 2014.

Kommentare (11)

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  7. Ob die Zahlen stimmen, wissen wir nicht, halten wir uns lieber ans Geld, weil es das ist was sie anbeten, in den USA steht es auf den Scheinen. Fakt ist, man kann Steuern eintreiben mit Cannabis und dadurch die Steuern für die Reichen senken, mehr Argumentation ist bei denen doch gar nicht nötig, denn es ist ja nicht gerade so, dass Moral oder Anstand oder Mitgefühl denen wichtig wäre.

  8. Die schwarzen Nullen werden das Teufelszeug noch nicht mal legalisieren, wenn die sich Ihre schwarze Null nicht mehr zusammenlügen können. Dadurch würde der Hauptsponsor ziemlich wahrscheinlich empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Und an die großzügigen Schmiergeldzahlungen der Pharma-Industrie kann man sich schnell gewöhnen…
    Die lächerlichen zwei Milliarden Steuereinnahmen kann man auch ohne weiteres bei den Rentnern und Hartz4-Faulenzern einsparen. Die haben´s doch! Das merken die nicht mal;)

  9. Ojehmineh, ihr könnt doch der armen Frau Mortler nicht so viele Statistiken vor den Latz knallen. Die Gute ist doch damit völlig überfordert. Ihr Gehirn muss sich doch erst noch vom letzten Parteitag erholen, wo sie sich mit Bad-Wildkreuther-Schnaps, dem „Geist in der Flasche“ den Abend schöngesoffen hat. Und wie könnt Ihr es wagen die Frau Mortler mit dem Harris zu vergleichen? Der bekommt doch viel mehr!

    Knapp 25% weniger Tote durch Opioid-Überdosierungen ist ja eine Kathastrophe! Wer soll denn denen bei uns die Rente bezahlen? Wir brauchen doch das schnell schrumpfende Rentensäckel um die Suchttherapien zu bezahlen, zu denen die vielen glücklosen Kiffer gezwungen werden, die uns ins Netz gegangen sind. Immerhin waren das letztes Jahr schon alarmierende 1,5% mehr als im Jahr davor. Das sind die Zahlen, die Frau Mortler versteht. Schließlich brauchen wir von der CDU/CSU ständiges Wachstum und keinen Rückgang!

  10. Verfolgung ist immer schlecht, besonders aus geringem Anlass. Die Argumentation pro sagt ja eben, dass Legalisierung dem Jugendschutz in die Hände spielt. Verantwortungsvoller Umgang vorallem beim Jugendschutz. Dann stünde einer Legalisierung nichts mehr im Weg und dieser Wahnsinn der konservativen Politik hätte endlich ein Ende. Denn Existenzvernichtung steht in keinem Verhältnis zu Cannabiskonsum.

  11. Die linksalternative taz verlinkt mich Leser auf die konservative FAZ, mit „Schützt unsere Kinder, stoppt die Prohibition!“ Geht’s noch? Was soll das, soll ich dort dann gleich bleiben?