Cannabis: Mehrheit der Deutschen glaubt an baldige Legalisierung

Northern Lights Cannabis; Quelle: http://www.wikistrains.com/Image:Northern-lights-flowering.jpg; Datum 20.01.2007; Autor: User Dan; CC BY-SA 3.0

Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Cannabis in einigen Jahren legal in Deutschland gekauft werden kann. Gemäß einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Hanfverbandes (DHV) stimmmte eine knappe Mehrheit der Aussage „Ich glaube, Cannabis wird auch in Deutschland in einigen Jahren für Erwachsene legal erhältlich sein“ zu. Doch die Erwartungen der Bundesbürger an die künftige Entwicklung der Rechtssituation gehen sichtbar auseinander: Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) glaubt, Cannabis wird in Deutschland in einigen Jahren legal für Erwachsene erhältlich sein, während sich eine beachtliche Minderheit (47 Prozent) dies nicht vorstellen kann. Zwei Prozent der Befragten hatten keine Meinung hierzu. Die Umfrage fand vom 9. bis 11. November 2015 statt. Befragt wurden 1.029 wahlberechtigte Personen im Alter ab 18 Jahren.

Starke Zunahme der Legalisierungsbefürworter

Der Anteil der Befürworter einer Legalisierung nahm innert Jahresfrist um 12 Prozent zu. 42 Prozent meinten „Cannabis sollte für Volljährige legal und reguliert erhältlich sein, zum Beispiel über Fachgeschäfte wie in Colorado“. Vor einem Jahr meinten dies nur 30 Prozent bei einer analogen Umfrage im Auftrag des DHV, die von infratest dimap im Zeitraum vom 27. bis 29. Oktober 2014 durchgeführt wurde.
Abbildung 1 zeigt die Anteile zum Glauben und zur Zustimmung einer Legalisierung von Cannabis in Deutschland im Jahr 2015. Quelle: infratest dimap Umfrage (9. bis 11. November 2015) im Aiuftrag des DHVAbbildung 1 zeigt die Anteile zum Glauben und zur Zustimmung einer Legalisierung von Cannabis in Deutschland im Jahr 2015. Hier wird offensichtlich, dass etliche Prohibitionisten den Glauben am Erfolg ihrer politischen Vorstellungen verloren haben. Die Mehrheit glaubt an einer baldigen Legalisierung, obwohl nur 42 Prozent derzeit einer solchen zustimmen.
Abbildung 2 zeigt die Zustimmungsraten für eine Legalisierung von Cannabis aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen. Quelle: infratest dimap Umfrage (9. bis 11. November 2015) im Aiuftrag des DHVAbbildung 2 zeigt die Zustimmungsraten für eine Legalisierung von Cannabis aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen. Politische Mehrheiten für den legalen Erwerb von Cannabis durch Volljährige finden sich in den Reihen der Bundestagsparteien nach wie vor allein bei den Anhängern der Grünen (67 Prozent) und Linken (56 Prozent). Bei den Anhängern der SPD (44 Prozent), vor allem aber bei den Anhängern der Union (29 Prozent) überwiegt die Ablehnung dagegen jeweils deutlich. Bei allen Parteipräferenzen hat die Zustimmung im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Am stärksten war die Zunahme von den im Bundestag vertretenen Parteien bei den Wählern der SPD (+17 Prozent), gefolgt von den Linken (+8 Prozent)  und den Grünen sowie der CDU/CSU (jeweils +4 Prozent). Bei den Wählern der sonstigen Parteien stieg die Zustimmung innert Jahresfrist von 43 Prozent auf 61 Prozent (+18 Prozent) noch stärker an als bei den Anhängern der SPD.

Vor fünf Jahren waren nur 19 Prozent der Bundesbürger für eine Legalisierung von Cannabis gemäß einer Emnid-Umfrage im Jahr 2000. Nach Parteipräferenzen sortiert sprachen sich damals für einen legalen Verkauf von Cannabis aus: 23 Prozent der Linken, 22 Prozent der FDP, 20 Prozent der Grünen, 18 Prozent der SPD und 14 Prozent der CDU/CSU.
Abbildung 3 zeigt den Glauben an einer baldigen Legalisierung von Cannabis nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. Quelle: infratest dimap Umfrage (9. bis 11. November 2015) im Aiuftrag des DHVAbbildung 3 zeigt den Glauben an einer baldigen Legalisierung von Cannabis nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. 44 Prozent der Anhänger von CDU/CSU glauben, dass Cannabis auch in Deutschland in einigen Jahren auch für Erwachsene legal erhältlich sein wird. Das sind 15 Prozent mehr als der Anteil einer Befürwortung einer solchen Legalisierung. Bei den Anhängern der Linken glauben 65 Prozent an einer baldigen Legalisierung, 9 Prozent mehr als der Anteil einer Befürwortung einer solchen Legalisierung. Bei den Anhängern der SPD glauben 51 Prozent an einer baldigen Legalisierung, 7 Prozent mehr als der Anteil einer Befürwortung einer solchen Legalisierung. Bei den Anhängern von nicht im Bundestag vertretenen Parteien glauben 67 Prozent an einer baldigen Legalisierung, 6 Prozent mehr als der Anteil einer Befürwortung einer solchen Legalisierung. Bei den Anhängern der Grünen glauben 64 Prozent an einer baldigen Legalisierung, 3 Prozent weniger als der Anteil einer Befürwortung einer solchen Legalisierung.

Blick über den großen Teich

Gemäß Umfragen des Meinungsforschungsinstitut Gallup sprachen sich erstmals im Jahr 2011 die Hälfte der US-Amerikaner für eine Legalisierung von Cannabis aus. 1970 waren es nur 12 Prozent, 1985 schon fast doppelt so viele, nämlich 23 Prozent, zehn Jahre später dann 25 Prozent und gemäß der letzten Umfrage, die vom 7. bis 11. Oktober 2015 durchgeführt wurde, waren es 58 Prozent.
Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe der Zustimmungsraten bezüglich einer Legalisierung von Cannabis in den USA von 1995 bis 2015 in Fünfjahresschritten.Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe der Zustimmungsraten bezüglich einer Legalisierung von Cannabis in den USA von 1995 bis 2015 in Fünfjahresschritten. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zustimmungsrate mehr als verdoppelt.
Abbildung 5 zeigt die Zustimmungsraten bezüglich einer Legalisierung von Cannabis in den USA im Jahr 2015 nach Altersgruppen aufgeschlüsselt.Abbildung 5 zeigt die Zustimmungsraten bezüglich einer Legalisierung von Cannabis in den USA im Jahr 2015 nach Altersgruppen aufgeschlüsselt. Bei den 18 bis 34-Jährigen ist die Zustimmungsrate mehr als doppelt so groß wie bei den Rentnern (65-Jährige und ältere Personen).

Sowohl in den USA als auch in Deutschland zeigt sich, dass Personen mit einer guten Ausbildung wie auch Personen mit einem guten Einkommen eher geneigt sind, Cannabis zu legalisieren, während Personen mit geringer Ausbildung und einem geringen Einkommen eher geneigt sind, Positionen von Prohibitionisten zu vertreten. In Deutschland meinten im Jahr 2015 nur 33 Prozent der Personen mit einem Haupt- oder Volksschulabschluss, dass Cannabis legalisiert werden sollte, Personen mit Abitur oder Fachhochschulabschluss befürworteten mit 51 Prozent hingegen eine solche Legalisierung. Der Anteil der Personen mit einem Einkommen unter 1.500 Euro im Monat, der sich für eine Legalisierung aussprach, lag bei 34 Prozent, bei Personen mit einem Einkommen von mehr als 3.000 Euro lag dieser Anteil bei 50 Prozent.

Legalisierung liegt in der Luft

Am Samstag, 13. August 2016, wird die Hanfparade wieder in Berlin für die Legalisierung von Cannabis demonstrieren. Die erste Hanfparade startete im Jahr 1997, also 19 Jahre vor der 20. Hanfparade, die nächstes Jahr stattfinden wird. Da eine solche Demonstration mit einer großen Abschlussveranstaltung (Bühne, Nutzhanfareal, Patientenforum, Infoständen) eine lange Vorbereitungszeit braucht, die erfahrungsgemäß etwa ein Jahr dauert, heißt das, dass die Aktivisten der Hanfparade seit 20 Jahren für die Legalisierung arbeiten. Das Motto der nächsten Hanfparade lautet aufgrund der Entwicklung, wie man sie aus den Umfragen ersehen kann: „Legalisierung liegt in der Luft“.
Hanfparade AnkündigungDie Hanfparade und der Deutsche Hanfverband sind die Organisationen, die sich am meisten proaktiv für eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland einsetzen. Das OrgaTeam der Hanfparade trifft sich jeden Dienstag um 19:00 Uhr im Hanf Museum am Mühlendamm 5 in Berlin-Mitte und freut sich immer auf engagierte neue Mitstreiter. Der Deutsche Hanfverband (DHV) ist in der Rykestraße 13 in Berlin (Prenzlauer-Berg) beheimatet und veranstaltet regelmäßige Treffen sowohl für Patienten, die Cannabis als Medizin nutzen oder nutzen wollen als auch für Aktivisten, die sich für eine Legalisierung engagieren wollen. Zudem gibt es in zahlreichen Städten Ortsgruppen des DHV, die sich u.a. bei der Organisation der jährlichen Demontrationen „Global Marijuana March“, die jeweils im Mai stattfinden, engagieren. Wer sich für eine Legalisierung von Cannabis einsetzen will, findet hierfür im ganzen Land Ansprechpartner.

Vergl. hierzu:
Artikel vom 2.10.2015: Hanfverbot: Der Cannabis-Irrsinn
Artikel vom 31.01.2015: Politisch gewollter Irrglaube

Kommentare (6)

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  1. Die Pharmalobby, die TV Sender(pro 7) mit ihren Alkoholproduzenten manipulieren die Meinung. 2/3 der Haftinsassen sitzen wegen BtM und geben 60.000 Beamten Arbeit und müssen für renommierte Konzerne wie VW oder Zeiss unter Schweigepflicht richtig reinklotzen für sehr wenig Lohn.

  2. Lasst die Berliner kiffen soviel sie wollen. Die waren nach einem Schlager aus den 30-ern eh schon immer verrückt. „Du bist verrückt
    mein Schatz, du musst nach Berlin

  3. Pingback: Mehrheit der Berliner wollen Coffeeshops | Drogerie

  4. Zur Situation in Berlin

    Im Zeitraum vom 17. bis 27. August 2015 befragte die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH 1.006 Berlinerinnen und Berliner zur Einstellung einer Legalisierung von Cannabis im Auftrag der CDU in Berlin. Die Ergebnisse zeigten: 57% der Anhänger der Linken meinten „Cannabisprodukte sollten für alle volljährigen Bürger legal und frei erhältlich sein“ – 1% mehr als im November bundesweit die Meinung vertraten, dass „Cannabis für Volljährige legal und reguliert erhältlich sein sollte, zum Beispiel über Fachgeschäfte wie in Colorado„. Bei den Änhängern der anderen im Bundestag vertretenen Parteien votierten hingegen deutlich weniger in Berlin für eine Legalisierung von Cannabis: CDU (–6 Prozentpunkte), Grüne (–14 Prozentpunkte) und SPD (–15 Prozentpunkte).

    Junge Berlinerinnen und Berliner (unter 30-Jährige) votierten mit 57% mehr als doppelt so häufig für eine Legalisierung von Cannabis als 60-Jährige und ältere Personen, bei denen die Zustimmung bei lediglich 28% lag.

    Wie die Berliner Morgenpost unter dem Titel „12 Fragen – So haben die Berliner SPD-Mitglieder geantwortet“ berichtete, konnten Mitte Oktober die rund 17.000 Berliner Sozialdemokraten ihre Meinung zu zwölf vom Landesvorstand ausgewählten Themen ankreuzen und in ihrer Bedeutung gewichten. Rund 45 Prozent der SPD-Mitglieder beteiligten sich an der Umfrage. Die Frage Nr. 8 lautete:

    Seit längerem gibt es eine Diskussion darüber, Cannabis (Haschisch) ähnlich wie Zigaretten als Genussmittel einzustufen und den Erwerb zu liberalisieren. Sollte sich die Berliner SPD auf Bundesebene für einen neuen Rechtsrahmen einsetzen, der die Abgabe von Cannabis an Erwachsene bei gleichzeitiger Stärkung des Jugendschutzes und der Prävention ermöglicht?

    43,2 Prozent waren dafür, 44,0 Prozent waren dagegen. 63 Stimmen lagen dazwischen. „Das hätten wir nicht gedacht, aber Mehrheit ist Mehrheit„, sagte SPD-Landeschef Jan Stöß dazu.

  5. Hallo

    Man sollte genau jetzt in dieser schweren Zeit für uns alle, und vor allem Menschen, die sich Beruflich für Flüchtlinge einsetzen, Polizei soll und muss in den nächsten Jahren Entlastet werden um sich um wichtigere Dinge zu Kümmern, Vergewaltiger, Einbrecher, Kindesmisshandler usw.zu Verfolgen!
    Denn auf die Polizei kommt in nächster Zeit nicht gutes zu! Und die Polizei wird nicht von einem Kiffer angegriffen, weil er zu faul ist, aber Alkis schlagen die eigenen Kinder!!!

  6. …solange bis die CDU/CSU und SPD möglicherweise früher oder später mal ihre Augen aufmachen werden (müssen), und bereit sind, auch in diesem Falle der Realität Rechnungen zu stellen !

    Und weiterhin, auch hier – dringend – endlich bewusst wahrnehmen, dass der IS nicht nur ihre Profite mit Öl und Gas machen, sondern erhebliche Profite durch den Schwarzmarkt erzielen, eben nicht nur die Mafia, Al Kaida usw..

    Auch hier,dass zwar nur eine 10%tige Erfolgsquote der Einbruchsdiebstähle stehe, aber fast 100% Erfolgsquote der Hanfkonsumenten und Anbauer – diese „Kriminellen“ werden mittlerweile in Kampfmontour besucht zu Hausdurchsuchungen. Aber auch hier überwiegend nur Eigenkonsum! Diese Tatsache kostet unglaublich viel Geld, und fehlen wird es aber natürlich woanders, im Etat für wirklich Wichtiges! Aber wenigstens holen sich die Polizisten zumindest in dieser Sache ihre Lorbeeren und können daraufhin feiern, besonders aber die lieben Christlichen Bayern!

    Aber die lieben christlichen Bayern beachten doch die Aussagen unseres Herrn und Heiland:

    Den Span den die anderen in den Augen haben, werden gesehen, aber den Balken in sich selbst, nicht.

    oder:

    Wer ohne Schuld ist, der nehme doch als Erster den Stein auf„!

    Außerdem hat die Pharmalobby in großen Umfang die CDU/CSU und z.T. die SPD im Sack! Und bekanntlicher weise kann zumindest die Pharma in der Hanfsache kaum Profit machen.

    Und wer behauptet, hier das Gegenteil meiner dieser entsprechenden aufgestellten Tatsachen …