Trends des Cannabiskonsums bei Schülern

Noch nicht gerollter Joint (Bild ist gemeinfrei)

Deutsche Schüler kiffen gern. Nach einer in den 2000er Jahren zunächst rückläufigen Entwicklung nimmt die Verbreitung des Cannabiskonsums unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren wieder zu. Das geht aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor, für die bundesweit 7000 Menschen repräsentativ befragt wurden. Die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, sieht eine Ursache in der Legalisierungsdebatte. So wird sie im Spiegel im Artikel  „Cannabis-Konsum: Zahl junger Kiffer in Deutschland stark gestiegen“ mit den folgenden Worten Zitiert: „Offenbar wirkt sich die Gesundheitsgefahren verharmlosende Argumentation der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis bereits negativ aus.“ Abgesehen von der Tatsache, dass die Befürworter einer Legalisierung von Cannabis die Gesundheitsgefahren nicht verharmlosen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung in den USA, wo die Lobby für die Legalisierung von Cannabis deutlich aktiver ist als in Deutschland, dass dort die Zahl der kiffenden Schüler nicht zunimmt. Die Einschätzung der Lage seitens der Drogenbeauftragten kann also mit gutem Grund angezweifelt werden.

Trends bei Schülern in Deutschland

Gemäß des dreizehnten Jahresberichtes des ‚Monitoring-Systems Drogentrends‘ (MoSyD), erstellt vom Center for Drug Research (CDR) an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, hat der Konsum von Cannabis bei den 15- bis 18-Jährigen in der Mainmetropole in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen.
Abbildung 1 zeigt den Trend des Cannabiskonsums als Zeitreihe von 2004 bis 2014 in Frankfurt am Main bei Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren.Abbildung 1 zeigt den Trend des Cannabiskonsums als Zeitreihe von 2004 bis 2014 in Frankfurt am Main bei Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren. Ein Drittel (33 Prozent) der Schüler hatte im Jahr 2014 angegeben, im Verlauf des letzten Jahres Cannabis konsumiert zu haben. Vier Jahre zuvor waren es erst 26 Prozent. Auch der Konsum im letzten Monat stieg in diesem Zeitraum um sechs Prozentpunkte von 15 auf 21 Prozent. Der regelmäßige Konsum (10 Mal oder mehr im letzten Monat) hat sich in diesem Zeitraum sogar mehr als verdoppelt. Er stieg von vier auf neun Prozent an.

Auch die Ergebnisse der im September 2015 veröffentlichten Repräsentativbefragung „Der Cannabiskonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2014“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) offenbaren, dass nach einer in den 2000er Jahren zunächst rückläufigen Entwicklung die Verbreitung des Cannabiskonsums unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren wieder zunimmt.
Abbildung 2 zeigt den Anteil der 12- bis 17-Jährigen in Prozent, die Cannabis konsumieren, von 1993 bis 2014 nach Geschlecht.Abbildung 2 zeigt den Anteil der 12- bis 17-Jährigen in Prozent, die Cannabis konsumieren, von 1993 bis 2014 nach Geschlecht. Von 2011 bis 2014 ist bei allen Prävalenzen (Lebenszeit-Prävalenz, 12-Monats-Prävalenz, 30-Tage-Prävalenz und regelmäßiger Konsum) sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungs ein deutlicher Anstieg zu sehen. Vor allem die Jungs haben allerdings ein Jahrzehnt zuvor deutlich mehr gekifft als heute.
Abbildung 3 zeigt den Anteil der 18- bis 25-Jährigen in Prozent, die Cannabis konsumieren, von 1993 bis 2014 nach GeschlechtAbbildung 3 zeigt den Anteil der 18- bis 25-Jährigen in Prozent, die Cannabis konsumieren, von 1993 bis 2014 nach Geschlecht. Vor allem die 12-Monats-Prävalenz ist seit 2011 bei beiden Geschlechtern deutlich angestiegen, bei den jungen Männern hat sie 2014 mit 23,9 Prozent sogar ein Rekordhoch erreicht. 2014 haben 10,6 Prozent der jungen Männer angegeben, innerhalb der letzten 30 Tage gekifft zu haben und 7,1 Prozent gaben an, dies mehr als 10 Mal innerhalb der letzten 30 Tage getan zu haben.

Trends bei Schülern in den USA

Im Jahr 1996 wurde Cannabis als Medizin in Kalifornien legal. Kalifornien war der erste Bundesstaat in den USA, der den Patienten einen legalen Zugang zu Cannabis ermöglichte. Derzeit ist Cannabis als Medizin in etwa der Hälfte der Bundesstaaten der USA legal. In den meisten dieser Bundesstaaten können Patienten ihr Cannabis ganz legal selbst anbauen. In vier Bundesstaaten (Colorado, Washington, Oregon und Alaska) ist zudem der Erwerb und Besitz von Marihuana zu Genusszwecken legal. Auch in der Hauptstadt Washington DC ist der Besitz von Marihuana zu Genusszwecken legal. Die Lobby für die Legalisierung von Cannabis in den USA ist äußerst aktiv und die Mehrheit der US-Amerikaner befürwortet inzwischen eine bundesweite Legalisierung von Marihuana nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch als Genussmittel. Auf das Konsumverhalten von Schülern hat diese Entwicklung keine negativen Folgen. Obwohl seit zwei Jahren in einigen Gebieten der USA Cannabis auch zu Genusszwecken legal ist, hat der Konsum bei Schülern nicht zugenommen.
Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1995 bis 2015.Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1995 bis 2015. Die obere blaue Linie zeigt die Jahres-Prävalenz (mindestens einmal im letzten Jahr konsumiert) des Cannabiskonsums. Dieser sank von 17,7 Prozent im Jahr 1997 auf 11,8 Prozent im Jahr 2015 um nahezu sechs Prozentpunkte. Auch die Monats-Prävalenz ist in diesem Zeitraum gesunken, insgesamt um 3,7 Prozentpunkte. Der tägliche Konsum (20 mal oder häufiger im letzten Monat gekifft) ist unverändert geblieben. Von 2013 bis 2015 – also seit der Legalisierung in Colorado und Washington – ist bei der Jahres- und Monatsprävalenz eine Abnahme zu beobachten; der tägliche Konsum blieb dem gegenüber nahezu konstant. Die Legalisierung in Colorado und Washington hat nicht zu einem Anstieg des Konsums bei jüngeren Schülern in den USA geführt. Die Daten wurden am 16. Dezember 2015 vom National Institute on Drug Abuse (NIDA) in einer Pressemitteilung veröffentlicht und sind auf der Website Monitoring the Future (MTF) survey verfügbar.
Abbildung 5 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1995 bis 2015.Abbildung 5 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1995 bis 2015. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1997 bis 2015 um 9,4 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz um 5,7 Prozentpunkte und der tägliche Konsum um 0,7 Prozentpunkte. Von 2013 bis 2015 ist in dieser Altersstufe auch in allen drei Kategorien eine Abnahme zu beobachten, bei der Jahres-Prävalenz betrug diese 4,4 Prozentpunkte, bei der Monats-Prävalenz 3,2 Prozentpunkte und beim täglichen Konsum ein Prozentpunkt.
Abbildung 6 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2015.Abbildung 6 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2015. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1997 bis 2015 um 3,6 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz um 2,4 Prozentpunkte und der tägliche Konsum ist heute nahezu genauso hoch wie 1997. Von 2013 bis 2015 ist in dieser Altersstufe in allen drei Kategorien eine Abnahme zu beobachten, bei der Jahres-Prävalenz betrug diese 1,5 Prozentpunkte, bei der Monats-Prävalenz 1,4 Prozentpunkte und beim täglichen Konsum einen halben Prozentpunkt.
Abbildung 7 zeigt die Zeitreihe des Konsums von Alkohol, Zigaretten und Cannabis von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2015.Abbildung 7 zeigt die Zeitreihe des Konsums von Alkohol, Zigaretten und Cannabis von Schülern der 12. Klasse von 1995 bis 2015. Der intensive Alkoholkonsum (fünf oder mehr Alkdrinks in Folge in den letzten zwei Wochen) hat sich seit 1997 bis heute nahezu halbiert. Im Zeitraum von 2013 bis 2015 sank der intensive Alkoholkonsum um 4,9 Prozentpunkte. Der Anteil der täglichen Alkoholkonsumenten hat sich seit 1997 sogar um mehr als die Hälfte verringert. Zigaretten rauchten 1997 etwa ein Viertel (24,6 Prozent) aller Schüler der 12. Klasse täglich, 2015 waren es nur noch 5,5 Prozent. Der tägliche Cannabiskonsum blieb jedoch seit 1997 nahezu unverändert. Erstmalig jedoch gaben 2015 mehr Schüler der 12. Klasse an, täglich Cannabis zu konsumieren (6,0 Prozent) im Vergleich zum täglichen Zigarettenkonsum (5,5 Prozent).

Fazit

Es gibt keinen Nachweis, dass der Eigenanbau von Cannabis als Medizin sich negativ auf den Jugendschutz auswirkt. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Eigenanbau von Cannabis als Medizin in vielen Bundesstaaten der USA Normalität geworden, dennoch hat der Konsum von Cannabis bei Schülern nicht zu-, sondern abgenommen. Auch die Aktivitäten der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis wie auch die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken in diversen Bundesstaaten der USA haben keine negative Auswirkungen auf den Jugendschutz gehabt.

Vergl. hierzu: Anfrage an die Drogenbeauftragte von Martin Steldinger bei FragDenStaat: Beleg für die Aussage, dass die Befürworter einer Legalisierung von Cannabis schuld an einem behaupteten Anstieg der jugendlichen Cannabiskonsumenten wäre.

Kommentare (5)

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  1. „Abgesehen von der Tatsache, dass die Befürworter einer Legalisierung von Cannabis die Gesundheitsgefahren nicht verharmlosen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung in den USA, wo die Lobby für die Legalisierung von Cannabis deutlich aktiver ist als in Deutschland, dass dort die Zahl der kiffenden Schüler nicht zunimmt.“

    In den USA drohen aber auch gleich mehrere Monate Gefängnis bei illegalem Konsum u.a. auch bei Minderjährigen.

  2. Ich habe einmal Anfang der 80er Jahre intensiver gekifft. Mal abgesehen von meiner damaligen Antriebslosigkeit die mich alle meine Jobs gekostet hat, habe ich Jahre gebraucht, meine Paranoia zu überwinden.

    Eine neue, legalisierte Droge, braucht kein Mensch. Cannabis ist definitiv nicht harmlos und wir haben schon genug gesellschaftliche Probleme mit Alkohol.

  3. Wenn der Anstieg des Konsums auf die Medienpräsenz von Cannabis zurückzuführen ist, was ist dann mit Alkohol? Also sollten die pro Cannabis Leute am besten den Mund halten um größern Schaden abzuwenden. Genauso muss Demokratie funktionieren. Die Leute müssten schon längst Alkoholiker sein, wenn sie so von außen gesteuert sind. Geht es noch ein bischen ideologischer? Da geht es nicht mehr um Tatsachen sondern um ein Feindbild. Aber von was???

    Ja, das ist die große Frage, die man sich stellen sollte.

  4. Die Verharmlosung kommt durch die Bundesregierung, indem sie Cannabis verboten lässt. Mich erinnert das an andere Gesellschaftssysteme, die bis zuletzt unbelehrbar waren und sind und die gesellschaftlichen Realitäten einfach ignorieren (z.B. DDR). Das Thema ist weltweit nicht mehr aus den Medien zu denken, unzählige Vereine und politische Gruppen sorgen dafür, dass dieses Thema auf der Tagesordnung bleibt. Wer sich einer Reform des BtMG verweigert, macht sich mitschuldig, wenn Jugendliche konsumieren. Auf der anderen Seite werden Jugendliche je mehr darüber berichtet wird, angespornt diese Substanz zu konsumieren. Ich bin der Meinung, wenn Cannabis freigegeben wird, wird es weniger Medienberichte geben und ist somit auch nicht mehr im Focus der Öffentlichkeit. Denn wer schreibt schon groß über Sexshops, Swingerclubs, Homosexualität oder andere brisante Themen? Die werden mal angerissen und das war es dann. Cannabis aber ist das ganze letzte Jahr extrem oft in den Medien gewesen, und wird auch weiterhin bis zur Legalisierung in den Medien bleiben. Dieses Thema wird die Gesellschaft nicht mehr los werden. In den meisten Nachbarländern von Deutschland ist Cannabis entweder geduldet, entkriminalisiert oder verboten, aber ohne Priorität und Verfolgungszwang. Diese Erfahrungen machen vor der deutschen Grenze nicht halt. Wenn Jugendliche sehen, wie alleine in anderen europäischen Staaten der Umgang mit Cannabis ist, und in Deutschland mit Gewalt versucht wird einzureden, Cannabis sei ein gefährliches Rauschgift, dann nehmen junge Leute das nicht mehr ernst. Wenn man aber realistisch ist und sagt: „Cannabis kannst du mit 18 oder 21 konsumieren und vorher ist es zu gefährlich„, dann ist das eine ehrliche Drogenpolitik. Das Problem ist die Abstinenz orientierte Drogenpolitik, die nebenbei bemerkt nicht geeignet war den Anstieg von Cannabis unter Schülern zu verhindern. Da ist es leicht mit dem Finger zu zeigen, aber wie war das noch mit dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen Auge?

  5. Ist es nicht eher wahrscheinlich, dass die Debatte um die überflüssige Kriminalisierung von Cannabiskonsumenten dazu geführt hat, dass sich jugendliche Konsumenten weniger als „Verbrecher“ sehen und eher dazu neigen ihren Konsum in derartigen Umfragen zuzugeben?

    Lustig finde ich, dass Mortler Rückgänge bei Konsumentenzahlen auf ihre eigene, erfolgreiche Arbeit zurückführt, einen Anstieg aber direkt auf die Gegner ihrer Ideologie?