Carfentanyl: Tödliche Droge aus China

Carfentanyl, tödliche Droge aus China

Carfentanyl (auch Carfentanil) ist eine chemische Verbindung, die sich von dem Opioid Fentanyl ableitet. Das synthetische Opioid Carfentanyl ist etwa 10.000 Mal so potent wie Morphium und etwa 100 Mal so potent wie Fentanyl, welches etwa 50 Mal so potent ist wie Heroin. Gemäß Drug Enforcement Administration (DEA) – nicht zu verwechseln mit der Drug Education Angency (DEA) – ist Carfentanyl etwa 100 Mal tödlicher als Fentanyl und etwa 3.000 bis 5.000 Mal tödlicher als Heroin.

Immer mehr Todesfälle in den USA

Für viele Menschen in den USA sind die Lebensumstände derart übel, dass sie sich immer häufiger mit Opiaten (natürlicherweise im Opium vorkommenden Stoffe) und synthetischen Opioiden betäuben. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen an Überdosierungen sterben. Gemäß CBS-News vom 25. September 2016 starben in Cleveland im Bundesstaat Ohio an einem einzigen Tag sieben Menschen an einer Überdosierung, im Monat August 2016 waren es 52 Menschen, die an Opioidüberdosierungen starben. Cuyahoga County, das mit der Hauptstadt Cleveland etwa 1,2 Millionen Einwohner hat, verzeichnete in diesem Jahr bereits mehr als 500 Todesfälle wegen Überdosierungen. Und time.com berichtete am 12. September 2016, dass im Hamilton County mit der Hauptstadt Cincinnati im August an einem einzigen Tag 48 Überdosierungen mit Heroin und anderen Opioiden registriert wurden, zwei davon verliefen tödlich. Vom 15. August bis zum 4. September wurde in Cincinnati bei acht Todesfällen Carfentanyl als Ursache festgestellt.

Warnung an Drogenfahnder

Die Drug Enforcement Administration (DEA) warnte am 22. September 2016 unter dem Titel „DEA Issues Carfentanil Warning to Police and Public“ sowohl Beamte der Drogenfahndung wie auch die Öffentlichkeit vor den Gefahren von Carfentanyl, da diese Substanz ab zwei Milligramm bereits tödlich sein kann und die Substanz vom Körper auch über die Haut und die Atemluft aufgenommen werden kann. Deshalb sollten Drogenfahnder immer das Gegenmittel (Antidot) Naloxon dabei haben. Naloxon wird in der Notfallmedizin als Antidot bei Opiatüberdosierung durch Heroin, Methadon und anderen Opioiden, verwendet. Im Zusammenhang mit Atemdepression bzw. bei Atemstillstand angewandt, wirkt Naloxon (bei intravenöser Gabe) innerhalb von Sekunden. Deshalb begann man in New York bereits 2014 alle Streifenwagen mit dem Opiatgegenmittel Naloxon auszustatten. Einem Reporter der New York Times gegenüber rühmten die Polizisten die rasche Wirkung. Die halbtoten Konsumenten würden innerhalb weniger Minuten ihre Augen öffnen und wieder richtig durchatmen.

China weltweit größter Lieferant

Wie CBS-News am 7. Oktober 2016 unter dem Titel „China firms happy to sell killer opioid „weapon“ to anyone in U.S.“ mitteilte, ist China der weltweit größter Lieferant von Carfentanyl. Associated Press identifizierte zwölf chinesische Unternehmen, die bestätigten, dass sie Carfentanyl zum Preis von 2.750 US-Dollar pro Kilogramm in die USA, nach Kanada, England, Frankreich, Deutschland, Belgien und Australien liefern würden. Es sei hier angemerkt, dass ein Kilogramm ausreicht, um mehrere Hunderttausend Menschen ins Jenseits zu befördern. Die chinesische Firma Jilin Tely Import und Export bestätigte im September, dass sie Carfentanyl liefern könnte und fügte hinzu, dass dies einer ihrer Verkaufsschlager sei.

Carfentanyl als Waffe

Jahrzehnte bevor Drogenhändler die Substanz Carfentanyl für ihr Geschäft entdeckten, untersuchten Staaten wie die USA, das Vereinigte Königreich (U.K.), die Sowjet Union, die Tschechoslowakei, China und Indien gemäß öffentlich zugänglichen Quellen die Verwendbarkeit von Carfentanyl als Waffe. Die derzeit leichte Verfügbarkeit von Carfentanyl ist eine Bedrohung für die Gesellschaft, da die Substanz von Terroristen im Rahmen von Anschlägen genutzt werden kann. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass flächendeckend überall bei den Sicherheitsbehörden, Gesundheitsbehörden, Krankenhäuser, Sanität, Feuerwehr und Drogenberatungsstellen das Antidot Naloxon sofort verfügbar ist.

Kommentare (4)

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  2. Hallo Borchbär,
    Deine Einschätzung teile ich so nicht. Du hast recht, dass Naloxon eine deutlich kürzere Halbwertszeit hat als Opiate und dass deshalb Patienten, die Naloxon bekommen haben nachbetreut werden müssen. Allerdings ist es möglich Naloxon nasal zu verabreichen, dabei kann die Gefahr von starken Entzugserscheinungen vermieden werden. Es gibt inzwischen weltweit und auch in Deutschland gute Erfahrungen mit Naloxon-Take-Home Programmen. Zum Beispiel haben die USA und Kanada ein Naloxonnasenspray zugelassen und es wird in Rahnmen von Naloxontrainings an Opiatkonsumenten verteilt. Ebenso hat Schottland seit 2010 ein staatliches Naloxonprogramm und die Forschungen dazu zeigen, dass es funktioniert. Auch die noch kleinen Programme (Berlin, Frankfurt, München, Köln und NRW) berichten bisher von guten Ergebnissen und es ist bisher kein Fall bekannt, dass ein Klient, der von anderen Usern Naloxon bekommen hat, danach verstorben ist.
    Hier ein paar links für weitere Infos:
    http://www.gov.scot/Resource/0045/00451251.pdf
    http://www.pharmaceutical-journal.com/news-and-analysis/news/heroin-overdoses-tackled-with-naloxone-nasal-spray-pilot-in-norway/11135511.article
    http://www.vision-ev.de/wp-content/uploads/2014/07/heino-stoever.pdf
    http://towardtheheart.com/naloxone/
    http://www.cbc.ca/news/canada/british-columbia/naloxone-kits-bc-1.3940485
    Ich denke das es dringend geboten ist solche Programme auch flächendeckend in Deutschland anzubieten.

    @Heidi: In Bayern gibt es tatsächlich einen Hoffnungsschimmer. Im Oktober gab es im Gesundheitsausschuss des Bayrischen Landtages erneut eine Anhöhrung zum Thema Naloxon-Take-Home Programmen. Alle Experten, die geladen waren, haben NTH-Programme als alternativlos bezeichnet. Nun gibt es Planungen für ein bayrisches Naloxon Modellprojekt. Eventuell bzw. hoffentlich geht es Anfang 2018 an den Start. Hier zwei links dazu.
    https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/sitzungen/aus-den-ausschuessen/gesundheitsausschuss-debattiert-ueber-naloxonabgabe-an-geschulte-medizinische-laien/
    http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/landtag/detailansicht-landtag/artikel/mit-nasenspray-leben-retten.html
    Liebe Grüße
    Ole

  3. Heidi, beachte die Wirkzeit von Naloxon. Naloxon hat eine deutlich kürzere Wirkdauer als das Opiat, welches es außer Kraft setzt.

    Die entstehende Problematik: Nach dem Gebrauch von Naloxon ist der atemdepressive / notfällige (…) Mensch in Kürze wieder klar. So klar, dass eine Entzugsproblematik entsteht, die Konsumenten werden „affig„. Ergebnis: Man sieht die Konsumenten nur Minuten, nachdem sie dem Tod entgangen sind, wieder Opiate konsumieren. Und daraus folgen dann neuerliche, schwerere Notfälle nach dem Wirken von Naloxon. Und glaube mir, das ist kein seltener Verlauf in der Behandlung von notfälligen Opiatkonsumenten.

    Die Abgabe von Naloxon an Konsumenten ist eine knifflige Angelegenheit, der vermeintliche Zynismus ist hier in meinen Augen lediglich ein empirisch-medizinischer Erfahrenswert, den auch ich teile.

  4. Da mutet es ja fast zynisch an, dass der bayerische Landtag mal wieder dagegen gestimmt hat, Naloxon an Opiatabhängige auszugeben, damit dies im Notfall bei einer Überdosierung vom Betroffenen oder umgebenden Personen gespritzt werden kann. Lieber wird hier eine Zunahme der Drogentoten in Kauf genommen.