Legalisierung macht Sinn!

Logo GMM 2017, Grafik: Deutscher hanfverband (DHV)

Die USA sind Vorreiter in Sachen Legalisierung von Cannabis – sowohl bezüglich der Verwendung von Cannabis als Medizin als auch betreffend Cannabis als Genussmittel. Derzeit leben 63 Prozent der 325 Millionen Einwohner der USA in Bundesstaaten, in denen die Nutzung von Cannabis als Medizin legal ist und 21 Prozent der Bevölkerung leben in Bundesstaaten, in denen der Gebrauch von Cannabis als Genussmittel für Erwachsene erlaubt ist.

Vorreiter bei der Legalisierung von Cannabis als Genussmittel waren die Bundesstaaten Colorado und Washington State aufgrund von Volksabstimmungen im Jahr 2012. Besonders Colorado mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern hat sich durch eine offensive Legalisierungspolitik hervor getan. In Colorado gab es gemäß der 5. Ausgabe des Arcview Market Research am Ende des letzten Jahres 491 Abgabestellen für medizinisches Cannabis (dispensaries) mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 896.000 US-Dollar und 420 Abgabestellen für Cannabis als Genussmittel mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 1,98 Millionen US-Dollar.

Stetig steigende Steuereinnahmen

In Colorado gab es bis 2013 nur Abgabestellen für medizinisches Cannabis und ab 2014 auch Abgabestellen für Cannabis als Genussmittel. Und so stiegen die Steuereinnahmen durch den Verkauf von Cannabis von 2013 auf 2014 um nahezu das Zehnfache, wie in der untenstehenden Grafik zu sehen ist.

Grafik 1 zeigt die jährlichen Steuereinnahmen in Colorado durch den Handel mit Cannabisprodukten. Datenquelle: Steuerbehörde von Colorado (Colorado Department of Revenue)

Grafik 1 zeigt die jährlichen Steuereinnahmen in Colorado durch den Handel mit Cannabisprodukten. Datenquelle: Steuerbehörde von Colorado (Colorado Department of Revenue)

Ab dem Jahr 2014 gibt es in Colorado Fachgeschäfte, in denen man Cannabis zu Genusszwecken kaufen kann. Innerhalb von drei Jahren – von 2014 bis und mit 2016 – hat sich der Umsatz mit Cannabisprodukten mehr als verdoppelt und entsprechend sind auch in diesem Zeitraum die Steuereinnahmen gestiegen, von 52,6 Millionen US-Dollar auf 127 Millionen US-Dollar. Und der Trend weist in die gleiche Richtung weiter, wie der folgenden Grafik zu entnehmen ist.

Grafik 2 zeigt die Steuereinnahmen im Januar von 2013 bis 2017 in Colorado durch den Handel mit Cannabisprodukten. Datenquelle: Steuerbehörde von Colorado (Colorado Department of Revenue)
Grafik 2 zeigt die Steuereinnahmen im Januar von 2013 bis 2017 in Colorado durch den Handel mit Cannabisprodukten. Datenquelle: Steuerbehörde von Colorado (Colorado Department of Revenue)

Im Januar 2017 waren die Steuereinnahmen in Colorado, die mit dem Handel mit Cannabisprodukten erzielt wurden, über 40 Prozent höher als im Vorjahr. Pro Einwohner wurden somit im Januar 3,20 US-Dollar Steuereinnahmen generiert. Übertragen auf Deutschland entspräche dies einer Steuereinnahme von 262 Millionen US-Dollar (ca. 242 Millionen Euro) in einem Monat oder von 2,9 Milliarden Euro in einem Jahr. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Repression (Polizei und Justiz) signifikant sinken würden.

Harter Schlag für den Schwarzmarkt

In Bundesstaaten, in denen weder Cannabis als Medizin noch Cannabis als Genussmittel verkauft werden dürfen, liegt der Anteil des Cannabismarktes zu 100 Prozent in der Hand von Schwarzmarkthändlern, die bekanntlich keine Umsatz oder Mehrwertsteuer zahlen. Je offensiver die Legalisierung von Cannabis voran getrieben wird, desto geringer ist der Schwarzmarktanteil des Geschäftes mit Cannabisprodukten. Die folgende Grafik zeigt einen Überblick zur Situation in verschiedenen Bundesstaaten.

Grafik 3 zeigt die geschätzten Anteile des Schwarzmarktes am Gesamtumsatz des Cannabishandels in verschiedenen Bundesstaaten. Datenquelle: Arcview Market Research
Grafik 3 zeigt die geschätzten Anteile des Schwarzmarktes am Gesamtumsatz des Cannabishandels in verschiedenen Bundesstaaten. Datenquelle: Arcview Market Research

In den USA sind insgesamt etwa 12 Prozent des Cannabismarktes in den letzten Jahren legalisiert worden, das heißt, 88 Prozent sind noch in der Hand des Scharzmarktes. Derzeit umfasst der legale Cannabismarkt in den USA etwa 6,7 Milliarden US-Dollar, davon entfallen 27 Prozent auf Kalifornien (ca. 1,8 Milliarden US-Dollar), 20 Prozent auf Colorado (ca. 1,3 Milliarden US-Dollar) und 11 Prozent auf Washington State (0,7 Milliarden US-Dollar).

In Kalifornien wurde im November 2016 über die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken abgestimmt. Die Mehrheit votierte für die Legalisierung. Ab dem 1. Januar 2018 wird es in Kalifornien Fachgeschäfte nicht nur für den medizinischen Gebrauch von Cannabis geben, sondern auf für den hedonistischen Gebrauch. Es sei hier angemerkt, dass der Anbau von bis zu sechs Pflanzen für den privaten Gebrauch erlaubt ist. Derzeit umfasst der legale Cannabismarkt für medizinische Zwecke in Kalifornien etwa 1,8 Milliarden US-Dollar, der illegale Schwarzmarkt hat derzeit noch ein geschätztes Volumen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar in Kalifornen. Dies wird sich 2018 sehr rasch ändern und der Schwarzmarktanteil wird deutlich sinken, so wie er in Colorado in den letzten Jahren gesunken ist und derzeit nur noch einen Anteil von etwa 27 Prozent ausmacht (ca. 500 Millionen US-Dollar).

Wachsende Zustimmung für die Legalisierung

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragte erstmalig im Jahr 1969 die US-Amerikaner, ob sie für die Legalisierung von Cannabis seien. 12 Prozent befürworteten damals eine Legalisierung. Bis Ende der 70er Jahre stiegt der Anteil der Befürworter auf 28 Prozent, sank dann aber aufgrund der Propagandakampagne „Just Say No“ wieder auf 25 Prozent und verharrte dort bis Mitte der 90er Jahre. Dann stiegt der Anteil der Befürworter einer Legalisierung wieder an und erreichte im Jahr 2000 bereits 31 Prozent. Ein Jahr, nachdem in Colorado und Washington State eine Mehrheit für die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken gestimmt hatte, befürwortete erstmals auch eine Mehrheit der Befragten in den USA eine Legalisierung.

Grafik 4 zeigt die Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2016. Datenquelle: Gallup Umfragen
Grafik 4 zeigt die Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2016. Datenquelle: Gallup Umfragen

Seit dem Jahr 2013 befürwortete stets eine Mehrheit bei den jährlichen Umfragen des Gallup-Instituts eine Legalisierung von Cannabis. Im Oktober 2016 waren es 60 Prozent – der höchste Wert aller Zeiten.

Besonders interessant waren die Abstimmungsergebnisse in Massachusetts, wo im November 2016 über die Legalisierung abgestimmt wurde. Dort stimmten 53,6 Prozent der Legalisierung von Cannabis zu. Gemäß New York Times waren es in der Hauptstadt Boston 62,4 Prozent und in Cambridge, wo die Harvard Universität sowie das Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) ansässig sind, waren es sogar 71,3 Prozent. Beide Universitäten zählen zu den besten Universitäten auf der Welt. Im Academic Ranking of World Universities (ARWU) 2015 belegte die Harvard Universität den ersten, das M.I.T. den dritten Platz. Und auch die Universität von Boston zählt zu den hundert besten Universitäten auf der Welt.

Cambridge liegt nördlich von Boston und ist mit der Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten zusammengewachsen. Gleiches gilt für die Stadt Somerville, wo viele Professoren und Studenten wohnen, die in Cambridge und Boston unterrichten respektive studieren. In Somerville stimmten 75,6 Prozent für die Legalisierung.

Der Hauptcampus des staatlichen Universitätssystems von Massachusetts liegt nicht in der Hauptstadt Boston, sondern etwa 100 Kilometer westlich davon in der Stadt Amherst. Dort stimmten 74,5 Prozent für die Legalisierung. In der Nachbarstadt Northampton, Verwaltungszentrum des Hampshire County und Wohnort vieler Studenten, votierten 68,9 Prozent für die Legalisierung. Offenbar stimmen intelligente und gebildete Menschen eher einer Legalisierung von Cannabis zu als weniger gebildete Leute aus bildungsfernen Schichten.

Logo GMM 2017, Grafik: Deutscher hanfverband (DHV)
Wie jedes Jahr gibt es auch 2017 zum Global Marijuana March (GMM) im Mai hunderte Demonstrationen weltweit für die Legalisierung von Cannabis. Auf der Übersichtsseite des Deutschen Hanfverbandes (DHV) gibt es Informationen und Weblinks zu den Aktionen im deutschsprachigen Raum.

Der GMM Berlin 2017 wird am Samstag, 6. Mai 2017, um 13:00 Uhr in der Nähe der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in der Oranienstraße 106, 10969 Berlin, starten. Treffpunkt ist die Ecke Alte Jakobstraße / Oranienstraße beim Waldeckpark (Bus M29; Bus 248: Alexandrinenstraße; U-Bahn: U6 Kochstraße; U8 Moritzplatz).

Kommentare (5)

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  1. Cannabis ist gesünder als Alkohol. Haschöl gedampft oder auf dem Keks gegessen greift die Krebszellen an und zerstört sie falls noch kein zu akuter Zustand herscht. In Deutschland ist Cannabis nur nicht legalisiert worden, weil denen ein Ägypter ein Vertrag aufgeschwätz hat aber sein Kokain und Heroin hat er ihnen angedreht. Alkohol kann zu einer Alkohol Vergiftung führen, Gras hat noch keinen umgebracht. Ich würde vorschlagen, Cannabis ab 21 Jahren weltweit zu legalisieren.

  2. „Offenbar stimmen intelligente und gebildete Menschen eher einer Legalisierung von Cannabis zu als weniger gebildete Leute aus bildungsfernen Schichten.“

    Solche Sätze formulieren nur Leute aus signifikanzfernen Schichten.

  3. Wow. Macht echt Sinn.

    Wenigstens die Überschrift wäre ganz toll, wenn sie nicht in Umgangssprache stehen würde. Kein Wunder, dass alle immer sagen Kiffer sind dumm.
    http://m.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/a-261738.html

  4. 420 Abgabestellen also? xD

  5. Ich finde es schön, dass man immer so viel über Colorado liest. Was mir fehlt wären Recherchen und ausführliche Darstellungen, was die Unterschiede zu den anderen legalen Staaten sind. Insbesondere in Alaska, wo ja auch bereits legal verkauft wird, scheint der Schwarzmarkt ja noch weit zu überwiegen. Mich würde interessieren, wie das zustande kommt – ob durch mangelnde legale Infrastruktur oder gesetzliche Einschränkungen.