Drogeninfostände als Interventionsstrategie zur Gesundheitsförderung

Ausschnitt des Drogeninfostandes Kahataauf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Vor gut zwanzig Jahren kam es immer wieder mal vor, dass am Montag um die Mittagszeit ein Club eine Party nicht beenden konnte, weil etliche Besucher der Party so verpeilt waren, dass man sie nicht mit einem guten Gewissen auf die Straße schicken konnte. Obwohl das Barpersonal und die Türsteher eigentlich nach Hause wollten, weil sie schon mehrere Überstunden geleistet hatten, musste die Party fortgesetzt werden, bis in der Nähe eine „Notparty“ in einem anderen Club organisiert war. Dann konnten nämlich die verpeilten Partygäste gemeinsam mit dem Personal von dem einen in den anderen Club ziehen, ohne dass die Partygäste Gefahr liefen, sich auf dem Heimweg zu verirren oder im Straßenverkehr Schaden zu nehmen. Diese Zeiten sind (zumindest in Berlin) glücklicherweise vorbei, weil in der Zwischenzeit die meisten Partygäste gelernt haben, ihren Drogengebrauch so zu gestalten, dass sie selbsttätig und ohne fremde Hilfe nach der Party ihren Heimweg antreten können. DrogenInfoStände haben hierbei einen wichtigen Beitrag geleistet, weil durch die vermittelten Informationen die Drogenkompetenz und die Drogenmündigkeit im Partyvolk erheblich gesteigert wurde.

Obwohl man sich heute dank Internet viel leichter – und auch fundierter – informieren kann als vor zwanzig Jahren, haben Drogeninfostände heute nicht ausgedient. Webseiten, Foren und soziale Netzwerke können eben das persönliche Gespräch nicht ersetzen und viele Leute lesen auch heute noch lieber gedruckte Informationen auf Papier als Informationen auf dem Bildschirm. Zudem sind Drogeninfostände auch Orte der Begegnung, wo Konsumenten von psychotrop wirkenden Substanzen ihre Erfahrungen austauschen können. Des weiteren sind die Infostände auch Ankerpunkte für Konsumente von psychoaktiven Substanzen. Die Anwesenheit eines Drogeninfostandes mit erfahrenem Personal gibt den Leuten auf ihrer psychedelischen Reise ein Gefühl von Sicherheit, da sie wissen, dass bei einem unerwarteten Verlauf derselben, Leute vor Ort sind, die man um Rat fragen kann. Allein dieses Gefühl der Sicherheit mindert die Wahrscheinlichkeit, dass die psychedelische Reise einen unangenehmen Verlauf nimmt, ja die Wahrscheinlichkeit von Horrortrips und/oder panischen Zuständen wird gesenkt. Dies gilt jedoch nur, wenn am Drogeninfostand erfahrenes Personal anwesend ist und dieses auch bis zum Ende der Party vor Ort anwesend bleibt.

Erweiterung des Angebots

Bis um die Jahrtausendwende waren Partydrogenbroschüren das am meisten genutzte Mittel, um Informationen über die Wirkung von Drogen zu informieren. In der Zwischenzeit gibt es weitaus ausführlichere Fachinformationen zu diversen Substanzen wie auch zum Mischkonsum von Drogen. Besonders auf Festivals trifft man jedoch immer häufiger Leute, die man als erfahrene Psychonauten bezeichnen kann. Deshalb werden auf Festivals wie dem Goa Gil Ritual die Drogeninfostände mit einem Bücherstand mit Fachliteratur zur Thematik ergänzt. Besonders erfahrene Psychonauten wissen, dass eine gut fundierte Sachkenntnis der Schadensminderung beim Drogengebrauch dienlich ist.

Abbildung 1 zeigt die ausgelegten Informationen des Drogeninfostandes auf dem Goa Gil Ritual im Jahr 2016. Foto: Doro Tops (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 1 zeigt die ausgelegten Informationen des Drogeninfostandes auf dem Goa Gil Ritual im Jahr 2016. Foto: Doro Tops (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 2 zeigt einen Teil des im gleichen Zelt untergebrachten Bücherstandes (Magus Aquarius Antiquariat) auf dem Goa Gil Ritual 2016. Foto: Doro Tops (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 2 zeigt einen Teil des im gleichen Zelt untergebrachten Bücherstandes (Magus Aquarius Antiquariat) auf dem Goa Gil Ritual 2016. Foto: Doro Tops (CC BY-SA 3.0 DE)

Auf dem Goa Gil Ritual 2017 wurde der kombinierte Info- und Bücherstand durch ein weiteres Angebot ergänzt: der Möglichkeit, seine eigene Gehirnströme zu visualisieren. Dabei kamen Brain Duino Geräte zum Einsatz, die von Masahiro Kahata entwickelt wurden. Die Kombination von Drogeninfostand und Gehirnwellenvisualisierung hatte sich bei vielen Partys im KitKat Club (Mystic Friday, Mystic Rose) bestens bewährt und ist bei den Gästen der Partys auf großes Interesse gestoßen. Die Gäste konnten so die bewusste (vom Willen beeinflusste) Tätigkeit ihres Gehirns zu Beginn der Party im nüchternen Zustand vergleichen mit der bewussten Beeinflussbarkeit ihrer Gehirnwellen zu einem späteren Zeitpunkt nach paar Stunden Tanzen im Zustand unter dem Einfluss psychotrop wirkender Substanzen. Dabei wurde offenbar, dass nach der Einnahme von Psychedelika wie LSD oder Zauberpilze, die bewusste Beeinflussbarkeit gesteigert war, nach der Einnahme von reinen Stimulanzien wie Amphetamin (Speed), Methamphetamin (Crystal Meth) oder Kokain war diese jedoch vermindert.

New Healing Festival

Das New Healing Festival dauert jeweils eine Woche. Dort gibt es nicht nur Musik, sondern auch zahlreiche Workshops, Vorträge, Yogakurse und vieles anderes mehr. Auf dem Festival gab es einen großen Drogeninfostand mit der Möglichkeit, seine Gehirnwellen vor und nach einem Yogakurs zu begutachten oder zu sehen, wie sich die Gehirnwellen beim Obertonsingen verändern. Die folgenden Bilder vermitteln einen Eindruck von der Aktion.

Abbildung 3 zeigt den Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017 kurz vor der Fertigstellung. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 3 zeigt den Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017 kurz vor der Fertigstellung. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 4 zeigt einen Ausschnitt des Drogeninfostandes  auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 4 zeigt einen Ausschnitt des Drogeninfostandes  auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 5 zeigt die Zeitschriftenauslage auf der Außenseite des Drogeninfostandes  auf dem New Healing Festival 2017. Ausgelegt zur Mitnahme waren Ausgaben des Hanf Journals, der Medijuana sowie der Soft Secrets. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 5 zeigt die Zeitschriftenauslage auf der Außenseite des Drogeninfostandes  auf dem New Healing Festival 2017. Ausgelegt zur Mitnahme waren Ausgaben des Hanf Journals, der Medijuana sowie der Soft Secrets. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 6 zeigt den Ausschnitt des Drogeninfostandes auf dem New Healing Festival 2017 mit den Infos des Deutschen Hanfverbandes, die sehr stark nachgefragt wurden. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 6 zeigt den Ausschnitt des Drogeninfostandes auf dem New Healing Festival 2017 mit den Infos des Deutschen Hanfverbandes, die sehr stark nachgefragt wurden. Dies galt insbesondere für der Infos zur Führerscheinkampagne „Klarer Kopf. Klare Regeln!“ Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 7 zeigt den politischen Teil des Infostandes. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 7 zeigt den politischen Teil des Infostandes. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE). Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl wurde vor allem auf die Kriegsverbrechen (Drohnenmorde), die von Deutschland aus (US-Airbase Ramstein) gesteuert werden, aufmerksam gemacht. Hierbei wurden diverse Informationen zur Kampagne „Stopp Ramstein“ ausgelegt und die Besucher des Standes wurden angeregt, keine Kriegstreiber zu wählen.

Abbildung 8 zeigt visualisierte Gehirnströme von zwei Personen auf der Leinwand im Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 8 zeigt visualisierte Gehirnströme von zwei Personen auf der Leinwand im Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 9 zeigt zwei Personen mit „Stromabnehmer“ auf dem Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 9 zeigt zwei Personen mit „Stromabnehmer auf dem Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tomek (CC BY-SA 3.0 DE). Links im Bild ist der Entwickler dieser Technologie, Masahiro Kahata, zu sehen. Umgangssprachlich wird diese Technologie auch „Gehirnwellenstriptease“ genannt.

Abbildung 10 zeigt eine typische Workshopsituation beim Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tim Mecking (CC BY-SA 3.0 DE)

Abbildung 10 zeigt eine typische Workshopsituation beim Drogeninfostand auf dem New Healing Festival 2017. Foto: Tim Mecking (CC BY-SA 3.0 DE). Zusätzlich zu den gedruckten Informationen wurden auch Informationen mittels Workshops zu Themen wie Musik, Psychonautik und Bewusstsein sowie natürlich in persönlichen Gesprächen beim Infostand vermittelt.

Auf dem New Healing Festival gab es ein weiteres Zentrum, wo sich Psychonauten schlau machen Konnten: das integrale Dorf, das auf dem Zeltplatz angesiedelt war. Wulf Mirko Weinreich ist der Begründer des integralen Dorfes auf dem New Healing Festival. Die Integralen versuchen, den Menschen und die Welt in der Gesamtheit und aus allen Perspektiven zu betrachten. Sie feierten dort ihr akademisches Sommerfest, zu dem alle Gäste des New Healing Festivals auch eingeladen waren. Dabei gab es Vorträge zu den Themen Bewusstsein, Psychonautik, Kommunikation, Wissenschaft und Tantra. Dabei hatte Wulf Mirko Weinreich die kompetente Unterstützung von zwei bekannten Kongressveranstaltern: Joe Schraube, Veranstalter der Kongressreihe Entheo-Science, und Henrik Jungaberle, Co-Veranstalter der Drug-Science-Konferenz, die im September 2017 in der Charité in Berlin stattfinden wird.

Vergleiche hierzu:

Video: 20 Jahre Drogeninfostände auf Technoparties – Referat von Hans Cousto, vorgetragen am 12. Okrober 2014 im Hanf Museum zu Berlin

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