vonHans Cousto 03.01.2019

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Die Wirkstoffgehalte werden in Deutschland für jede Cannabiszubereitung (Kraut, Blüten und Haschisch) getrennt erfasst und jährlich ausgewertet und im Dezember des Folgejahres veröffentlicht. Die Bestimmung des THC-Gehalts erfolgt auf der Basis der Beschlagnahmungen von Tausenden von Proben Marihuana, Blütenständen und Haschisch durch die Labore von Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und Zollbehörden. Bei den gemeldeten Wirkstoffgehalten wird das bei thermischer Belastung zusätzlich entstehende Tetrahydrocannabinol (THC) mit berücksichtigt.

Wirkstoffgehalte in Cannabiszubereitungen

Der Wirkstoffgehalt (THC-Gehalt) von Haschisch war während langer Zeit relativ konstant respektive bewegte sich in einer relativen engen Bandbreite zwischen 6,7 Prozent und 8,4 Prozent. Im Jahr 1997 – seit diesem Jahr werden die Statistiken für Cannabiszubereitungen veröffentlicht – lag der durchschnittliche THC-Gehalt von Haschisch in Deutschland bei 7,2 Prozent, im Jahr 2011 lag dieser bei 6,9 Prozent. In den folgenden sechs Jahren stieg der THC-Gehalt von Haschisch in Deutschland kontinuierlich an. Im Jahr 2017 war dieser mit 14,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2011. Die blaue Linie in der folgenden Grafik zeigt die Entwicklung des durchschnittlichen THC-Gehaltes von Haschisch in Deutschland von 1997 bis 2017.

Die Grafik zeigt den durchschnittlichen THC-Gehalt von Haschisch und Marihuana in Deutschland als Zeitreihe von 1997 bis 2017. Ab dem Jahr 2006 werden die Daten für Marihunana aufgeschlüsselt nach Blüten und Kraut dargestellt. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität.
Die Grafik zeigt den durchschnittlichen THC-Gehalt von Haschisch und Marihuana in Deutschland als Zeitreihe von 1997 bis 2017. Ab dem Jahr 2006 werden die Daten für Marihuana aufgeschlüsselt nach Blüten und Kraut dargestellt. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität.

Von auf den europäischen Märkten gefundenen Haschischsorten wurde berichtet, dass sie signifikante Mengen Cannabidiol (CBD) enthalten, ein nicht-berauschendes Cannabinoid, das THC-Schäden ausgleichen kann und somit eine protektive Wirkung aufweist. Traditionelle Herstellungsverfahren von Haschisch umfassen oft eine Mischung aus drei Pflanzenchemotypen (THC-dominant, CBD-dominant, THC und CBD), die in traditionellen Kulturen wie dem marokkanischen „Kif“ zu finden sind. Da THC und CBD aus einem gemeinsamen Vorläufer synthetisiert werden, kann die Mischung von Chemotypen, die in traditionelle Haschischherstellungsverfahren verwendet werden, zu bescheidenen THC-Konzentrationen mit ausgeglichenen (etwa gleichen) CBD-Konzentrationen führen. Im Gegensatz dazu können THC-dominante Pflanzen höhere THC-Gehalte mit wenig oder ohne CBD produzieren.

Das meiste Haschisch, das in Europa konsumiert wird, stammt aus Marokko. Gemäß einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Bath (UK), des King’s College London (UK) und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) zufolge hat sich die marokkanische Haschischproduktion in den letzten Jahren von traditionellen Cannabispflanzen „kif“ zu THC-dominanten Sorten verschoben, was zu einem deutlichen Anstieg der THC-Konzentrationen führte.

Marihuana, Blüten und Kraut

Die grüne Linie in der oben stehenden Grafik zeigt den durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von Marihuana. Der Ausreißer nach oben im Jahr 2004 ist vorwiegend auf einer Veränderung der statistischen Methode zurückzuführen, die in den Jahren 2004 bis 2006 stattfand. In die Berechnung des Wirkstoffgehalts von Marihuana fließen ab dem Jahr 2006 (teilweise schon ab dem Jahr 2004) die Werte von Cannabiskraut und Blütenständen im Verhältnis zur jeweiligen Anzahl der Proben ein. Von 2004 (10,8 Prozent) bis 2007 (7,4 Prozent) sank der mittlere THC-Gehalt im Marihuana kontinuierlich. Zwischen 2007 und 2008 gab es allerdings keine Veränderung, in den folgenden zwei Jahren wurde eine leicht Erhöhung festgestellt. Ab dem Jahr 2011 werden nur noch die Werte von Blüten und Kraut mitgeteilt.

Ein Teil des Rückgangs bei Marihuana nach dem Jahr 2004 erklärt sich aus der Tatsache, dass 2006 alle teilnehmenden Labore das Marihuana getrennt nach Cannabiskraut und Blütenständen gemeldet haben, die mit mehr als zehn Prozent einen höheren Wirkstoffgehalt aufweisen als das Cannabiskraut mit um die zwei Prozent Wirkstoffgehalt. Im Jahr 2005 haben bereits 86 Prozent der teilnehmenden Labore separate Daten geliefert, so dass der Rückgang des mittleren Wirkstoffgehaltes nach 2004 auch als Folge dieser differenzierten Betrachtung gesehen werden muss.

Die orange Linie in der oben stehenden Grafik zeigt die jährliche Entwicklung des THC-Gehalts in den Cannabisblüten, die in Deutschland beschlagnahmt wurden. Von 2006 bis 2011 verharrte der THC-Gehalt in der engen Bandbreite zwischen zehn Prozent und 11,2 Prozent. Nach dem Jahr 2011 stieg der THC-Gehalt in den Blüten kontinuierlich an und erreichte 2017 den Wert von 13,1 Prozent. Der THC-Gehalt in den Blüten stieg von 2011 bis 2017 um etwa 20 Prozent, beim Haschisch lag der Anstieg in diesem Zeitraum bei 113 Prozent.

Preise von Haschisch und Marihuana

Die Preise, die im Straßenhandel in Deutschland für ein Gramm Haschisch bezahlt wurden, haben sich im Zeitraum von 2002 bis 2017 deutlich erhöht (+ 59 Prozent). Bei Marihuana lag der Preisanstieg im gleichen Zeitraum bei knapp 39 Prozent. Die jährlich Entwicklung der Preise sind in der folgenden Grafik dargestellt.

Der Grafik zeigt die Straßenhandelspreise in Euro pro Gramm Haschisch und pro Gramm Marihuana in Deutschland als Zeitreihe von 2002 bis 2017. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität.
Der Grafik zeigt die Straßenhandelspreise in Euro pro Gramm Haschisch und pro Gramm Marihuana in Deutschland als Zeitreihe von 2002 bis 2017. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität.

Zum Vergleich: Eine Fahrt mit der Deutschen Bahn (Normalpreis) mit einer Entfernung von 101 Kilometer kostete im Jahr 2002 genau 14,00 Euro, im Dezember 2017 kostete eine solche Fahrt 23,20 Euro. Dies entspricht einer Preissteigerung um 66 Prozent. Bei kurzen Fahrten von nur 10 Kilometer war die Preissteigerung noch höher. 2002 kostete eine Fahrt von 10 Kilometer 1,60 Euro, im Dezember 2017 waren dafür 3,00 Euro zu bezahlen. Dies entspricht einer Preissteigerung um 87,5 Prozent. Die Preise der Deutschen Bahn sind seit 2002 signifikant stärker gestiegen als die Preise für Haschisch und Marihuana.

Wert des THC-Gehaltes

Der THC-Gehalt im Haschisch und im Marihuana ist seit 2002 stärker gestiegen als der Preis, den man für diese Cannabisprodukte im Straßenhandel zahlen musste. Erhielt man im Jahr 2002 pro bezahlten Euro für Haschisch im Schnitt 11,9 Milligramm THC, so waren es im Jahr 2017 ganze 15,6 Milligramm. In den Jahren 2010 und 2011 gab es pro bezahlten Euro für Haschisch nur 9,6 Milligramm THC, im Jahr 2016 waren es 16,3 Milligramm. Gemessen am THC-Gehalt und den bezahlten Preise für Haschisch ist in Deutschland der „Haschischrausch“ seit 2010 deutlich günstiger geworden, wie man der unten stehenden Grafik entnehmen kann.

Die Grafik zeigt die THC-Menge in Milligramm, die man pro bezahlten Euro in Straßenhandel in Deutschland für Haschisch und Marihuana erhält. Zeitreihe von 2002 bis 2017. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität, eigene Berechnungen.
Die Grafik zeigt die THC-Menge in Milligramm, die man pro bezahlten Euro in Straßenhandel in Deutschland für Haschisch und Marihuana erhält. Zeitreihe von 2002 bis 2017. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität, eigene Berechnungen.

Bei Marihuana kann kein eindeutiger Trend festgestellt werden. Die erhaltene Menge an THC pendelte in den letzten Jahren innerhalb der Bandbreite zwischen 11,4 Milligramm und 15,0 Milligramm THC pro bezahlten Euro und lag 2017 bei 13,1 Milligramm.

Vergleich Deutschland und EU

Gemäß der bereits erwähnten Studie der Universität Bath (UK), des King’s College London (UK) und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) und dem Abgleich der für Deutschland ermittelten Daten erhielten die Genießer von Marihuana in Deutschland pro bezahlten Euro mehr Milligramm THC-Wirkstoff als im europäischen Durchschnitt (EU + Norwegen und Türkei). Beim Haschisch war das jedoch nicht der Fall, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Grafik zeigt die THC-Menge in Milligramm, die man pro bezahlten Euro im Straßenhandel in Deutschland und in der EU für Haschisch und marihuana erhält. Zeitreihe 2006 bis 2016. Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität, Tom P. Freeman et al. und eigene Berechnungen.
Die Grafik zeigt die THC-Menge in Milligramm, die man pro bezahlten Euro im Straßenhandel in Deutschland und in der EU für Haschisch und marihuana erhält. Zeitreihe 2006 bis 2016. Datenquellen: DBDD: Jahresberichte, ab 2015 Workbook Drogenmärkte und Kriminalität, Tom P. Freeman et al. und eigene Berechnungen.

Die grüne Linie zeigt die durchschnittlichen jährlichen Werte für Marihuana in Deutschland, die braune (statistisch geglättete) Linie für Marihuana in der EU. Die grüne Linie verläuft stets oberhalb der braunen Linie, was auf einen stetig höheren Wirkstoffgehalt pro bezahlten Euro in Deutschland im Vergleich zum EU-Durchschnitt schließen lässt. Beim Haschisch liegen die Werte zeitweise über, zeitweise unter dem EU-Durchschnitt, wie man aus dem Verlauf der blauen Linie für Deutschland und der orangenen Linie für die EU erkennen kann.

Fazit

Steigender THC-Gehalt in Cannabis ist wohl wahrscheinlich die Ursache einer deutlichen Zunahme der Behandlung von Cannabiserkrankungen, die in ganz Europa zu beobachten ist. Obwohl THC der Hauptbestandteil von Cannabis ist, der für seine psychotropen wie auch für seine schädlichen Wirkungen verantwortlich ist, kann CBD einige dieser Schäden ausgleichen. In einigen Studien wurde beispielsweise berichtet, dass die akuten Auswirkungen von THC auf Kurzzeitgedächtnisstörungen und psychotischen Symptome teilweise ausgeglichen wurden, wenn CBD zusammen mit THC verabreicht wurde.

Eine wichtige Einschränkung der Studie von Tom P. Freeman et al. ist, dass in den meisten EU-Staaten keine Daten zu CBD erhoben wurden. Analysen von Haschisch in Frankreich und Dänemark zeigten, dass die CBD-Konzentrationen von 2006-2016 stabil blieben (etwa 4 Prozent in Frankreich und 6 Prozent in Dänemark). Auf der Grundlage dieser Daten könnte davon ausgegangen werden, dass die CBD-Konzentrationen von 2006 bis 2016 in Europa relativ stabil blieben, obgleich weitere Untersuchungen erforderlich sind, um dies zu verifizieren. Aufgrund steigender THC- und stabiler CBD-Gehalte in Frankreich und Dänemark, stieg die THC:CBD-Ratio in beiden Ländern. Das THC:CBD-Verhältnis ist jedoch ein maßgeblicher Faktor bezüglich der Verträglichkeit von Cannabisprodukten.

Ein hoher CBD-Anteil respektive eine niedrige THC:CBD-Ratio wirkt auf die Konsumenten entspannend ohne die THC-Wirkung zu beeinträchtigen. Die durch das CBD bewirkte Entspannung erhöht den Genuss und mindert das sogenannte Craving (Substanzverlangen).

Bei einer kommenden Legalisierung respektive Regulierung des Cannabismarktes, sind somit nicht nur die THC-Gehalte sondern auch die CBD-Gehalte zu berücksichtigen und auf allen Produkten sollten Angaben zu diesen und weiteren Cannabinoiden vermerkt werden. In diesem Sinne wäre eine Legalisierung ein wichtiger Beitrag zur Schadensminderung.

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https://blogs.taz.de/drogerie/2019/01/03/stark-steigende-thc-gehalte/

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kommentare

  • Naja, den Anstieg von Cannabisbehandlungen nur oder vor allem auf „erzwungene“ Behandlungen nach polizeilicher Auffälligkeit zurückzuführen, ist aber ebenfalls ein Mythos, denn solche Fälle machen nur rund ein Viertel der entsprechenden Behandlungen aus (dennoch ist es natürlich ein Faktor).
    Die Vorkommentatoren haben recht, Herrn Cousto ob seiner Formulierung „wohl wahrscheinlich die Ursache“ zu kritisieren, aber auszuschließen ist es nicht, dass der gestiegene THC-Gehalt bzw. insbesondere die ungünstigere THC-CBD-Ratio hier eine Rolle spielen. Aber eben nur neben dem o.g. Faktor und anderen Einflüssen, z.B. schlichtweg der gestiegenen Möglichkeiten, eine qualifizierte Beratung/Behandlung zu problematischem Cannabiskonsum zu bekommen.
    So oder so ist das Fazit doch immer das Gleiche: Legalisierung mit vernünftiger Regulierung, z.B. mit Besteuerung nicht nur nach Wirkstoffgehalt, sondern auch CBD-THC-Ratio.

  • Steigende Behandlungszahlen sind eher auf mehr Kontrollen und das angebliche „Hilfe statt Strafe“ zurückzuführen. Wen es interessiert, der kann mal „Oliver Liermann cannabis“ bei google suchen bzw. https://hanfjournal.de/2015/09/22/freiheit-fuer-oliver-liermann/ falls hier Links erlaubt sind.

    Ansonsten gibt es für das Psychoserisiko keinen epidemiologischen Nachweis, d.h. der Konsum steigt oder fällt immer wieder ohne dass sich die Fälle von den Krankheitsbildern ändern. Ist zmdst. die Behauptung einiger Gegner.

    Bisschen komischer Blog, hätte ich von ihm nicht erwartet. Aber gut, wir leben in einem Land mit Meinungsfreiheit.

  • „Steigender THC-Gehalt in Cannabis ist wohl wahrscheinlich die Ursache einer deutlichen Zunahme der Behandlung von Cannabiserkrankungen, die in ganz Europa zu beobachten ist.“

    Dieses Fazit aus dieser Datenlage zu ziehen, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten! Unwissenschaftlich, tendenziös, unwahr. Das hätte ich Cousto nicht zugetraut.

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