Das “a-paper” der taz ist von Androidpit, den Spezialisten für Android-Apps, einem ausführlichen Test unterzogen worden. Ihr Fazit:

“Die taz.app hat während des Testzeitraums einen guten Eindruck hinterlassen. Die Umsetzung der Applikation ist gelungen und für interessierte Leser ist sie allemal einen näheren Blick wert. Besonders die Handhabung mit einem großen Smartphone oder einem Tablet erspart so manches Hantieren mit Zeitungspapier. Zwar gibt es noch Kleinigkeiten zu verbessern, aber im Endeffekt handelt es sich bei taz.app um einen sehr guten Vertreter der Zunft.”

Wie die Tester sehen das offenbar auch die NutzerInnen, auf Googleplay wurde die taz-App  bisher mehr als 37.000 mal heruntergeladen und die Erfahrungsberichte dort sind ebenfalls äußerst positiv. Auch bei den derzeit  4.456 AbonnentInnen des e-Papers und denjenigen, die die digitale Ausgabe in der Kombi mit ihrem Printabo benutzen, spielt die Android-App mittlerweile die Hauptrolle – weshalb wir seit einiger Zeit ja auch schon das wunderbare Nexus 7-Tablet als Prämie  für den Abschluß neuer Abos vergeben.

Wenn Sie ein Tablet oder Smartphone mit Android-Software besitzen können Sie das hoch gelobte “a-paper” der taz sofort ausprobieren: die App ist kostenlos und eine ebenfalls kostenlose Probeausgabe zum ausführlichen Testen ist enthalten. Wenn Sie überzeugt sind können Sie Einzelausgaben der taz im e-kiosk ordern, oder – noch besser! – für nur 11,95 pro Monat ein Abo bestellen.


Nach zwei Jahren Planung ist das neue taz.de so gut wie fertig, die taz präsentiert ab heute den Relaunch ihrer Internet-Seite. Begonnen wird mit einer Betaphase: So wird die neue Seite neben der alten taz.de-Seite für die Welt zugänglich gemacht.

Die alte und noch aktuelle taz.de-Seite wird weiterhin die erste Anlaufstelle für alle sein. Ab sofort gibt es aber einen Link zur neuen Seite, so dass sich alle NutzerInnen die neue Seite ansehen und ihr Feedback abgeben können. Mögliche Fehler und Probleme, die in der Betaversion auftauchen, können über relaunch@taz.de an die taz gemeldet werden. Wenn sie behoben sind, wird die neue Seite die alte ersetzen. “Das ist also eine Operation am offenen Herzen, die vor allem eins erfordert: Konzentration, Vorsicht und Gelassenheit. Von allen”, sagt Frauke Böger, Leiterin des Online-Ressorts.

Die Agentur KircherBurckhardt hatte das Design zum neuen taz.de entwickelt. Nach dem Relaunch wird die Seite ein attraktives neues Gesicht haben. “Wir wollten taz.de zeitgemäßer und aufgeräumter machen und finden, das ist ziemlich gut gelungen”, freut sich Julia Niemann, die mit Frauke Böger die taz-Online-Redaktion leitet. Das zeigt sich beispielsweise an der neuen Kommentarfunktion, die Mitgliedern der taz.de-Kommune Diskussionen in Echtzeit ermöglicht. “Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser” meint Donata Künßberg, die die Kommentare betreut. “Wir nähern uns damit der Diskussionskultur der Realität an. Angemeldete NutzerInnen können künftig nicht nur direkt ins Thema einsteigen, sondern auch moderierend tätig werden.”

Die taz wertet mit dem Relaunch aber auch die Internet-Präsenz ihres verlegerischen Angebots auf. Aline Lüllmann, die bereits die Einführung des freiwilligen Bezahlsystems taz-zahl-ich vor zwei Jahren verantwortete, leitet mit Nicola Schwarzmaier das Sitemanagement für das neue taz.de. Beide sehen den Relaunch als konsequente Fortsetzung der taz-online-Strategie: “Qualitätsjournalismus, der auf taz.de kostenfrei und verlässlich abrufbar bleiben wird, muss sich nicht hinter Bezahlschranken verstecken. Das lebendige taz-Kollektiv mit seinen vielfältigen genossenschaftlichen und partizipativen Ansätzen bietet genug Raum, um auch auf anderen Gebieten Erlöse zu erzielen”, sagen Lüllmann und Schwarzmaier.

Deshalb wird in Zukunft das ganze vielfältige Angebot, das sich um den Markenkern taz rankt, eine ansprechende Online-Präsenz finden: taz.shop, taz Panter Preis, taz.lab, taz.café und taz.presso, taz.reisen, der taz-Auftritt in den sozialen Medien, Verlosungen und Infos zu aktuellen Veranstaltungen, aber auch die im Verlag der taz publizierten Titel Le Monde diplomatique und zeo2 werden auf dem neuen taz.de ihren Platz finden.

“Die ganze taz wird auf taz.de publizieren. Und es kommt noch vieles dazu aus dem Universum der taz”, sagt taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch und unterstreicht, dass taz.de wie die ganze taz eine Sonderrolle im deutschen Pressemarkt innehat: “Eine Bezahlschranke wollen wir nicht, weil wir sie nicht brauchen. Unsere LeserInnen beteiligen sich freiwillig und engagiert bei “taz-zahl-ich”, genau wie bei unseren frei wählbaren Abopreisen.”


aline-luellmann-nicola-schwarzmaier

Aline Lüllmann (links) und Nicola Schwarzmaier

Die eine ist ohne die andere nicht zu haben: Nicola Schwarzmaier und Aline Lüllmann sitzen in der taz-Dependance in der Charlottenstraße fast nebeneinander. Und das müssen sie auch: Beide Kolleginnen realisieren just den Neuaufbau der Internetseite der taz. Wie es fachmenschlich heißt: den neuen Auftritt auf taz.de. Und wer sind die beiden? Aline Lüllmann wurde 1984 in Bremen geboren, kam 2005 zum Studieren nach Berlin und landete 2007 für ein Praktikum in der taz. Von beidem – Berlin wie taz – kam sie seither nicht mehr los.

Der erste Kontakt zur Internetwelt bestand, wie bei so vielen in den Neunzigern, in einem Kürzel namens AOL. Schnell interessierte sie, warum sich Menschen im Netz engagieren und was sie damit bewirken können. Über ihre Diplomarbeit zur Motivationspsychologie im Social Web kam sie erst als Community Managerin und jetzt als Sitemanagerin 2011 fest zur taz. Was sie antreibt? “Mit der taz will ich im Internet Wege beschreiten, zu denen die Leute sagen ,Warum haben wir das nicht schon längst so gemacht?!`” Ähnlich wie mit der “Pay-Wahl” von “taz zahl ich“.

Nicola Schwarzmaier wurde vor 31 Jahren in Würzburg geboren. Seit 2009 lebt sie in Berlin und arbeitet seit 2012 bei der taz – obwohl sie “von Print keine Ahnung” hat. Deshalb – und weil sie das Internet für die Zukunft hält – widmet sie sich in der taz dem Digitalen. Vorher hat sie bei der TV-Show “Top of the Pops” (wer erinnert sich?) volontiert, hat zweifach studiert, wollte Barista und Depiladora werden. Jetzt ist sie Sitemanagerin – ein Beruf, von dessen Existenz sie vorher nichts wusste.

YouTube Preview Image

So rasant kann’s gehen, vor allem persönlich. Eine E-Mail hat sie zum ersten Mal 1998 verschickt. Sie sagt: “Wenn ich heute nicht 53 Tabs auf dem Screen offen habe, fühle ich mich leer.” Sie ist, nebenbei, die Betreuerin des Sitemanagementsmaskottchens Chibi. Oft steckt sie den handtaschenfähigen Hund morgens in den Rucksack und bringt ihn zur Freude aller mit in den taz-Verlag.

Mehr Informationen zu den Zielen des taz.de-Relaunches (sowie ein Bild von Nicolas Hund): Ein merkantiles Standbein


Auf dem Podium: Mely Kiyak, Leo Fischer, Deniz Yücel und Sharon Otoo. Foto: David Oliveira

“Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen” lautete der Titel einer Podiumsdiskussion auf dem taz.lab Ende April im Berliner Haus der Kulturen. Das Panel, auf dem es um Sprache, Diskriminierung und Zensur ging, endete im Eklat. Die Schriftstellerin Sharon Otoo verließ unter Protest das Podium. Unserem Redakteur Deniz Yücel ist die Moderation leider entglitten. Der Kollege hat seine Sicht der Dinge nach der Veranstaltung in der taz veröffentlicht, auf unsere Bitte hin hat dies auch Sharon Otoo mit der ihren getan. Chefredakteurin Ines Pohl und der Leiter des taz.labs, Jan Feddersen, haben gemeinsam ihr Bedauern öffentlich gemacht.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland wirft nun Deniz Yücel in einem offenen Brief vor, er habe den Kolonialismus verharmlost, Genozide relativiert und sich als Moderator respektlos verhalten. Die Initiative verurteilt erneut die Benutzung des Wortes “Neger”, das die Initiative als “N-Wort” bezeichnet. Der Begriff werde “nach wie vor im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen und Alltagsdiskriminierung gegen Schwarze Menschen in Deutschland verwendet” und sei “integraler Bestandteil rassistischer Konzepte” gewesen. Es werde Zeit, “dass sich die taz, ebenso wie die breite Gesellschaft, endlich kritisch mit dem Thema Rassismus und Sprache auseinandersetzt” und die “Stimmen derjenigen ernst nimmt, die üblicherweise als die so genannten Anderen gelten” und die als “Expert_innen zum Themenfeld Rassismus und Diversity anzuerkennen” seien. Den offenen Brief haben zahlreiche Gruppen sowie mehrere hundert Menschen unterschrieben.

Die offene Antwort der taz-Chefredaktion:

Wir haben innerhalb der taz in vielen Gesprächen – durchaus kontrovers – über den Vorfall, unseren Umgang damit und das Thema Sprache und Rassismus diskutiert. Rassismus ist für die taz inakzeptabel, Respekt im Umgang miteinander unabdingbar. Wir nehmen die Vorwürfe, die im offenen Brief der ISD genannt werden, sehr ernst. Und wissen, dass sich die taz, wie die Gesellschaft überhaupt, diesem Thema stellen muss. Dabei muss es um Grenzen gehen, die wir nicht überschreiten sollten, aber auch um die Frage, wann Diskussion unmöglich gemacht wird und wo Zensur beginnt. Auch über diese Grenze gilt es zu debattieren.

Das wollen wir nicht nur taz-intern tun, sondern auch öffentlich. Deshalb wird am kommenden Freitag auf den Meinungsseiten der taz eine Debattenserie zum Thema beginnen. Zudem wollen wir uns öffentlich der Diskussion stellen. Deshalb laden wir in den kommenden Wochen zu einer Podiumsdiskussion in Berlin. Die Planung läuft gerade. Zur Teilnahme an beidem haben wir die ISD herzlich eingeladen.

Nachtrag 24. Mai: Die Debattenserie eröffnet heute Daniel Bax mit dem Text “Warum so rücksichtslos?” Ein zweiter Artikel beschäftigt sich mit Critical Whiteness.


Auf der großen Netzkonferenz re:publica vergangene Woche in Berlin diskutierten in einer “Online-Elefantenrunde” die Leiter von  “Spiegel”-Online, “Zeit”-Online und “Südddeutsche.de” über die Schwierigkeiten, Online-Journalismus zu finanzieren. Eine neue Idee kam dabei nicht zum Vorschein, außer dass alle das innovative “taz-zahl-ich”-Modell lobten. Der Branchendienst Kress-Report schreibt dazu:

“Keinen Hehl machten die Online-Chefs aus ihrer Sympathie für das Modell der “taz”. Auf deren Online-Seite können Leser beim Abruf jedes Artikels entscheiden, ob sie freiwillig für die Lektüre bezahlen. Solch eine Idee könnte auch auf vielen anderen Seiten funktionieren, meinte Plöchinger: “Ich glaube, dass unsere Marken relativ viele Fans haben, die bereit sind, dafür zu zahlen.” Auch Wegner zeigte sich begeistert vom Einfall der “taz” und sagte: “Eigentlich müssten alle Leute nach Berlin pilgern.” Die Branche habe noch gar nicht ausreichend studiert, was da Tolles entstanden sei.”

Noch sind die Pilgermassen hier nicht eingetroffen – und falls sie kommen sollten, stellen wir ihnen das erfolgreiche “taz-zahl-ich”-Projekt gerne vor, allerdings auch verbunden mit der Skepsis, ob es auch bei ihren Websites wirklich funktionieren würde. Denn im Unterschied zu Spiegel, Zeit oder SZ verfügt die taz als genossenschaftlich organisierter Betrieb über eine Community, die sich sehr eng an das Projekt und die Zeitung gebunden fühlt. Und die von daher vermutlich auch eher bereit ist, das Webangebot der taz freiwillig zu honorieren, als das bei kommerzieller orientierten  Großverlagen der Fall wäre.

Auch wenn die Sympathie für unser Bezahlmodell in Fachkreisen weiter steigt können wir diesen Monat ausnahmesweise keine weitere Steigerung der Zahlunsgeingänge vermelden. Trotzdem kam mit 9.931,02 Euro Nettoerlösen im April eine beachtliche Summe über die freiwilligen Zahlungen bei taz.de rein.  Davon an regelmäßigen Zahlungen  5.738,95  Euro – ebenfalls etwas weniger als im Vormonat, was möglicherweise  mit der  ungewöhnlich hohen Zahl an Fehlbuchungen zu tun hat. Trotz dieses leichten Rückgangs – der auch mit den Osterfeiertagen und Ferien zu tun haben könnte – sind wir weiter begistert von der Zahlungsbereitschaft der NutzerInnen von taz.de. Die Gesamteneinahmen der Kampagne liegen  mittlerweile bei 130.992,70 Euro. Dafür allen ganz herzlichen Dank und die Bitte, uns auch in Zukunft zu unterstützen.
Bei Fragen oder Anregungen  kommentieren Sie hier oder schreiben Sie an taz-zahl-ich@taz.de.


Auf den ersten Blick zeigt die Grafik einfach eine regelmäßige und durchweg erfreuliche Steigerung der Anzahl von ePaper-Abos. Sie wurden in Kombination mit Abonnements der gedruckten taz bestellt, zur täglichen taz (grün) oder zur taz.am wochenende (rot). Seit gut einem Jahr bieten wir diese Kombinationen zu reduzierten Preisen an. Gleich im ersten Monat kamen 1.114 dieser Abos zusammen, jetzt sind’s 4.300. Wie zu erwarten war ist das Interesse der AbonnentInnen der gedruckten taz.am wochenende, das ePaper der übrigen taz-Ausgaben elektronisch als Plus hinzuzubekommen, deutlich größer, schließlich erhält man damit ja auch den Inhalt der täglichen taz zusätzlich.

Während der Anteil der ePaper-Abos zur täglichen Printtaz von 1,8 Prozent auf 4,5 Prozent kontinuierlich stieg, kletterte ihr Anteil bei den Abos der taz.am wochenende deutlich schneller von 5 auf 28 Prozent. Als förderlich erwies sich unser Prämieneinsatz: Vom September bis November 2012 sowie vom Februar bis März 2013 stiegen die Bestellungen besonders stark an. Ursache: das Angebot, bei Neuabschluss eines kompletten Kombiabos den 7-Zoll-Tabletcomputer Nexus 7 von Google als Lesegerät dazu zu bekommen.

Weil wir der Ansicht sind, dass diese Art, Zeitung zu lesen, unsere nähere Zukunft substanziell stützen kann, haben wir uns mit 2.000 weiteren dieser Geräte bevorratet – um sie besonders günstig an neue AbonnentInnen weiterzugeben. Sie erhalten das „Nexus 7“ Tablet als Prämie:

ohne Zuzahlung für den Abschluss eines Standardabos der taz plus ePaper mit einer Mindestvertragsdauer von 12 Monaten. Das Standardabo kostet 39,90 Euro oder 47,90 Euro im Monat – den Preis können Sie nach unserem Solidarprinzip wählen. Hinzu kommt 1 Euro in der Woche für das ePaper. Bestellen

mit einer Zuzahlung von 99 Euro für den Abschluss eines Abonnements der taz am Wochenende plus ePaper mit einer Mindestvertragsdauer von 12 Monaten. Dieses Abo kostet 23,90 im Monat. Bestellen

 

mit einer Zuzahlung von 99 Euro für den Abschluss eines ePaperabos der taz mit einer Mindestvertragsdauer von 24 Monaten. Das ePaperabo kostet 11,95 im Monat. Bestellen

 

 

Unsere Prämie: Nexus7

Das 7 Zoll Format – kleiner als ein iPad , größer als ein Smartphone – ist noch ungewohnt, aber es ist groß genug, um komfortabel zu lesen, leicht genug, um es in einer Hand zu halten und klein genug, um in der Jacken- oder Handtasche zu verschwinden. „7 Zoll werden der neue Standard“ notierte deshalb die „ZEIT“ nach den ersten Tests des „Nexus 7“.

Hinter einem scharfen Display sorgt im „Nexus 7“ ein moderner Vierkernprozessor für ein ruckelfreies Betriebssytem, schnelles Starten von Apps und flüssige Animationen. Und wie die Hardware, die von dem renommierten Hersteller ASUS stammt, steht auch die Software Android in der neuesten Version (4.2 Jelly Bean) für hohe Qualität und bietet beste Voraussetzungen für die Lektüre der taz, denn mit dem “aPaper” ist die taz eine der wenigen Tageszeitungen, die eine vollwertige Android-App anbietet. Leider können wir das Nexus 7 nur in Deutschland als Prämien anbieten.

Die seit Juni 2012 erhältliche Android-App der taz wurde bisher schon über 14.000 mal installiert und hat von den NutzerInnen sehr gute Bewertungen erhalten (4,1 von 5 Sternen).


Alles schön übersichtlich: Die neue Seitenstruktur von taz.de

Von Aline Lüllmann und Nicola Schwarzmaier

Seit Langem schon geistert das Wort durchs Haus. Seit einigen Monaten durchdringt es jede Mauer im Haus und in den Köpfen: der Relaunch von taz.de. Bitte? Was soll das für ein Wort sein? Manche sagen: Rilonsch. Andere Ré-Longe. Wieder andere Relounge. Geht’s noch?

Also: Ein Relaunch (der oder das [ri:lnt], zusammengesetzt aus dem Präfix “re” = lateinisch wieder bzw. neu und dem Nomen “launch” = englisch Start oder Einführung) ist die Überarbeitung eines Produkts (in unserem Fall des Webauftritts der taz) und meist aufwändiger zu realisieren, als erwartet wurde. Dem Prozess eines Relaunchs liegt, vornehm formuliert, eine chronische Retardation inne – es wird immer alles später als gedacht. Gut Ding will viel Weile haben. Gilt es doch, Fehler auf der Netzseite der taz auszubügeln und neue Spielwiesen zu schaffen.

Uns ist es bei diesem Relaunch besonders wichtig, die Möglichkeiten der LeserInnen zu mehren und ein komfortables Miteinander zu schaffen. Deshalb wird die Community-Funktion verbessert. Wer sich künftig zur taz-Kommune bekennt, kann einfacher kommentieren und reger interagieren. Aber auch anonyme Besucher kommen auf ihre Kosten. Die fundamental wichtigen Nachrichten auf taz.de werden Sie selbstverständlich weiterhin finden: übersichtlicher als bisher, inhaltlich gewichtet, nach taz-Kriterien ausgewählt.

Zudem werden Sie künftig unseren Verlag und seine Welt besser kennenlernen. Die taz ist viele! Wir sind mehr als eine Zeitung. Zur taz gehört auch eine Genossenschaft, der taz Shop sowie ein schickes Café, der Panter Preis, das taz.pressomobil, unser Auftritt in den sozialen Medien, die taz-Reisen in die Zivilgesellschaft und viele weitere Abteilungen, Projekte und Produkte – und auch das taz.lab, der taz-Kongress zum Geburtstag der Zeitung.

Pfingsten schon können Sie online sehen, worauf wir hingearbeitet haben. Stoßen Sie in Gedanken mit uns an, wenn Sie das neue Layout, die großen Bilder und die spannenden Inhalte sehen. Viel Arbeit war, was dann schmuck aussieht.

 

Nachtrag:

Nein, kein Schuss in den Ofen. Gleich geht es los mit taz.de/beta.
Wir freuen uns über euer Feedback an relaunch@taz.de.

Viele Grüße aus der taz
Aline

 


Die Werbeabteilung des taz-Verlags plant die Werbe- und Marketingstrategien für zeo2, das Umweltmagazin der taz, und setzt diese um.

Für dieses Arbeitsgebiet suchen wir ab sofort eineN PraktikantIn für die Dauer von mindestens 3 Monaten. Wir bieten eine kleine Vergütung, ein gutes Team und vielespannende Aufgaben und Einblicke in die redaktionelle Arbeit der zeo2-Redaktion.

Es gibt überdies die Möglichkeit, an den internen redaktionellen Fortbildungskursen der taz.Akademie teilzunehmen.

Wir suchen ein teamfähiges und stressresistentes Organisationstalent mit Interesse an Verlagsmarketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Du studierst in den Bereichen Medienwissenschaften, Werbung, Marketing, vielleicht auch Naturwissenschaften, Du arbeitest eigeninitiativ und selbstständig. Du kennst die übliche Bürosoftware.

Bewerbungen bitte per E-Mail an die taz-Werbeleiter Wilhelm Vogelpohl: wv@taz.de


"Intuitiv zu bedienen": Der erste Online-Auftritt der taz

“Im Rahmen des beschriebenen Projektes konnte demonstriert werden, dass die Bereitstellung eines aktualisierten, WWW-gestützen Online-Angebots für eine Tageszeitung weitgehend ohne zusätzlichen Personalaufwand möglich ist”, schrieb Dirk Kuhlmann im Jahr 1996 in seiner Studienarbeit (PDF) für die Technische Universität Berlin. Unser erster Online-Auftritt war also ein Projekt eines Studenten, der dabei von der Technik- und Archivabteilung der taz, vor allem Ralf Klever, unterstützt wurde. Kuhlmann entwickelte für uns ein System, das täglich vollautomatisch alle Artikel aus der gedruckten taz im Internet veröffentlicht. “Es soll eine Dienstgestaltung gefunden werden, die intuitiv zu bedienen ist und eine möglichst einfache Navigation in der Dokumentenstruktur erlaubt”, so Kuhlmann in der Studienarbeit. Wenig intuitiv war hingegen die Adresse: http://www.prz.tu-berlin.de/~taz (aber immer noch besser als beim Spiegel, der anfangs unter http://muenchen.bda.de:80/bda/int/sponel.de erreichbar war).

Online waren die Texte genauso angeordnet wie in der gedruckten Ausgabe

Mit seiner Arbeit wollte Kuhlmann zum Beipiel auch untersuchen “ob und in welchem Umfang das Online-Angebot überhaupt angenommen wird”. Im Mai 1995 berichtete die taz über die neue Leseoption. Im Oktober 1995 hatte die Seite bereits durchschnittlich 1559 Leser am Tag, schreibt Kuhlmann. Laut einer Umfrage auf der Webseite las ein Drittel der Leser die taz von zu Hause “über vergleichsweise schmalbandige Verbindungen”, beim “derzeitigen Stand der Technik sind das Modems mit 14.400 baud”. Der monatliche Traffic bei der Technischen Universität für dieses Angebot lag bei 6 GB.

Am 12. Mai 1995 berichtete die taz erstmals über ihren Online-Auftritt

Zu Kannibalisierungseffekten auf die gedruckte Ausgabe kam es damals nicht: “Während des Projektzeitraums konnten weder positive noch negative Auswirkungen auf Abonnements- und Kioskverkaufszahlen festgestellt werden.” Die Umfrage ergab zudem: Etwa ein Viertel aller Teilnehmer konnte sich vorstellen, für ein elektronisches Abonnement zu bezahlen, und zwar in einer Größenordnung von durchschnittlich 15 DM pro Monat. “Solange keine bequemen Zahlungsverfahren und Mikroabrechnungsmethoden (Abbuchung von Kleinbeträgen pro angefordertem Artikel) zur Verfügung stehen, dürfte die Zahl jener Leser, die tatsächlich eine Abonnementsgebühr an die tageszeitung abführen würden, geringer sein”, so Kuhlmann.

Inzwischen gibt es solche bequemen Mikrozahlverfahren, trotzdem zahlt viel weniger als ein Viertel der Leser für taz.de. Aber auch wird Kuhlmann nicht überraschen, wenn er heute davon erfährt. Bereits 1996 schrieb er, es könne “eine mögliche systematische Verzerrung des Ergebnisses nicht ausgeschlossen werden: Denkbar ist, dass die antwortenden Personen durch bewusst falsche Angaben die Chancen für eine Weiterführung des Online-Dienstes zu erhöhen versuchen.”

Das Leserforum

Im Leserforum wurden im Verlauf von vier Monaten 164 Leserkommentare geschrieben, also einer bis zwei pro Tag. Dabei bezogen sich nur 13 Leserkommentare auf andere Leserkommentare. “Das elektronische Leserforum wurde demnach fast ausschließlich in der Art und Weise traditioneller Leserbriefe (d.h. als Forum für Statements) genutzt, weniger im Sinne einer USENET-Newsgroup (d.h. als Forum für Diskussionen).”

Viel häufiger nutzten die Leser dagegen die Möglichkeit, über die Webseite E-Mails an die taz zu schicken. “Während der Anfangsphase des Projekts waren die taz-internen Zuständigkeiten zur Bearbeitung von E-Mails noch nicht ausreichend geregelt.” Sie wurden daher offenbar nicht von der taz, sondern an der Prozessrechnerverbundzentrale der TU Berlin bearbeitet, was mehrere Stunden pro Tag in Anspruch nahm. “Unserer Erfahrung nach erfordert die (inhaltliche) Bearbeitung der Lesermitteilungen und -anfragen jedoch ein Vielfaches jener Zeit, die für die laufende (technische) Wartung des Angebots nötig ist.”

Eine eigene Online-Redaktion hielt Kuhlmann für sinnvoll: “Obwohl der laufende technische Betrieb eines Online-Angebots ohne nennenswerten Personalaufwand möglich ist, deuten sowohl eigene Erfahrungen mit verschiedenen hypertextgestützten Zeitungen als auch eine Vielzahl von Leserbriefen darauf hin, dass zusätzlicher inhalticher Aufwand nötig ist, um eine Online-Tageszeitung attraktiv und benutzerfreundlich zu machen.” Trotzdem behielt die taz das Grundkonzept von Kuhlmann noch bis zum Jahr 2007 bei: Jeder Artikel aus der gedruckten Ausgabe wurde automatisch online gestellt. Erst danach gründete die taz eine eigene Redaktion, die die Artikel noch einmal onlinegerecht aufbereitet, also zum Beispiel mit Bildern und Links versieht.


“Wie wäre es, wir Bürger würden auch ein Wahlprogramm zur Bundestagswahl im September 2013 vorlegen? Welches sind die Vorhaben, die mehr als 80 Prozent der Bevölkerung von der nächsten Regierung umgesetzt wissen wollen?” hat Peter Zudeick gefragt – und dreißig Leute gebeten, über alle Ressorts hinweg die wichtigsten und dringendsten Gesetzesvorlagen  zu beschreiben – von der Finanztransaktionssteuer über die Lohnpolitik bis zum Naturschutz.  Einige AutorInnen der taz  – Bettina Gaus, Ulrike Herrmann, Ines Pohl, Ulrike Winkelmann, Stefan Reinecke, Mathias Bröckers -  haben dafür  Beiträge geliefert, weiterhin gibt es Texte  u.a. von Jens Berger, Wolfgang Hetzer, Tom Schimmeck, Rudolf Schreiber,  Sahra Wagenknecht, Wolfgang Neskovic, Wolfgang Lieb, Claudia Roth und  Ulrich Schneider.

Unter dem Titel “Das alles und noch viel mehr würden wir machen, wenn wir Kanzler von Deutschland wär’n” ist das Buch jetzt im Westend-Verlag erschienen. Am kommenden Mittwoch  (19.30 Uhr) stellen Sarah Wagenknecht, Ines Pohl und der Herausgeber Peter Zudeick den Band und die Beiträge in der Berliner Urania vor.


taz vom 12. Mai 1995: "Ab heute gibt's die digiTaz"

Der EDV-Master der taz, Ralf Klever, erzählt: “Im Herbst 1994 kamen wir mit der Technischen Universität Berlin überein, eine Webausgabe der taz als Projekt umzusetzen.” Der Spiegel war bis dahin einziges deutsches Medium im Web. Klever fand, die taz sollte das auch machen – um sie bekannter zu machen, auch Abos zu gewinnen.

Zu jener Zeit, die ja erst 18 Jahre zurückliegt, wurde das Web hauptsächlich im akademischen Bereich benutzt. “Es war uns damals sehr wohl klar, dass das Web eine spannende Technik war, die auch wachsen wird” – aber das tatsächliche Ausmaß, so Klever, also die rasend wachsende Digitalisierung einst lediglich papierner Angebote, “war uns zu der Zeit nicht klar”.

Im Januar 1995 war die Crew um Klever mit einem Prototyp online. Im Februar war dann alles fertig gebastelt – um das Produkt am 20. März auf einem Internetkongress in Darmstadt von Dirk Kuhlmann von der TU Berlin vorstellen zu lassen, der darüber schließlich auch eine Studienarbeit verfasste.

Leider schrieb die taz erst am 12. Mai jenes Jahres über diese digitalisierte Seite – deshalb gilt dieser Tag als Starttermin der taz im Web. Ein paar Tage vorher war jedoch die Schweriner Volkszeitung offiziell online. Klever: “Aus meiner Sicht ist falsch, dass diese Zeitung als erste gilt, die eine Präsenz im Netz hatte.”

Niemand glaubte an die ökonomische “Kannibalisierung” der Papierzeitungen durch das Internet – deshalb hat die taz damals sämtliche Artikel online gestellt. “Wenn die Internet-Leute einen Mehrwert in der gelieferten taz erkennen, dann sind sie freiwillig bereit, einen Obolus zu bezahlen”, so zitierte die taz in ihrem damaligen Artikel Dirk Kuhlmann. Inzwischen zahlen die “Internet-Leute” uns mehr als 10.000 Euro im Monat.


Hier der Mitschnitt des Gesprächs mit der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez zu der taz, Reporter ohne Grenzen und das Instituto Cervantes am Mittwochabend in das Instituto Cervantes in Berlin eingeladen hatten:


Dieter Reicherter

Als Dieter Reicherter im Juni 2012 für einige Tage nach London fuhr, dachte er, er könne sich einmal erholen. Es war einer seiner geliebten Konzert-Kurztrips. Der Popmusikfan wollte Frankie Valli & The Four Seasons sehen, endlich, weil die legendären US-Musiker kaum mehr in Europa spielten. Für gleich zwei Abende hintereinander hatte er Karten für die Royal Albert Hallgebucht. Bei Bekannten im Dorf war sein Haustürschlüssel hinterlegt, für den Notfall. Kaum war der pensionierte Richter über die Landesgrenze, da klingelte die Polizei bei seinen Nachbarn – und nahm von dort seinen Schlüssel mit. Guten Tag, Hausdurchsuchung beim Reicherter. In seiner Abwesenheit durchsuchten die Beamten Reicherters private Unterlagen und beschlagnahmten seine Computer.

Bis heute ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen einen Informanten, der interne Unterlagen an Reicherter weitergegeben haben soll. Inzwischen steht fest: Im Laufe der Ermittlungen werteten die Polizisten auch E-Mails aus der taz aus.

Der Hintergrund: Am 25. Februar 2012 hatte Dieter Reicherter auf der Homepage der S21-Gegner www.bei-abriss-aufstand.de öffentlich aus einem Dokument des baden-württembergischen Innenministeriums zitiert, das als vertraulich und “nur für den Dienstgebrauch” eingestuft war. Das Dokument hatte also die niedrigste Geheimhaltungsstufe, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es ging um den “Rahmenbefehl Nr. 2″ aus dem baden-württembergischen Innenministerium – und Reicherter zitierte daraus unter anderem folgenden Satz: ”Das Landeskriminalamt erstellt unter Einbeziehung der Erkenntnisse des Landesamtes für Verfassungsschutz, des Polizeipräsidiums Stuttgart, der Landespolizeidirektionen sowie der Sicherheitsbehörden des Bundes ein Gesamtgefährdungslagebild zum Bauprojekt “Stuttgart 21″, insbesondere hinsichtlich entsprechender Versammlungen und Protestformen, relevanter Veranstaltungen, potentieller Störer sowie gefährdeter Personen und Objekte.”

Der Inhalt der Unterlagen, auf die Reicherter sich dabei stützte, war nicht übermäßig brisant. Doch die Dokumente sollten unter anderem belegen, dass die baden-württembergischen Behörden auch mit verdeckten Ermittlern in der Stuttgarter Protestszene unterwegs waren – und es wohl für nötig befanden, dabei auch die Stuttgarter Parkgebete von S21-kritischen Theologen einer eigenen Gefährdungsanalyse zu unterziehen. Reicherter fragte also: “Bespitzelt der Verfassungsschutz Parkgebete?”

Bis heute will die Staatsanwaltschaft wissen: Wer gab Reicherter damals die Möglichkeit, aus diesem Dokument zu zitieren? Die Aufgabe ist nicht einfach. Denn der Empfängerkreis des Rahmenbefehls war damals groß. Laut dem Stuttgarter Rechtsanwalt Walter Zuleger, der mit der Sache befasst ist und den heutigen Hauptverdächtigen vertritt, hätten hunderte Menschen innerhalb und auch außerhalb der baden-württembergischen Sicherheitsbehörden Zugriff auf das Dokument haben können, über dessen Veröffentlichung sich die Behörden so ärgerten: Das Bekanntwerden der Informationen, so die Angst der Behörden, könne das Vertrauen der Allgemeinheit in die Unparteilichkeit und in die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung erschüttern.

Der Tübinger Rechtsanwalt Karl Joachim Hemeyer, der sowohl Dieter Reicherter als auch den heutigen Hauptverdächtigen in der Sache inzwischen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vertritt, sagt dazu: “Dass das öffentliche Vertrauen in die Regierung aufgrund derartiger Überwachungspraktiken gegen friedliche Gegner und kritische Begleiter des Projekts S21 Schaden nehmen könnte, ist eine Konsequenz des betreffenden Rahmenbefehls und der Art und Weise der Ausführung. Diese Konsequenz haben die politisch Verantwortlichen und nicht der unbekannte Informant des Herrn Dieter Reicherter zu tragen.”

Das sah das SPD-geführten Innenministerium in Baden-Württemberg allerdings anders – und erteilte mit Schreiben vom 4. April 2012 der Staatsanwaltschaft die Ermächtigung, Ermittlungen gegen unbekannt aufzunehmen. Der in Stuttgart nicht unumstrittene Oberstaatsanwalt Häußler, der bundesweit berühmt wurde, nachdem er einst einen Punk-Versandhändler vor Gericht brachte, weil dieser Sticker mit durchgestrichenen Hakenkreuzen vertrieb, hatte zuvor um eine Ermächtigung durch das Ministerium gebeten.

Reicherter selbst hat keine Strafe zu befürchten. Denn der pensionierte Jurist, der selbst fast vier Jahrzehnte als Richter und Staatsanwalt im Staatsdienst für das Land Baden-Württemberg beschäftigt war, ehe er sich zu einem der schärfsten Kritiker des Stuttgarter Bauprojekts entwickelte, hatte ein Geheimnis veröffentlicht, dessen Geheimnisträger er nicht war. Strafbar kann sich nur ein Amtsträger gemacht haben, der Reicherter das Dokument hat zukommen lassen.

Reicherter wird daher als Zeuge geführt. Sein Rechner wurde bei der Hausdurchsuchung am 27. Juni 2012 beschlagnahmt, um zu ermitteln, von wem der Pensionär den Rahmenbefehl bekommen haben könnte. Anschließend wurden Dateien, die auf seinem Rechner lagen, sowie E-Mail-Korrespondenzen von Dieter Reicherter ausgewertet.

Wie aus einem Untersuchungsbericht hervorgeht, der der taz vorliegt, wurden Reicherters Mails unter anderem gezielt nach dem Suchwort “Martin Kaul” durchsucht.

Martin Kaul, das bin ich. Ich bin Redakteur für soziale Bewegungen bei der taz. Mein Aufgabenfeld bringt es mit sich, dass ich in regelmäßigem Austausch zu Protagonisten sozialer Bewegungen stehe. Dieter Reicherter ist in Stuttgart einer der exponierten Akteure, wenn es um den Widerstand gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 geht. Auch mit Dieter Reicherter hatte ich in der Vergangenheit dementsprechend Kontakt. Zwar habe ich den Rahmenbefehl seinerzeit weder zitiert noch veröffentlicht. Dennoch hofften die Beamten offenbar darauf, in unserem Mailverkehr Hinweise darauf zu finden, durch wen Reicherter an die Unterlagen gekommen sein könnte. Solche Hinweise ergeben sich aus den Mails allerdings nicht.

Nichtsdestotrotz werden die Inhalte aus diesen redaktionellen Mails noch immer in der Ermittlungsakte geführt und sind dort dokumentiert. In einem Untersuchungsbericht wird umfassend aus den E-Mails zitiert. Dokumentiert werden insbesondere meine Ausführungen, die ich gegenüber Herrn Reicherter mache. In einem “Auswertebericht” fasst der Sachbearbeiter dann die Korrespondenz zwischen mir und Herrn Reicherter zusammen. Dabei nimmt er Bezug auf unseren inhaltlichen Austausch und gibt meine persönliche Einschätzung wieder. Auch wird dokumentiert, welche anderen Wege der Kommunikation – Fax und Telefon – Reicherter und ich bemüht haben sollen.

Für einen Journalisten ist das ein mulmiges Gefühl, wenn die vertrauliche Ebene der Kommunikation mit Quellen polizeilich durchleuchtet wird. Vor allem ist es für Journalisten relevant zu erfahren, wann und in welchem Umfang solche Maßnahmen durchgeführt werden. Von der Auswertung der Mails erfuhr die taz allerdings nur durch Zufall. Die Staatsanwaltschaft hielt es nicht für nötig, mich oder unsere Redaktion darüber in Kenntnis zu setzen. Daher erbat ich mit Schreiben vom 7. April bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Aufklärung über durchgeführte Maßnahmen und ihren Umfang. Eine inhaltliche Antwort steht bis heute aus.

Auf meine schriftliche Aufforderung, mich über Umfang und Inhalt der E-Mail-Auswertung in Kenntnis zu setzen, reagierte die Staatsanwaltschaft besonders beherzt: Sie rief mich an und wollte wissen, mit wem von beiden – dem Zeugen Reicherter oder dem inzwischen als Hauptverdächtigen geführten Herrn V. – ich denn überhaupt kommuniziert habe, also wo sie nach meinen Daten suchen könne. Angeblich, um den Vorgang leichter finden zu können. Dabei muss, meine ich, auch dem Staatsanwalt klar gewesen sein: Eine inhaltliche Auskunft dazu käme der Verletzung des Informantenschutzes gleich. Hätte ich tatsächlich mit V. kommuniziert – wäre dieser dann womöglich als Geheimnisverräter zu überführen?

In einem weiteren Schreiben vom 30. April kritisiere ich gegenüber der Staatsanwaltschaft diese Praxis. Ich meine: Nicht ich muss wissen, wo die Staatsanwaltschaft ihre Forschungen über mich dokumentiert. Sondern sie muss es wissen und sie muss es mir mitteilen. Inzwischen hat sie immerhin auf dieses Schreiben geantwortet und mir mitgeteilt, meine Quellen hätten sie bei unserem Telefonat nicht interessiert. Ich halte fest: Worum ging es aber, als meine Mails auf Reicherters Rechner gezielt gesucht und gelesen wurden?

Juristisch, so sagen mir Anwälte, darf die Staatsanwaltschaft grundsätzlich auch auf E-Mails von Journalisten zugreifen – wenn die Voraussetzungen für eine Beschlagnahmung und Auswertung gegeben sind und wenn nicht beim Journalisten selbst gesucht wird. Anders als etwa im Fall Cicero, wo die Staatsanwaltschaft Potsdam direkt in die Cicero-Redaktion eindrang, um – ebenfalls mit Bezug auf den Verdacht des Geheimnisverrats – Redaktionsdaten zu beschlagnahmen und einen potenziellen Informanten ausfindig zu machen, griffen die Stuttgarter Behörden hier nicht auf einen Redaktions-Rechner der taz zu. Stattdessen werteten sie den Rechner des “Zeugen” Reicherter aus – und stießen dabei auch auf taz-Mails.

Das heißt umgekehrt: Die Tatsache, mit einem Journalisten Kontakt gehabt zu haben, schützt nicht grundsätzlich vor der inhaltlichen Auswertung solcher Mails. Für Informanten gilt daher immer: Den Informantenschutz kann der Journalist nur dort gewähren, wo er in seiner Hand liegt. In der Vergangenheit haben sich immer wieder Informanten selbst in Gefahr gebracht. Einen guten Übersichtstext über die schwierige Rolle von Informanten und Whistleblowern hat der Kollege Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung aufgeschrieben. Wie man überwachungssicher kommunizieren kann, dazu haben die Kollegen der Zeit hier eine interessante Serie zusammengestellt, die für Informanten und Journalisten ein Muss ist.

Im Fall Dieter Reicherter hatte das Auffinden von Mails letztlich für ihn keine juristische Konsequenz, weil sie inhaltlich bedeutungslos waren und er kein Tatverdächtiger ist. Allerdings: Dass die juristischen Grundlagen einer E-Mail-Auswertung im Fall Reicherter gegeben waren, bestreitet der Stuttgarter Anwalt Walter Zuleger vehement. Er sagt: “Die Staatsanwaltschaft hatte zwar eine richterliche Genehmigung, die Computer zu beschlagnahmen, aber keine Rechtsgrundlage dafür, die E-Mails anschließend auszuwerten.” Das Verfahren, so Zuleger, “strotzt nur so vor Mängeln.” Zuleger vertritt den ehemaligen Polizisten V., dessen Wohnung dann später, am 10. Oktober 2012, ebenfalls durchsucht worden ist – nachdem die Polizei bei Dieter Reicherter Indizien gefunden haben will, die Herrn V. nach ihrer Interpretation zum Verdächtigen macht. V., ein ehemaliger Polizeibeamter, wird nun als Hauptverdächtiger geführt. Eine kritische Betrachtung des Ermittlungsstandes zeigt allerdings aus meiner Sicht: Die halbgaren Indizien, die die Polizei dabei zu Grunde legt, dürften einer gerichtlichen Überprüfung kaum standhalten.

Dieter Reicherter selbst vermutet daher, dass die polizeilichen Maßnahmen zur Einschüchterung der kritischen Protestbewegung in Stuttgart dienen sollen. Dieser These ging auch der Spiegel in seinem Text “Wut auf die Wutbürger” bereits nach und beschrieb im Juli 2012 an dem Beispiel die Schärfe, mit der die baden-württembergische Justiz gegen Stuttgart-21-Gegner vorgeht.

Der Tübinger Verfassungsrechtler Karl Joachim Hemeyer hat inzwischen im Namen des Zeugen Reicherter und des Verdächtigen V. auch Verfassungsbeschwerden erhoben. Er sagt: “Hier wurde das Grundrecht meiner Mandanten mit Füßen getreten. Die Strafverfolgungsbehörde setzt sich mit einem derartigen Vorgehen ohne Not dem Eindruck aus, politisch gegen Andersdenkende vorzugehen.”

Ich enthalte mich der Wertung, blicke aber mit Interesse den Antworten durch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft entgegen. Von ihr möchte ich gerne endlich umfassend darüber informiert werden, wann, warum und in welchem Umfang meine redaktionellen E-Mails inhaltlich ausgewertet und zu den Ermittlungsakten genommen wurden. Dem baden-württembergischen Innenministerium liegt eine Anfrage von mir vor, in der ich um eine Einschätzung des Ministeriums bitte.

Nachtrag: Auf meine Anfrage beim baden-württembergischen Innenministerium teilt ein Sprecher am 8. Mai mit, dass er nichts weiter mitteilt: “Zu laufenden Ermittlungen macht das Innenministerium keine inhaltlichen Angaben und trifft auch keine Bewertungen.” 


Das haben wir wohl unterschätzt. Binnen weniger Tage schon war die Veranstaltung mit der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez ausgebucht, zu der taz, Reporter ohne Grenzen und das Instituto Cervantes am Mittwochabend in das Instituto Cervantes in Berlin einladen. Rund 150 Plätze bietet der Saal, viel mehr haben sich angemeldet. Und nein, wir verlosen nicht – es gilt das Windhundprinzip. Die ersten 150 Personen, die sich angemeldet und eine Bestätigung bekommen haben, werden in den Saal kommen.

Aber: Für alle, die nicht direkt dabei sein können, wird es ab 19.30 Uhr hier im Hausblog einen Videolivestream der Veranstaltung geben. Und Fragen kann man auch stellen: auf Twitter mit dem Hashtag #YoaniBerlin. Moderator Bernd Pickert wird versuchen, so viele Fragen wie möglich ins Gespräch mit Yoani Sánchez einzubringen.

Eigentlich hätte es uns natürlich klar sein müssen, dass das Gespräch mit Yoani Sánchez so viel Interesse weckt. Seit die 37-jährige ausgebildete Philologin im Jahr 2007 ihren Blog “Generación Y” begann, in dem sie vor allem Geschichten und Einschätzungen aus dem kubanischen Alltag berichtete, ist ihre Leserschaft weltweit ständig angewachsen. Von freiwilligen Helfern wird ihr Blog inzwischen in viele Sprachen übersetzt, Sánchez selbst erhielt diverse internationale Blogger- und Medienpreise – die sie zunächst alle nicht entgegennehmen konnte, weil die kubanischen Behörden ihr stets die Ausreise verwehrten. Auch, als die taz sie vor zwei Jahren nach Berlin einlud. Stattdessen konnte sie damals nur diese Videobotschaft schicken:

Das Reiseverbot änderte sich erst mit dem Inkrafttreten der neuen Migrationsgesetze. Die bieten zwar im Prinzip auch die Möglichkeit, einzelnen Personen sogar ohne Angabe von Gründen die Ausreise zu verweigern, doch wollte der kubanische Staat davon offensichtlich keinen Gebrauch machen. Seit Anfang Februar ist Sánchez jetzt unterwegs, Deutschland gehört zu den letzten Stationen ihrer Reise. Aufmerksamkeit hat sie überall gefunden – solidarische und unfreundliche. Für die kubanische Regierung ist Sánchez eine “Cyber-Söldnerin”, die im Dienst der CIA stehe und feindliche Propagandalügen verbreite. Diese Position findet ihren Widerhall auch in Demonstrationen und Kundgebungen, wo immer Sánchez auftritt. In Berlin wollen die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, die Arbeitsgemeinschaft Cuba Si der Partei “Die Linke” und die Antifaschistische Linke Berlin gegen ihren Besuch demonstrieren.

Yoani Sánchez selbst geht damit gelassen um – immerhin ist sie solche “Actos de repudio”, also organisierte Proteste gegen missliebige Meinungen, auch aus Kuba gewöhnt. “Es ist gut, dass unterschiedliche Meinungen gehört werden – ich wünschte, das ginge in Kuba auch”, sagt sie.


Bernd Schlömer. Foto: Thomas Peter/Reuters

Piraten stehen für Transparenz. Wir auch. Deshalb wollen wir folgenden Vorgang für Sie an dieser Stelle transparent und nachvollziehbar machen: In einem Porträt über Johannes Ponader, das in unserer taz Wochenendausgabe am 4. Mai erschienen ist, zitieren wir Bernd Schlömer, den Bundesvorsitzenden der Piraten, mit folgender Aussage: “Uns fehlt die Kraft und die Motivation für den Wahlkampf.” Aber das komme bestimmt noch.

Herr Schlömer ließ uns während des Interviews wissen, dass er keinen Wert auf die Autorisierung von Zitaten lege. Gleichwohl schickten wir ihm seine Zitate per Mail. Und bekamen keine Antwort.

Er reagierte erst, und das dann öffentlich, nachdem diese Aussagen von Parteimitgliedern heftig kritisiert wurden. Und behauptet jetzt, sich so nie geäußert zu haben. Das ist falsch, Herr Schlömer.