Die Einnahmen über taz-zahl-ich lagen im Monat April 2012 bei 3.770,93 Euro!

Schön ist, dass die regelmäßigen Zahlungen weiter ansteigen, und zwar von 1.737, 20 Euro auf 1.902,34 Euro monatlich. Warum das so wichtig für uns ist und wie die Verteilung der Zahlungsbeträge aussieht, haben wir im Beitrag über die Einnahmen im März erzählt.

Die Höhe der einmaligen Zahlungen lag im April insgesamt bei 1.868,59 Euro, das sind ca. 120 Euro weniger als im März. Es kam über alle Zahlungswege – außer bei den regelmäßigen Zahlungen und Paypal – weniger rein als im Vormonat. Bei den Direktüberweisungen waren es 86 Euro weniger, bei den Lastschriften 52 Euro, bei Kreditkartenzahlungen 39 Euro und bei den Handyzahlungen 3 Euro. Über Paypal sind dafür 280,85 Euro, 109 Euro mehr als im Vormonat eingegangen.

Auffällig ist, dass die Zahlungen bei flattr kontinuierlich nachlassen. Wir haben bereits bei flattr nach der Entwicklung der sonstigen flattr-Transaktionen gefragt. Die Antwort war leider, dass diese Zahlen absichtlich nicht veröffentlicht werden. Kennt jemand eine Seite, auf der diese Zahlen vielleicht dennoch zu finden sind?

Um zu zeigen, wie sich die einzelnen Zahlungswege entwickeln, haben wir außerdem ein Schaubild zu den einzelnen Zahlungswegen erstellt. Dabei wird sehr deutlich, dass sich die Entwicklung der regelmäßigen Zahlungen sehen lassen kann.

Der Gesamtbetrag liegt jetzt bei 46.658,74 Euro. Auch an dieser Stelle wieder vielen Dank an alle Beteiligten.
Wir freuen uns immer wieder über die Bestätigung!


Liebe taz.de-Leserinnen und Leser,

um unsere Website besser gestalten zu können, wollen wir verstehen, wie Sie sie benutzen. Deshalb möchten wir eine Software zur Websiteanalyse auf taz.de einsetzen, nämlich „Etracker“. Mit diesem Analysetool können wir dann sehen, auf welchen Wegen unsere User über taz.de surfen, welche Elemente sie wahrnehmen und welche nicht.

Das hilft uns zum Beispiel, den vielen Content auf taz.de für unsere Leser besser überschaubar zu machen, die Website intuitiver zu gestalten.

Matthias Urbach

Matthias Urbach, Leiter taz.de

Etracker wird per JavaScript eingebunden und bereitet die Verwendung der Website in verschiedenen Statistiken auf. Die Erkenntnisse sollen dann in den für 2013 geplanten Relaunch von taz.de einfließen.

Wir haben Etracker ausgewählt, weil der Anbieter in Hamburg ansässig ist, also deutschem Datenschutzrecht unterliegt. Etracker speichert keine vollständigen IP-Adressen (an denen man im Prinzip einen User identifizieren kann). Die gewonnenen Nutzungsprofile werden für keinen anderen Zweck verwendet außer der Auswertung für taz.de.

Die Etracker-Software wird so bei taz.de eingebunden, dass auch wir keine Rückschlüsse auf die Identität eines Nutzers hinter dem Profil ziehen können – selbst dann nicht, wenn jemand auf taz.de seine Daten direkt eintippt, um zum Beispiel etwas im Ekiosk oder im tazshop zu kaufen. Denn auf diesen Formular-Seiten binden wir die Software nicht ein.

Wenn Sie trotzdem nicht wollen, dass Ihr Surfverhalten auf diese Weise aufgezeichnet wird, dann haben sie zwei Möglichkeiten, das Erstellen eine Nutzungsprofils durch Etracker zu verhindern.

Kein Google Analytics

Die meisten Website-Betreiber machen sich wenig Sorgen darum, was mit den gesammelten Daten passiert und wählen Google Analytics als Dienst, um die Benutzung ihrer Website zu untersuchen. Der Dienst ist kostenlos, birgt aber zwei Probleme: Google Analytics läuft auf sehr vielen Websites und die Daten werden auf Servern im Ausland gespeichert, die nicht deutschem Datenschutzrecht unterliegen.

Im Ergebnis kann Google mit diesen Daten umfangreiche Nutzerprofile anlegen, die es verwendet, um zielgenauer Werbung auszuspielen. Da Google Analytics auf so vielen Seiten läuft, kann Google diese Profile oft auch konkreten Personen zuordnen. Das geht besonders leicht, wenn die betreffenden Nutzer außerdem einen Google Dienst wie Google Mail oder Google+ verwenden. Ein ähnliches Problem gibt es übrigens mit Facebook.

All das kann mit den taz.de-Daten von Etracker nicht passieren. Sie bleiben anonym und dienen keinem weiteren Zweck, als unsere Website zu verbessern.

Allerdings ist taz.de leider nicht ganz frei vom Tracking Dritter. Die Werbung auf unserer Website wird oft nicht direkt von unserem Anzeigen-Server selbst ausgespielt, sondern von Servern unserer Anzeigenkunden. Dabei wird von deren Servern JavaScript geladen, was den Anzeigenkunden prinzipiell die Möglichkeit gibt, Daten über das Nutzerverhalten zu erheben – nämlich immer dann, wenn ihre Werbung angezeigt wird.

Da sich taz.de im wesentlichen aus Anzeigen finanzieren muss und dieses Verfahren den Markt dominiert, können wir das nicht im Alleingang verändern. Alles, was wir selbst direkt über unseren Anzeigenserver (von Adition) ausspielen, ist dagegen bewusst frei von Tracking.

Mit besten Grüßen

Matthias Urbach

 

PS. Wenn Sie wissen wollen, wie Etracker technisch funktioniert, lesen Sie hier weiter.

PPS. Wir starten im Laufe dieses Freitags mit der Einbindung von Etracker. Wir verwenden es zunächst noch nicht in den Blogs.


Zwei taz-Angebote sind für den Grimme-Online-Award nominiert: Unser Video-Porträt-Projekt berlinfolgen und unser Parteispendenwatch, mit dem sich alle Großspenden an die im Bundestag vertretenen Parteien leicht online nachvollziehen lassen.

Mit dem Grimme-Online-Award werden seit dem Jahr 2001 vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige Online-Angebote ausgezeichnet. In vier Kategorien werden insgesamt maximal acht Preise vergeben, nominiert sind diesmal 25 Online-Angebote. Die Preisverleihung erfolgt am 20. Juni in Köln.

berlinfolgen ist eine Serie von Fotofilmen nach dem Vorbild des New-York-Times-Projektes “One in 8 Million“. Die Serie rund um Menschen aus Berlin wird von den taz-Redakteurinnen Frauke Böger und Plutonia Plarre erstellt, Produktionspartner ist das Team von 2470media. Nominiert ist berlinfolgen in der Grimme-Rubrik “Kultur und Unterhaltung”.

Mit Parteispendenwatch stellt die taz die bisher umfassendste Suchmaschine zu Parteispenden in Deutschland zur Verfügung. Auf taz.de bereitgestellt wird aufwändig aufbereitetes und kostenloses OpenData-Material. Die Suchmaschine wird in Zusammenarbeit mit opendatacity.de veröffentlicht und ist in der Rubrik Wissen und Bildung nominiert.

Das Grimme-Institut lobt auch einen Publikumspreis aus. Wir würden uns freuen, wenn Sie für eins unserer Projekte abstimmen!


Wo heute die taz gemacht wird, wurden früher Feuerungsanlagen verkauft, Geld eingetrieben und Filme vorgeführt: Reminiszenzen aus den Akten der Baubehörde zum Haus an der Kochstraße 18.

Von Christian Semler

Rund 100 Jahre alt: taz-Haupthaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Rund 100 Jahre alt: taz-Haupthaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Wie es sich für ein wilhelminisches Gebäude aus der Zeit um 1910 geziemt, ist die Fassade zu unserem alten Redaktionsgebäude in der Kochstraße das Prächtigste, was wir zu bieten haben. Sogar der Kunstführer Dehio weiß die vorschwingenden Glas-(Eisen-)konstruktionen unserer Frontfenster zu rühmen, ganz zu schweigen von den Atlanten, die das obere Sockelgeschoss besetzen und heute von der schweren Last unserer täglichen Zeitungsarbeit künden. Diese Atlanten, gefertigt aus Sandstein, sind angeblich das Werk des Bildhauers Nikolaus Friedrich, aber so sicher ist sich auch der Dehio da nicht. Der Architekt hingegen steht fest. Es ist laut Dehio C. Kühn, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Avantgardisten unserer Tage. Der Architekt zeigt sich in der Kochstraße 18 als Meister im Einrühren neobarocker und Jugendstilelemente.

Eigentlich sollte das Haus zu Westberliner Zeiten einer Straßenerweiterung der Kochstraße zum Opfer fallen, ein Mordversuch, als den ihn Wolf Jobst Siedler, der Fan wilhelminischer Baukunst, bestimmt charakterisiert hätte. Dass es nicht so weit kam, haben wir der “Stiftung Umverteilen” zu verdanken. Sie kaufte das Gebäude und verkaufte es 1988 an die taz, als von Wiedervereinigung und Hausse der Grundstückspreise im ehemaligen Zeitungsviertel der Innenstadt noch nicht die Rede war.

Vulkanus, Gott des Feuers

Vulkanus, Gott des Feuers

Der marmorn verkleidete Eingangsflur mit seinen großen Spiegeln steht der Fassade in nichts nach. Vier römische Gottheiten halten dort Wache. Es sind fein gearbeitete Flachreliefs, hergestellt aus einer gehärteten Gipsmischung, was unschwer an der in jüngster Zeit zugefügten, weißblinkenden Fingerverletzung eines der Götter feststellbar ist. Zu sehen sind leider nur drei der vier, nämlich Vulkan, Merkur und Venus samt Amor. Die vierte Gottheit links neben der Eingangstür ist leider verschwunden und durch einen Spiegel ersetzt. Wer war er oder sie? Auch intensive Nachforschungen brachten bislang kein Ergebnis.

Bauherr war der Bauunternehmer Kuhn aus der Weddinger Müllerstraße. Clevererweise hatte er für sein Unternehmen eine GmbH gegründet, um das Risiko zu mildern.

Wer waren die ersten Mieter? Symbolisierten die Gottheiten der Eingangshalle ihre Metiers? Zweifellos.

Die “Imperial Continental Glas Association” lagerte nicht nur Feuerungsanlagen, sondern stellte sie im Kellergeschoss sogar her, eine Ordnungswidrigkeit, die alsbald polizeilich untersagt wurde. Hier sehen wir also Vulcanus am Werk.

Eingangsflur zur taz

Eingangsflur zur taz

Mercur hingegen stand für die “Mutua Confidentia WYS, Müller und Co”, ein Inkasso und Auskunftsbüro, das mit 80 Beschäftigten in den beiden oberen Stockwerken wirkte. Dort scheint nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein, wie aus dem anonymen Schreiben eines Angestellten ans Polizeipräsidium vom Juli 1911 hervorgeht. Dort heißt es: “[Die] in der vierten Etage vorhanden gewesne Wasserleitung [ist] abgeschraubt worden, so dass das Personal gezwungen ist, sich einen Trunk Wasser aus der im Closett befindlichen Leitung zu holen. Die Closetts aber sind nur von 9 bis 9 Uhr 30, von 12 bis 12 Uhr 30 und von 15 Uhr 30 bis 16 Uhr innerhalb der von 9 bis 17 Uhr währenden Arbeitszeit geöffnet.”

Detailansicht der Fassade

Detailansicht der Fassade

Offenbar hatte Mutua Confidentia in der Folgezeit polizeilichen Besuch, denn aus den Akten können wir entnehmen, dass um den nachträglichen Einbau einer Kantine im 6. Stockwerk nachgesucht wurde, ein Ort, wo sich heute neben Archiv und Dokumentation Randy Kaufmans Bar befindet. Ein ebenso lustiger wie trauriger Ort, denn hier pflegen die zahlreich von der Konkurrenz aufgekauften Redakteure mit den Kollegen ihren Abschied zu feiern.

Venus stand zweifellos für Konfektion & Kosmetika, aber über die Erstmieter aus den genannten Branchen konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.

Im zweiten Jahr des Weltkriegs wird die Kochstraße 18 von patriotischer Aufwallung ergriffen. Beantragt wird bei der Baubehörde eine Fahnenstange, gefertigt aus einem Mannesmann-Stahlrohr “in erprobter Standsicherheit”. 3 Meter 50 sollte das Rohr bis zum Dachboden reichen und dort einen gusseisernen Untersatz erhalten. Heute weht am Mast die taz-Fahne.

Meist weht über der taz die taz-Fahne, zum Frauentag wechseln wir sie aber aus

Meist weht über der taz die taz-Fahne, zum Frauentag wechseln wir sie aber aus

In der Weimarer Republik halten in der Kochstraße 18 die Medien Einzug, und zwar in Gestalt der “Radia-Film”, die dort Lager- wie Vorführräume anmietet. Wie der Baubehörde nicht verborgen bleibt, wird dort allerdings auch geschnitten und geklebt, was entsprechende baupolizeiliche Auflagen nach sich zieht.

Gegen Ende der Weimarer Republik zieht eine Film-Entregnungsfirma ein. Sie liegt jahrelang im Clinch mit der Baupolizei. Schließlich muss sich der Entregner mit seinen Berufsgenossen an den Stadtrand bequemen.

Mittlerweile hatte das Haus zweimal den Eigentümer gewechselt. Kuhns GmbH verkaufte es 1927 an die Janus-Versicherungen, von der es 1937 die Nordstern-Versicherung übernahm. Die Akten über die Nazizeit sind so bemerkenswert dünn, das eine spätere Säuberung nicht ausgeschlossen erscheint.

taz-Gebäude vor dem Anbau des Neubaus

taz-Gebäude vor dem Anbau des Neubaus

Nach 1945 verhandelt die Nordstern im Namen der Nachkriegsmieter, Konfektions- und Pharmafirmen, mit dem Magistrat von Großberlin über eine zeitgemäße Baumaßnahme: da das Eckhaus Friedrichstraße/Kochstraße ausgebombt und abgerissen worden sei, wäre es nicht schlecht, an der seitlichen Brandmauer der benachbarten Kochstraße 18 ein paar Fenster einzubauen – natürlich widerruflich. Magistrat und eine Beamtenvereinigung, der das angrenzende Grundstück gehört, stimmten zu. Von dieser humanen Maßnahme ist heute freilich nichts mehr zu sehen, denn kurz nach dem Einzug der taz wurde das Eckgrundstück wieder bebaut – strikt funktional und bar aller Prachtentfaltung.

Mit den Seitenfenstern enden die Akten der Baubehörde. Sie setzen erst wieder ein mit der taz und füllen schon zwei pralle Aktenordner. Ist doch neben dem alten Prachtbau der Erweiterungsbau der taz von Gerhard Spangenbergs getreten, auch er ein oft gelobtes, von den Berlin-Touris aus sicherer Entfernung angestauntes Bauwerk. Aber das ist eine andere Geschichte.

Siehe auch: Bildergalerie mit Fotos aus dem Inneren der taz

Dieser Artikel erschien zuerst am 22. September 2001 in der gedruckten Ausgabe der taz.


La diaria – das bedeutet übersetzt “Die Tageszeitung”. Und nicht nur in dieser Hinsicht gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen La diaria und der taz. Die alternative, unabhängige Zeitung mit Sitz in Montevideo, der Hauptstadt des südamerikanischen Uruguay, ist allerdings in den wenigen Jahren ihres Bestehens zur zweitgrößten Zeitung des Landes geworden: Übertrüge man ihre Auflage von rund 7.400 Exemplaren auf deutsche Verhältnisse, dann würde die taz täglich 170.000 Exemplare verkaufen (tatsächlich sind es gut 53.000 Exemplare).

La Diaria hat jedoch in der Alltagssprache auch noch eine andere Bedeutung, nämlich “das tägliche Auskommen”. Und das ist für die MacherInnen der Zeitung trotz des beeindruckenden Erfolges manchmal ein Problem. Im Gegensatz zur konservativen Konkurrenz kann sie viel weniger staatliche und private Anzeigen verbuchen. Auch am Kiosk ist La diaria nicht präsent – obwohl die Zeitung gerade dort mit ihren originellen Überschriften punkten könnte: Weil das Vertriebssystem in Uruguay monopolistisch organisiert ist und einen sehr hohen Teil des Verkaufspreises einbehält, hat sich La diaria einfach ausgeklinkt. Die Zeitung gibt es nur im Abonnement und wird von eigenen Austrägern per Motorrad verteilt. Punkten kann La diaria dafür in Bezug auf die Leser-Blatt-Bindung. Ihr ist es gelungen, insbesondere die jüngere Leserschaft zu gewinnen, also Männer und Frauen, die frühestens in den neunziger Jahren sozialisiert wurden. Sie verstehen sich als unideologisch und doch politisch, sie schätzen die undogmatisch-linke Ausrichtung des Blattes, das auf Leitartikel und Kommentarseite verzichtet. Die Zeitung hat sich vom klassisch linken, männlich geprägten Journalismus mit seinen Manifesten verabschiedet, stattdessen ist die 35-köpfige Redaktion nahezu paritätisch besetzt, drei von acht Ressorts werden von Frauen geleitet. Und das in einem Land, das noch immer vorwiegend von alten Männern regiert wird.

Redaktion der "La diaria"

Redaktion der "La diaria"

Frauenthemen, Umweltthemen, große Sonderbeilagen zu Klimawandel, Energie, Wasser aber auch Rockmusik und Fußball – dazu eine eigenwillige Ästhetik der klaren Form mit großen Schwarz-Weiß-Fotos, eine ungewöhnliche, von Witz geprägte Sprache. La diaria hat die Konkurrenz überrundet, die linksliberale La República und das Wirtschaftsblatt El Observador wurden zudem von Investoren aus Brasilien und Argentinien übernommen. Vor der Nase hat das Nachwuchsblatt nun nur noch die altbackene El Pais – und all dies wäre nicht möglich gewesen ohne das Prinzip der Solidarität.

Die ersten gebrauchten PCs der Redaktion in Montevideo stammten aus skandinavischen Spenden. Das Startkapital stellten seinerzeit vierzig “Aktionäre” zur Verfügung, darunter die bekannten Autoren Eduardo Galeano und Mario Benedetti. Von Beginn an waren sich die Macherinnen und Macher von La diaria einig, dass eine Versammlung der Mitarbeitenden die wichtigen Entscheidungen über die Zeitung treffen muss – aus der festen Überzeugung heraus, dass die Linke die Art von sozialen Beziehungen pflegen muss, die sie für die gesamte Gesellschaft vorschlägt. Die Generalversammlung der Genossenschaft ist nun die höchste Autorität des Unternehmens – sie wählt den Vorstand, kann ihn wieder absetzen. Die Zeitung ist eine Produktionsgenossenschaft, in der nur Personen Mitglied sein können, die auch für La diaria arbeiten – und alle bekommen das gleiche Gehalt, es sei denn, sie übernehmen Aufgaben mit besonderer Verantwortung.

Gegründet wurde die Genossenschaft im Jahr 2010 mit 26 Mitgliedern. Das Kapital der Genossenschaft besteht aus Schulden gegenüber den Mitgliedern, also den MitarbeiterInnen – es sind nicht ausgezahlte Löhne der ersten Jahre von La diaria. Das bedeutet: Es steht gar kein eigentliches Geld zur Verfügung, La diaria ist Eigentum ihrer selbst. Seit eineinhalb Jahren nun kann die Genossenschaft die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben halten. Sie kann die Zinsen für ihre Schulden bezahlen, die Schulden aber nicht reduzieren. Die Lage des so erfolgreichen Projekts bleibt daher weiterhin prekär. Kapital wird dringend benötigt, um weitere journalistische Projekte anzustoßen: Eine monatliche Zeitschrift, Ausbildungskurse für junge Journalisten, der Ausbau des Online-Angebots und eine eigene Fernsehsendung – das sind die derzeitigen Träume der MacherInnen von La diaria.

Von einem eigenen Korrespondentennetzwerk, auf das die taz sehr stolz ist, wagt man in Montevideo derzeit noch nicht einmal zu träumen. Stattdessen versucht man sich konkret darauf zu konzentrieren, endlich das Redaktionsgebäude zu kaufen: Die monatlichen Mietkosten würden wegfallen und die Immobilie wäre eine wichtige Basis, um Kredite aufnehmen zu können. Schließlich hat der Cousine aus Berlin die eigene Immobilie in der Rudi-Dutschke-Straße schon mehr als einmal den Hintern gerettet.

Machen Sie mit, überweisen Sie Ihren Unterstützungsbeitrag auf folgendes Konto: GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67, Konto-Nr. 80 20 47 74 00; Kontoinhaber taz Verlagsgenossenschaft eG; Stichwort: Genointernational. Das Geld, das bis zum 15. September eingeht, werden wir zu gleichen Teilen an die vier Genossenschaften von La diaria, BirGün, Fria Tidningen und Kulturni noviny geben.


Von Margarete Stokowski

In meiner Kolumne „Luft und Liebe“ habe ich heute angeboten, mein Rezensionsexemplar des Buchs „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ von Kristina Schröder zu verschenken. Die Idee: Die Leserin oder der Leser soll sich ein eigenes Bild von Schröders Argumentation machen können – aber ohne die Auflage zu steigern.

Bisher haben sich 25 Interessierte bei mir gemeldet, weil sie das Buch gerne lesen wollen, aber nicht kaufen möchten. Viele haben auch gleich angeboten, es nach dem Lesen an weitere Leute zu senden. So wird sich in den nächsten Wochen ein bundesweiter, halb-anonymer Lesekreis zu Schröders Buch bilden – halb-anonym, weil jede Person genau eine Adresse von einer anderen interessierten Person bekommt, um das Buch weiterzusenden. Das ist heute bereits auf der Reise nach Düsseldorf, die nächsten Stationen sind Hannover, Lübeck, Worms und Weinstadt.

Die Leserinnen und Leser sind aufgefordert, ihre Erlebnisse und Eindrücke bei der Lektüre aufzuschreiben und an mich zu senden. Über ihre Rückmeldungen wird dann demnächst hier im Hausblog berichtet.

Weitere Interessierte melden sich bitte per Mail: stokowski@taz.de


Die Kontext-Redaktion bei der Arbeit. Foto: Chris Grodotzki

Die Kontext-Redaktion bei der Arbeit. Foto: Chris Grodotzki

Von Josef-Otto Freudenreich

Wir machen weiter! Das Unmögliche ist möglich. Die Kontext:Wochenzeitung, die im Südwesten der Republik am Wochenende der taz beiliegt, hat (fast) 1000 solidarische Abonnentinnen und Abonnenten – und dafür 1000 Dank. Sie halten das kleine Schiff auf hoher See. Genau sind es 926, aber zusammen mit den Spenden können wir sagen: Das erste Ziel ist erreicht, es geht ins zweite Jahr. Getragen von unseren Leserinnen und Lesern, die überzeugt sind: Kontext ist mir’s wert. Je mehr es sind, desto besser. Und dann schaffen wir auch die 1000er-Marke – und noch viel mehr.

Was für Aussichten! Schauen, was Turner (Fast-CDU) mit seinen Millionen macht. Checken, wie Kuhn (Grüne) und Wilhelm (SPD) den Bahnhof tieferlegen. Wie Rockenbauch (SÖS), Hermann (Piraten) und Loewe (Wasserforum) oben bleiben. Der Kampf um den Job des Stuttgarter Oberbürgermeisters wird richtig aufregend – und Kontext ist dabei. Wenn das keine Herausforderung ist …

Aber keine Bange, das wird nicht alles sein.

Nur: in der Zeit bis Oktober wird sich beispielhaft zeigen, was es auf sich hat mit der “Stuttgarter Republik”. Ob sie (noch) lebt oder stumm geworden ist, ob die Matadore ihre Fahnen eingezogen haben oder wiederkommen. Vieles spricht für Letzteres, weil die OB-Wahl zur öffentlichen Bühne wird, auf der alles gespielt werden kann, was diese Stadt und dieses Land bewegt hat und bewegen wird. Und das wird nicht nur Stuttgart 21 und “arbeiten, shoppen, Freizeit” sein. Dafür werden die zahlreichen Initiativen sorgen, die sich um Verkehr, Schulen, Energie, Wohnungsbau usw. kümmern. Sie wollen eine andere Politik, ein Recht auf Mitgestaltung, und deshalb wird der Kampf um das zweitwichtigste Politamt in Baden-Württemberg ein weiterer Testlauf dafür, wie lernfähig die politische Klasse ist. Inzwischen gehört es ja zum guten Ton, selbst bei der CDU, den Bürger abzuholen, mitzunehmen und ins gelobte Land der Partizipation zu führen. Wir erinnern uns: Augenhöhe und Gehört werden. Da heißt es aufpassen.

Fürs Netz bezahlen – wer macht denn so was?

Kontext kann das nun weiter tun – mit dem Mandat seiner Leserinnen und Leser, die nicht “schwarz sehen” wollten. Das ist großartig und alles andere als selbstverständlich. Fürs Netz bezahlen – wer macht denn so was? Also muss es einen Grund geben. Der Schriftsteller Rainer Wochele etwa zählt Kontext zu den “im besten Sinne republikanischen Impulsen”, die von Stuttgart ausgesandt worden sind, zum “Solitär im Medienspektrum” eines demokratischen Gemeinwesens. Sein Verstummen, so der Literat, wäre ein “schwerlich wieder gutzumachender Verlust”. Ähnliches empfand wohl auch sein Kollege Klaus Wanninger, der Woche für Woche einen “neuen Lichtschein” am dunklen Horizont entdeckte und flugs das Soli-Abo neben der taz zeichnete. Verbunden mit der Aufforderung, den Mut zur Weiterarbeit zu behalten, “auch wenn der Wellengang höher und rauer wird”. Wie bei dem Schifflein, das sich auf unserer Titelseite in stürmischer See befindet.

Zugegeben, das war nicht immer leicht. Auch dann nicht, als uns ein fröhlicher Zeitgenosse mitteilte, er freue sich über unser Ableben. Aber wenn ein Leser (“Mir blutet das Herz”) schreibt, er könne nur einen bescheidenen Beitrag zum Überleben leisten, weil er eine fünfköpfige Familie zu ernähren habe, dann darf er nicht enttäuscht werden. So wenig wie die vielen, vielen Ermunterer (“Haltet durch”), die uns in den vergangenen Wochen geschrieben haben. Nicht zu vergessen taz-Geschäftsführer Karlheinz Ruch, der über Kontext “extrem glücklich” ist.

Ein so schwieriger wie reizvoller Schritt ins zweite Jahr

Für die Kontext-Redaktion ist das ein so schwieriger wie reizvoller Schritt ins zweite Jahr. Es gilt, den Standard nicht nur zu halten, sondern Stück für Stück auszubauen. Das gilt für die Berichterstattung aus der Stadt, die zwischen betongläubigen Investoren und Politikern eingemauert ist. Das gilt für das Land, in dem der schwarze Filz noch immer fein gewirkt ist, und das betrifft überregionale Themen, die der Mainstream nicht bedient. Wie zum Beispiel der Essay von Thomas Rothschild zu Günter Grass – “bei Weitem das Beste”, was dazu verfasst wurde, so ein Leser aus Bad Honnef.

Dazu kommt eine Überarbeitung des Internetauftritts, der nutzerfreundlicher werden muss. Der zur Debatte einlädt, als Forum für alle Bürger, die sich auf den Marktplatz der Meinungen begeben wollen.

Ein ambitioniertes Programm, wohl wahr, und – vorläufig – mit derselben Ausstattung zu stemmen. Personell wie finanziell. Insofern bitten wir unsere Leserinnen und Leser um etwas Nachsicht, wenn nicht alles auf einmal klappt. Wer dem Tod von der Schippe gesprungen ist, freut sich über jeden kleinen Schritt.

Ein Tusch auch auf den Kontext-Verein

Dem Dank an die solidarischen Abonnenten hat auch ein Tusch auf den Verein für Ganzheitlichen Journalismus, den Träger von Kontext, zu folgen. Ohne das unerschütterbare Engagement des Vorsitzenden Uli Reinhardt, unterstützt von seinen Mitstreitern Johannes Rauschenberger, Thomas Rossmann und Rainer Stieber, stünde Kontext nicht dort, wo es jetzt steht. Dank auch an den Beirat unter Vorsitz von Edzard Reuter und Hanne und Andreas Schairer, denen eine gute Zukunft des Gesamtprojekts, inklusive der Bildungsarbeit, am Herzen liegt.

Auch sie sehen einen “große Schritt nach vorne”, nachdem der Verein am vergangenen Montag weitere Grundlagen geschaffen hat. Der Vorstand wird erweitert, um die Bereiche Zeitung, Bildung und Finanzen personell abzudecken. Dazu ist eine Satzungsänderung notwendig, die, zusammen mit den Wahlen, auf der Tagesordnung der nächsten Vereinssitzung stehen wird. Auch bis dahin halten wir es mit dem langlaufenden Beiratsmitglied Dieter Baumann: “Weiter so!”

PS: Der Fotograf Chris Grodotzki hat die tägliche journalistische Arbeit bei Kontext ein Jahr lang begleitet. Mit dieser Fotoreportage hat sich der 23-Jährige an der FH für Fotojournalismus in Hannover beworben. Er hat den scharfen Blick im Bild festgehalten, die Recherche, die Redaktions-Besprechungen – und die Trophäen. Wie etwa den CDU-Schal, ein Relikt aus dem Wahlkampf von Ex-CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus.


taz Panter Preis: Heldinnen und Helden gesucht!

Kennen Sie einen Menschen, der sich mutig und kreativ für andere einsetzt und der Ihrer Meinung nach den taz Panter Preis verdient hätte?

Senden Sie uns bis zum 5. Mai Ihren Vorschlag oder Ihre Bewerbung. Helfen Sie uns dabei, Heldinnen und Helden des Alltags ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und Wege in eine engagierte Gesellschaft des Miteinanders aufzuzeigen.

Jedes Jahr werden zwei taz Panter Preise verliehen, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind und von der taz Panter Stiftung finanziert werden. Nach Bewerbungsschluss am 5. Mai trifft eine taz-interne Jury aus allen Einsendungen zunächst eine Vorauswahl von sechs Personen, die in der taz porträtiert werden. Die Porträts erscheinen ab dem 23. Juni wöchentlich in der taz, ab dem 4. August haben die Leserinnen und Leser die Möglichkeit, ihre Nummer eins zu wählen. Ein zweiter Preis wird von einer Jury vergeben. Die Preisverleihung findet am 15. September 2012 im Deutschen Theater in Berlin statt.

Wenn auch Sie die Idee des Panter Preises unterstützenswert finden, freuen wir uns über Ihre Spende. Die taz Panter Stiftung ist gemeinnützig, Spenden können steuerlich abgesetzt werden.

Im vergangenen Jahr erhielt Kazim Erdogan, der unter anderem die ersten Männer-Gesprächsgruppen für Migranten gründete, den Preis der Jury für seinen vielfältigen und ausdauernden Einsatz für mehr Integration. Der Preis der LeserInnen ging an Hadja Kitagbe Kaba, die sich mit ihrem Verein „Mama Afrika“ seit Jahren gegen die noch immer weit verbreitete Praxis weiblicher Genitalverstümmlung engagiert.


Für unser auf Kundenbetreuung/Kundengewinnung spezialisiertes Team sucht die taz-Genossenschaft ab sofort ein

Organisationstalent

Wir wünschen uns eine(n) Kollegln, der/die folgende Aufgaben eigenverantwortlich und zuverlässig übernimmt:

- Termin- und kostengerechte Steuerung unserer Werbemittelproduktion für das Marketing der Genossenschaft und der Stiftung

- Selbstständige Evaluierung unserer Werbemaßnahmen und Erstellung von Statistiken

- Mitarbeit an der Optimierung unserer Datenbanken

- Hohe Internetaffinität und redaktionelle Erfahrungen im Umgang mit Content-Management-Systemen und im Social-Media-Marketing sind Voraussetzung.

Kenntnisse aus dem Stiftungsbereich und Erfahrung mit telefonischem und schriftlichem Kundenkontakt sind wünschenswert.

Wir erwarten außerdem die Bereitschaft zur Arbeit an Wochenenden und die Betreuung von Abendveranstaltungen.

Wir wünschen uns eine/n Kollegin,

- der/die Freude am Umgang mit unterschiedlichen Verhandlungspartnern hat und diplomatisch kommunizieren kann

- der/die Liebe zum Detail hat und auch in hektischen Situationen den Überblick und die gute Laune behält,

- der/die gerne mit Datenbanken arbeitet und für die/den Statistiken und Steuerungsinstrumente eine Selbstverständlichkeit sind.

Wir bieten:

- eine volle Stelle
- ein vielseitiges Tätigkeitsfeld
- angenehmes Arbeiten im Team
- netten Kundlnnenkontakt
- taz-Lohngruppe IV

Bewerbungen gern per E-Mail bis zum 30. April an Konny Gellenbeck / Projektleitung taz Genossenschaft, geno@taz.de. Bei Rückfragen: (030) 25 90 21 16


Comiczeichnerin Schradi aus Nürnberg hat unseren Kongress Das gute Leben – es gibt Alternativen besucht und jetzt erzählt sie in einem Comic, was sie dort erlebt hat. Die ganze Geschichte gibt es bei Schradi im Blog, hier das erste Bild:


Die taz-Genossenschaft unterstützt anlässlich ihres 20. Geburtstags andere Zeitungsgenossenschaften in der ganzen Welt: BirGün aus Istanbul, Kulturní noviny aus Tschechien, la diaria aus Uruguay und Fria Tidningen aus Schweden. Bis zum 15. September dieses Jahres wird Geld gesammelt: “In den letzten zwanzig Jahren haben wir dank der Solidarität und der finanziellen Unterstützung engagierter Leserinnen und Leser die taz Genossenschaft ausbauen können. Aus dieser positiven Erfahrung heraus haben wir uns entschieden, im Jubiläumsjahr, das auch das Internationale Jahr der Genossenschaften ist, mal nicht für die taz Geld zu sammeln, sondern diese vier kleinen Mediengenossenschaften zu unterstützen”, sagt Konny Gellenbeck, Leiterin der taz Genossenschaft.

Gesammelt wird zum Beispiel für BirGün, im Jahr 2004 als linke Zeitung in der Türkei gegründet. Von Anfang an wurde sie von Gewerkschaften, Ingenieur- und Architektenkammern und sozialistischen Parteien unterstützt. Und doch hat BirGün auf dem türkischen, monopolistische geprägten Medienmarkt einige Schwierigkeiten, zum Beispiel mit dem Vertrieb und den Papierpreisen. Die Verbreitung ist im Vergleich zu anderen Zeitungen niedrig – doch ähnlich wie im Fall der taz ist die Aufmerksamkeit sehr hoch. BirGün ist die einzige sozialistische Zeitung – und die einzige oppositionelle Medieninstitution in der Türkei.

Die Redaktion der BirGün

Die Redaktion der BirGün

Die drei größten Konkurrenten sind die großen nationalen Qualitäts-/Mainstreamzeitungen (Hürriyet, Milliyet, Sabah, etc.) und die islamischen Zeitungen, die von der Regierung und regionalen islamischen Gruppen unterstützt werden. Für BirGün bedeutet das einen Wettbewerbsnachteil: Die anderen Zeitungen werden von großen globalen Unternehmen oder islamischem Kapital unterstützt. Auch die Vertriebswege sind monopolistisch strukturiert, es gibt in der Türkei nur zwei Vertriebsfirmen, die wiederum großen Unternehmen gehören. Im Anzeigengeschäft ist es ähnlich, die Konkurrenz mit den Mainstreamzeitungen eine fast unmögliche Herausforderung.

Ein schwieriges Thema in der Türkei ist und bleibt die Zensur. Es gibt eine von Angst getriebene Selbstzensur der Journalisten und institutionelle Zensur – zwei Reporter von BirGün befinden sich derzeit in Haft, die Zeitung wird mit Klagen überhäuft.

Die Leserschaft von BirGün rekrutiert sich aus SozialistInnen, SozialdemokratInnen und progressiven Jugendlichen. Und die Zeitung kann von ihrer politisch aktiven Leserschaft profitieren, denn diese bemüht sich insbesondere mit Hilfe sozialer Netzwerke, BirGün – schon jetzt bekannt für ihre freche Titelseite und die kreativen Schlagzeilen – populär zu machen. Insbesondere im Netz werden die Inhalte der kleinen Zeitung stark rezipiert.

Und Inhalte hat BirGün reichlich zu bieten, auch über das Alltägliche hinaus. Am Wochenende erscheinen zwei Beilagen, eine widmet sich der Literatur, die andere bündelt speziell auf ein intellektuelles Publikum gemünzte Essays und Debattenbeiträge. Zudem rühmt sich BirGün, die meisten Kolumnisten aller türkischen Tageszeitungen im Programm zu haben.

Klein, aber fein ist BirGün. Ganze 35 feste und zehn freie Mitarbeiter konnten in den letzten acht Jahren einige redaktionelle Erfolge für sich verbuchen. Am meisten diskutiert wurde die Berichterstattung über ein geheimes Abkommen zwischen dem Generalstabschef Yasar Büyükanit und dem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – BirGün verfügte als einzige Zeitung über die entsprechenden Unterlagen. Für viel Aufsehen sorgte auch die Entdeckung einiger geheimer Gräber, darin die Leichen staatlicherseits ermordeter Kurden.

Zensur, Vertriebsprobleme, Widerstände aller Art – das drängendste Problem bleibt das finanzielle Dilemma, in dem sich die Zeitung befindet. BirGün müht sich daher beständig, die Abonnentenzahlen zu erhöhen und das Onlineangebot besser zu vermarkten – auch BirGün versucht, seine Printausgabe als PDF zu verkaufen. Solange dies nicht ausreicht, bleiben die Unterstützer in Europa, vor allem Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, wichtig. BirGün will sogar versuchen, in Deutschland zu veröffentlichen, braucht aber einen Partner vor Ort.

Die MacherInnen von BirGün in Istanbul geben die Hoffnung nicht auf. Sie träumen von einem großen Abonnenten- und Vertriebssystem, einem effektiven Onlinejournalismus und Onlineverkauf, einer weiterhin tragfähigen Printzeitung. In einigen Punkten unterscheidet sie sich damit wenig von der taz.

Allerdings ist es in der Türkei nicht möglich, in einer genossenschaftlichen Struktur zu arbeiten. BirGün hat deshalb ihre Arbeit zunächst als Aktiengesellschaft begonnen. Zu Beginn, im Jahr 2004, hatte die Zeitung 3.000 Anteilseigner und einen Kapitalgrundstock von 400.000 Lira (170.000 Euro) – heute sind es gerade einmal 1 Million Lira (420.000 Euro). Das reicht nicht für eine bessere Zukunft.

Machen Sie mit, überweisen Sie Ihren Unterstützungsbeitrag auf folgendes Konto: GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67, Kto.-Nr. 80 20 47 74 00; Kontoinhaber taz Verlagsgenossenschaft eG; Stichwort: Genointernational. Das Geld, das bis zum 15. September bei uns eingeht, werden wir zu gleichen Teilen an die vorgestellten Zeitungen weitergeben.

In der taz-Genossenschaft sichern 11.732 Leserinnen und Leser die wirtschaftliche und publizistische Unabhängigkeit der taz. Gemeinsam halten sie ein Genossenschaftskapital von mehr als 11 Millionen Euro. Bereits mit 500 Euro können auch Sie taz GenossIn werden.


Seit Anfang April bietet die taz den AbonnentInnen die Möglichkeit, die digitale Ausgabe der gedruckten taz – das E-Paper – für 1 Euro pro Woche hinzuzubuchen: das Kombi-Abo. Nach den ersten drei Wochen können wir eine erste  Zwischenbilanz ziehen: 721 neue Kombi-Abos wurden in dieser Zeit gebucht. Zusammen mit den bestehenden 3.591 digitalen Abonnements ergibt sich so eine aktuelle “Gesamtauflage” des E-Papers von 4.312 Exemplaren. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, “Holzzeitung” und E-Paper der taz kannibalisieren sich nicht, sondern werden Freunde. Dafür gibt es gute Gründe, denn das E-Paper bietet den AbonnentInnen der gedruckten Ausgabe zahlreiche zusätzliche Vorteile:

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- Verfügbar spätestens ab 21 Uhr vor dem Erscheinungstag der gedruckten Ausgabe.
- Optimiert in 7 frei wählbaren Formaten für Desktop/Laptop, Tablet-Computer, Smartphones, E-Reader, Handy, speziell für iPhone und iPad als quasi-App »iPaper«. Die Formate finden Sie hier zum Testen.

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“Praktische Tipps zur Haltung und Pflege eines beziehungstauglichen Partners”, lautet der Titel einer aktuellen Show im Theaterhaus Stuttgart. Um ein ähnliches Thema dreht es sich auch am heutigen Freitag, wenn sich Delegationen der Wochenzeitung Kontext und des Monatsblatts einundzwanzig zu einer weiteren Fusionsverhandlung treffen. Bei dem Gespräch geht es darum, ob die Redaktionen einander für beziehungstauglich halten.

Beide Titel gingen aus dem Protest gegen Stuttgart 21 hervor, aber die Ansätze sind unterschiedlich. Kontext berichtet auch mal kritisch über die Parkschützer – bei einundzwanzig kaum denkbar. Die Monatszeitschrift wolle vor allem “Bürgerbeteiligung” fördern, sagt der Schauspieler Walter Sittler, der Vorsitzende des Herausgebervereins. Was die Titel eint, sind die finanziellen Probleme. Kontext, im Netz kostenfrei und samstags gedruckt der taz in Baden-Württemberg beigefügt, braucht bis zum 25. April 1.000 Unterstützer, sonst ist laut Chefredakteur Josef Otto Freudenreich am Monatsende Schluss. Derzeit hat man 645. Gesucht werden Spender, die einen Betrag von monatlich mindestens zehn Euro aufbringen. Sittler sagt, einundzwanzig müsse in den nächsten drei Monaten die Zahl der Abonnenten von 4.500 auf 7.000 erhöhen – das Jahresabo kostet dort 42 Euro.

Die taz zahlt 7.500 Euro pro Monat an Kontext für die Produktion der Samstagsbeilage. Das decke “knapp die Hälfte” des Etats, sagt Freudenreich. taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch sagt, das Blatt sei ihm die Summe wert. Hintergrund: Dank Kontext steigt die Aboauflage der taz-Wochenendausgabe in Baden-Württemberg. Das Kernproblem bei den Verhandlungen zwischen Kontext und einundzwanzig sei, dass “sich unabhängiger Journalismus und eine Bewegungszeitung nicht vertragen”, sagt Freudenreich. Keine Annäherung könnte aber das Aus für beide Titel bedeuten.


Wie schön! Wie schön! Die Zahlungen sind nicht weiter gesunken, sondern wieder angestiegen!

Nach den im Februar deutlich niedrigeren Einnahmen als im Januar (zweitbester Monat) ist der März 2012 nun der dritterlösstärkste Monat seit dem Start von taz-zahl-ich. Der erreichte Betrag liegt bei 3.727,30 Euro. Die Februarsumme von 3.534,15 Euro wurde damit um 195,15 Euro überboten, die Summe vom Januar allerdings noch um 694,88 Euro unterboten.

Bei den Daueraufträgen kamen im März knapp 60 Euro mehr als im Vormonat – also 1.737,20 Euro – zusammen. Viele dieser Zahlungen laufen unbegrenzt, wodurch der Zuwachs von 60 Euro de facto wesentlich mehr für uns bedeutet. Die Bandbreite der regelmäßigen Zahlungen ist groß: Eine Person zahlt 50 Euro monatlich, zwei zahlen 25 Euro, 12 zahlen 20 Euro im Monat, 14 zahlen 15 Euro, 71 zahlen 10 Euro und 150 Personen zahlen 5 Euro monatlich. Vier Personen zahlen 5 Euro im Jahr für die freie Zugänglichkeit von taz.de, das sind ca. 0,41 Euro monatlich.

Einzelzahlungen kamen in Höhe von 1.990 Euro auf das taz-Konto. Den größten Anteil hatten mit 731,98 Euro die flattr-Zahlungen, gefolgt von 583,03 per Direktüberweisungen und 343,85 Euro per Lastschrift. Die Kreditkartenzahlungen sind weiter zurückgegangen auf 79,66 Euro und die Handyzahlungen auf 80,57 Euro.

Die Gesamtsumme seit Start der Kampagne im April liegt damit bei 42.887,81 Euro.

Auch an dieser Stelle möchten wir uns wieder bei allen bedanken, die sich an den freiwilligen Zahlungen beteiligen und mithelfen, eine Kultur der Fairness im Netz zu etablieren.

Einnahmen taz-zahl-ich April 2011 - März 2012