Das gute Leben? Das gibt es, und immer mehr Menschen sind heftig entschlossen, die eigene Existenz diesem Leitsatz zu widmen. Und dem anderer Menschen. Denn, so viel wusste die alternative Bewegung schon immer, als egoistisches Unterfangen missrät jeder Vorsatz, ein Leben nach eigenem Gusto zu führen.

Das tazlab wurde nach dem 30. Geburtstag der taz als jährliches Labor zu Zukunftsfragen gegründet. Dieses tazlab wäre das erste, das das Thema vom guten Leben nicht klimatologisch oder politisch, sondern von dem gerade stattfindenden gesellschaftlichen Wandel angeht. Denn die wichtigste und übelste Lüge der vergangenen Debatten war stets: dass es keine Alternativen gibt. Wir aber sagen überzeugt: Es gibt Alternativen.

Darüber soll auf dem tazlab am 14. April in Berlin im Haus der Kulturen der Welt nachgedacht werden. Nicht allein über Ökofragen der klassischen Art, sondern eben auch über alle Aspekte gesellschaftlichen Zusammenlebens: Wie muss über eine gelingende Integrationspolitik in der Bundesrepublik nachgedacht werden? Wie kann das Leben von MigrantInnen verbessert werden? Müssen No-go-Areas hingenommen werden? Wie definiert sich eigentlich die moderne Frauenfrage, überhaupt die der Geschlechterdemokratie? Wie ist es denn um Alternativen bestellt?

Die ersten Teile des Programms stehen inzwischen. Und auch Eintrittskarten können Sie schon bestellen. Wie bei unseren Preisen für das taz-Abonnenment können Sie sich auch bei den Eintrittskarten für das tazlab frei entscheiden: Sie zahlen 10, 20 oder 30 Euro, ganz so, wie es für Sie passt.


Eine Palette Bier

Am 3. Februar schrieben wir auf unserer täglichen Satire-Seite “Die Wahrheit”:

GURKE DES TAGES

Was ist das denn für eine miserable Pressearbeit? “Die Warsteiner Gruppe stellt für Journalisten eine Auswahl honorarfreier Pressebilder zur Verfügung”, hieß es gestern in einer Pressemitteilung der Brauerei aus dem Sauerland. Verdammte Hacke! Sitzen auf Millionen Litern Bier, aber stellen nur Bilder zu Verfügung. Man könnte ja auch mal ein paar Kästen rüberwachsen lassen. Damit wir uns selbst ein Bild machen können.

Heute kam die Lieferung an: Eine Palette mit zehn Kästen. Dazu ein Brief: “Liebe taz-Redaktion, wir können nicht nur Fotos, wir können auch Bier. Herzliche Grüße vom Team der Unternehmenskommunikation der Warsteiner Brauerei”


Hate-Poetry im taz-Café

Von Ebru Tasdemir

Den Turnschuh hat er verbummelt, aber dafür hatte Deniz Yücel, der „vielleicht meistgehasste taz-Redakteur aller Zeiten“, noch die Schnürsenkel parat. Der Schuh war als Zeichen der Verachtung geschickt worden, “wie es seiner Kultur entspräche”, so der Schuhabsender und Leserbriefschreiber. Als Deniz Yücel diese kleine Anekdote zum Besten gab, war das taz-Café am Montagabend bereits so voll, dass es nicht mal mehr Stehplätze gab. Mely Kiyak, Kolumnistin der Frankfurter Rundschau und Yassin Musharbash, Journalist und Autor des Thriller “Radikal”, warfen sich da bereits die Hassmail-Pointen nur so um die Ohren und das wirklich charmant moderiert von der taz-Redakteurin Doris Akrap.

Das vollgefüllte taz-Café

Das vollgefüllte taz-Café. Foto: Friedrich Zimmermann

Auf der Veranstaltung „Hate Poetry“ zitierten und kommentierten die drei Journalisten ihre schlimmsten Drohmails, krassesten Schimpfbriefe und andere nicht nett gemeinte Zuschriften, die sie im Laufe ihrer Arbeit von ihren liebsten und deutschesten Lesern erhalten hatten. Doch es war kein klassische Politveranstaltung, sondern eine große Show. Die drei Journalisten trugen die Texte mit großem schauspielerischem Einsatz vor und boten so dem Publikum zwei Stunden beste Unterhaltung. Dieses durfte zwischendurch, wie es sich für einen Poetry-Slam gehört, per Applaus in fünf Kategorien über die beste Hassmail abstimmen. Die Kategorien: 1. „Sehr geehrter Herr Arschloch, Sehr geehrte Frau Fotze“, 2. Abokündigungsdrohung“ 3. „Falsche Freunde“ 4. „Hot Shit“ und 5. „kurz und scheiße“.

Genial auch immer wieder die Einwürfe von Mely Kiyak, die sie als “Pausenkalauer” zum Besten gab wie beispielsweise ihren Aktenordner, in dem sie die handschriftlichen Briefe sammelt, die teilweise sogar mit getrockneten Blumen geschmückt sind. Ernst ging es nicht zu, obwohl das Thema trotz Morddrohungen, Drohmails sowie öffentlichen Aufrufen 0zu Gewalt an AutorInnen mit Migrationshintergrund Alltag in Deutschland ist. Als „Katharsis“ resümmierte Yassin Musharbash den Abend: Endlich waren diese Dinger mal raus aus der privaten Schublade.

Der Sekt floss in Strömen, die Lachtränen auch und am Ende des Abends wurde eine Forderung immer wieder laut: “So was gabs noch nie. Bitte nochmal!” Wir kommen dieser Bitte selbstverständlich nach. Dieses einzigartige Ereignis muss wiederholt werden. Wait for it, wir gehen bald auf Hate-Poetry-Tour!

Siehe auch

- Radiobericht von Kemal Hür für das Funkhaus Europa über die Veranstaltung: Download als MP3

- Hassvideo gegen Yassin Musharbash


Von Sabine Mohamed

Die letzte Workshopeinheit im Konferenzraum der taz fand am vergangenen Sonntag statt – eine Rückschau:

Kritik gibt’s Gratis. Kritik sollte kein Problem sein. Bei uns schien es auch so. Vielleicht weil die Zeit ihr übriges tat. Denn vor der Kritik war kaum Raum für Gedankenausuferungen einer wie auch immer gearteten Kritik am Baby. Die Texte mussten produziert werden. Das Zeitkorsett ziemlich eng geschnürt. Das mag kritisch klingen. War es auch. Immerhin: alle Texte waren redigiert und eingespeist in die Maske. Aber die Hände von taz.de Redakteurin Franziska Seyboldt erreichten sie kurz vor knapp. Eigentlich kein Problem, wenn Ihre Aufgabe nicht die der Seiten- und Textkritik gewesen wäre.

Trotzdem sitzen wir mit erwartungsvollen Augenpaaren auf den Stühlen. Wer weiß, vielleicht sitzt auch die Kritik. Auf dem Tisch unserer Kritikerin stapeln sich zehn von ungefähr 20 Texten. Der Rest vermutlich im Laufwerk A,B,C,D, et cetera der taz-Rechner. Mehr ging leider nicht, sagt sie. Einen Blick auf unsere Seite, die als Beilage in der Montagsausgabe erscheinen soll, hat sie geworfen. Geworfen, weil es Verzug mit der Produktion gab. Ausgerechnet heute: Probleme mit dem Provider und andere technische Komplikationen, die ich selbst nicht verstand. Ein wenig verflixt war das schon. Franziska sagt zur Seite: „Optisch ganz gut“.

Kritik austeilen geht gut. Kritik bekommen geht auch. Mit Kritik umgehen? Das hängt dann doch wieder von einem Selbst und an der Form der Kritik ab. Die Kritik, um die es hier gehen soll, das war zumindest mein Gedanke, richtet sich an uns, die Teilnehmenden. Aber es kommt anders. Vorerst.

Eine der ersten Fragen, machte sich das Thema zum Thema. Warum denn „Internet-Hauptstadt Berlin“ gewählt wurde, fragt die Kritikerin, blickt in unsere Runde. Damit fragt sie nach der Urheberschaft des Themas. Einer von den Mitverantwortlichen sitzt direkt neben ihr, taz.de Chef Matthias Urbach. Er erklärt knapp die Genese. Ok. Andersrum. „Wart ihr denn mit dem Thema zufrieden? Sagt einfach mal“, schlägt sie vor.
Die meisten von uns, ich eingeschlossen, mussten sich erst einmal durchs Netz googlen, um das Thema zu verstehen. Und wie bereits im Editorial unserer Seite festgestellt wurde: Hier twittert niemand. Nur wenige im Besitz eines Smart Phone. Nicht wirklich repräsentativ, oder etwa doch?

Das vorgegebene Thema am ersten Tag des Workshops zu ändern, die Wahl, wir hatten sie. Vor Ort lockte die Aussicht das Thema tatsächlich zu ändern, vor allem sich auf ein neues zu einigen, nicht sonderlich. Also abgelehnt. Alles bleibt wie es ist. Wir wollten einfach loslegen. Das mit dem „einfach“, das steht auf einem anderen Blatt. Berlin, eine Internet-Hauptstadt? Sagt wer? Berechtigte Fragen, wir hätten sie stellen sollen. Taten wir. Wir haben einen Film (Knotenpunkt; allgemein zum Netz) dazu. Einen kritischen Text etwa im Post-Privacy Kommentar, ihn gab es ja auch. Zugegeben, irgendwie fehlte doch die kritische Auseinandersetzung in verschrifteter Form.

Nächster Punkt: Die Anzahl der Start-ups, die in Form von Bericht und Portraits verfasst wurden. Sie sagt, es waren viele. Stimmt auch. Warum gibt es keinen allgemeinen Text zu den Start-ups, fragt die Kritikerin. Wie viel gibt es davon in Berlin, seit wann, und warum? Das habe ihr schon etwas gefehlt. Wo bleibt eine kritische Perspektive? Auch bei den einzelnen Texten: Warum gibt es eben jenes Start-up? Bei einigen fehle ihr so gar eine tiefreichendere Hintergrundinformation. Was macht das Unternehmen so besonders? Schön, dass es Start-ups gibt, sagt sie. Aber wo, bleibe denn eine Zusammenschau? Das wäre schön gewesen. Was bringt mir das?

Sie sei gestolpert. Gestolpert über den Begriff „Netzgemeinde“, das sei irgendwie pauschal. Die in der print schreiben vielleicht so, aber in der online Redaktion passiere dies nicht so häufig. Was sie denn sagen würde, anstatt “Netzgemeinde”? Sie überlegt: „user“. Und damit ging dann auch ein weiteres Feld auf: moderner Sprachgebrauch. Heißt es ein App/eine App? Das blog/der blog?

Und dann sagt sie: „Mir fehlt die Metaebene.“ Jetzt greift Kritikerin Nr. 2, Elisabeth Schmidt, ein. Sie hat wohl so ziemlich alle Texte von uns gelesen, teilweise mehrmals redigiert. Sie sagt, die Texte seien stilistisch schön, bei jedem war etwas zu entdecken. Was Eigenes, Kreatives, Sprachliches und in den Texten, die es sich nicht zum Thema machten, fanden sich kritische, philosophische Gedanken/Ansätze.

Aber auch Kritikerin Nr. 1 fand die Texte schön, einige davon sprachlich sehr gelungen etwa den von Hannah, der zeitgleich gut über das nachhaltige Netz zu informieren wusste. Aber Kritik muss sein. Sie war auch gut. Nur reichte es nicht für alle Texte. Die Texte sind vielseitig, interessant und spannend geworden. Jeder von ihnen hätte eine Kritik verdient.


“Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot! Mindestens zwei Mal am Tag sagt er mir Hallo!” sang Jan Delay vor einiger Zeit – und dieser Omnipräsenz Hitlers in Magazinen, Werbung und politischem Diskurs auf die Spur zu gehen, startete Daniel Erk 2006  seinen “Hitlerblog” .  Er zählte von Beginn an zu den meistgelesenen Blogs auf taz.de   und wurde 2010  mit dem “LeadAward” als “bestes Weblog des Jahres” ausgezeichnet.

Jetzt ist das alles auch auf Papier nachlesbar: unter dem Titel “So viel Hitler war selten – Die Banalisierung des Bösen ODER Warum der Mann mit dem kleinen Bart nicht totzukriegen ist”  dokumentiert und kommentiert Daniel Erk welche Folgen es hat, wenn das Schreckliche seinen Schrecken verliert.  Hier ein Vorabdruck aus dem Buch, das ab sofort im Buchhandel erhältlich ist (Heyne Verlag, 240 S. 9,99 Euro ) – und live auf taz.de weiter geht, auf dem Hitlerblog


Die Jagd nach Klicks

Von Theresa Zimmermann

„Print vs. Online“ – welch undankbares Thema Veit Medick von Spiegel Online für uns taz-Workshop TeilnehmerInnen erwischt hat, denke ich. Wir stecken mitten in den Recherchen für unsere Artikel, die ersten Themen sind schon flöten gegangen, viele sind erschöpft.

Dann kommt der junge Spiegel Online Redakteur und knallt gleich ein paar erheiternde Statistiken an die Wand. 30 Millionen Klicks vermerkt die Seite täglich. Das Dschungelcamp kriegt 500.000 davon, ein Politiker-Portrait gerade mal 30.000. Ein Blick in die Runde: Wer fühlt sich ertappt?

Weiter mit einem Diskurs. Online ist aktueller, online ist kostenlos, online ist überall. Wie aber weiß Veit Medick die Vorwürfe an den „Standard der online-Berichterstattung“ zu verteidigen?

Zu boulevardesque? – Die Leser wollen das so. Was sie wollen, kriegen sie. Das gilt auch für taz.de. Außerdem: Vermeintlich seriöser Journalismus ist nicht immer der Beste. Ganz oben auf die Seite wird das Dschungelcamp es trotzdem nie schaffen.

Klickhurerei? – Wer keine anderen Finanzquellen hat, braucht viele Klicks auf der Website. Die bringen Werbeeinnahmen. Da kann man die Fotostrecke schon mal um ein paar Fotos in die Länge ziehen. Klingt legitim und ist zugunsten der Leser.

Zu oberflächlich? – Was schnell gehen muss, kann nicht immer detailliert sein. Dennoch: Auch Zeitungen haben ihren Redaktionsschluss – und auch Online-Journalisten kriegen mal ihre Auszeit vom Tagesgeschäft, um intensive Recherchen zu betreiben. Wie man solche aufwändigen Texte im Internet kenntlich macht, bleibt aber noch ungewiss.

Die Stimmung ist besser, die Diskussion läuft rege. Am Ende kann sich der Spiegel Journalist dann aber doch nicht verkneifen zu spotten, dass für taz.de 30.000 Klicks ein Grund zum Jubeln wären. Matthias, Chefredakteur von taz.de, weiß zu kontern: Dafür hat „die taz was mit Lebensgefühl, mit Liebe zu tun.“

Insgesamt ein lehrreiches Seminar, spannend und informativ. Meine Anfangszweifel muss ich definitiv entschuldigen. Aber ob print oder online, das weiß ich jetzt immer noch nicht.


Von Hannah Wagner, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

Auf der Party am Donnerstagabend beschließen Sabine und ich, einen Artikel über die Entwicklung des Chaos Computer Clubs zu schreiben und nach dem dritten Wein sind wir überzeugt, dass unser Plan absolut genial ist. Im Laufe des Abends entwickeln wir die wildesten Ideen: Wir werden ein Gründungsmitglied auftreiben, außerdem eine Person aus dem Vorstand und es versteht sich von selbst, dass auch ein Interview mit Daniel Domscheit-Berg nicht fehlen wird. Das alles in weniger als zwei Tagen auf die Beine zu stellen, erscheint uns dabei durchaus realistisch.

Ist es dann leider doch nicht. Bedauerlicherweise ist Europas größte Hackervereinigung nicht wirklich begeistert von der Idee, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und alle Versuche, einen CCC-Aktiven ans Telefon zu bekommen, scheitern kläglich. Unser Artikel auch.

Während Sabine nun an einem Portrait über einen Berliner Hacker schreibt, versuche ich, mir bis zu meinem Interviewtermin in einer Stunde ein umfassendes Wissen über ein Verkaufsportal anzulegen, das handgefertigte Produkte übers Internet vertreibt und verliere mich in grinsenden Rentieren, rosa Steckenpferden und Wärmflaschenhüllen mit „I LOVE YOU“-Aufschrift. Neben mir testet Jasper für seine Reportage ein Online-Computerspiel, jagt geheime Agenten und kauft virtuelle Croissants ein.

Es ist mittlerweile Freitagnachmittag und bei den ersten Teilnehmern kommen Anflüge von Panik auf, dass es mit ihrer Anfangsidee nun doch so gar nichts werden wird, im Hausflur werden die ersten Verzweiflungszigaretten geraucht. Eine Mischung aus anfänglicher Selbstüberschätzung, fehlenden Interviewpartnern und hier und da einer Riesenportion Pech zerschlagen im Laufe des Tages noch so manches Projekt. Von einer Internetbar, die sich nach zwei Stunden Recherche als gar nicht mehr existent herausstellt über Hacker, die per Mail nicht erreichbar sind bis hin zu einem Datenschützer, dem plötzlich einfällt, dass er im Interview weder den Namen seines Unternehmens, noch seinen eigenen nennen darf sehen wir uns mit einigen Problemen konfrontiert.

Irgendwie kriegen wir sie dann doch noch alle in den Griff. Am Samstagabend sind fast alle Artikel fertig geschrieben und werden in der nächsten Woche als Ergebnis des 10. Taz Panter Workshops präsentiert.


Von Sandra Köhrich, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

Während wir am ersten Tag noch alle total entspannt waren, und uns einfach nur gefreut haben, hier beim Workshop mitmachen zu können, schlummerte doch schon tief in jedem von uns die Hoffnung, mit dem eigenen Artikel in die Printausgabe der taz zu kommen (vielleicht spreche ich hier aber auch nur von mir selber…).

Warum ist das eigentlich so wichtig? Wir sind ja wohl nicht so konservativ und lehnen das Internet als Nachrichtenmedium ab, sonst wären wir ja nicht bei einem Online-Workshop.
Und eigentlich können wir ja auch froh sein, dass jede/r von uns einen eigenen Artikel schreiben kann, der dann auf taz.de veröffentlicht wird; das war bei den anderen Workshops nicht so.

Omas und Online-Artikel

Aber irgendwie scheint es doch wichtig zu sein, den eigenen Text in der realen Welt auf echtem Papier sehen zu können und “etwas in der Hand zu haben”. Vielleicht liegt es ja daran, dass man den Artikel in der Familie zeigen will und viele Omas und Opas kennen sich mit Internet und Email nicht so aus. Wenn ich mir jetzt aber vorstelle, meiner Oma einen gedruckten Artikel über “post-privacy-Start-Up-Unternehmen im Hinblick auf Freifunk in Berlin” zu zeigen, bin ich mir nicht ganz so sicher, ob sie sich für mich freuen würde oder mich für verrückt erklären würde.

Außerdem ist es ja auch so, dass wir Online-Artikel auch viel! einfacher per Email an Freunde und Familie verschicken können und immer auf unsere Texte auf taz.de zugreifen können.
Diese ganzen Vorteile zeigen eigentlich nur eines: Wir sind irrational!!!

Das “Besondere” an der gedruckten Zeitung

Naja, das kann es ja auch nicht sein. Also es geht wohl darum, dass die gedruckte Zeitung doch noch etwas Besonderes darstellt. Nicht Jeder kann einen Artikel in einer Zeitung veröffentlichen, während wirklich JEDER im Internet etwas schreiben und posten kann. Dieses “Besondere” scheint es also im Internet auf Grund der Informations-Flut nicht mehr zu geben.

Trotzdem ist es doch ziemlich cool, eigene Artikel auf taz.de veröffentlichen zu können, denn das kann und darf nicht Jeder. Und wer weiß, vielleicht gibt es in 20 Jahren gar keine gedruckten Zeitungen mehr und wir sind mit unseren Artikeln totale Vorreiter: Wir können dann immer noch unsere Artikel im Internet abrufen, während die ganzen Zeitungsartikel irgendwo in einem Keller vergilben und verrotten.


Von Tim Schauenberg, Teilnehmer am Workshop der taz Panter Stiftung

Wow endlich mal eine Zusage bei einer Bewerbung. Und dann auch noch von der Taz. Ich und 20 andere Junge Menschen aus ganz Deutschland, sind eingeladen zum Taz–Panterworkshop in Berlin. “Online Hauptstadt Berlin” ist das Thema, Online-Journalismus unser Metier. Zumindest für ein Wochenende. Vorfreude pur unser Gefühl bei dem Gedanken an unsere ersten Erfahrungen mit Leuten vom Fach.

Für Donnerstag um 16:00 Uhr hatte die Taz uns eingeladen. Ab 15:15 Uhr streune ich schon in der Gegend herum. Ja nicht zu spät kommen, dachte ich. Was und wer erwartet mich? Was erwartet man von mir? Als ich durch das Café in der Rudi–Dutschke-Straße 23 die Redaktion betrete, verwandelt sich meine Vorfreude in leichte Nervosität, Tendenz steigend. Zurecht, da es sich bei der Taz ja nicht um irgendeine Zeitung handelt, sondern um jene Zeitung die seit Ende der Siebzigerjahre als linksalternative, selbstverwaltende Zeitung der gesamten Medienlandschaft die Stirn bietet.

Mit Sicherheit wird es dort vor linksintellektuellen Schreibgenies nur so wimmeln. Und ich als Neuling in wenigen Minuten mitten drin. Erste Zweifel kommen in mir auf. Wenn das mal gut geht?

Eine halbe Stunde später sind Zweifel und Nervosität ersetzt durch Optimismus und Wohligkeit. Wir sitzen alle gemütlich bei einer Tasse Kaffee und einem Stückchen Kuchen mit den Taz–Leuten im Konferenzraum beisammen, stellen uns vor und lauschen Michael Sontheimer, wie er von den Anfängen der Taz–Zeit erzählt. Wohnzimmeratmosphäre kommt auf. Konny Gellenbeck führt uns durch das Haus und stellt uns die gesamte Taz–Famillie vor. Erleichterung breitet sich in mir aus, als klar wird, das es hier nicht darum geht, wer am besten, schnellsten, schönsten ist, sondern darum etwas zu lernen, etwas für sich selbst mitzunehmen.

Der Einstieg ist geschafft, die ersten Hemmschwellen abgebaut. Es kann losgehen. Die Zeit läuft. Sonntag 14:00 Uhr Deadline. “Online Hauptstadt Berlin“ ist unser Arbeitstitel. Ideen für spannende Geschichten gibt es zu hauf. Nach der ersten Redaktionskonferenz hat jeder seine Story. Alle Teilnehmer sind hoch motiviert und auch ich strotze vor Tatendrang. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist, dass es zum Alltag eines Journalisten gehört, dass er seine Ideen genauso schnell über Bord werfen kann wie sie ihm gekommen sind. Man braucht immer einen Plan B.

Der nächste Morgen bringt uns dem Leben eines Journalisten ein kleines Stück näher. Knapp die Hälfte aller Geschichten muss gestrichen werden. Grund dafür sind nicht zu erreichende Interviewpartner und die Zeit, die uns im Nacken liegt. Enttäuschung macht sich breit, die Stimmung ist am Boden.

Also von vorne anfangen. Neue, gute Ideen müssen her. Man will schließlich nicht irgendetwas schreiben oder filmen, sondern eine Story, eine richtige, spannende Story.

Ein wahrer Taz-Panter fängt seine Beute, auch wenn sie vor ihm flieht. Das sollte sich während des Vormittags bei allen Nachwuchspanthern herausstellen. Die Ideen kommen, die Interviewzusagen folgen und das Klackern der Tasten bedeutet das nun alle ihr Projekt, ihre Story gefunden hatten.

Durchatmen und an die Arbeit.

Wir telefonieren, grübeln, verbessern und raufen uns bis Samstag Abend die Haare. Der Sonntag soll eigentlich nur noch für die letzten Korrekturen da sein. Soll. Bis zur letzten Minute schreiben, feilen und layouten wir an unseren Texten. Wie die die ganz viel Erfahrung haben im Journalismus, immer auf den letzten Drücker. Nun ist es soweit. Die Beute ist erlegt.
Und was ist dabei herausgekommen?

Dem Thema der Online–Welt in und über Berlin hinaus haben wir uns aus verschiedensten Perspektiven versucht anzunehmen, denn das Internet ist weit und bund, zu weit und zu bunt, um es in 20 Artikeln abzubilden. Wir habens trotzdem versucht, herausgekommen ist ein Querschnitt der Berliner Online-Szene und dem, was sie in jüngster Zeit hervorgebracht hat. Und das ist erstaunlich. Leitthemen dabei sind: Internet und Gesellschaft und die daran angeknüpfte Frage, ob durch das Internet neue Formen von Datenhierachie entstehen können. Das Netz als Protestplattform und welche Bedeutung es für politische Bewegungen aktuell und in Zukunft haben wird. Innovative Berliner Onlinunternehmen von der nachhaltigen Suchmaschine, über neue Chancen für Frauen bis hin zum Onlinemarkt von handgemachten Unikaten und natürlich die Frage nach dem Recht auf Privatsphäre jedes einzelnen Users im virtuellen Raum und darüber hinaus.

Eine kleine und verkürzte Auswahl der Artikel lest ihr in der morgigen Taz. Darüber hinaus befinden sich auf www.taz.de/internethauptstadt die Texte in voller länge, weitere Artikel und Videos zu diesem Thema.

Viel Spaß beim Lesen!


Von Katharina Thies, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

Das Essen während des Workshops war in erster Linie farbenreich und stand ganz im Stile deftig-erfrischender orientalischer Kochkünste: Couscous, Kichererbsen, Reis, Kokosmilch, Curry & Co. Angerichtet auf bunt garnierten Platten, an denen sich jeder nach Belieben bedienen konnte.

Natürlich treffen bei einer größeren Gruppe von Menschen ganz unterschiedliche Geschmäcker und moralische Sichtweisen in der Lebensführung aufeinander. So war das Essen überwiegend vegetarisch bis vegan und die Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau. Und wer Hunger auf Fleisch hatte, konnte diesen am Samstagmittag stillen.

Auch für den kleinen Hunger zwischendurch hatte die taz stets Abhilfe verschafft. Ob Kekse oder Kuchen, ob Apfel oder Banane und dazu die schokoladigsten Brownies der Welt.

Ich weiß nicht, wie es den anderen Teilnehmern gefallen hat, aber mir hat’s geschmeckt! Ich bin pappsatt und klau mir fix noch einen schmackhaften Brownie!


Von Pelin Yaman, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

Okay, nachdem 20 junge Menschen, 10 weiblich und 10 männlich, über den Tag verteilt in Berlin ankamen, um beim 10. Taz-panther-Workshop teilzunehmen, versuchte jeder erst einmal sich die fremden Gesichter einzuprägen, anzukommen und verschiedene Eindrücke wahrzunehmen. Noch mehr Eindrücke allerdings waren uns gegeben, als wir uns alle gegen 20.30 Uhr in der WG eines Redakteurs der Sonntaz einfanden, um mit einer gemütlichen Party den anstrengenden Tag ausklingen zu lassen. So typisch wie es für Berlin nun mal ist, ist nichts so, wie man es erwartet. Erwartet haben ich und meine Zimmerkolleginnen auch nicht, dass vor „Mustafas Gemüse Kebap“ in Berlin-Kreuzberg auf dem Weg zu WG eine etwa 8Meter lange Schlange steht, die unbedingt den kostbaren Gemüsekebap mit Fleisch probieren möchte, obwohl an der Fensterscheibe des Imbisses so viel Fett-und Fleischreste zu erkennen sind, dass daraus mindestens 10 Döner produziert werden könnten… Der erste Gedanke beim Treppensteigen zur WG war: Es muss der Horror sein, hier einzuziehen! Das nächste Aufregende war eine Plastikschlampe namens Monique, eine Gummipuppe, hängend über einem Bett eines WG-Mitglieds, die Brüste hatte und das Gesicht vom netten Papst. Wenn man bedenkt, dass Monique ins Leben gerufen wurde, während der Papst vor einiger Zeit Berlin besuchte, weiß man, dass man nicht in einer christlichen Gemeinschaft gelandet ist. Rot, riesig und mit Charme, wie sie nur eine Wohnung in Berlin haben kann, sind die Worte, die diesen Standort wohl am besten beschreiben. Man hat das Gefühl in diesen Räumen nie alleine zu sein, sogar auf dem Klo hat man Gesellschaft von Angela Merkel die einem vom Poster aus zulächelt. Um diese mehr oder weniger fremden Eindrücke zu verdauen gab es kulinarische Neuheiten zum Stärken, besonders die veganischen Kichererbsen in einer Zitronenlauchmarinade bekamen mehr oder weniger erfreuliche Resonanz… Wo man auch hinschaute, man konnte lachende, trinkende gelangweilte und rauchende Gesichter sehen-zum Letzten Gesicht wird sich gekonnt nicht näher geäußert. Auch die Workshopteilnehmer fanden sich allmählich, nette Unterhaltungen entstanden und man hatte das Gefühl, endlich in Berlin da zu sein. Ein Motto, das auch die Berlin-Kreuzberger WG vertritt, ist auch hier passend: Inhalte überwinden! Ein Slogan, unter einem Poster von „Die Partei“-für alle, die diese WG nicht zu Gesicht bekommen konnten…


Von Sina Hannemann, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

Als mich die E-Mail erreichte, dass es in unserem Workshop auch eine Filmgruppe geben wird, war ich hellauf begeistert. Glücklicherweise durfte ich an dieser dann auch teilnehmen. Doch wie es im Journalismus nun mal ist, kam vieles anders und am Schluss gab es sogar zwei Filmgruppen.

Der Plan war da, doch die Umsetzung scheiterte (leider). Oder…nein! Wir entschieden uns gegen das Thema „Senioren und das Internet“, da ein anderes Thema ja viel, viel besser war! Eine noch tollere Idee kam uns: Wie sehen die Workshop Teilnehmer eigentlich das Internet? Konkret: Was sind ihre Schattenseiten in ihrem persönlichen Umgang mit dem Internet? Und wie wollen sie damit in Zukunft umgehen? Was ist für sie aber auch das Geilste am Internet? Und welche Chancen sehen sie dadurch für sich, ganz persönlich?
Der Rest der eigentlichen Filmgruppe (die mal aus 5 Leuten bestand, dann jedoch aus 2 Dreiergruppen. Ja, man fragt sich wo plötzlich die sechste Person herkam…) drehte dann schließlich ein Portrait über den technischen Leiter von BCIX (Internetknotenpunkt von Berlin…oder so).
Meine Filmgruppe legte am Freitag dann direkt los mit den „Dreharbeiten“. Zum Glück mussten wir keine Interviewpartner mehr rekrutieren und auch die Kamerascheuen unter den Workshop Teilnehmern sahen sich „gezwungen“ vor unsere Linse zu treten. Das nennt man wohl Gruppenzwang!
Jeder unserer Filmgruppe durfte mal Fotos knipsen, das Mikro halten und eben filmen. Lehrreiche Erkenntnisse hat somit jeder mitgenommen…zum Beispiel, dass ein Knopf äußerst tricky sein kann!
Das Anstrengendste bei den Dreharbeiten war der lange Treppenweg nach oben. (Überlegung: Alle Mitarbeiter der taz müssen einen Knackpo haben, da es keinen Fahrstuhl gibt.)
Nachdem wir am Samstag dann alle restlichen Workshop Teilnehmer interviewt hatten, ging es an den Schnittpult. Auch wenn ich das erste Mal mit Final Cut an einem Mac Computer gearbeitet habe, klappte das Schneiden mit Hilfestellung. Was für ein Erfolg!
Meinen Interviewbeitrag musste ich glücklicherweise nicht selber schneiden. Denn wer hört und sieht sich schon gerne selber in einem Video?
Nun sind alle gespannt auf das Ergebnis im Internet!


Von Sven Dücker, Teilnehmer am Workshop der taz Panter Stiftung

Angefangen hat alles mit dem Studium.
Als ich mich entschied zum Studium nach Trier umzuziehen, kam die taz schon einige Zeit immer pünktlich bei mir an. Da der gemütliche Lebensstil der Studenten einigen Einfluss auf mich hatte, blieb das zunächst einmal so. Irgendwann ergriff ich dann die Initiative und rief in der Aboabteilung der taz an, um die Adresse zu ändern.
Die taz kam nie in Trier an.
Als dann die Quartalsrechnung (nachdem ich diese nach zwei Wochen in der Heimat abgeholt hatte) kam, wurde ich wieder aktiv. Ich rief in Berlin an, um mein Abo in ein ermäßigtes Abo umzuwandeln und um die Adresse endlich ändern zu lassen. Der erste Erfolg zeigte sich dann 2 Tage später, denn in meinem Trierer Briefkasten fand sich die Rechnung für mein umgewandeltes Abo. Nach kurzer Zeit der Hoffnung bemerkte ich:
Die taz kam nie in Trier an.
Mitte Dezember kam dann der Anruf mit der Einladung zum taz Panter Workshop und als es dann darum ging, einen Monat die taz gestiftet zu bekommen, gab ich meine Adresse zum dritten Mal an.
Die taz kam nie in Trier an.
Verschiedenes kann der Lesende hieraus erfahren:
1. Egal, um welches Thema es geht, er sollte hartnäckig bleiben, um sein Ziel zu erreichen.
2. Rechnungen kommen immer an.
3. Aller guten Dinge sind drei. Oder nicht? Naja im Falle meines taz-Abo wird Nummer 4 folgen.


Von Hannah Eßler, Teilnehmerin am Workshop der taz Panter Stiftung

„So. Und jetzt legt mal los!“ Zwanzig Augenpaare irren umher, zwanzig Fragezeichen im Gesicht. Räuspern. Willkommen zum TAZ-Workshop Januar 2012! Es ist Donnerstag, es ist der erste Tag, wir, die zwanzig Möchtegern-Journalisten aus dem gesamten Lande, dürfen nach einer Hausführung jetzt offiziell loslegen: Die erste Redaktionskonferenz hat begonnen. Zu Beginn: dankbarer Fast-Frontalunterricht, zuhören, Präsentation, Passivität. Und dann ab ins kalte Wasser: „Ja, also jetzt seid ihr dann dran.“ Aller Anfang ist schwer, und hier sitzen zwanzig mehr oder weniger vorerfahrene und grundverschiedene Leute. Zögerlich tasten wir uns voran, anfangs noch schüchtern, dann immer bestimmter fliegen die Hände in die Höhe. Es gibt ja auch so viel zu besprechen: welches Oberthema wollen wir denn genau, wollen wir das nicht mal abstimmen, wollen wir nicht mal abstimmen, ob wir das jetzt abstimmen wollen, oder nicht lieber später, wenn wir konkrete Themen gefunden haben, die wir dann in Sparten ordnen, oder auch nicht, und wenn ja, wie viele Sparten, und was für welche, und wie groß/laut muss ich schreiben/reden, dass ihr das am anderen Ende des Raums noch lesen/hören könnt? Das ist die schnelle, die harte Version von Sich-Kennen-Lernen, alle sind aufgeregt, niemand kann die anderen einschätzen, und schon jetzt soll unter Zeitdruck produktiv gearbeitet werden. Ein Wollknäul aus Meinungen, Standpunkten, Vorschlägen. Langsam erst entwickelt sich eine Struktur, Redelisten folgen, Sortierungen, Gruppierungen. Vor der Kaffeemaschine trifft man sich, atmet gemeinsam kurz durch und lässt die heißgelaufenen Zahnräder im Hirn wieder herunterkühlen. Dann geht’s zurück ins Getümmel, und erst der Ausruf „In ner viertel Stunde kommt euer Catering!“ setzt einen Schlusstrich. „So. Und jetzt erst mal eine rauchen!“


Von Clemens Wigger, Teilnehmer am Workshop der taz Panter Stiftung

Wenn die taz ein Hund wäre, hätte ich schon so einige Pantoffeln nach ihr geschmissen. Das Ergebnis des Grand Prix d’Eurovision auf der Titelseite wäre vielleicht sogar ein Stiefelwurf geworden. Braucht es eine solche taz noch? Die Grünen sind gemeinsam mit ihren Kernthemen mittlerweile Mainstream geworden. Der zweite Atomausstieg wurde von Schwarz-Gelb beschlossen, die Wehrpflicht unter einem CSU-Minister abgeschafft und Joschka Fischer berät Siemens. Und aus dem taz-Panter wurde ein zahmer Köter?

Mit ihren Berichten zu veganen Supermarktketten und Werbebeilagen zu teurer Öko-Kleidung würde Slavoj Žižek sie wahrscheinlich als Postille des grünen Kapitalismus brandmarken. Gleich ihrer KernleserInnenschaft: Grün und arriviert. Das digitale Angebot passt sich dem Markt an; es gibt die taz als e-Paper und fürs iPhone. Die taz ist am Puls des digitalen Zeitalters. Mit dem Fortschritt auf Augenhöhe. Der Beschleunigung gewachsen.

Auf den Berlinhype weiß sie mit den Berlinfolgen im Web zu antworten. Macchiato-Mütter manifestiert sich in Titelzeilen – einem Stereotype verurteilenden Redaktionsstatut zum Trotz. Und der Erfahrungsbericht von 40 Tagen ohne Handy und Internet ist eine ganze Seite wert.

Köter, die ohne fütterndes Herrchen in der Großstadt leben, haben es nicht leicht. Sie müssen flexibel sein, im Müll stöbern und auch mal etwas Hingeworfenes fressen. Sie lernen, an Ampeln zu warten und Tritten auszuweichen. Sie werden niemals fett und strahlen Rastlosigkeit aus. Einige erscheinen so angriffslustig, dass sich so mancher einen Maulkorb für sie wünscht.

Den Einzug in Kristina Schröders illustre Liste von „linksextremistischen“ Medien hat die taz nicht geschafft. Zu diesen zählt Frau Schröder u.a. die Jungle World, die das Attribut „kritisch“ mit ketzerischer Energie anderen – selbstbetitelt – „linken“ Institutionen abzulaufen versucht. Laut ihr dürfte die taz unter anderem das Feigenblatt eines linken Antisemitismus darstellen. Auch das rebellische Pathos steht der Jungle World mit ihrer Gründungsgeschichte besser zu Gesicht als der etablierteren taz.

Wozu brauchen wir die taz also noch?

Wir brauchten sie unter anderem, um den unseriösen Umgang anderer Redaktionen mit Anzeigenkunden überprüft zu sehen. Für die Veröffentlichung der geheimen Wasserverträge hat sie auch getaugt. SZ-LeserInnen am Zeitungsstand freuen sich ab und zu über die unterhaltsamen Titelseiten der taz. Für eine Beförderung der medialen WM-Welle wäre jedoch eher wieder ein Pantoffel fällig gewesen.

Letztendlich beantwortet sich die Frage vielleicht durch die Struktur der Zeitung selber, die offensichtlich weiterhin neue GenossInnen anzieht. Transparenz und Unabhängigkeit halten sich ebenso beständig wie die vielen Flöhe im Fell. Ob Panter oder Köter, an der kurzen Leine wird die taz nicht geführt. Und vor allem kann sie weiterhin ziemlich vielen ohne Bedenken ans Bein pinkeln, während bei den meisten anderen selbiges Bein schon in der Redaktionstür steht.