bild.de und taz.de sollen kostenpflichtig werden

kai4Mit einem roten Kapuzenpulli taucht Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung und eines von derzeit 8.826 Mitgliedern der taz-Genossenschaft, an diesem Samstag auf der Mitgliederversammlung auf. Auf dem Pullover ist er selbst zu sehen im Che-Guevara-Stil, darunter der Schriftzug „KAI“. Der Button zeigt eine Fotomontage: Der Kopf von taz-Anwalt Jony Eisenberg ist auf den Körper von E. T. montiert, am Rand der Schriftzug „Ich bin kein Alien“ (Diekmann führt einen Privatkrieg gegen Eisenberg).

Nach dem Bericht von Aufsichtsrat, Vorstand, Chefredaktion und taz Panter Stiftung ergreift Genosse Diekmann das Wort. Zunächst bemäkelt er, dass taz-Geschäftsführer Kalle Ruch die vor kurzem verabschiedete Chefredakteurin Bascha Mika für die unter ihrer Amtszeit stetig gestiegenen Abo-Einnahmen gelobt hatte. Diekmann merkt an, in dem Zusammenhang hätte doch auch ruhig erwähnt werden können, dass die bestverkaufte taz aller Zeiten die „Feindes-taz“ war, die von ihm und anderen Lieblingsfeinden der taz gemacht wurde. Als nächstes weist Genosse Diekmann die Behauptung von Kalle Ruch zurück, die Entwicklung der Auflage der Bild-Zeitung bedeute die „Enteignung des Springer-Verlages durch Abspenstigmachen der Leser“ (den Spruch hatten „Die 3 Tornados“ geprägt). Vielmehr, so Diekmann in einem etwas länglichen Statement, sei der Kioskverkauf anderer Zeitungen sei nicht minder stark eingebrochen, außerdem habe die Bild-Zeitung ihre Verkaufspreise deutlich erhöht. „Ich möchte also Ihre Euphorie bremsen“, meint Diekmann. Die ersten Genossen rufen dazwischen: „Aufhören!“

Dann kommt Diekmann zu seinem eigentlichen Anliegen: „Ich halte es für richtig, für guten Journalismus auch gutes Geld zu verlangen.“ Unter den taz-Genossen führen die Worte „guter Journalismus“ aus dem Mund des Bild-Chefredakteurs zu Raunen und Gelächter. Diekmann fragt: „Wo ist denn die Strategie bei online? Da soll die Reichweite gesteigert werden, aber woher sollen die Erlöse kommen?“ Die Bild-Zeitung jedenfalls werde im Mobil-Bereich ihre Inhalte bald nicht mehr kostenlos anbieten, sondern Geld dafür verlangen.

saalUlrike Herrmann, Redakteurin im Meinungsressort und Mitglied des Vorstandes der Genossenschaft, stimmt ihm zu: „Ich sehe das wie Kai Diekmann. Online muss etwas kosten, und es wird etwas kosten“, sagt sie unter dem Applaus aus dem Publikum. Zeitungsinhalte gebe es während einer „Übergangsphase“ kostenlos im Netz, das werde keine zehn Jahre mehr so weitergehen. Die taz könne es sich nicht leisten, mit dem Online-Auftritt große Verluste anzusammeln. „Wir werden da aber nicht die ersten sein, die das umsetzen“, dazu habe die taz nicht die Marktmacht. Doch wenn größere Anbieter losgehen, werde die taz sich im Windschatten anschließen. Endgültige Entscheidungen gibt es allerdings noch nicht, auch noch keinen Zeitplan.

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Geschäftsführer Kalle Ruch sagt, derzeit gebe es etwa rund 1.500 digitale Abos, bei denen uns Leser zumeist 10 Euro im Monat zahlen (man kann auch 20 Euro zahlen). Das entspreche etwa dem Geld, das die taz mit Print-Abos einnehme (schließlich fallen ja die Kosten für Druck und Vertrieb weg). Die taz gebe es auch im EPUB-Format für E-Books. Eine große Entwicklung nach oben habe es noch nicht gegeben. Kalle Ruch: „Schön, dass wir das haben, aber wirtschaftlich bewegt wird da nicht viel.“ Das Anzeigengeschäft auf taz.de finanziere derzeit etwa die Hälfte des Aufwandes. Für die Gesamt-taz sei das keine sehr schwere Last – man habe klar auf Risikovermeidung gesetzt und war „eher vorsichtig“ beim Ausbau der Online-Redaktion. Da sei deutlich weniger Geld investiert worden als in die Regionalisierungsstrategie (zu der unter anderem die NRW-Ausgabe gehörte, die wirtschaftlich gescheitert war, wieder eingestellt werden musste und sehr teuer für die taz war).

kai7Auch für Bernd Pickert, Auslandsredakteur und Vorstandsmitglied der Genossenschaft, ist es „eine notwendige Herausforderung“, online auf lange Sicht kostenpflichtig zu machen. Sobald das zum Trend werde, „dann müssen wir so aufgestellt sein, dass die Leute auch für unsere Inhalte zahlen“. Dabei könne die taz durchaus von der Krise anderer Zeitungen profitieren: Wenn die anderen nur die Tickermeldungen abdrucken, die überall stehen, werde dafür niemand Geld zahlen wollen. Die taz habe dann den Vorteil, nach wie vor viele eigene Inhalte anbieten zu können, die es sonst nirgendwo gebe.

Weitere Informationen zur finanziellen Lage der taz stehen in der Broschüre mit allen Informationen über diese Geno-Versammlung (PDF).

Diekmann hatte sich übrigens erst in diesem Jahr gemeldet, um Mitglied der Genossenschaft zu werden. Das kann jeder machen, der mindestens 500 Euro einzahlt. Diekmann ist nun einer von derzeit 8.826 Genossen. Auf der Genossenschaftsversammlung hat jedes anwesende Mitglied eine Stimme. Heute sind etwa 240 Genossen anwesend. Einen eigenen Antrag hat Diekmann nicht eingereicht. Kurz nach der Aussprache und bevor es an die Abstimmungen über die Anträge ging, war Diekmann auch schon wieder verschwunden. „War er das wirklich oder war das ein Double?“, fragte ein Genosse anschließend.

Kommentare (52)

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  2. Fände es auch schade, wenn die taz nur noch gegen Bezahlung online gelesen werden kann. Habe selbst zwar ein Online-Abo, aber wenn ich Mitmenschen auf irgendwelche Artikel aufmerksam machen will, nehme ich doch lieber frei zugängliche Artikel.

  3. Als Zeitung kaufe ich die taz nicht, weil ich sie so wie sie ist für überflüssig halte. Wenn sie online etwas kosten soll, dann wünsche ich allen taz-Sektierern viel Glück beim Überlebenskampf.

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  10. Das ich das noch erleben darf…Die Bild versteckt sich hinter der TAZ aus Angst vor den bösen digitalen Lesern.

    Der Auftritt von Pomaden Kai ist ein bemerkenswerter Ausdruck der verzweifelten Hilflosigkeit der gesamten schreibenden Zunft im Umgang mit dem Netz.

    „Seht es ein, das war’s, Ende, Aus, Basta…der letzte machts Licht aus“.

    Alles was digitalisierbar ist, wird nach den Spielregeln des Internets zur Beute der Piraten, und dabei stehen wir immer noch ganz am Anfang des digitalen Zeitalters. Immer intelligentere und individuellere Systeme werden uns rund um die Uhr mit allem nur erdenklichem versorgen, ohne das unmittelbar für Content gezahlt werden wird. In einer digitalen Welt ist Content im Überfluss vorhanden. Ununterbrochen wird im Netz Content automatisch und durch User erzeugt, bewertet, kopiert und verteilt. Paid „journalistischer“ Content wird daher im Netz langfristig ebensowenig funktionieren wie Paid Music, Paid Software oder Paid Movies. Die für unsere Zukunft so oft beschworene digitale Wissensgesellschaft wird absehbar eben nicht nach dem Motto „Ich gebe dir Geld – Du gibst mir Content“ funktionieren. Zukunftsfähige Geschäftsmodelle im Netz werden sich vielmehr mit echtem Zusatznutzen für die User auseinanderzusetzten haben und hierbei hat die “ glaubwürdige“ TAZ die erheblich besseren Karten als Pomaden Kai und seine Bildzeitung.

  11. Ausserdem ist das mit dem Online-Kassieren totaler Quatsch. Yahoo wurde Milliarden wert – haben die ne gedruckte Ausgabe davon gehabt, die immer weniger abonniert und am Kiosk gekauft wurde? Gibt Milliarden von arbeitslosen Werbeprofis, die Komplett-Pakete verkaufen für gedruckte und ins Internet gestellte Medienprodukte. Ich glaub eher, Randzonenzeitungen wie die taz und die bild haben Angst vor einem extrem kritischen Publikum im Internet. Okay, die taz muss das weniger haben. Aber im Endeffekt sind das doch hausgemachte Panikattacken. Und der japanische Trick mit dem erst billigst anfüttern und dann zuschlagen funzt doch schon ewig nicht mehr. Keine Sau blecht im Internet für Infos von taz oder bild oder sonstwem. Wer kauft denn ein Premiere-Abo, wenn er im chinesischen Internet-TV Bundesliga, Championsleague und sonst was umsonst sehen kann. Ausserdem lernt man noch chinesisch dabei, wenn man will…

  12. Manche Menschen wie Kai Diekmann hat Gott wahrscheinlich erschaffen, um der Menschheit zu zeigen, wie peinlich sie sein kann.

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  14. Ich lese sehr oft (täglich) Taz online, einfach weil ich morgends nicht die möglichkeit habe mir eine papier version zu kaufen, aber wenn ich dann doch mal die möglichkeit habe, dan tu ich das auch. Was meinen Lesegewohnheiten am meisten entsprechen würde, wäre ein gratis taz online so wie sie ist, mit all den blogs, den videos und allem drum und dran, eine normale taz am kiosk und eine „Soli-Taz“ am kiosk, die ich mir einmal die woche kaufe, und wo ich dann gerne nen fünfer für ausgebe.
    Ich sage nicht, dass das das patentrezept ist, aber ich denke das würde mein verhältnis zur taz am besten wiederspiegeln. Warscheinlich wäre ich sogar der einzige verquere idealist der so dämlich ist und 5€ für etwas ausgibt das er für deutlich weniger bekommen kann….

  15. Kai Diekmann ist den Strom nicht wert, den es erfordert diesen Artikel zu schreiben oder zu lesen. Alles weitere was ich über diesen Herren gerne schreiben würde hätte wohl eine Anzeige seinerseits zur Folge, darum spar ich mir das.

  16. Manche mögen das gut finden, aber es schmerzt, diesen
    V-Mann Springers bei der taz zu sehen.
    Solltet ihr auf seinen Beitrag angewiesen sein, ist es wohl besser eine online Gebühr zu erheben.

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  18. Pingback: TAZ: Bislang 1.500 Digiabos » eBooks » lesen.net

  19. Es gibt aber auch schon viele Verlage die Ihre E-Paper auch wieder eingestellt haben, da der Nutzerwert sehr gering war.

    Und man darf eines nicht vergessen, mit Internet macht momentan keine Zeitung gewinn. Es ist Service. Werbebanner etc. kann man nicht mit Zeitungsanzeigen vergleichen und ein gutes Online-System zu erstellen kostet enorm viel Geld.

  20. Ich verfolge, da ich bei einem Systemhersteller arbeite, der Software für die Medienbranche macht, aufmerksam mit, was sich am Markt in Sachen bezahlte Inhalte tut.
    Im Moment weiß eigentlich keiner so richtig, wie es gehen soll und welche Strategie die richtige sein wird. Aber ich bin auch überzeugt davon, dass „paid content“, wie es so schön heißt, irgendwann Realität sein wird.
    Das Argument der taz halte ich für richtig: Bezahlt werden wird für Inhalte, die es sonst nirgends gibt.
    Und ich find’s auch richtig so: Warum soll im Internet alles gratis sein? Gute Qualität (kleiner Einschub: Und auch die Bild macht Qualität, auch wenn es uns inhaltlich natürlich nicht gefällt!) kostet Geld.
    Wasch mich, aber mach mich nicht nass – das geht halt nicht. Ich persölich bevorzuge aber immer die Printausgabe, da ich von Haus aus Printredakteurin bin.

  21. Ich denke gerade in der Medienlandschaft ist gerade das größte Problem das jeder was anderes sein will als er ist.

    Als der Fernseher auf den Markt kam sagten alle, so Radio und Zeitung ist tot. Dann kam Internet und wieder, entweder du machst als Zeitung auch Internet oder ihr sterbt. Radio macht Internetportale, Fernsehsender bringen Zeitungen raus.

    Ich glaube das jedes Medium seine Nutzer hat. Die Kompetenz liegt einfach bei der Zeitung im lokalen. Das was wir kaum im Fernsehen oder Internet kriegen.

    Zeitung soll Zeitung bleiben, und E-Paper und ähnliches werden nie das gedruckte Papier ablösen. Und halbherzich im Internet irgendwas schlechtes aufzubauen hilft auch nicht.

    Und das eine Zeitung wie die Bild gute Umsätze und Zahlen macht, liegt doch nicht nur an der Zeitung sondern an den Lesern, die dieses Nivau wollen und verstehen. Die Taz und die bild, ist Äpfel mit Birnen zuvergleichen. Beides Obst jedoch ein himmelweiter unterschied.

    Pro Zeitung

  22. @sebastian: Mein taz-Kollege Helmut Höge hat auch über die Veranstaltung geschrieben:

    http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/09/20/ein_hauptstadt-feuilleton_zur_genossenschaftsgeneralversammlung/

    http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/taz-an-der-gewinnzone/

    Ein Anwesender hat ein Foto von Diekmann bei Wikipedia hochgeladen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Diekmann#Klagen

    Andere Medien waren nicht auf der Genossenschaftsversammlung, wenn ich das bisher richtig sehe.

  23. Das war eine gelungene Aktion von Herrn Diekmann. Hätte ich nicht gedacht, dass der sowas drauf hat.
    Respekt. ( auch wenn ich mir dabei ganz schlecht vorkomme – zumal die Bild ja wirklich ein äußerst gruseliger Teil der deutschen Medienlandschaft ist! )
    Irre das Foto wo er die Taz liest … Ich bin hin- und hergerissen, ob das nicht doch ein Double ist und die ganze Sache ein Fake.
    Gibt es noch mehr Berichte von dort Anwesenden?

    Zum Thema: Ich persönlich lese die Online-Ausgabe der Taz täglich, würde aber, wenn diese kostenpflichtig werden würde, mir dann doch die Print-Ausgabe abbonieren.

  24. Einen gewissen Humor muss man Kai Diekmann ja schon bescheinigen.
    Vielleicht verkennen wir alle ihn auch einfach nur und sein und das Wirken von „Bild“ und Springer sind eigentlich nur eine gewaltige Anstrengung in Sachen Satire.
    Wenn man einmal darüber nachdenkt, erklärte das so einiges.

  25. Lasst euch nicht von Springer was einreden wegen paid content im Nez. Der Zug ist seit 10 Jahren abgefahren.
    Wenn Springer nen Plan hätten wie sie ihren „Inhalt“ verkaufn könnten.
    Es beschert mir einen Riesenspass jeden Tag der Springerpresse, werbefinanziert, für meinen Arbeitgeber zeigen zu dürfen wo der Hammer hängt im Netz. Die sind so ahnungslos wie, ja wie soll ich das sagen … wie kinder in der Pubertät die nach dem ersten Onanieren über „Threesome“ reden und sich vorstellen das wäre das tollste. Anfänger, vom allerfeinsten. Dickmann….. haha ..stick your stupid slogan … blahblah …

  26. Springer issn Witz
    Für Leute die dem Geld eh nicht soo zugetan sind und human damit umgehen und zaudern, als zukapitalismusneinsager verschriene geltende, niemandenzufriedensteller macht ihr eure sache ganz gut. !Nüchtern betrachtet lauft ihr egal wohin
    in die Falle. Bild ist auf der Sun velinkt und die gehört
    Murdoch und der lenkt gerade den us-amerikanischen Markt um
    wie es ihm passt. Der trend befeurt den Gegentrend mit entsprechendem Ernst. Eine Antwort auf hiesige Marktverhältnisse kann es nicht geben. Anbetracht der Dinge über die ihr geschrieben habt und wie, müsstet ihr doch wissen wie es geht. Man manman mut, zur courage. Ihr seid drann. Hoffe ihr seid crazy genug.

  27. Kai Dickmann ist unzweifelhaft eine der öligsten Zeitgenossen, die mir in meinem medialen Leben bisher untergekommen sind. Bild ist ein Medien-Produkt, dass ich schon in meiner Jugend sehr früh gelernt habe, im wahrsten Sinne des Wortes zu hassen (und das ist immerhin auch schon mal locker 36/37 Jahre her).
    ABER: Wo Herr Dickmann Recht hat, hat er Recht.

    Das er mit „Qualitätsjournalismus“ Bild meint, ist aus dem Bericht nicht zu erkennen. Er steht für Bild, aber er weiss selbst, dass er Bild nicht damit meint. Und gerade deshalb hat er Recht.

    Ich habe mich bereits auf der Geno-Versammlung 2000 dafür ausgesprochen, das die Taz im Internet selbstverständlich NICHT kostenlos zu lesen sein sollte. Weil es eine „Verarsche“ und schlicht Mißachtung derjenigen ist, die brav die gedruckte Ausgabe kaufen und damit die Finanzierung sicher stellen.

    Ich habe diese Meinung bereits 1995 gehabt, als ich meine eigene Zeitung – die seit 1986 als Print-Produkt erscheint – ins Internet „gestellt“ habe. Und daher bereits damals nach meinem Wissen als Erster in Europa für das Lesen des Inhalts Geld verlangt. Weniger natürlich als für die gedruckte Ausgabe, aber eben konsequent nicht kostenlos. Bei uns gab es nie Content „für ummesüns“.

    Diese ganzen Kommentare „Selbstmord“, „Das funktioniert nie“, „Dann gehe ich dahin, wo es nichts kostet“… alles damals wie heute kalter Kaffee. Wie oft hat man unserer Zeitung den Tod prophezeit? Wie oft wurde uns von Besuchern unserer Seite ins Gästebuch geschrieben „Das geht ja gar nicht“ oder „Viel Spaß beim Sterben“? Ich kann es gar nicht mehr zählen.

    Und seit Anfang an wiederhole ich gebetsmühlenartig: Was am Kiosk (zu Recht) Geld kostet, kann im Internet nicht kostenlos sein.

    Ich kann ohne Arroganz von mir behaupten, der einzige Verleger in Europa (klingt abgehoben, ich weiss, aber ich kann nix dafür, so isses einfach) zu sein, der über soviel Erfahrung im Bereich Online-Content-Sale (Lesen-im-Internet-gegen-Gebühr) verfügt – immerhin bald 15 Jahre.

    Und ich kann einfach nur sagen: Macht es. Habt endlich mal Eier und bewertet auch im Internet Eure Arbeit, Eure journalistische Leistung genauso, wie Ihr es doch auch am Kiosk macht. Gute Leistung kann nicht durch Werbung finanziert werden. Darf es auch nicht, weil Ihr sonst den Blick dafür verliert, was Eure LeserInnen wollen.

    Meine Erfahrung aus 15 Jahren in diesem Bereich ist: Es funktioniert. Wir finanzieren uns zu 100% aus Verkauf am Kiosk und Online. Wir machen gerade mal 100,- Werbeumsatz pro Woche. Und haben seeeehr finanzstarke Wettbewerber bekommen…die alles das, was wir nur gegen Gebühr bereit sind zu zeigen, kostenlos zum Lesen anbieten. Und was ist? Wir wachsen. Jeden Tag ein bißchen mehr…

    Selbstverständlich sind Eure LeserInnen bereit, für Eure Arbeit online auch zu zahlen. Liebe Taz – das taz-online Abo ist es nicht. Seid konsequent und Ihr werdet sehen, dass es geht.

  28. Bezahlen tue ich meinen Internetprovider – und das eigentlich gar nicht schlecht. Ich glaube, da wird noch erheblich mehr abkassiert, als es die Technik rechtfertigt. Das ist ja im Prinzip so, als würden Druckerreien Zeitungen verkaufen und das Geld dafür einfach behalten.

    Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, ein vergleichweise „popeliges“ Angebot wie die taz.de zu abonieren. Ich lese selektiv aus ganz vielen Zeitungen – im Prinzip wie in einer Bibilothek.

    Allenfalls ein Art „Quality-Chanel“ kann ich mir vorstellen – also einen Verbund mehrer wichtiger Zeitschriften, die gemeinsam uneingeschränkten Zugriff auf ihr gesamtes Onlineangebot bieten und den Kuchen dann nach Nutzung verteilen. Alles andere wird zu aufwendig.

  29. @sfinx: Wenn ich mich richtig erinnere, dann sagte unser Geschäftsführer Kalle Ruch am Samstag, dass Druck und Vertrieb etwa 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Das online-Abo könnte also 40 Prozent billiger sein also das taz-Abo. Das gilt natürlich nur, wenn genau so viele Menschen die taz online abonnieren wie jetzt auf Papier. Wenn dagegen doppelt so viele Menschen die taz abonnieren, könnte der Preis pro Abo nochmal halbiert werden.

  30. was müsste denn ein taz-online-abo kosten?
    …normalpreis abzüglich:
    – papier, druck
    – vertrieb
    – kiosk/austräger

    was kommt da raus?

  31. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass Diekmanns These zum Thema „Guter Journalismus darf auch Geld kosten“ nach der anerkennenden (ich unterstelle: neidischen) Feststellung kam, dass die sonntaz sich trotz für eine Tageszeitung sehr hohen Preises am Wochenende sehr gut am Kiosk verkauft (die BILD verkauft sich ja fast ausschließlich am Kiosk), und dann eben fand, dass es offensichtlich doch Leute gibt, die für ein qualitativ hochwertiges Produkt auch Geld bezahlen.

    Beim Thema „Geld für Online-Content“ hat sich natürlich auch der taz-Vorstand Gedanken gemacht, ob in Zukunft irgendwann einmal mit deren Auftritt Geld verdient werden kann, aktuell werden wohl nur die Hälfte der Kosten eingespielt; Diekmann fand, die taz müsse vorangehen, die taz meint, die „größeren Verlage“ müssten vorangehen.

  32. Pomaden-Kai hat sich wieder malin seiner ganzen Widerwärtigkeit dargestellt. Pfui, Diekmann

  33. ich glaube, das ist das erste mal, dass ich einer aktion von herrn diekmann überhaupt irgend etwas abgewinnen kann. wenigstens hat er so etwas wie humor, das forum für seine botschaft gut gewählt. wie die nun genau ist, und ob mich so eine aussage von ihm interessiert, steht auf einem anderen blatt.

    wo habe ich das nur…

    .~.

  34. „FÜR GUTEN JOURNALISMUS AUCH GUTES GELD“, d.h. Bild.de-Leser können aufatmen, denn Journalismus, geschweige denn guter, ist dort nur in homäopathischen Dosen zu finden.
    taz-online hingegen müsste demnach viel zu teuer werden. Aber ich denke, würde sie es tatsächlich einführen, würde der Preis wohl moderat genug angesetzt werden. Also warum nicht? Die taz wäre es immerhin wert.

  35. @Jeeves: Stimmt – danke für den Hinweis. Ist korrigiert!

  36. „Der Sticker zeigt eine Fotomontage“
    Welcher „Sticker“?
    Ist eventuell ein „Button“ gemeint?

  37. von aktiv und treu online lesen, hat keiner was bei der taz. vieleicht gehört zu einem modell mit den üblichen nachlässen für arbetislose, studenten etc. ein zweistufenanagebot: eine basis-online-taz kostenlos, dazu eine erweitertte online-taz gg. gebühr. dann sind ja auch die aktiv-treuen leser bedient.

  38. Der Kunde entscheidet. Ich lese seit vielen Jahren keine Zeitung mehr. Etwa seit 1997, als ich das Internet „fand“. Wozu auch? Ich bekomme ALLE Informationen kostenlos, zeitnah und aus jeder Quelle im Netz. Ich kann selber recherchieren, um zu überprüfen, ob die Meldung richtig oder ob da „Spin“ drin ist. Ich erhalte Updates über Twitter, Blogs und Netzmedien im Sekundentakt, wenn ich will. Was also bietet mir Print noch? Die Wahl ist klar: Entweder es bleibt kostenlos für den Leser (Werbung nimmt man hin, wenn es nicht zuviel ist) und der Verlag bekommt Reichweite im Netz…oder es kostet auch nur einen Cent und 95% der Leser wandern ab. Wirklich, Leute, die Zeit des Informationsmonopols ist vorbei. Seht es ein, das war’s, Ende, Aus, Basta…der letzte machts Licht aus. Es gibt immer ein Interesse an Zeitungen (und Zeitschriften), ich mag auch gut recherchierte und geschriebene Artikel gerne offline lesen, aber die Konkurrenz ist da und kann nicht eingedämmt werden. Wenn ich die Wahl zwischen eine netten Artikel für 10 Cent und einer kostelosen stichpunktartigen Faktensammlung habe, spar ich mir das Geld.

    Wird der Online-Bereich kostenpflichtig, ist das sein Ende. Die paar Hanselns, die tatsächlich glauben, es wäre das wert oder die das als solidarische Unterstützung sehen, bringen keine Butter auf’s Brot. Aber, hey, probiert’s doch. I like to see you fail.

    NoWay

  39. Ist die Wirtschaftskrise etwa auch bei Springer angekommen?

    So ganz kostenlos ist bild.de ja noch nie gewesen, sondern über Werbung finanziert.

    Und die ganzen Bildreporter (aufgehetzte Paparazzi) sind in Wahrheit ja nur ein weiter Schritt zum Lohndumping.

    Die ganzen Volksaktionen- also getarnte Werbemaßnahmen werden sich dann vermutlich weiter reduzieren.

  40. Liebe taz,
    erfreut ihr Euch nocht jeden Monat über die Veröffentlichung der IVW-Zahlen? Wenn ich mir diese anschaue, schlägt mein Herz schneller, denn http://www.taz.de gewinnt an Lesern im Internet dazu.

    Sich einen kostenpflichtigen Zaun um Eure Artikel, Blog-Einträge und auch außerjournalistischen Angebote hochzuziehen, halte ich für vollkommen falsch.

    Machen wir eine (zu) einfache Rechnung auf:
    Euer Angebot ist aufgrund der Zielgruppe taz-Leser einem Wert X auf dem Werbemarkt wert; dieser Betrag ist proportional abhängig von der Reichweite. Sinkt also die Reichweite augrund einer Schranke, müssen die gesunkenen Einnahmen durch Aboonlineerlöse gegengerechnet werden, um den gleichen Wert X zu erwirtschaften. (Außen vor laße ich jetzt die publizistische Reichweite, die aufgrund der Schranke außerhalb der bisherigen, treuen taz-Leser nicht keine Chance auf Entfaltung haben wird.)

    Deshalb: Schließt keine Leser im Internet aus, verbessert Euren Onlineauftritt – besonders die Blogs und die Regionalseiten sehen lieblos aus – und zeigt Euch von der innovativen Seite: Nutzt mehr Verlinkungen, SEO! und verziechtet weitesgehend auf reine Agenturmeldungen. (Wie freitag.de oder faz.de könnte auch externe Autoren Blogs führen).

    Am Rande: Baut die Regionalberichterstattung aus – on- und offline. Afrika, Asien und Südamerika darf auch öfter vorkommen.

  41. Tja, wenn das so ist, dass qualitativ guter Journalismus gutes Geld kosten soll, dann wird Diekmann samt seinen Trabanten in der Gosse verrecken.

    Uije uije …

  42. es ist grotesk zu sehen, wie springer und taz sehenden auges gegen die digitale wand rennen. solange es im internet kostenlose qualitätsinhalte gibt (also immer) wird es keine relevante menge an leuten geben die für bild.de oder taz.de geld überweisen. dass es viele erfolgsversprechende alternativen zu kostenpflichtigem content gibt, verschläft also nicht nur springer sondern auch die ach-so-alternative taz. interessant.

  43. So unsympathisch Kai Diekmann auch ist (irgendwie noch unsympathischer als der Rest von Springer), so finde ich diese Aktion von ihm durchaus gelungen. Damit ist er einer der wenigen Menschen (einer von 8.826) die die taz als Genosse/Genossin finanziell tragen.
    Dafür und für den Mut auf der Genossenschaftsversammlung aufzutauchen gebührt im zumindest meine Anerkennung.
    Und wer hätte gedacht, dass Kai Diekmann mal Genosse wird.

    Sonst kann ich dem Tenor nur beipflichten: Ich würde auch einen kleinen Obulus bezahlen um die taz weiterhin online lesen zu können. Das dann aber bitte so leicht wie möglich. Ich will mich nicht lange einloggen oder Kreditkartendaten angeben, wenn ich nur mal Tom lesen will.

  44. Ich glaube nicht, dass der Springer-Verlag mit seiner Strategie Erfolg haben wird, dafür ist es zu spät; der Zug ist abgefahren.
    Behaupten kann sich in Zukunft nur, wer eine Nische füllt und in dieser unique Leser begeistern kann. Etwa die taz. Aber kein Massenmedium wie BILD.

    Macht weiter, ich glaub an Euch!
    Christian

  45. Diekmann führt die TAZ vor – und ihren komischen Anwalt Eisenberg. Herrlich!

  46. Wenn man für guten Journalismus Geld bezahlen soll, dann müsste konsequenterweise wohl bei jeder ‚Bild‘ Geld für den Leser dabei sein, oder ?

  47. diekmann. mir wird schlecht.

  48. Lass, es lieber Klaus, denn die junge Welt ist keine Zeitung sondern ein antisemitisches, Stasiverherrlichendes Flugblatt. Sie mag die Welt verändern wollen, in eine Art Gulag mit sozialleistung. Aber klar, wer einfache antworten auf gar nichts will, der kann das Geschreibsel natürlich lesen

  49. Pingback: Tweets die X erwähnen bild.de und taz.de sollen kostenpflichtig werden at 30 Jahre taz -- Topsy.com

  50. naja klaus, dann versuch doch mal die junge welt [www.jungewelt.de]! die arbeitet nämlich im gegensatz zur taz – die in ihrer mit springer kokettierenden art ihre eigene überflüssigkeit ein weiteres mal belegt – tatsächlich an einer weitreichenden veränderung der welt. der olivgrün-bürgerlichen ton, der einem auf nahezu jeder seite der kinder-faz entgegenschalmeit wird auf jeden fall nicht das geringste ändern.

  51. Ich habe sehr, sehr lange gesucht, bis ich „meine Zeitung“ gefunden habe. Es ist die „taz“. Und sie lässt mich einfach nicht mehr los, obwohl ich es schon mehrere Male probiert habe.
    Ich bin einer von den vielen Millionen, die nach einem Jahr Arbeitslosigkeit „aussortiert“ wurden. Mein Recht auf Bildung möchte ich trotz HartzIV wahrnehmen. Deshalb lese ich taz-online. Ab und an kaufe ich mir eine Printausgabe, damit ich auch in der U-Bahn oder im Doppeldecker die taz lesen kann. Leisten kann ich mir es vielleicht nicht. Ich möchte aber, dass die taz auch weiterhin schreibt. Gern würde ich monatlich 5 Euro für ein Online-Abo an die taz weitergeben. 5 Euro bekommen von mir auch attac und campact. Und ich hoffe, dass die Welt sich bald zum Positiven ändert, auch durch meine bescheidenen 5 Euro.

  52. Ich verkneife mir einen Kommentar zu Genosse Witzfigur Kai Guevara.
    Warum habe ich wohl kein Print-Abo?
    Weil ich´s mir nicht leisten kann. Aus diesem Grund bin ich treuer und aktiver taz-online Leser.
    Wenn das kostenpflichtig wird, dann muss ich darauf auch noch verzichten.
    Es wäre ein Verlust für mich.
    Gruß vic