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von 27.02.2011

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Nachtrag 28. Februar: Siehe auch der Blog-Beitrag Unsere finanzielle Abhängigkeit

Die BILD-Zeitung schaltet in der morgigen Ausgabe der taz eine ganzseitige bezahlte Anzeige (hier als PDF). Darauf zu lesen ist der Brief von Judith Holofernes, in dem sie es ablehnt, in einer Anzeige der BILD-Zeitung zu erscheinen – mit dem Zusatz „BILD bedankt sich bei Judith Holofernes für ihre ehrliche und unentgeltliche Meinung“. In der gleichen Ausgabe erscheint auch ein ganzseitiges taz-Interview mit Judith Holofernes. Sie bezeichnet es darin als „interessant, dass sich die taz dafür zur Verfügung stellt“. Sie will allerdings nicht gegen die BILD-Zeitung klagen: „Ich hab auch keine Lust, da jetzt einen Fehdehandschuh aufzunehmen. Es ist ja doch das Berechenbarste, was sie machen konnten.“ Es sei „ein ziemlich lahmer Versuch, ein Rückspiel zu erzwingen, weil man aus der ersten Runde nicht besonders glorios hervorgegangen ist. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich drauf einlassen sollte, wenn ich schon geduscht habe und mit meinen Leuten singend im Bus sitze.“

Hier das ganze Interview, das Josef Winkler mit Judith Holofernes geführt hat:

Da wir uns schon lange kennen, duze ich dich. Jetzt ist eure Band-Website zusammengebrochen. Liegt das daran, dass ihr so einen lahmen Server habt oder dass du einen Nerv getroffen hast?

Also unser Server ist garantiert nicht der größte. Aber dass er zusammenbricht, hat mich dann doch überrascht. Und der von BildBlog.de ist auch angeschlagen.

Hast du den Brief schon mit der Absicht geschrieben, den dann auch in die Öffentlichkeit zu stellen, oder war der erst mal nur an die Damen und Herren von Jung von Matt gerichtet?

Das war schon so geschrieben als Antwort in die Öffentlichkeit, um meines eigenen Amüsements und Seelenheils willen. Ich hab über die Jahre so viel Blödheit an mich herangetragen bekommen, dass ich einfach ein ganz tiefes Bedürfnis hatte, nicht immer nur drüberzustehen, sondern auch mal zu reagieren.

Nun könnte man sich vorstellen, dass die Agentur für diese Werbekampagne öfter mal eine Absage kassiert – aber du machst mit deinem offenen Brief aus deiner Absage ja sozusagen eine Kampagne gegen Bild! Hast du eine Mission?

Es hatte in erster Linie was mit Herzenshygiene zu tun. Und ich habe ein starkes Bedürfnis, mich da abzugrenzen, drum wollte ich das öffentlich tun. Auf der anderen Seite habe ich mir schon auch gedacht, dass die Art, wie ich das getan habe, den ein oder anderen amüsieren könnte und vielleicht auch ein bisschen erhellen. Ich glaube, dass viele Leute verärgert und genervt waren von dieser Kampagne, aber gar nicht so genau benennen konnten, was das eigentlich ist, was sie daran so stört.

Du nennst die Kampagne „perfide“ und beantwortest diese Frage in dem Brief ja eigentlich für dich. Aber trotzdem noch mal: Wäre es nicht der elegantere Weg gewesen, mitzumachen und, wies so schön heißt, das System von innen anzugreifen?

Nein, eben nicht. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass niemand, der sich in das Bezugssystem dieser Kampagne begibt, ungeschoren davonkommt. Im Sinne von: ohne mit der Bild-Zeitung fraternisiert zu haben. Das ist ja die Masche, mit der die versuchen, sowohl die Prominenten zu kapern als auch die, die das dann irgendwie total clever finden sollen. Ich bin ja schon nicht sicher, ob man so was machen kann, was ich da jetzt gemacht habe, ohne am Ende Werbung für die Bild-Zeitung zu machen.

Wenn man Bild-Werbung sieht, denkt man ja oft: Mist, leider gut. Bild und McDonalds haben mit die cleversten Werbungen – woran liegts? Können die sich einfach die besten Agenturen leisten?

Ich glaube, umstrittene und mit einem offensichtlichen Makel behaftete, aber doch irgendwie mainstreambeherrschende Marken zu gestalten, das reizt einfach jeden Werber. Oder fast jeden. Ich kann mir vorstellen, dass die da dann ihre besten Leute zusammenstellen. Und mir ging das ja früher auch so, dass ich solchen Sachen ein bisschen auf den Leim ging. Gott sei Dank hab ich ja nun Werbung studiert und weiß, dass man die Werbung nicht mit dem Werber verwechseln darf – und vor allem natürlich auf keinen Fall mit der Macht, die hinter der Marke steht. Und wenn die Werbung für die Bild-Zeitung irgendwie witzig ist, heißt das noch lange nicht, dass das Medium Bild-Zeitung mit irgendeiner Art von Humor gesegnet ist.

Du kommst den Leuten von Jung von Matt in dem Brief ja ziemlich persönlich und durchaus vorwurfsvoll. Von einer großen Werbeagentur zu erwarten, wie du es zum Ausdruck bringst, dass sich die Leute da ja auch weigern könnten, für Bild Werbung zu machen, ist zumindestens frisch-naiv. Ist es auch dein Ernst?

Es ist zumindest bei dieser speziellen Kampagne so, dass da so viele unausgesprochene Annahmen dahinterstecken, die ich so dermaßen perfide finde, dass ich es dann tatsächlich übel nehme und auch wirklich persönlich beleidigt war, dass irgendjemand annehmen konnte, ich möchte da Anteil dran haben. Sollen sie doch Werbung für die Bild-Zeitung machen. Aber klar ist: Es gibt auch viele Werber, die das nicht machen würden, und es gibt auch viele, die dann irgendwann aus diesem doch sehr verkorksten Business aussteigen. Es ist nicht so, dass man sagen müsste: Das ist halt alles systemimmanent, es ist halt so, und deswegen lass doch die armen Leute in Ruhe. Ich hab das ja alles von innen gesehen und deswegen mein Studium abgebrochen.

Jetzt versteh ich erst „Werbung studiert“. Du hast nicht in den letzten Jahren die Werbung in den Medien studiert, sondern richtig Werbung studiert, an der Uni?

Ich habe Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation angefangen in dem Glauben, das hätte irgendwas mit Medien und Journalismus zu tun, hab mich dann in einem Werberstudiengang wiedergefunden und innerhalb weniger Veranstaltungen das kalte Grauen gekriegt. Das meine ich ja mit „Ich kenne euch alle“. Aus Ernüchterung darüber, wie dieses Business läuft, habe ich ja erst angefangen, mich mit Werbekritik und dann mit Konsum- und Globalisierungskritik zu beschäftigen.

Du sagst, du nimmst es den Werbern übel, die diese Kampagne machen. Nimmst dus auch den Prominenten übel, die mitmachen und ihr „Testimonial“ abgeben?

Klar: Natürlich ist es jedem überlassen, ob er da mitmacht. Ich denke nur, die Leute müssen mit in Kauf nehmen, dass sie damit zwar unheimlich viele Menschen erreichen, aber auch bei vielen Ansehen einbüßen. Und ich habe schon das Gefühl, dass das einen Teil dieses Hallihallo jetzt im Internet ausgemacht hat: dass viele Leute, die enttäuscht waren von Prominenten, die bei dieser Kampagne mitgemacht haben, sich einfach gefreut haben, mitzukriegen, dass man da offensichtlich nicht zwangsläufig mitmachen muss, wenn man gefragt wird. Ich lauf ja immer wieder vorbei an neuen Plakaten und denk mir: Oh nein, der nicht auch noch!

Du unterstellst den Teilnehmenden recht klar Dämlichkeit, du schreibst: „Selten hat eine Kampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt.“

Ich unterstelle denen, die mitmachen, dass sie sich als dümmer verkaufen, als sie sind. Diese ganze Kampagne wirkt auf mich wie ein großer Deal, den alle miteinander machen, damit sie in ihrer komischen Blase weiterleben können, indem sich jeder ein bisschen doofer verkauft, als er ist.

Andere meinen – oder wissen – vielleicht, dass sie es sich karrieretechnisch gar nicht leisten können, Bild abzusagen.

Die Bild-Zeitung ist auf jeden Fall eine Macht, und ich habe mitbekommen, dass es zum Beispiel in der Schauspielerei offensichtlich nicht oder kaum möglich ist, sich dem zu entziehen. Wenn man als Schauspieler irgendwie eine Karriere haben will in Deutschland, ist es fast unabdingbar, sich mit der Bild-Zeitung gut zu stellen. Das ist im Pop gottlob nicht ganz so.

Seid ihr mit Wir sind Helden da in einer Luxusposition?

Wir haben uns ganz bewusst eine Karriere aufgebaut, die nicht von der Bild-Zeitung abhängig ist. Ich denke, dass viele Künstlerkarrieren in Deutschland von der Bild-Zeitung abhängen, aber natürlich vor allem die, die sich von Anfang an mit ihr verbündet haben. Die Bild-Zeitung ist ein wahnsinnig machtvolles Instrument, um eine Karriere aufzubauen. Aber dann kommt man aus der Nummer eben auch nicht wieder raus. Ich weiß, dass die Bild-Zeitung sehr gnadenlos umgeht mit Leuten, die nicht kooperieren. Und wir haben immer das Glück gehabt, dass wir uns außerhalb dieses Machtgefüges bewegt haben.

Hast du jetzt Angst vor dem Zorn von Bild?

Ich denke, die versuchen so sehr, für sich ein Image zu gestalten von Drüberstehen und Humor und Selbstironie, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die da zu einem richtigen Gegenschlag ausholen. Und ich fänds auf jeden Fall schön, wenn niemand jetzt die Bild kaufen würde, nur um zu sehen, ob sies doch tun.

Man predigt mit einer Aktion wie deiner natürlich vor allem zu den Bekehrten.

Das ist völlig klar. Ich ahne aber auch, dass es einen erschreckend hohen Prozentsatz von „ironischen“ Bild-Zeitungs-Lesern gibt. Leute, die das nur mal an der Raststätte oder nur vorm Zahnarztbesuch kaufen, oder die „nur den Sportteil lesen“ und die das eigentlich alles durchschauen, aber halt irgendwie witzig finden. Das merkst du ja schon daran, dass du das als Band in deinen Tour-Rider reinschreiben musst, wenn du backstage bitte KEINE Bild-Zeitung liegen haben möchtest. Weil das einfach so ist: Alle Bands lesen auf Tour die Bild-Zeitung! Zumindest ist das die Annahme. Wenn nur alle ironischen Bild-Leser das mal für ein paar Monate sein lassen könnten, würde das denen, glaub ich, ernsthafte Umsatzeinbußen bescheren.

Nachdem wir dieses Interview geführt haben, hat Bild reagiert und schaltet in der Montagsausgabe eine ganzseitige Anzeige in der taz, die deinen kompletten Brief enthält mit dem Zusatz „Danke für Ihre ungeschönte und unentgeltliche Meinung, Frau Holofernes“. Wird es der Bild-Zeitung gelingen, aus der Sache noch was für sich rauszuholen?

Die Bild ist eine Macht, aber nicht mehr die Supermacht, die sie zu sein vorgibt. Ich schätze, die werden – wie auch ich – die vielen Antworten und Kommentare im Netz gelesen und gemerkt haben: Okay, da ist ein Großteil der Leute einfach entzückt. Nur ein paar wenige fürchten, die Bild könnte letztlich alles zu ihren Gunsten drehen – und diese Anzeige ist der Versuch, diese Annahme zu unterstreichen. Eine ziemlich zahnlose Dominanzgebärde. Interessant übrigens, dass sich die taz dafür zur Verfügung stellt. Ich glaube aber nicht, dass das aufgeht, dazu bewege ich mich zu weit außerhalb ihres Spielfelds. Ich bin jedenfalls sehr glücklich damit, das gemacht zu haben, und würde mich freuen, wenn andere das weitertragen.

Aber konsultierst du jetzt deinen Anwalt?

Meine erste Reaktion war jetzt schon: Dürfen die das? Aber ich hab auch keine Lust, da jetzt einen Fehdehandschuh aufzunehmen. Es ist ja doch das Berechenbarste, was sie machen konnten.

Man würde ja annehmen, dass so was dann von der Rechtsabteilung eh wasserdicht abgecheckt wurde. Oder eben gerade nicht? Ist da vielleicht bewusst eine Lücke? Warten man nur darauf, dass du mit rechtlichen Schritten reagierst?

Es ist jedenfalls ein ziemlich lahmer Versuch, ein Rückspiel zu erzwingen, weil man aus der ersten Runde nicht besonders glorios hervorgegangen ist. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich drauf einlassen sollte, wenn ich schon geduscht habe und mit meinen Leuten singend im Bus sitze.

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https://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/27/bild-zeitung_wirbt_mit_holofernes-absage/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Was habt ihr denn dagegen, dass die taz diese Anzeige entgegen nimmt und sich bezahlen lässt? Der Brief ist super – den sollen doch alle zu lesen bekommen. Und dass sich die Bild dafür noch bedankt und für die Verbreitung Geld ausgibt ist doch in Ordnung. Das ist doch nur in der zweiten Ironie-Ableitung irgendwie komisch. Und selbst dann sollte doch die taz sich einfach darüber freuen.

    Vielleicht bin ich aber auch zu einfach gestrickt und kapiere da was nicht…

    eric

  • Die Bild-Zeitung lässt es sich also 12.555 Euro kosten, um die taz-Leser zu ärgern. Und die taz nimmt die Kohle.

    Alles klar, dann brauch ich die Zeitung ja ca. 12.555 Tage nicht mehr kaufen.

  • Die taz hat bei mir an Beachtung gewonnen. Die Werbung muss ich mir nicht ansehen, zumindest nicht online. Unabhängigkeit einer zeitung erkennt man daran was und wieviel aus ihr rausfällt wenn man sie falsch hält.

  • Liebe kritische Tazleser, wenn Euch nicht gefällt, daß die Taz eine Bild-Werbung veröffentlicht, lest doch nochmal, was Sebastian Heiser oben dazu geschrieben hat.
    Wir haben 2011 und fundamentalistisch orientiertes Denken hat durchaus seinen Platz – aber bitte auch am richtigen Platz. Sonst wirkt es meist eher kontraproduktiv.

    Die Taz wird genausowenig bisher unkritische Bürger kritisch machen, wie kritische Tazleser aufgrund der Anzeige zur Bildzeitung überlaufen werden.

    Und es kann durchaus sein, daß im Jahre 2011 Zwölfeinhalbtausend Euro ein echtes Argument sind, wenn man für die Taz-Finanzen verantwortlich ist.
    Herrgottnochmal. ‚Nur Fundi‘ ist einfach zu kurz gedacht – sonst dürften hier alle nur noch politisch/ökologisch korrekten Reis fressen. Ach nee – der kommt ja von viel zu weit weg …
    Und daß ‚Wahrheit‘ kein einfache / eindimensionale Angelegenheit ist, zeigt das Interview ganz schön auf. Frau Holofernes weiß durchaus, daß sie gar keine Chance hat, nur ‚gegen‘ die Bild zu sein – instrumentaliert wird man in jedem Fall. Das beschrieb sie schon sehr zutreffend in ihrem offenen Brief vorher. Mann kann ‚höchstens‘ die möglichst ganze Wahrheit aussprechen.
    Und genau deswegen darf die Taz ‚ganz locker‘ die Anzeige abdrucken. Solange die Wahrheit transparent offenliegt. Dann kann sich jeder seine eigene Meinung bilden (haha) und -natürlich- ggfs Konsequenzen ziehen. Denn wir sind ja alle sehr kritische Tazleser. Grummelgrummel …

  • […] Die blamierte BILD-Zeitung konterte diesen Angriff auf ihre (nennen wir es mal) Glaubwürdigkeit in einer wohl unerwarteten Weise: Statt diese Peinlichkeit wie manch ein Minister einfach auszusitzen und das arrogante Feindbild zu bedienen, haben die BILDerer den Nerv, ausgerechnet die schmerzlichen Zeilen von Holofernes in ihrer Werbung wiederzugeben. […]

  • Selbst ernannte Intellektuelle scheinen Pressefreiheit nur dann zu akzeptieren, wenn diese sich – bitte schön – an den eigenen Wertvorstellungen ausrichtet. Die Leser anderer Blätter sind dann „saudumm“.

    Zitat von ´Wir sind Helden´: „Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.“

    Wer so abfällig über andere urteilt, weil sie eine Zeitung lesen, die ihnen selbst nicht passt, der ist gefährlich. Herabwürdigung anderer, nur weil sie sich für eine andere Zeitung entscheiden als man selbst, ist das allerletzte, was ich in einer freien Gesellschaft haben möchte. Pseudointellektuelle Zensur ist dafür noch der harmlosere Ausdruck.

    Ich mag die Bildzeitung nicht. Auch die Bild – Zeitung für Intellektuelle, den Spiegel, finde ich wenig überzeugend. Wer sich aber so in der eigenen Wohlgefälligkeit suhlt, wie die Bild-Kritiker, die kaum noch laufen können vor moralischer Überheblichkeit, den finde ich besonders supekt. Auf die Bild Zeitung zu prügeln, ist billig. Schneller, leichter und mit weniger Risiko kann man wohl keinen Applaus einheimsen. Wirklich „beeindruckend“, soviel Heldentum.

    Oder besser: Widerlich überheblich.

    P.S.: Ich musste bei der originellen Reaktion der BILD schon schmunzeln. Hat jedenfalls mehr Stil, als die geschmacklose Selbstbeweihräucherung selbsterklärter Helden.

  • Krasse Nummer der Springer-Presse:

    Flic-Flac über das Briefgeheimnis und dreifacher Salto rückwärts über das Persönlichkeitsrecht.

    Da wird anschaulich abgeBILDet, wessen Geistes Kinder (und „kluge Köpfe“?) dahinter stecken – nicht nur bei redaktioneller Berichterstattung, sondern auch im Rahmen kommerzieller Werbung mit vermeintlich „geist-reichem“ Touch.

    Um so besser: Das Interview mit Judith Holofernes.

  • Frau Holofernes hat auch bei mir merklich an Beachtung gewonnen, die taz allerdings selbige verloren.
    Schon bei Dr letzten Diekmann/Bild Anzeige hat man sich wahrlich nicht mit Rum bekleckert. Für Ideale in der Anzeigenabteilung hat das Budget scheinbar nicht mehr gereicht. „Glückwunsch“, dass die taz wieder so zum Spielball machen lässt.
    Wie damals schon: Lieber würde ich mehr fürs Abo zahlen, als Werbung für dieses unsägliche Blatt zu sehen.

  • Philipp: Weil die BILD-Zeitung uns dafür bezahlt. Laut unserer Anzeigenpreisliste kostet eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige unter der Woche 12.555 Euro. Das sind schon ein paar Monatsgehälter für einen taz-Mitarbeiter. Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP. Wir würden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht häufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen.

    Dabei muss natürlich vorausgesetzt sein, dass BILD, Vattenfall und BP mit ihren Anzeigen nicht unsere Unabhängigkeit tangieren, also dass sie daran keine Bedingungen für unsere Berichterstattung knüpfen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, dann lassen wir uns sehr gerne bezahlen, um für solche solche Konzerne Werbung zu schalten. Und dass die taz unkritisch über die BILD-Zeitung berichtet, diesen Vorwurf hat bisher noch niemand erhoben. Und das sieht man ja auch an dem Interview, das in diesem Fall sogar in der gleichen Ausgabe erscheint wie die Anzeige.

    Wir leben in einer Gesellschaft, die voller Werbung steckt. Unsere Leser sind den Umgang mit Werbung gewohnt und können einschätzen, dass es sich bei der Werbung nicht um eine Aussage der taz handelt, sondern des Unternehmens, das die Anzeige in Auftrag gegeben hat. Es wäre ja absurd, wenn ausgerechnet die taz, bei der die Werbeeinnahmen in kritische Berichterstattung fließen, auf die Werbeeinnahmen verzichten sollte, während andere davon profitieren. Die Anzeige ist klar als solche erkennbar und daher habe ich keine Bauchschmerzen, dass wir sie abdrucken.

  • Man kann dem Interview schon entnehmen, dass Judith Holofernes das nicht gerne hat – und was macht die taz: Sie akzeptiert die Anzeige. Schlechter Stil von Euch!

  • Ein Zusammenhang fehlt mir da beim Verständnis noch: warum druckt ihr so eine Werbung denn bitte ab? Steht es so schlecht bei den Finanzen?
    Damit reiht ihr euch ja direkt ins JvM und Bild Niveu mit ein.

  • Liebe taz, schönes Interview keine Frage. Frau Holofernes hat bei mir in den letzten Tagen deutlich an Sympathie zugelegt. Was ich mich allerdings frage…warum habt ihr diese Anzeige der Bild eigentlich veröffentlicht? Damit transportiert ihr doch auf eine gewisse Weise genau das, was Frau Holofernes in ihrem Brief verneint- die Bild ist kein harmloses Trash-Medium so, dass man solche Anzeigen augenzwinkert betrachten sollte! Die Bildzeitung ist ein perfides Instrument der Meinungsmache auf schlimmsten Niveau! Erich Gruchka würde im Grabe rotieren.

    Man kann mir nun gerne vorwerfen, ich wäre ein verbissener, humorloser Altlinker, aber so alt bin ich gar nicht. ;)

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