In unserem Beitrag “Die vermummten Landfreundinnen” auf taz.de vom 15. Juli 2011 beschreiben wir, wie radikale Feldbefreier in der Nacht zum 11. Juli ein Genfeld in Sachsen-Anhalt erstürmten und dabei mutmaßlich auch Wachleute bedrängten und vorübergehend einsperrten. Dann zerstörten sie laut Angaben der Polizei auf rund 670 Quadratmeter Boden sämtliche Genpflanzen. Doch bei ihrer nächtlichen Attacke räumten die vermummten “Feldbefreier” nicht nur Pflanzen ab, sondern ließen beim Überfall auf die Wachleute mutmaßlich auch Dokumente der Wachschutzfirma mitgehen.
Gemeinsam mit einem Bekennerschreiben, das hier einzusehen ist, wurden diese Dokumente, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit als authentisch einstufen lassen, der taz zugeleitet. Die aufschlussreichsten dieser Dokumente, die der Recherche zu Grunde lagen, veröffentlichen wir an dieser Stelle.
Darin enthalten ist etwa der Lageplan des sogenannten “Schaugarten Üplingen”, den die Betreiber damit bewerben, dass sich hier “Pflanzenforschung erleben” lasse. Dem Lageplan, den die taz hier veröffentlicht, ist zu entnehmen, welchen Raum etwa die umstrittene Genkartoffel “Amflora” oder gentechnisch veränderte Maisfelder in dem Versuchsfeld einnehmen.
Aufschlussreich sind auch die Dokumente über den bundesweit bekannten Gentechnikgegner Jörg Bergstedt, die das Wachunternehmen ihren Angestellten in die Akten legte. Neben diesen Fotos, die in der Akte mutmaßlich gemeinsam mit Wikipedia-Informationen gelagert wurden, gab das Unternehmen offenbar diese “INTERNE DIENSTMITTEILUNG” heraus, die sich einzig auf den Anti-Gentechnik-Aktivisten Bergstedt bezieht. Darin ergeht die Anweisung: “Durch Herrn Bergstedt nicht in eine Diskussion oder Gespräch verwickeln lassen.” Dem folgt ein weiterer Hinweis: “Wichtig: Herr Bergstedt schreckt nicht vor Gewalt gegenüber dem Bewachungsobjekt oder Bewachungspersonal zurück.” Interessant in dem Dokument ist auch der fett gedruckte Hinweis: “Dies sind interne Unterlagen und nur für den Dienstlichen Gebrauch bestimmt. Diese Informationen sind nicht an Betriebsfremde Personen weiterzugeben.”
Daneben gibt eine Dienstanweisung des Sicherheitsunternehmens, die hier eingesehen werden kann, Einsicht in die Klassifizierung, mit der das Unternehmen potenzielle Besucher und Störer kategorisiert. Im Teil D (“Besonderer Teil”) der Dienstanweisung unterscheiden die Betreiber zwischen “am Thema Gentechnik interessierten Personen”, “Personen mit ausgeprägter Gentechnik-kritischer Einstellung und Zerstörungsvorsatz” sowie “Personen mit militantem Verhalten und Zerstörungsvorsatz” und gibt Hinweise darauf, wie mit den unterschiedlichen Personengruppen jeweils adäquat umzugehen sei. Wie genau? Das ergibt sich aus der Lektüre.
Miriquido says:
Der Link zum Lageplan entält einen Fehler, richtig ist
http//blogs.taz.de/hausblog/files/2011/07/Lageplan.pdf
Juli 15th, 2011 at 18:27
ich says:
Sorry ich bekomme das kotzen wenn es um Feldbefreier geht. Das sind im Leute mit einem geschlossenen Weltbild die noch nicht einmal wissen was ein Gen ist. Und wenn man wegen einer beschissen Pflanze anfängt Menschen zu bedrohen und einzuschüchtern dann ist echt eine Grenze überschritten.
Das es sich hier um ein Versuchsfeld handelt macht die ganze Heuchelei noch deutlicher: “Wir wissen nicht welche Auswirkung GVOs haben aber anstatt das rauszufinden vernichten wir das Feld samt Bewachern”
Schade das die taz solchen Leuten eine Plattform bietet.
Werde wohl doch kein Abo abschließen
Juli 15th, 2011 at 18:30
Aus der Projektwerkstatt says:
Eine Dokumentation bisheriger Reaktionen, Berichte und Hintergründe zu den Aktionen unbekannter FeldbefreierInnen an BioTechFarm und AgroBioTechnikum findet sich unter http://linksunten.indymedia.org/de/node/43272
Juli 15th, 2011 at 18:53
Schlomo says:
@ ich says
Hm ich weis ja nicht inwiefern du in der Thematik steckst , um so ein wertendes Urteil auszusprechen.
Mich erschrecken Aussagen wie diese.
Bestell doch nicht das Taz Abo ab, du scheinst ja ein krtischer Geist zu sein, vielleicht kann die Zeitung dich mit noch folgenden Information etwas aufklären.Würde mich freuen wenn du dich eingehend mit dem Thema beschäftigst. ( auch wenn du sicher noch anderes/besseres zu tun hast)
Juli 15th, 2011 at 21:47
Schlomo says:
Ich kann mir auch nicht vorstellen dass es DIE Lösung ist (Anmerkung am Rande)
Juli 15th, 2011 at 22:01
ich says:
@ Schlomo. Ich stecke schon in der Thematik drinn. Um genau zu sein schreibe ich gerade an meiner Masterarbeit über Agrarbiotechnologie in Entwicklungsländern.
Egal wie man zur grünen Gentechnik stehen mag (ich bin weder ein Gegner noch ein Fan aber das würde jetzt zu weit führen) es ist einfach asozial Gewalt gegen Menschen anzuwenden um seine Meinung zu vertreten.
Genauso ist es falsch von der taz unreflektiert das Bekennerschreiben der “Feldbefreier” hochzuladen.
So und jetzt bin ich mal weiter am arbeiten
Juli 15th, 2011 at 23:20
Dr. Weigert says:
@ich:
Leute wie du, die von sich immer behaupten (oder sich es sogar ernsthaft einbilden) dass die “total unabhängig und neutral” alles überblicken können, sind die schlimmsten, da sie genauso ideologisch verblendet und festgefahren denken (und noch schlimmer) es wohl selber nicht merken oder zugeben wollen – aber gleichzeitig mit dem Finger immer auf andere zeigen.
Du hast zudem ein nicht zu leugnendes Eigeninteresse wegen deinem Job im Bereich Agrarbiotechnologie. Und du weißt ganz genau, dass die Lehrstühle in diesen Bereichen nicht selten von den betroffenen Firmen (direkt oder indirekt) mitfinanziert werden und es “fachliche Unterstüzung” gibt.
Genauso haben die Professoren meist auch sehr enge Kontakte zu den betroffenen Firmen, mache waren auch bei diesen beschäftigt.
Und du wirst doch wohl nicht ernsthaft behaupten wollen, dass man im Bereich Agrarbiotechnologie den Studenten “kritisches Denken” gegenüber ihrem Fachgebiet beibringt, oder sie auffordert auch mal über die “Bewahrung der natürlichen Lebensraums” oder “sozio-politische Prolbeme beim Anbau von Genpflanzen” zu überdenken…
Natürlich wirst du gezielt dazu ausbildet, dass du die Gewinnmaximierung der Firmen unterstützen kannst, nicht um ein Weltverbesserer zu spielen oder dich ernsthaft um den Hunger der Welt oder die Oligopole der Genfirmen und Saatgutproduzenten oder die Ausbeutung und Abhängigmachung der Menschen in der dritten Welt kritisch zu hinterfragen…..ok, der Job der Firmen ist Gewinnmaxmimierung und dein Job ist, die Firmen dabei zu unterstützten….das ist wohl normal und kann man in unserem Wirtschaftssystem nicht ändern – aber wenn man dann noch so scheinheilig und heuchlerisch ist, zu behaupten, die Firmen würden auf Genpflanzen setzen, weil sie aus selbstlosen Grüden den Menschen helfen und den Hunger bekämpfen wollen, dass ist das zynisch und verlogen!!
Jedes Kind weiß heutzutage, dass der Hunger der Welt ein REIN POLITISCHES Problem ist, das nichts damit zu tun hat, dass es “die falschen Planzen” gibt oder “zu wenig Nahrung auf der Welt” existieren würde. Bereits HEUTE gibt es genügend Nahrung um 9 Milliarden Menschen ernähren zu können, aber dank der Poltik, dem Lobbyismus der Lebensmittelfirmen, der übertriebenen Erwartungshaltung, dass z.B. auch noch um 19:59 Uhr im Supermarkt eine frische Auswahl von 25 Brotsorten vorhanden sein muß und der Subventionierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie und der sinnlosen Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln, landen zwischen 30 und 60% aller Lebensmittel, die es geben würde im Müll oder werden sogar gleich auf dem Feld untergepflügt, weil der Preis nicht stimmt.
Dass jetzt z.B. versucht wird, über PATENTIERTE Genpflanzen den Menschen in der Dritten Welt abhängig von den großen westlichen Konzernen zu machen, weil sie (anstatt wie bisher den Samen aus der letzten Ernte einfach für die nächste Anpflanzung zu verwenden) dazu gezwungen werden, JEDES JAHR aufs Neue den patentierten Samen bei den Konzernen teuer einzukaufen, womit die Bauern damit komplett einer handvoll Firmen auf der Welt ausgeliefert werden ist eine verdammte Sauerei und einfach krank! Dass du sowas für gutheißt, zeugt jetzt nicht unbedingt von einwandfreier Moral oder einem sauberen Charakter – also spar dir bitte mit dem Finger auf andere zu zeigen und von Moral und Anstand zu sprechen, wenn du wohl der Letzte bist, der sich anmaßen kann, andere moralisch zu bewerten.
http://www.essen-global.de/infobereich.html
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35058/1.html
Juli 16th, 2011 at 15:31
ich says:
@ Dr. Weinert
Sie kenne mich nicht, wissen nicht woran ich arbeite und wie ich zur grünen Gentechnik stehe. Sondern lesen irgendwelche Stichpunkte und erlauben sich dann ein Urteil.
Und dann nennen Sie mich ideologisch verblendet…
Juli 16th, 2011 at 17:23
Timselim says:
@ich
Bezeichnend, dass du nicht auf die Argumente von Dr. Weigert eingehst.
Ansonsten:
“es ist einfach asozial Gewalt gegen Menschen anzuwenden um seine Meinung zu vertreten.”
Es geht hier nicht nur darum, seine Meinung zu vertreten, sondern darum sich vor etwas zu schützen, was möglicherweise schlimme Folgen haben kann. Ist ähnlich wie mit der Kernenergie. Von daher lehne ich diese Aktionsform auch nicht ab! Und von wegen “Gewalt”: Du tust so, als wenn hier jemand erschossen wurde. Dabei wurde ein Wachmann, der sich bewusst zum Erfüllungsgehilfen macht für kurze Zeit eingesperrt. Also immer schön auf dem Teppich bleiben…
Im übrigen, wer übt denn hier eigentlich Gewalt aus?
Um mal die Taz zu zitieren: “Linke Bauern: Gentechnik ist Gewalt”. Und was das Abo angeht: Bleib doch einfach bei der FAZ, da bist du gut aufgehoben.
Juli 16th, 2011 at 17:51
Freidenker says:
Lieber Herr Weigert,
Sie haben ihr Glaubensbekenntnis hervorragend aufgesagt, Hut ab.
Stellen Sie sich mal vor ein Bauer in Afrika möchte aus freien Stücken GMOs anbauen. Nur mal vorstellen, auch wenns absurd ist. Sie kommen dann als weisser Weltenretter an und zerstören sein Land. Anschließend erklären sie ihm , es ist ein politisches Problem das seine Familie nichts mehr zu essen hat.
Genau diese Arroganz und Selbstverherrlichung gemischt mit Menschenverachtung ist das große Problem mit Leuten wie Ihnen. Obendrauf gibt es ihre komplette Ahnungslosigkeit. Gehen sie doch mal ins Transgen Forum um die Anerkennung ihrer nachgeplapperten Pauschalaussagen zu erkämpfen.
Juli 16th, 2011 at 18:18
ich says:
@ TImeslim
Warum soll ich auf Argumente von jemanden eingehen die ich sogar teilweise (abgesehen von den Beschimpfungen mir gegenüber) teile?
Wie gesagt ihr beide wisst nichts über mich außer dass ich etwas mit Biotechnologie mache und Gewalt ablehne?
Wenn man jemand mit Pfefferspray und Stöcken bedroht ist es Gewalt!
Und jetzt komm nicht mit dem Argument von legitimer Gewalt oder der Kindergartenargumentation “die haben angefangen”.
Ich war einmal bei einer Anti-Nazi-Demo wo der schwarze Block unbedingt Steine werfen musste (Sitzblockade war denen zu langweilig).
Das Resultat war eine ältere Demonstrantin die im Weg stand und einen Stein auf den Kopf bekommen hat.
Juli 16th, 2011 at 18:30
schlomo says:
@Freidenker
Ich kann deinen Vergleich nicht ganz nachempfinden. Die Zerstörung eines GMO Feldes in der 3.Welt wo die menschliche Ernährung abhängen kann/muss oder in unserer Wohlstandsgesellschaft , wo es “Pilotprojekte” sind, deren Erfolg es ist, Geld für diverse Menschen anzuhäufen. Was die Forschung bei diesen Versuchsfeldern zu Tage gefördert hat?? *hüstl* Außer ernüchternde Ergebnisse für die “Forscher”, SOFERN Ergebnisse überhaupt von Intresse waren, bzw. eine effektive Forschung überhaupt stattgefunden hat ?!!
Juli 17th, 2011 at 14:08
baba says:
Danke Dr. Weigert!
Wie das mit Genfeldern und mit der Gentechnik läuft zeigt uns am deutlichsten Monsanto, das afrikanische und indische Landgebiete aufkauft, die vorher in schwarz (ausgelaugt und wenig fruchtbar) und gelbe Gebiete (fruchtbar) einteilt und mit Hilfe der jeweiligen Nationregierungen über Korruption unter den Nagel reißt und für sich natürlich die gelben behält. Das unfruchtbare können die armen, armen Afrikaner .. behalten. Dann redet hier ein “ich” vom Nutzen für die Bevölkerung. Schäm dich “ich”. Ich sehe vor meinem Fenster das dritte Jahr in Folge!! Mais angebaut. Da galten bei meinem Großvater noch andere Kriterien: Drei Jahre Fruchtwechsel, ein Jahr Brache bzw. Gras. Stattdessen wird synthetisch gedüngt. Und dann wundern wir uns, wenn völlig entwertete Nahrung auf unsern Tisch kommt und die armen, armen Armen der Welt verhungern, weil sie in jeder Hinsicht ausgebeutet werden. Zum Beispiel auch dann, wenn sie sich einlassen auf die Genindustrie, die diese Bauern zwingt, zu hohen Preisen den genmanipulierten Scheißdreck zu kaufen und zu säen.
Juli 18th, 2011 at 09:00
baba says:
an ich:
Wie du zu Pflanzen stehst zeigt im übrigen eindeutig deine Kategorisierung “beschissene Pflanzen”. Ich hoffe sehr,
dass es viele Dr. Weigerts gibt und dass du “ich” an deinen genpatentierten “beschissenen Pflanzen” verkommst.
Juli 18th, 2011 at 09:06
ich says:
@baba
Kannst du eigentlich lesen?
Wo schreibe ich bitte schön etwas von Nutzen für die Bevölkerung? Ich habe die grüne Gentechnik nirgendwo ich betone NIRGENDWO befürwortet oder verteidigt.
Aber ich betone gerne nochmal (auch in groß damit du es verstehst):
GEWALT IST SCHEISSE GANZ EGAL WORUM ES GEHT!
Und was die beschissene Pflanze angeht: wenn du wirklich glaubst eine GV-Kartoffel ist es Wert einen Menschen Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen und zu verprügeln dann solltest du wirklich mal überlegen wo du Prioritäten setzt,
(Man nimmt keine Waffen mit ohne die Möglichkeit einzurechnen sie auch einzusetzen)
Sorry aber du, Dr. Weigert und TImselim aber ihr habt gerade alle bewiesen dass ihr nur verbohrte Holzköpfe seid: Pöbeln aber nichts lesen geschweige denn verstehen (man könnte fast meinen ihr seid bezahlte Agent Provocateur von Monsatan)
Juli 18th, 2011 at 20:55
Friderikus says:
@ich:
Lass es. Mit diesen Leuten diskutieren lohnt nicht.
Es ist ähnlich wie bei der Atomdebatte (gewesen):
Es geht hier nicht um richtigen Gründe, dafür oder dagegen zu sein, sondern nur noch darum, für die Natur (= ALLE ethisch korrekt&gut) oder für den geldgierigen, alles verschlingenden Kapitalismus (logischerweise ALLE ethisch inkorrekt&böse) zu sein. Das sind die Kategorien, in denen sie denken.
Ich selber bin ja neugierig, wie voraussichtlich 2050 9,2 Milliarden Menschen auf “natürliche Art und Weise” versorgt werden sollen…
Und ja, ich befürworte Forschung mit gentechnischen Pflanzen. Falls ein Öko nur noch Stroh im Kopf hat und das nicht erkennen konnte.
))
Juli 18th, 2011 at 23:13
Freidenker says:
@schlomo:
Kannst du in deinem Post mehr als Unterschwellige Behauptungen oder Suggestionsfragen entdecken? Falls nein, wozu?
@Friederikus:
Desweiteren:
GMOs gibt es nur von Monsanto. Selbst wenn es gratis ist, lizenzfrei , eine offene Lizenz , von gemeinnützigen Organisationen oder von staatlichen Organisationen herausgegeben. Immer steckt Monsanto dahinter. Ein Hoch auf Anekdotenwissen.
Natur hat uns alles lebensnotwendige mitgegeben. Tausende Jahre Züchtung sind eine bloße Korrelation. Gezielte Züchtung ist deswegen böse.Ein Hoch auf Anekdotenwissen.
Wenn Bauern GMO Saat neukaufen, dann nicht weil das Saatgut gemäß Mendelscher Regeln die gewünschten Regeln langsam verlieren und sie lieber weiter das bessere GMO Saatgut haben. Nein, bestimmt nicht schließlich steckt Monsanto allein dahinter. Ein Hoch auf Anekdotenwissen.
Und nicht vergessen: Alle Forscher sind korrupt, geldgeil und wollen eigentlich nicht forschen. Deswegen ein Hoch auf Anekdotenwissen
Juli 19th, 2011 at 02:52
Stefanie says:
an alle feldbfreier die sich hier so rumtummeln:
den landwirten in europa ist es gestztlich verboten hybriden und synthetische sorten (sog. synthetics) nachzubauen. selbst wenn sie lizenzgebühren zahlen wollten. (ist im saatgutverkehrsgesetzt nachzulesen) jetzt meine frage: warum reißt ihr die pflanzen, die diesen sorten”typen” entsprechen nicht raus? die würden nach eurer argumetation genau die gleiche form der abhängigkeit schaffen. das ist eine sache, die ich nicht verstehe!
stefanie
Juli 19th, 2011 at 08:23
Steffen says:
Lieber Dr. Weigert,
formal hochgerechnet mag es zwar möglich sein, 9 oder sogar 12 Milliarden Menschen zu ernähren (Grundbedarf!). Niemals werden sie aber nur annähend diesen einen europäischen Lebensstandard bieten können.
Beziehen Sie jetzt noch Biokraftstoffe und regenerative Energien mit in die Rechnung ein, dann werden sie niemals diese Menge an Menschen selbst mit dem Grundbedarf versorgen können, es sei denn wir Drehen das Rad der Entwicklung in vielen Ländern zurück auf das Niveau eben jenes Grundbedarfes.
Und für alle die hier scheinheilig mit den Feldbefreiern sympathisieren mal folgender Hinweis: Die Genkartoffel Amflora (so war wohl der Name) ist verboten. Eine adequate Kartoffelsorte die durch den Einsatz von Mutagenen und Genomanalysen der resultierenden Keimlinge ausgewählt wurde (Turbo-Züchtung), gilt als Züchtung und kann ohne spezielles Genehmigungsverfahren angebaut werden.
Juli 19th, 2011 at 12:11
Stefanie says:
ich weite meine frage hiermit auf alle sympathisanten der feldbefreier aus.
wie seht ihr das? wäre es vor dem hintergrund der von euch befürchteten abhängigkeit richtig alle felder auch von hybriden und synthetics zu befreien?
stefanie
Juli 20th, 2011 at 12:31
Progen says:
Stefanie hat nicht Recht. Jeder Bauer darf Hybriden oder synthetische Sorten nachbauen und die Ernte als Konsum verkaufen. Das ist nicht verboten. Er darf seine Ernte nur nicht als Saatgut verkaufen. Das wäre auch Betrug, denn es ist einfach nicht mehr die Sorte.
Nicht Gen-Saatgut ist gefährlich, sondern Ideologen sind es. Vor Letzteren habe ich wirklich Angst. Wachleute werden bestimmt nicht gut bezahlt und setzen sich dafür den Angriffen aus. Ich habe wirklich Hochachtung vor diesen Menschen. Für mich sind Feldbefreier keine Radikalen. Sie sind ganz einfach Fundamentalisten.
Ich arbeite übrigens in einer Saatzuchtfirma.
Juli 20th, 2011 at 17:30
Stefanie says:
Hallo Progen,
es freut mich, dass du auf meinen Kommentar reagierst. Geantwortet hast du allerdings nicht.
Dafür, dass du in einer Saatzuchtfirma arbeitest kennst du die rechtlichen Grundlagen, die zu den (verdienten) Einnahmen für ein solche Firma führen aber nicht sehr gut. Ich habe mich einmal genauer mit dem Sortenschutzgesetz auseinandergesetzt und so habe ich es verstanden:
Das Recht der Landwirte Nachbau zu betreiben, also eigenes Saatgut zu erzeugen und zu verwenden, ist in Deutschland im Sortenschutzgesetz geregelt. Im § 10a Absatz 2 SortG ist dieser Sachverhalt folgendermaßen beschrieben: „Die Wirkung des Sortenschutzgesetzes erstreckt sich nicht auf Erntegut, das ein Landwirt durch Anbau von Vermehrungsmaterial
einer geschützten Sorte [...] mit Ausnahme von Hybriden und synthetischen Sorten im eigenen Betrieb gewonnen hat und dort als Vermehrungsmaterial verwendet (Nachbau) [...]“. Die Verordnung Nr. 2100/94 des Rates der EU über den gemeinschaftlichen Sortenschutz besagt in Artikel 14 Absatz 1 das Gleiche. Der Landwirt ist demnach dazu berechtigt Nachbau zu betreiben, wenn er Lizenzgebühren an den Sortenschutzinhaber bezahlt, sofern es sich nicht um Hybridsorten oder synthetische Sorten handelt. Im § 10a SortG ist also ein Nachbauverbot für Hybridsorten festgelegt. Dieses Verbot gilt ohne Ausnahme für alle Landwirte inklusive sogenannter Kleinerzeuger, die zu gewerblichen Zwecken handeln.
Auch der letzte Punkt ist so ausdrücklich im Gesetz genannt.
Du hast geschrieben: “… Jeder Bauer darf Hybriden oder synthetische Sorten nachbauen und die Ernte als Konsum verkaufen. Das ist nicht verboten…”. Tut mir leid, aber da hast du wie oben belegt, leider unrecht.
Nun noch einmal meine Frage an alle Sympathisanten der Feldbefreier bzw. Feldbefreier selbst hier im taz-forum: Warum ist man als Feldbefreier bzw. deren Sympathisant nicht so konsequent und reißt ebenfalls alle Hybriden und Synthetics aus dem Acker. Denn für diese besteht ein gesetzliches Nachbauverbot, genau wie für GVOs. Somit sollten diese ebenso Abhängigkeiten schaffen wie GVOs.
Nichts für ungut Progen, mir war dieser Sachverhalt bis vor kurzem auch nicht bekannt.
Ich arbeite übrigens nicht in einer Saatzuchtfirma.
Stefanie
Juli 20th, 2011 at 21:58
schwarz ohne block says:
@ “ich” und alle die hier wegen der “Gewalt” so tief betroffen sind:
Es ist typisch für die meisten Diskussionen, dass ihnen eine äußerst verengter Gewaltbegriff zugrundegelegt wird. Gewalt ist es nicht nur, wenn z.B. jemand (aus welchen Gründen auch immer)gehauen wird, sondern Gewalt ist häufig strukturell. Diese strukturelle Gewalt besteht z.B. darin, dass nahezu jeder Mensch durch die vorhandenen kapitalistischen Strukturen dazu gezwungen wird nach kapitalistischer Logik zu handeln – nämlich entweder seine Arbeitskraft zu verkaufen (z.B. als Angestellter einer Saatgutfirma) oder als Unternehmer am Markt teilzunehmen. Der Zwang besteht im wesentlichen darin, dass nahezu alle Menschen untereinander im Wettbewerb stehen und sich kaum aus dieser fundamentalen Logik befreien können – schließlich müssen Wohnung und Nahrung etc. irgendwie finanziert werden.
Diese allgemeine strukturelle Gewalt des Kapitalismus gilt umso mehr im Falle von gentechnisch veränderten Pflanzen – hier werden Saatgut und Pflanzen zu patentiertem Privateigentum, was umso größere Abhängigkeiten schafft.
Angesichts dieser umfassenden, alltäglichen strukturellen Gewalt ist es mehr als heuchlerisch sich tief betroffen vom Einsatz von Gewalt zu distanzieren, zumal noch nicht einmal jemand verletzt wurde. Im Vergleich zu der Praxis weltweit agierender Konzerne und mit ihnen kooperierenden westlichen Regierungen, die den Hungertod und die Armut von Millionen Menschen wissentlich in Kauf nehmen, ist es umso lächerlicher sich über eine solche Aktion zu echauffieren.
Juli 21st, 2011 at 22:18
Alex (2) says:
@schwarz ohne block
In dieser Logik ist es also auch legitim, wenn ich in den nächsten KIK Markt marschiere und dort beginne zu randalieren? Oder wenn ich das nächste mal meinen Sachbearbeiter im Jobcenter treffe und ihm Gewalt androhe, wenn er von mir verlangt, einen Job anzunehmen, der mir nicht passt? Und bitte bleiben sie auf dieser Denkebene, der des konkreten Verhaltens.
Juli 22nd, 2011 at 00:34
Stefanie says:
(ironieein) Ein Gedankenspiel 10.000 Jahre zurück zu SCHWARZ OHNE BLOCKs Gedanken:
Es ist typisch für jemanden wie SCHWARZ OHNE BLOCK, dass ihm eine äußerst verengter Gewaltbegriff zugrundeliegt. Gewalt ist es nicht nur, wenn z.B. jemand auf die Fresse bekommt, sondern Gewalt ist häufig strukturell. Diese strukturelle Gewalt besteht z.B. darin, dass nahezu jeder Mensch durch die vorhandenen biologischen Erfordernisse dazu gezwungen wird nach diesen Bedürfnissen zu handeln – nämlich entweder als Jäger und Sammler oder als Bauer der gerade damit beginnt Gräser zu domestizieren. Der Zwang besteht im wesentlichen darin, dass nahezu alle Menschen untereinander im Wettbewerb stehen und sich kaum aus dieser fundamentalen Logik befreien können – schließlich müssen Nahrung für sich selbst und die Familie beschafft werden. (ironieaus)
@ Schwarzer Block: Du schreibst von der strukturellen Gewalt die auch durch patentierte gentechnisch veränderte Pflanzen ausgehen und dadurch Abhängigkeiten schaffen. Nach deinen Ausführungen zähle ich dich jetzt einfach mal frei wie ich bin zu den starken sympathisanten der Feldbefreier. Jetzt noch einmal meine noch nicht beantwortete Frage konkret an dich: Müssten nach deiner Meinung auch alle Hybridsorten bzw. Synthetics aus dem Boden gerupft werden um den Landwirten klar zu machen, dass sie dadurch in große Abhängigkeiten geraten? Denn genau in diese Abhängigkeiten würden sie geraten nach deinen Ausführungen.
Stefanie
Juli 22nd, 2011 at 13:41
rotkäppchen und der wolf says:
Tja, ich wäre auch auf eine Antwort auf Stefanies mehrfach geäußerte Frage neugierig gewesen. Aber wie es scheint, haben sich Schwarzer Block und seine “strukturell gewaltgeschädigten” Freunde (betrifft das auch das logische, rationale Denken?) an etwas verschluckt, vielleicht sogar einem Maiskörnchen. Aber solange es kein GV-Mais war, ist die Welt ja in Ordnung …
Juli 22nd, 2011 at 23:35
schwarz ohne block says:
@ Alex: Der Unterschied liegt darin, dass Randale im nächsten Laden oder Angriffe auf Mitarbeiter der Arbeitsamtes nicht geeignet sind, etwas an den Verhältnissen zu ändern und deswegen meines Erachtens sich keine Legitimität haben. Es würde sich um relativ sinnfreie Einzelaktionen ohne politische Aussage handeln.
Bei den Feldbefreiungen sieht es aber anders aus. Hier wird direkt ins Getriebe der Agro-Industrie eingegriffen, der Widerstand ist wirksam und angesichts der unabsehbaren Riskiken und ausbeuterischen Praxis der entsprechenden Fimren legitim.
Juli 23rd, 2011 at 00:32
schwarz ohne block says:
@ Stefanie: Ich finde die entstehenden Abhängigkeiten bei Hybridsorten auch nicht gerade gut, da ich es generell seltsam finde Lizenzgebühren auf Pflanzen zu erheben.
Ich glaube, ein entscheidender Unterschied besteht aber darin, dass der Einsatz von GVOs wie in Üplingen eben erst am Anfang steht und es deswegen effektiv möglich ist, die weitere Ausbreitung zu erschweren. Die Entwicklung steht eben erst am Anfang, deswegen ist Intervention an dieser Stelle möglich (und meiner Ansicht nach eben auch gerechtfertigt).
Weitverbreitete Hybridsorten in ähnlicher Weise anzugehen ist wohl kaum sinnvoll oder realistisch, auch wenn die Abhängigkeiten von Lizenzinhabern problematisch erscheinen. Es geht bei den Feldbefreiungen ja aber auch nicht nur um die Abhängigkeitsproblematik, sondern auch um ökologische Risiken.
Juli 23rd, 2011 at 00:50
Alex (2) says:
@schwarz ohne block
ah, ok. Also, nur das ich das richtig verstehe: Gewalt, die sich gegen die richtigen Gruppen richtet (in diesem Fall: der unterbezahlte Wachmann, der stellvertretend für einen internationalen Konzern steht) ist richtig und legitim. Und diese Gruppen werden nach dem Prinzip der strukturellen Gewalt bestimmt. Strukturelle Gewalt umfasst all jene erzwungenen Handlungen, die durch “das System” (das kapitalistische?) hervorgerufen werden. Aber, um legitim zu sein, muss die Gewalt auch einen Effekt hervorrufen, der sich in diesem Fall aus dem wirtschaftlichen Schaden ergibt. (Tja, warum jedoch Randale im KIK-Markt keinen Effekt hervorrufen soll – man kann ja darauf hinweisen, dass der Protest sich u.a. gegen die Beschäftigungsbedingungen richtet – ist mir noch nicht ganz klar). Wo genau zieht man da eigentlich die Grenze? Sind das nur Handlungen, die eine Person zur Arbeit zwingen und wenn ja, sind das prinzipiell “Arbeitszwänge” oder nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Und würde demnach jemanden, der freiwillig für Geld arbeitet, indirekt strukturelle Gewalt angetan werden, da er die Systemstrukturen internalisiert hat, oder wäre er dann davon ausgenommen? Sind auch Konkurrenzverhältnisse zwischen Unternehmen strukturelle Gewalt, da, wenn sie den Systemzwängen nicht folgen, sie über kurz oder lang bankrott gehen (womit im schwächsten Fall Industriespionage etc. locker legitimiert wäre). Ich will mich nicht lustig machen, ich kriege das einfach nicht auf die Reihe. Erklären Sie mir das Bitte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich strukturelle Gewalt dort begründen lässt, wo es eine Differenz zwischen Potentialität und Aktualität gäbe. Welche Situation ist das denn bitte nicht, sofern man nicht einen religiösen oder biologistischen “Endzustand des richtigen Menschen” definiert? Ehrlich, ich verstehe es nicht.
Oh, und btw: Ich glaube, es ist für die Diskussion recht fruchtbar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass mindestens die Meisten der Diskutanten die Aktion verurteilen, ohne dabei Monsanto und Co. als das “Richtige” zu erheben.
Juli 23rd, 2011 at 23:48
Che says:
Nachdem ich nun einige Posts hier gelesen habe muss ich schon sagen das gerade die Kritiker mittels belegter Argumente einen besseren Eindruck hinterlassen (Dank an Dr. Weigert) als Gentech Befürworter wie “ich” der insgesamt einen sehr einfach gestrickten rechtskonservativ neoliberalen Eindruck hinterlässt.
Zu diesem Thema empfehle ich auch die Dokumentation “Monsanto, mit Gift und Genen” welche ab und zu auf Arte läuft oder wohl auch im Netz zu finden ist.
Bevor hier weiter über Gewaltbereitschaft diskutiert wird, nur um des diskutierens Willen, geht lieber auf die von Dr. Weigert gebrachten Argumente ein. Aber den Befürwortern ist eine Grundsatzdiskussion über Gewaltbereitschaft sicherlich lieber denn damit kann man bekanntlich sehr gut vom eigentlichen Thema ablenken.
cu
Che
Juli 24th, 2011 at 18:27
will leben says:
wer sich ernsthaft mit der materie auseinandersetzen will, kann eien artikel der er huffingtonpost lesen, in dem die studie “Roundup and birth defects: Is the public being kept in the dark?” zitiert wird.
“Industry regulators have known for years that Roundup, the world’s best-selling herbicide produced by U.S. company Monsanto, causes birth defects, according to a new report released Tuesday.”
Roundup Birth Defects: Regulators Knew World’s Best-Selling Herbicide Causes Problems, New Report Finds
http://www.huffingtonpost.com/2011/06/07/roundup-birth-defects-herbicide-regulators_n_872862.html
Juli 25th, 2011 at 04:31
ich says:
@ Che
eigentlich wollte ich mich nicht mehr äußern aber wie kommst du auf die Idee ich wäre ein gentechnik Befürworter?
Juli 25th, 2011 at 15:56
roulettesystem says:
Danke, jetzt endlich habe ich das ganz kapiert
Juli 25th, 2011 at 20:23
Alex (2) says:
@ich
soweit wie ich die Sache sehe: Weil Sie Gewalt ablehnen…
Juli 27th, 2011 at 12:22
Freidenker says:
Hat einer der “Ja ich überfalle gerne Menschen und versuche gerne Forschung nachhaltig zu zerstören” Mitmenschen, auch nur ein reviewed paper zur Verfügung, welches eine generelle Gefahr durch gentechnische Methoden beweist? Huffington Post ist etwas dünn, hat in Wissenschaftskreisen einen Bildzeitung-Ruf.
Juli 29th, 2011 at 09:51