Strafverfolgung: Warum wir keine Bilder rausgeben

Was für eine grausame Tat: Schwarz gekleidete Autonome prügeln am Rande einer Demonstration vor knapp einem Jahr mit einem Kantholz auf einen Polizisten ein, treten ihn, besprühen ihn mit Reizgas. Der Beamte wird schwer verletzt, kommt auf die Intensivstation, überlebt.

Heute hat die Polizei die Wohn- und Redaktionsräume von neun Fotografen durchsucht, die auf der Demonstration Bilder geschossen haben. Darunter sind auch zwei Fotografen, die als freie Mitarbeiter regelmäßig für die taz tätig sind. Die Polizei hofft darauf, auf den Fotos die Täter identifizieren zu können.

Freiwillig hätten die beiden taz-Fotografen die Bilder niemals herausgegeben. Aber warum eigentlich nicht? Warum hilft die taz nicht, so ein Verbrechen aufzuklären? Haben wir etwa kein Mitleid mit dem Opfer? Wollen wir die Täter unterstützen?

Mitnichten. Wir geben die Bilder nicht freiwillig heraus, weil das die Voraussetzung dafür ist, dass wir unsere Arbeit machen können. Wenn Demonstranten mitbekommen, dass Pressefotografen ihre Bilder der Polizei überlassen, müssen sie befürchten, von den Demonstranten als Hilfspolizisten wahrgenommen zu werden. Und das heißt in Fällen wie diesen auch, dass unsere Fotografen – genau wie der Polizist – zusammengeschlagen würden. Die Arbeit wäre zu gefährlich. Journalisten sind darauf angewiesen, von allen Beteiligten als unabhängige Berichterstatter wahrgenommen zu werden. Nur dann können wir auch mitten im Getümmel unserer Arbeit nachgehen. Genau deshalb hat der Gesetzgeber auch das Zeugnisverweigerungsrecht und das Beschlagnahmeverbot für Journalisten geschaffen. Weil die Arbeit von Journalisten für die Gesellschaft enorm wichtig ist und weil das Beschlagnahmeverbot genau wie das Zeugnisverweigerungsrecht die Voraussetzung dafür ist, dass wir dieser Arbeit nachgehen können. Wir begrüßen daher die Ankündigung der Staatsanwaltschaft Frankfurt, dass sie die beschlagnahmten Bilder nicht auszuwerten wird, wenn sie bei ihrer (reichlich verspäteten) Prüfung zum Ergebnis kommt, dass die taz-Fotografen wirklich Pressefotografen sind.

Oder noch einmal andersherum: Wenn es das Beschlagnahmeverbot für Journalisten nicht geben würde, hätten unsere Fotografen auf der Demonstration gar nicht ungestört fotografieren können. Die Fotos, die die Polizei haben will, würden gar nicht existieren. Die Strafverfolgung der Täter wäre nicht erleichtert. Nur die Berichterstattung über Demonstrationen – die würde behindert.

Siehe auch: Bundesweite Durchsuchungen bei Fotografen.

Kommentare (47)

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  1. > Warum ist es denn strittig, ob Fotografen der taz
    > Pressefotografen sind? Und welchen Unterschied macht
    > das überhaupt?

    Weil nur für Pressefotografen das Beschlagnahmeverbot gilt (genau wie für Anwälte, Pfarrer, Abgeordnete, Ärzte).

    > Muss ich, wenn ich nicht offiziell als Pressefotograf
    > tätig bin denn automatisch Hilfspolizist spielen und
    > meine Bilder gleich bei der Polizei abgeben?

    Nein, das müssen Sie nur dann, wenn die Polizei das verlangt.

    > Soll ich vielleicht auch alle anderen Bilder, die ich
    > sonst so mache (vom Urlaub, von der Freundin…) gleich mal
    > lieber auf Verdacht der Polizei vorlegen, damit die für
    > mich entscheiden können, ob sie vielleicht etwas
    > Spannendes darauf sehen?

    Rechtlich gesehen sind Sie dazu nicht verpflichtet.

  2. Warum ist es denn strittig, ob Fotografen der taz Pressefotografen sind? Und welchen Unterschied macht das überhaupt?
    Muss ich, wenn ich nicht offiziell als Pressefotograf tätig bin denn automatisch Hilfspolizist spielen und meine Bilder gleich bei der Polizei abgeben?
    Soll ich vielleicht auch alle anderen Bilder, die ich sonst so mache (vom Urlaub, von der Freundin…) gleich mal lieber auf Verdacht der Polizei vorlegen, damit die für mich entscheiden können, ob sie vielleicht etwas Spannendes darauf sehen?

    Die Polizei hat doch selbst Fotografen und Kameraleute bei allen wichtigen Demos dabei, normalerweise ganz schön viele – wenn die es nicht gefilmt und fotografiert haben, dann kann man ihnen auch nicht weiterhelfen.

  3. War ja klar, das hier nur das veröffentlicht wird, was in das tolle demokratisch-pseudohumanistische Weltbild passt! Geht kacken!

  4. schön zurechtgebogen.

    Die Zukunft:

    Wenn ein Demonstrant von Polizisten verprügelt wird setzt sich die taz genauso ein und behindert dann die Ermittlungen gegen die Täter um ihre “Neutralität” zu wahren.

    Ich denke nicht.

    Man kann der Pressefreiheit den Vorrang gewähren aber dann bitte grundsätzlich und nicht wie es einem gefällt.

  5. Im Ergebnis richtig in der Argumentation aber daneben!
    Wenn jemand lebensgefährlich verletzt wurde, halte ich das Vorenthalten von gewöhnlichen Beweisfotos für kritisch. Erst recht die Argumentation mit der Gefahr der Rache durch randalierende Demonstranten halte ich für untragbar.
    Im Ergebnis halte ich die Entscheidung aber für richtig, da es nicht um lebensgefährliche Verletzungen ging. Es würde aber ein besseres Licht auf die taz werfen, wenn man dies auch so darstellen würde.
    Pressegeheimnis heisst für mich nicht, dass nie herausgegeben wird, sondern dass die Presse selbst beurteilt und entscheidet.

  6. Nach diesem Artikel schäme ich mich, taz-leser_in zu sein. Echt herbe Themaverfehlung!

    Wahrscheinlich hat der Bulle sogar noch sein eigenes Spray, bzw das von Kollegen abbekommen. Mit dem davor Menschen willkürlich angegriffen wurden.

  7. Pingback: Froschs Blog » Blog Archive » Im Netz aufgefischt #97

  8. @ Ernst Lehmann:
    Das glaube ich auch.
    Auch bei der taz wird- wie bei den meisten anderen – mit vielerlei Mass gemessen. Deshalb möchte ich auch gar nicht von “Doppelmoral” sprechen, sondern eher von flexibler Mehrfachmoral.
    Schön ist das nicht.

  9. Wenn junge Nazis bei einer Demonstfration einen Afrikaner verprügelt hätten, hätte die taz dann die Bilder rausgegeben? Die Antwort weiß jeder…

  10. Es wird genau das berichtet und benutzt und herausgepresst, was denen mit dem Geld nutzt. Und sonst nix.

  11. Kann mich an “schwerverletzte” Polizisten anlässlich S21 in Stuttgart erinnern. Die sind in ihren eigenen Reizgasnebel gelaufen. Soviel dazu.
    Well done, taz. Niemals Material herausgeben!

  12. Genau, und als nächstes lässt die Staatsanwaltschaft dann auch mal bei Ermittlungen gegen einen Polizisten, der auf irgendeiner Demo mal wieder “irgendeinen Demonstranten” (auch ein Mensch!) zerkloppt hat, Bilder beschlagnahmen…

    Un-denk-bar.

  13. Die Taz ist also neutral.

    Der Witz des Tages.

  14. @ Crenshaw

    In solchen Fällen würde man die Bilder nicht rausgeben sondern sie sogar publizieren.

  15. @Klaus: Die Diskrepanzen zwischen der angeblichen Schwere der Verletzungen des Polizisten und der realen Verletzung mal außen vor.

    Journalisten müssen das Recht haben, auch wenn sie Kenntnisse von illegalen Taten oder Verbrechen haben, darüber zu schweigen, weil sie eben andere Aufgaben haben als Strafverfolgungsbehörden oder der normale Bürger.

    Schreib/fotografier mal eine Reportage über Illegale in Deutschland, wenn jeder Illegale mit dem Du sprichst / den Du fotografierst damit rechnen muß, daß er eine Woche nach Veröffentlichung ausgewiesen wird.

  16. Zu allererst: Diese Einstellung ist absolut zu begrüßen!
    “Crenshaw” merkt allerdings richtig an was die Folge in den genannten hypothetischen Fällen ist.

    Zu meinem Punkt: Ich finde es allerdings auch von Seiten der Polizei schwer zu erkennen, wer wirklich Pressefotograf ist, wer für die lokale oder auswärtige Antifa fotografiert und filmt oder wer einfach neutral vor Ort ist, um Bilder zu machen. Das ist per se nicht nach außen erkennbar. Weiterhin ist es in Deutschland mitnichten schwer, einen Presseausweis zu bekommen und damit durch Publikation in einem Blog o.ä., als Journalist durchzugehen. Viele Hobby-Fotografen nutzen diese Tatsache zurecht zu ihrem Vorteil.
    Zwei Probleme seien hier noch kurz angesprochen: Doppel-Tätigkeit einer Person. So kann ein Fotograf durchaus im Auftrag einer Zeitung Fotos machen, selbst jedoch ebenfalls in der Antifa vertreten sein und für diese ebenfalls Fotos machen. Ein Problemfall, der sicher immer wieder eine Rolle spielt.
    Weiterhin frage ich mich, warum ein Journalist kein Interesse an der Aufklärung einer solchen Straftat haben sollte? Wenn er auch nur im Hintergrund mitwirkt, aber die Aufklärung eines derartigen Gewaltaktes sollte im Interesse aller Bürger dieses Landes sein. Ich sehe hierbei aber viel mehr die freiwillige Arbeit auf moralischer Basis angegriffen, als dass dieser Fakt einen derartigen Eingriff in die Pressefreiheit rechtfertigen könnte.

  17. Mich würde es interessieren, ob die TAZ die Bilder rausgeben würde, wenn sie keine Angst von Angriffen hätten.

    Z. B. wenn durch Zufall ein Bild eines Vergewaltigers geschossen würde, oder wenn die Täter antsatt eines Polizeibeamten auf ein Kind eingeschlagen hätten. Oder anders herum, wenn mehrere Polizeibeamte einen Journalisten verprügelt hätten. Natürlich hypothetische Fälle, aber man sollte drauf herum denken.

  18. Es ist erschreckend wie weltfremd und polemisch hier einige argumentieren. Ich habe als Pressefotograf im Auftrag von Agenturen schon an etlichen (leider nicht immer gewaltfreien) Demonstrationen teilnehmen dürfen/müssen.

    Diejenigen die sich kein eigenes Bild machen können: als Fotograf wird man schon so oder so angefeindet (egal ob von rechts oder links) – die Demonstranten beschimpfen einen (und greifen einen zuweilen auch) als “Staatsfreund” an und der Polizei ist man auch ein Dorn im Auge, wenn man denn mal z.B. eine Verhaftung fotografiert. So oder so, ist es ein ohnehin nicht ganz ungefährliches Business. Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass diverse Redaktionen ihre Mitarbeiter mit Schutzwesten ausstatten und ein Helm sowieso immer mit dabei ist. Soviel zum Thema die “armen Fotografen”. Es hat seinen Grund, warum die meisten Fotografen auf solchen “potentiell eskalierenden” Demos nicht alleine unterwegs sind (egal welcher Redaktion sie angehören) – das Stichwort heißt “Selbstschutz in der Gruppe”. Und das ist HEUTE bereits Realität und nicht zu selten notwendig. Nicht auszumalen was wäre, wenn man auch noch als Informant des Staates angesehen würde.

    Journalisten, und dazu gehören wir Fotografen auch, sollen/müssen unabhängig sein. Spätestens wenn man Opfer eines geworfenen Steins geworden ist (und das ist bis weilen noch das Geringste) dürfte es den Meisten schwer fallen jegliche Objektivität zu behalten. Auch ganz nett ist es, wenn eine Demonstration nicht so verläuft, wie es sich die Polizei erhofft bzw geplant hat und man unvermittelt inmitten eines braunen oder schwarzen Blocks steht und die Herren und Damen in Grün/Blau plötzlich nicht mehr zu sehen sind.

    Nicht das das hier jemand falsch versteht: es ist kein Gejammere, sondern lediglich traurige Wahrheit und (Gott-sei-Dank nicht tägliches) Geschäft!

    TROTZDEM oder gerade deshalb: die Pressefreiheit steht über allem und es darf einfach nicht sein, dass Journalisten ihrer Quellen einfach so beraubt werden. Eine wie auch immer geartete Berichterstattung wäre in Zukunft definitiv nicht mehr möglich. Wenn so etwas Schule machen würde, dürfte niemand mehr in einer Demonstration seine Kamera auspacken, ohne Gefahr für Leib und Leben zu sein (was, wie oben geschrieben, heut zu Tage schon der Fall sein kann, siehe 1. Mai in Hamburg oder Berlin).

    Es geht dabei nicht um die Vereitelung von Straftaten. Ich denke, dass jeder verantwortungsbewusste ordentliche Pressefotograf eine offensichtlich festgehaltene schwere Straftat zur Anzeige bringt, sei es über die Redaktion oder anonym. Jedoch wird dies sicherlich nur bei außergewöhnlichen Ereignissen der Fall sein.

    Oder um es zynisch zu formulieren: die Polizisten als auch die Demonstranten wissen worauf sie sich freiwillig oder eben auch nicht einlassen, und dass es dabei auch zu Verletzungen kommen kann. Gewalt wird i.d.R. mit Gewalt beantwortet (von welcher Seite auch immer ausgehend) und die daraus entstehenden Konsequenzen (Verletzungen) sind nun einmal nicht ausgeschlossen. Warum soll man sich als Journalist noch zusätzlich zur Zielscheibe machen? Unsere Arbeit besteht im objektiven Festhalten des aktuellen Geschehens, ohne in selbiges einzugreifen (siehe Pressecodex).

    Jemand schrieb vorhin, dass Journalisten dann zur Aufklärung beitragen sollten – dann wäre die Objektivität und Nichteinmischung aber auch nicht mehr gegeben… /Zynismus aus

  19. Hi, ich bin auf eurer Seite. Aber das wisst ihr ja.
    Haltet weiterhin Augen und Ohren für mich offen, mischt euch ein und seid unbequem.
    Beste Grüße
    vic

  20. Ist ja gruselig, dass auch hier die Antilinken Schlauberger ihre Spielweise gefunden haben.
    Zur “schweren Verletzung” von Polizisten sollte man wissen, dass die polizeiliche Nomenklatura von gewöhnlichen Sprachgebrauch stark abweicht. “Schwer verletzt” ist ein Polizist, wenn er nicht nach kurzer Unterbrechung in den Dienst zurück kann, sondern im Krankenhaus behandelt wird. Wenn ich mich also zur Behandlung ins Krankenhaus begeben muss, dann ist das in jedem Fall eine “schwere Verletzung”, sofern ich Polizist bin. Die schweren Verletzungen (Augenreizungen), die der Polizist sich zuzog, sind die gleichen, die die Polizei mit Pfefferspray jährlich tausendfach in Deutschland gegenüber Demonstranten austeilt.

    Ansosnten: Die Pressefreieheit ist nicht verhandelbar.

  21. Pingback: Polizeirazzia zur Beweissicherung gegen Occupy-Demonstranten › Netzexil

  22. Gilt das eigentlich auch, wenn Polizisten gewaltsam in eine Demo stürmen und alles kurz und klein hauen, dass die TAZ diese Bilder dann nicht veröffentlicht, weil sie ja ihrer Arbeit weiterhin gewissenhaft nachgehen wollen? Zitat: “Journalisten sind darauf angewiesen, von allen Beteiligten als unabhängige Berichterstatter wahrgenommen zu werden.” Das schließt für mich auch den Staat (Polizei) mit ein…

  23. @Jan


    Bei korrekt eingesetzter Verschlüsselung weiß man, dass keiner rumschnüffelt.

    In Zeiten, in denen Wörterbücher für einen Angriff auf einen encrypteten Container Millionen Einträge umfassen, weil jedes jemals positiv getestete Passwort automatisch darin landet, wird es eng mit der Sicherheit. Zumal es heute kein Problem ist, in einem normalen Rechner mehrere GPUs gleichzeitig den Job erledigen zu lassen statt auf die Rechnenpower der lahmen CPU zu vertrauen. Es war/ist mithin nur eine Frage des Aufwands, der immer weiter abnimmmt.

    Normalerweise könnte die Verschlüselungssoftware dem einen ebenso simplen wie wirksamen Riegel vorschieben, indem jeder falsche Versuch zu einer inkrementell zunehmenden Zwangspause führt. Da Truecrypt aber open source ist, wäre/ist/war es ein überschaubarer Aufwand, eine Version zu erstellen, welche dies nicht tut. Und propietäre Software, die genau das tut, aber an der Stelle nicht ausreichend geschützt ist, wäre mit einem gewissen Aufwand an reverse engineering auch wieder angreifbar.

    Mithin sollte für sensible Daten gelten: Truecrypt verwenden, zusätzlich sicher zu verwahrende Keyfiles und – ohnehin immer – sichere Passwörter nutzen.

    Der Redaktionsalltag dürfte in den meisten Fällen leider ganz anders aussehen. Insofern freue ich mich darauf, dass die taz an dem Thema bestimmt dranbleiben wird… und wir irgendwann erfahren werden, was die BKAler heute schon können…;)

    cul,
    FH

    http://www.schneier.com/blog/archives/2007/01/choosing_secure.html

    http://www.tateu.net/forum/viewforum.php?f=2

  24. Der Vorfall und auch dieser Artikel werfen noch ganz andere Probleme auf, die hier leider indirekt zum Ausdruck kamen: die Pressefreiheit. Genauer gesagt, für wen sie gilt.
    Laut Gesetz gilt Pressefreiheit für jeden, der berichterstattend tätig ist – wie aber selbst dieser Artikel zeigt, ist dem nicht so. Ich beispielsweise bin nebenberuflich Blogger und Fotograf, bin sowohl auf kommerziellen Veranstaltungen als auch auf Demos gelegentlich uneigennützig unterwegs und dokumentiere. Weil ich mit dieser Tätigkeit nicht mein Lebenseinkommen bestreite, hätte ich auf eine Aufnahme in den DJV oder andere Presseorganisationen keine Chance. Zwar könnte ich mir einen dieser unsäglichen nichtoffiziellen Presseausweise kaufen, genauso gut könnte ich das Geld aber auch einfach verbrennen, denn diese Dinger werden nirgendwo ernstgenommen – schon gar nicht von Behörden.
    Das ist okay, ich brauche kein Dokument, das mir meine journalistische Tätigkeit bescheinigt. Aber genau in solchen Fällen hätte ich das Problem, dass ich mich nichtmal auf das Presserecht berufen kann. Als ich beispielsweise im Refugee-Camp vor dem Brandenburger Tor fotografiert habe, wo die Stimmung reichlich aufgeheizt war, war ich mir des Risikos durchaus bewusst, und ich musste einige Vermeidungsstrategien anwenden, um nicht Gefahr zu laufen, mit den Behörden zu kollidieren: um Polizisten möglichst einen Bogen machen, sie wenn überhaupt, dann nur von hinten zu fotografieren, sodass zwar die Dienstnummer, nicht aber das Gesicht kenntlich wird, und und und.
    Kurzum: ich habe als nebenberuflicher Blogger und Fotograf in so einem Fall überhaupt keine Chance, mich zu wehren – denn ich habe keine Lobby…

  25. @Klaus/@Johannes N.: Dem Rechtsstaat absolut zu vertrauen ist naiv, wie man gerade gesehen hat. Verschlüsselung kostet kein Geld und nur sehr wenig Aufwand. Im Rechtsstaat muss man sein Recht in jahrelangen Rechtsstreitigkeiten durchsetzen und muss dann noch hoffen, dass sich die Polizei auch wirklich dran hält, statt die Bilder “versehentlich” doch noch irgendwo abzulegen und dann “ohne Wissen über die Quelle” auszuwerten.

    Bei korrekt eingesetzter Verschlüsselung weiß man, dass keiner rumschnüffelt. Egal wie sehr man dem Rechtsstaat vertraut, starker Krypto vertraue ich mehr.

  26. Wenn man Fotos rausgibt, wird man selbst zusammengeschlagen? Das sagt wohl mehr über die sog. Demonstranten aus als über die Polizei. Wo bleibt die Zivilcourage gegen sinnlose Gewalt?

  27. Achja, ich habe auch keinen Respekt vor Fotografen die lieber den linken Mob unterstützen als Straftaten aufklären. Eigentlich sollte man mal bei diesen Fotografen vorbeikommen und (Rest des Kommentars gelöscht. Bitte verzichten Sie auf Drohungen, S. Heiser)

  28. Trifft das auf alle Demonstrationen zu? Oder werden nur linke und islamistische Demonstrationen geschützt, aber Fotos von rechten Demonstrationen rausgegeben?

  29. Wenn Juli und Richi über die tatsächlichen Vorgänge so genau informiert sind, könnten sie ja evtl. als Zeugen aussagen?

  30. Nachtrag2 zum angeblich “schwer verletzten” Polizisten:
    “Maßgeblich eingebunden und unterstützend in die Repressionsstrukturen zeigten sich in der Folge von M31 auch die bürgerlichen „Qualitätsmedien“. Auf der einen Seite erzielte M31 eine Medienresonanz in Frankfurt, wie lange keine andere Aktion und durchweg wurde der antikapitalistische Charakter und der internationale Aspekt des Aktionstags erwähnt. Aber auf der anderen Seite reagierten nahezu alle Medien und die etablierten Parteien lediglich auf die zu Bruch gegangenen Scheiben und die Auseinandersetzung mit der Polizei mit überzogener Empörung und beständiger Hetze. Der Gewaltdiskurs führte zu einer verzerrten Berichterstattung der Proteste. Die Zeitungen, von Frankfurter Rundschau bis FAZ veröffentlichten tagelang ungeprüfte Falschinformationen der Pressestelle der Polizei über einen angeblich lebensgefährlich verletzten Polizisten. Inzwischen ist bekannt, dass der angeblich lebensgefährlich verletzte Communicator Pfefferspray abbekommen hatte, von Demo-Sanitätern versorgt und schließlich ins Krankenhaus gebracht wurde. Dort wurde er für die bei Verdacht auf Augenverletzungen üblichen 24 Stunden zur Beobachtung behalten. Der hessische Innenminister Boris Rhein verbreitete jedoch auch noch Wochen später wider besseren Wissens weiter das Märchen vom lebensgefährlich verletzten Polizisten, obwohl es zu diesem Zeitpunkt selbst im Innenausschuss des hessischen Landtags bereits detaillierte Informationen über die Fakten gegeben hat. Das Skandalisieren dieses Vorfalls erscheint besonders kurios vor dem Hintergrund, dass Verletzungen durch Pfefferspray und Reizgas durch die Polizei zu den Standardverletzungen bei Demonstrationsteilnehmer_innen gehört. Diese Tatsache wird jedoch in den Medien mitnichten jemals so skandalisiert, wie es bezüglich des Vorfalls mit dem Communicator geschah. ” (M31-Nachbereitung)

  31. Bitte nicht die Ente mit dem schwerverletzten Polizisten verbreiten. Ich möchte mich zwar ausdrücklich von gewaltsamen Demonstrationen distanzieren, aber folgendes anmerken: Die Polizei ist gewaltsam in die Demonstration gegangen mit Knüppeln und Pfefferspray. Einige friedliche Demonstranten wurden dabei verletzt. Sicher haben sich einige Demonstranten auch gegen die Schläge und Knüppel zur Wehr gesetzt. Bis zu einem bestimmten Maße ist das auch legitim, viele reagieren in einer solchen Situation aber auch unbesonnen oder sogar menschenverachtend. Ein Beamter hat Pfefferspray abbekommen.
    Das ist das Problem, wenn man Polizeipressemeldungen übernimmt. Ich hoffe von der Taz gibt es eine Richtigstellung.

  32. diese ganzen linken autonomen sind auch nicht besser als die nazis -.- und warum sollte sich ein reporter bitte dort aufhalten müssen wo die autonomen grade fröhlich vandalieren?… und es ist etwas gutes dass man sich nicht bei denen aufhalten kann wenn man nicht neutral ist weil man sonst verprügelt wird? just saying…

  33. Nachtrag zum angeblich “Schwer verletzten” Polizisten: Anfangs wurde noch behauptet das man ihn mit Steinen beworfen hätte, von angeblichen 8-12 Leuten mit Holzstangen war da noch nichtmal die Rede.

  34. Der Polizist wurde nicht mit “latten” geschlagen, sondern bekam lediglich etwas Pfefferspray ab und er verbrachte nicht mehrere Tage auf der Intensivstation, sondern verblieb lediglich über eine Nacht im Krankenhaus weil er auf das Pfefferspray allergisch zu reagieren schien. Das kam wenige Tage nach besagter Demonstration ans Tagelicht. Nur intressierte das die meisten selbsternannten “Journalisten” nicht die Bohne.

    @Johannes N.: Als Journalist sollte man prinzipiell kritisch gegenüber allen Machtverhältnissen sein, egal ob sie sich “Demokratie”, “Diktatur” oder sonst wie nennt, andernfalls ist man nicht mehr als ein Verkappter Ideologe mit Medieneinfluss.
    BTW siehst du doch gerade in diesem Fall hier wieviel von dem schönen Wort der Pressefreiheit hierzulande zu halten ist.

  35. @Johannes:
    Klar, man kommt ja auch immer so auf die Intensivstation… man man man, aber solange die eigene Sicht gestützt wird…

  36. @Johannes N.: Bei allem Respekt, aber es ist naiv zu glauben, in dieser “Demokratie” (haha) wäre die Pressefreiheit tatsächlich ein Grundrecht. So steht’s zwar im Grundgesetz, aber Papier ist geduldig und die Erfahrung lehrt das Gegenteil.

    Man kann sich natürlich beliebig lange etwas selbst vormachen; diese Freiheit der kognitiven Dissonanz wird jedem stets gerne zugebilligt. Viel Glück jedenfalls bei der Durchsetzung des “Grundrechts Pressefreiheit” in diesem Fall!

  37. @Klaus: Verantwortungslos und dumm? Mitnichten! Wir leben in einer Demokratie in der die Pressefreiheit per Grundrecht geschützt ist. Daher ist es schwachsinn (in deinen Augen dummheit) so etwas zu fordern, da somit von uns Journalisten erwartet wird, dass sie per se den demokratischen Machtverhältnissen nicht trauen.

  38. Pingback: Froschs Blog » Blog Archive » Razzia bei Fotografen

  39. Brillant, klar und recht.
    Danke!

  40. Ich habe meine Zweifel dass der Polizist tatsächlich so schwer verletzt worden ist. Wenn es denn tatsächlich so wäre, würden die Behörden weiter wegen versuchtem Totschlag ermitteln. Die tun sie aber meines Wissen nicht, da sie Probleme bekamen dies zu rechtfertigen…

  41. Sehr aufschlussreiche und vernünftige Erklärung, der ich gerne zustimme, es bleibt jedoch ein dickes “Aber”:

    Aber was wäre denn, wenn die taz Fotos von dem Angriff auf den Beamten hätte, auf dem die Angreifer klar erkennbar und damit identifizierbar wären? Es stellt sich die Frage, ob die taz nicht die selbstverständliche Pflicht hätte ein solches Foto zu veröffentlichen, nicht aus polizeilichem, sondern aus journalistischem Interesse! Wenn solche Fotos keinen Nachrichtenwert hätten, welche Fotos denn dann? Wozu denn dann überhaupt noch Fotografen auf Demos schicken?

    Ja, es ist absolut wichtig, dass die Journalisten die Kontrolle darüber bewahren, welche Informationen sie publizieren und welche nicht, auch wenn es manchmal bedeutet, dass man Informationen zurückhält, die einen Kriminellen auffliegen lassen würden. Sonst wäre ein Großteil journalistischer Arbeit unmöglich.

    Aber es sollte auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass sich Schläger auf Demos darauf verlassen können, dass, egal welche Schweinerei sie anstellen, der nette taz-Fotograf niemals etwas publizieren würde, dass dem Schläger schaden würde.

  42. Danke für das klare Statement.
    ABER: Warum ist die Komplett-Verschlüsselung von Datenträgern z.B. mit Truecrypt noch nicht Standard unter euch Fotografen? In einem Bericht zur Durchsuchung bei einem anderen Betroffenen war zu lesen, dass die Beamten die Fotos direkt auf dem Rechner durchgeguckt haben.

    Also verschlüsselt eure Daten, bitte! Alles andere ist irgendwo zwischen verantwortungslos und dumm.

  43. Sebastian Heisers Argumentation ist durchaus eloquent und lesenswert. Trotzdem bin ich angesichts solch kaltherziger journalistischer Selbstgerechtigkeit entsetzt.

    Die armen Pressefotografen müssen also geschützt werden, weil sie sonst auf vermöbelt werden könnten? Könnte es nicht auch sein, wenn es ein Bewusstsein seitens der Demonstranten darüber gäbe, dass im Zweifelsfall auch Pressefotos als Beweismittel zur Aufklärung schwerer Straftaten herhalten müssten, auch Verbrechen wie das hier geschilderte verhindert werden könnten?

    Ferner frage ich mich: Was für eine verkommene Seele muss man sein, wenn man nicht freiwillig dazu beiträgt, ein derartiges Verbrechen an einem Menschen (ja, Mensch. Das scheint vielen entgangen zu sein: Auch ein Polizist ist ein menschliches Wesen) aufzuklären?

    Auch ich bin selbstverständlich für Pressefreiheit. Sie ein hohes Gut.
    Mir persönlich würde es gefallen, wenn endlich mal eine ergebnisoffene Debatte über die Grenzen der Pressefreit geführt würde. Wo hört Pressefreit auf und wo fängt die Vertuschung von Straftaten an?

    Jeder Mensch sollte das Recht auf körperliche Unversehrtheit haben. Und das ist für mich im Zweifelsfall ein höheres Gut als die Pressefreiheit.

  44. Der Autor betont die Rechte der Pressefotografen, und deren Risiko. Heißt das, eine Hausdurchsuchung oder ein Zwang zur Herausgabe bei einem Amateur-Fotografen, der dieselbe Demo fotografiert hat, wäre in Ordnung? Würden damit nicht Menschen, die privat oder zum Beispiel für eine NGO bei einer Demo fotografieren, nicht dem gleichen Risiko ausgesetzt?

    Kurz: Ich sehe zwischen Pressefotografen und Amateur-Fotografen hier keinen Unterschied.

  45. Hallöchen, netter Artikel.
    Ich persönlich kenne niemanden der sich als links oder Antifaschitisch sieht, der zu solch einer Tat fähig wäre, auf einen wehrlosen Menschen einzuprügeln.
    Ich verurteile dies aufs schärfste, und will nicht das dadurch ein falsches Bild von Autonomen suggeriert wird, zumal sich Autonome ohnehin nicht über einen Kamm scheren lassen können, da der Autonomie Begriff gern verschieden definiert und ausgelebt wird, geschweige denn, dass linke und/oder linkes Denken kriminalisiert wird.

    Des weiteren stelle ich die These, dass Reporter als “Hilfspolizisten” gelten, und daher verfolgt würden als hanebüchenen Unsinn dar, niemand würde derart repressiv gegen die Presse vorgehen, die eine objektive Berichterstattung verfolgt. Das ist Faschismus, und bekennende Antifaschisten werden sich hüten faschistische Methoden anzuwenden.

    Gegen das herausgeben von Fotos oder Informationen die nicht das nötigste betreffen, bin ich trotzdem, jedoch aus anderen Motiven, zur Sicherheit.
    Das Verbrechen sollte trotz allem aber aufgeklärt werden, ich bitte jeden Menschen der etwas darüber weiß, sich in die Öffentlichkeit zu bewegen.
    Diese Menschen, die solch eine Tat begangen haben, sind dass letzte was man Links nennt, und gehören bestraft – Gewalt niemals mit Gegengewalt bekämpfen.

    Für eine befreite Gesellschaft,
    Der böse Autonome

  46. Danke dafür, dass ihr eine neutrale Position einnehmt. Das bringt euch glaube ich immer wieder Probleme. Is ja aber euer Job und ihr könnt damit umgehen.