taz-Workshop-Artikel: “Begnadigung oder Genickschuss?”

Am Samstag erschienen in unserer Wochenendausgabe im Rahmen eines Workshops der taz Panter Stiftung vier Sonderseiten zum Thema Osteuropa. In einem Artikel über die Hinrichtung zweier mutmaßlicher Attentäter eines Anschlags, spricht sich die Autorin für die Todesstrafe aus. Um das Projekt vom restlichen Inhalt der Ausgabe abzugrenzen, wurde es auf der ersten Seite der vier Sonderseiten vorgestellt. Zudem haben alle vier Seiten die Überschrift “OSTEUROPAWORKSHOP”. Zu dem Artikel haben uns zahlreiche Leserbriefe erreicht, in denen kritisiert wird, wie die taz nur einen solchen Artikel veröffentlichen kann. Dazu meint Barbara Oertel, Leiterin der taz-Auslandsredaktion und des Workshops:

Zweifelos: Der Beitrag “Begnadigung oder Genickschuss?” von Liza Krasavtceva in der Sonderbeilage der taz-Ausgabe vom 23./24. Februar 2013 ist ein Skandal. Dieser besteht nicht nur darin, dass die Autorin sich für die Höchststrafe ausspricht, sondern dass die taz dieses Plädoyer auch noch abdruckt – eine Zeitung, die in diesem konkreten Fall Mitinitiator einer Kampagne gegen die Hinrichtung der beiden Beschuldigten war und sich auch in ihrer sonstigen Auslandsberichterstattung klar und deutlich gegen die Todesstrafe positioniert.

Warum dann die Veröffentlichung? Der Beitrag entstand im Rahmen eines Osteuropawokshops der tazPanter Stiftung mit 13 jungen Journalisten aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der Republik Moldau. Das Ziel derartiger Seminare ist es, die Teilnehmer mit hiesigen journalistischen Standards sowie der Funktionsweise und derRolle von Medien vertraut zu machen, sich über zivilgesellschaftliches Engagement zu verständigen sowie sich über aktuelle politische Entwicklungen in den unterschiedlichen Ländern auszutauschen.

Mit Ausnahme der Republik Moldau, die erst am Anfang einer demokratischen Entwicklung steht, sind in den anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion zunehmend autoritäre Tendenzen zu beobachten. In Weißrussland herrscht seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Alexander Lukaschenko im Jahre 1994 das repressivste Regime in der Region – wie nicht zuletzt der Umstand zeigt, dass hier immer noch die Todesstrafe vollstreckt wird.

Grundsätzlich erhebt sich bei Unternehmungen wie dem Osteuropaworkshop die Frage, an wen sich dieses Angebot richtet: ausschließlich an diejenigen, die sich bei den wenigen unabhängigen Medien für einen Wandel der undemokratischen Verhältnisse einsetzen? Oder auch an Vertreter staatlicher Medien, die Sprachrohr der Regierungspropaganda sind, mit der Idee dabei auch hier einen Denk- und Lernprozeß in Gang zu setzen. Wir haben uns für beides entschieden. Und so fiel bei dem Osteuropaworkshop die Entscheidung in einem einzigen Fall zugunsten einer Teilnehmerin aus, die in einem staatlichen Medium in Weißrussland arbeitet – eben jene Verfasserin des Beitrages über die Todesstrafe.

An die erste Frage schließt sich eine zweite an: Sollen derartige Beiträge veröffentlicht oder wegzensiert werden? Die Antwort, über die man trefflich streiten kann, lautet: Zensur nein. Denn es wäre unglaubwürdig, über Pressefreiheit zu dozieren, aber gleichzeitig Meinungen zu deckeln. Zudem geben derartige Ansichten, die bedauerlicherweise immer noch eine Mehrheit der Weißrussen teilen, Aufschluß darüber, warum es heute in dem Land immer noch so aussieht, wie es aussieht. Und sie zeigen, warum die Arbeit und das Engagement der taz Panter Stiftung für diese Länder auch weiterhin von großer Bedeutung ist.

Update 26. Februar: Artikel von Spiegel Online über den Artikel

Kommentare (48)

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  1. Pingback: Für @tazgezwitscher ist es “Zensur” wenn man die Haltung hat, nicht jeden menschenverachtetenden Text zu puzblizieren blogs.taz.de/hausblog/2013/02/… | Stromabnehmer

  2. Einen solchen Artikel nicht gedruckt zu haben, wäre also ein Akt der Zensur gewesen..?

    Schön, dann nehme ich Sie hiermit beim Wort und schlage folgendes vor:

    Drucken Sie doch einmal das Manifest “2083 – Eine europäische Unabhängigkeitserklärung” von Anders Behring Breivik!
    Natürlich wäre dieses politisch provokante Werk mit über 1500 Seiten viel zu umfangreich für eine einzige taz-Ausgabe. Wie wäre es daher mit einer Serie? Jeden Tag ein paar Seiten aus Behrings Werk in der taz.
    Sicher ergäben sich daraus konstruktive Diskussionen am laufenden Band!

    Ich danke noch einmal für Ihr Zensurverständnis!

  3. So gehts halt nicht. Wenn’s sich schon taz.akademie nennt, sollten die Teilnehmer auch was lernen. Und das Niveau des Beitrags ist nicht tragbar: in keiner Weise als Meinungsäußerung gekennzeichnet, keine Hintergründe erläuternd – BODENLOS. So was darf man nicht unwidersprochen verbreiten, schade um die Druckerschwärze. Sowas ist man allenfalls aus unmaßgeblichen Leserkommentaren gewohnt…
    Macht man dafür seit 1978 Zeitung, damit man wieder ganz unten anfängt?

  4. Auweia taz, das ist ja nun echt ein kompletter Offenbarungseid, moralisch wie intellektuell.

    Moralisch bezogen auf den Artikel selbst, nämlich sich als vorgeblich linke Zeitung zum Sprachrohr staatlichen Mordens zu machen, noch dazu eines Staates, der nicht mal ansatzweise den Kriterien auch nur des bürgerlichen Rechtsstaates genügt.

    Intellektuell bezogen auf den hier nachzulesenden Versuch, die Veröffentlichung selbst im Nachhinein noch zu rechtfertigen. Das Verstecken hinter Formalia (es war doch nuuur eine Beilage – zwar im taz-Layout gesetzt und von der taz Panter Stiftung herausgegeben, aber mit der taz hat das natürlich nichts zu tun?!), das Verdrehen von Propaganda zu einem Aufklärungstext (so denken viele WeißrussInnen nun mal?), und dann noch die eigene politische Bewusstlosigkeit, Feigheit und Rückgratlosigkeit als Eintreten gegen Zensur hinzustellen – an Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten.

    (Kleine Fassungslosigkeit am Rande: Eigentlich wollte ich zum Original-Artikel bereits einen Leserbrief schreiben. Als Faustregel zur Frage “Abdruck ja oder nein” hätte ich euch geraten: Wenn ein Text problemlos auch in einem Staatsmedium einer Diktatur erscheinen kann, ist er für die taz nicht geeignet. Das sollte polemisch gemeint sein. Wie ich hier erfahren muss, überholt die Realität mal wieder die Satire – eine Mitarbeiterin eines Staatsmediums einer Diktatur kann in der taz publizieren. Da fällt mir nun wirklich nichts mehr zu ein.)

  5. Liebe taz,

    ich war schockiert, als ich den Artikel gelesen habe (über die Meinung der Autorin), und verblüfft, dass ihr ihn gedruckt habt (und stolz auf euren Mut und mein taz-Abo).

    Denken kann ich selber, danke für eure Entscheidung!

    Viele Grüße
    Martina

  6. Liebe Freunde,

    in der Überschrift zu Andreas Rüttenauers Artikel zur Bahnrad-WM in Weißrussland wird noch bedauert, dass über Todesurteile und Folter keiner spricht. Dabei muss man nur in der selben Ausgabe der taz 4 Seiten zurückblättern und findet eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Todesstrafe in Weißrussland. Allerdings nicht so, wie man sich das als Leser der taz vorstellt.
    Das hätte ich nicht für möglich gehalten: Dass eine Befürworterin der Todesstrafe eine ganze Seite in der taz zur Verfügung bekommt, um mit hanebüchenen Begründungen die Todesstrafe zu rechtfertigen!
    Freunde, so geht das nicht; das ist völlig falsch verstandene Meinungsvielfalt. Ich hoffe dass nicht demnächst ein rechtsradikaler Praktikant in der taz ein Forum für neonazistische Parolen erhält.
    Die Antwort von Frau Oertel hat mich ganz und gar nicht überzeugt. Der Nichtabdruck des Artikels wäre mitnichten “Zensur” gewesen, sondern hätte zum Ausdruck gebracht, dass auch unter Geltung von Pressefreiheit sich eine Zeitung wie die taz sich eben nicht zur Verbreitung gewisser Auffassungen und Meinungen zur Verfügung stellt. Dies hätte auch einen Lernprozess für die Teilnehmerin aus Weißrussland bedeuten können. Zensur wäre die Unterdrückung von Tatsachen. Hier nochmal zugespitzt die Frage: Hätten Sie auch einen Artikel abgedruckt, der explizit neonazistische Auffassungen (z.B. Holocaust-Leugnung) wiedergibt? Ich bin immer noch ziemlich entsetzt!

  7. Eine Kenntlichmachung solch eines Artikels ist unabdingbar und kann nicht als ein Fauxpas durchgehen.

    Das Wort Zensur in dem Zusammenhang zu bringen ist die schlechtmöglichtse Entschuldigung um das Problem von sich zu weisen. Ein einfaches Mea Culpa wäre an der Stelle angebracht gewesen.

  8. Schön , daß ihr stattdessen kein Problem habt meinen Beitrag zu kassieren.
    Tja Balken und Haar – wie wahr!

    Danke. Ihr nicht mehr, man will ja niemanden unnötig quälen.

  9. @ Das Böse…: “Alles rückt nach rechts.”

    Falsche Richtung! Da halte ich es lieber mit Stéphane Hessel und rege mich auf – beispielsweise über Leute, die einen Rechtsruck achselzuckend hinnehmen, und natürlich über die, die selber rücken.

    Man bedenke auch, dass wir Empörten viel wollen; entsprechend enttäuschend sind die Mühen der Ebene. Statt kleiner Erfolge sehen wir lieber, wie weit die großen Träume vor uns liegen.

    Das aber verzerrt die Perspektive. Der taz ist seit ihrer Gründung immer wieder ein Rechtsruck nachgesagt worden – so oft, dass sie mittlerweile rechts von der Wand stünde, wenn die Vorwürfe nur zur Hälfte stimmten.

    Natürlich vermisse ich manche guten Köpfe, den analytischen Verstand von Christian Semler besonders. Aber man bedenke, dass er in seinen Anfängen ein despotischer Widerling war, dem man die Weltherrschaft nicht unbedingt hätte anvertrauen wollen.

    Er wuchs darüber weit hinaus, wurde ein Schreiber, dem ich höchstens übel nehme, dass er jetzt nicht mehr schreibt. Aber bitte, gestehen wir doch den Jüngeren bei der taz die selbe Entwicklung zu. Dafür schimpfe und polemisiere ich, dafür rege ich mich auf.

    Bitte bedenkt: wer keine Hoffnung mehr hegt, könnte leicht auf den Gedanken kommen, den schreibenden Genossen auch “Internet, einen Fernseher, eine weiche Matratze und drei Mahlzeiten pro Tag” nicht mehr zu gönnen – von einem Abo ganz zu schweigen.

    Damit befänden wir uns in schlechter Gesellschaft, das Zitat stammt aus dem unsäglichen “Genickschuss”-Artikel.

    Mehr Freude hätte ich, wenn Barbara Oertel ihre kruden Vorstellungen über Zensur neu sortierte und künftig klüger in ihrem Ressort agierte. Falls Sie dazu noch ein Bashing braucht: Mach ich sofort, damit die Richtung wieder stimmt.

    Nein, dieses Fass mach ich nicht auch noch auf. Richtungskämpfe scheinen das Hobby jedes aufrecht Empörten zu sein. Und für alle, die sich enttäuscht unter jedem Rechtsruck krümmen, hat Stéphane Hessel schon das richtige Rezept: Indignez-vous!

  10. @Jenseits von Böse

    Die taz ist halt auch nicht mehr, was sie einst war.
    Alles rückt nach rechts.

  11. Dass der Artikel im Rahmen eines workshops entstanden ist, noch dazu von einer Teilnehmerin von der Staatsseite habe ich erst jetzt überrissen.

    Zum Beitrag selbst dennoch so:

    Den Kaffee auf.

    Upps – Die Stimme aus der Gruft? Mittelalter?

    Wer, bitte, ist diese aller Zivilisation bare Krawallschachtel?
    Kritik am Genickschuß – zu Unrecht!??!

    Nichteinmischungsdoktrin in fröhlicher Urständ! Als Blankovollmacht – und nicht nur des Staates!?

    Ja. Die Bevölkerung dieses Landes war auch mitbeteiligt und nicht zu knapp am Niederringen Nazi-Deutschlands!
    but – was man bekämpft, wird man auch!? Ich glaub’s nicht!
    ( vgl Ernst Forsthoff, Der totale Staat
    & “… Der Führerstaat … die Grundrechte sind obsolet…”
    aus jur.! Diss 1.Aufl. – nach WK II gestrichen! ~ Prof. 1933 nach Hermann Heller !! und schon wieder ab 1952;
    Bis 1963 war er Präsident des zyprischen Verfassungsgerichts;
    so geht das.)

    Ja wie ?
    . – und in in solchem Geiste des Freund/Feind-Denkens ala Ziehvater Carl Schmitt –
    so einen Stuß auf Seite IV der -? – taz.akademie !? Philosophenschule Platons; da schau her.
    Geht’s noch!?

    Als Stoffsammlung und Abschreckungsmaterial:- so nicht! – ins Archiv; ok;
    ansonsten: kürzen und ab dafür auf die Wahrheitsseite; da braucht man wenigstens nicht ACHTUNG SATIRE dranzuschreiben.

    Im übrigen nehmen die einschlägigen Fascho-Gazetten wie die Dr. Frey- Postille solche Elaborate doch mit Kußhand.
    Die klandestine Lehrstelle a la lettre von Prof.Theodor Maunz
    (Kieler-Schule-fellow-traveller; Standard-Kommentar: Das Grundgesetz; Assi Roman Herzog;
    & bay. KuMi)
    bei der National-Zeitung dürfte – grad noch vakant sein!? – odr?

    Egal. Hau wech, denn Scheiß!

    Es dürfte deutlich sein, daß auch und gerade in unserer Geschichte das Denken der Autorin stark verankert war, aber gerade aus dessen Verabsolutierung in der Nazi-Zeit in der Verfassung ausdrücklich ein Verbot der Todesstrafe festgelegt ist.

  12. Ein Plädoyer für die Todestrafe? Die taz erlaubt sich allerhand!

    Den Abdruck einer Forderung nach Genickschuss damit zu rechtfertigen, man wolle keine Zensur ausüben, ist ein Stück aus dem Tollhaus! Mit so einer bekloppten Argumentation müsste die Redaktion jeden Nazi-Artikel durchwinken.

    Die Vielfalt von Meinungen ist ein hohes Gut, ihre Beliebigkeit ist es nicht. Dann könnte ich nämlich gleich die “Niedersächsische Allgemeine” lesen.

    Die taz war immer widersprüchlich, zerstritten, umkämpft, aber sie hatte eine Position. Der Genickschuss gehörte definitiv nicht zum Repertoire. Sind euch mittlerweile sämtliche Sicherungen durchgebrannt?

  13. Sorry, aber diese Begründung überzeugt überhaupt nicht. Es ist ja schön, dass Ihr immer wieder mal Experimente macht. Aber mit so etwas Journalisten diktatorischer Medien zum Umdenken bewegen zu wollen, ist eine – freundlich ausgedrückt – naive Denke. Der ganze Apparat, der dahinter steckt bleibt unbeeindruckt.

    Leider hat damit die taz auch etwas von ihrer Glaubwürdigkeit verloren.

  14. ich bin kein taz-Testballon: Bitte passen Sie auf, an welche Adresse Sie Ihren Boykottaufruf richten – die Kochstraße wurde inzwischen in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt.

  15. @Sven: na dann ist ja klar wo der der darmwind herweht. prost mahlzeit. ich beende die diskussion hier mal mit godwins law: “hitler hatte in deutschland auch ne mehrheit”

    dümmer geht immer

  16. Pingback: Die taz und die Todesstrafe | Blogotron's Blog

  17. ” Klar, auch in Deutschland gibt es immer eine Mehrheit für die Todesstrafe. ”

    Und es ist ein Zeichen von Demokratie und Meinungsfreiheit, diese zu ignorieren?

  18. Die einschleichende Art mit der der Artikel der Weißrussin endet, per Du – ist keine journalistische Art.
    Die einschleichende Art, wie die taz hier die Auswahl begründet ist keine Begründung.
    Mein Vorwurf:
    das ist Absicht, ein Testballon, mal sehen, mit wem sich alles koalieren lässt.
    Schließlich muss man das liberale Publikum an rauhe Zeiten gewöhnen. Eben mal mit dem Bulldozer drüber fahren und dann dozieren.
    So sieht also Ihr Verhältnis zu den sozialen und politischen Bewegungen aus, die die Verhältnisse bekämpfen und immer nur überall eins reingedrückt bekommen?

    Zum Thema:
    Meinungen und Erörterungen zum Thema Todesstrafe “Höchststrafe”, die damit rumspielen, dass eines der Geständnisse zwar unter Folter erzwungen und widerrufen wurde, aber dennoch finden, dass das Leben hergegeben werden soll, sind nicht druckreif.
    Da könnte ja alles, was sich die Leute in der Straßenbahn erzählen abgedruckt werden.
    Klar, auch in Deutschland gibt es immer eine Mehrheit für die Todesstrafe.

    So, und von wem kommt nun der Boykottaufruf:
    “Boykottiert die tageszeitung, Kochstraße Berlin, denn sie befürwortet die Todesstrafe”?

    von Human Rights Watch, von AI oder vom Grundrechtekomitee?

  19. @sven aha. Zensur! Meinungsfreiheit! Soso. Wenn man die Grütze nich gedruckt hätte, hätte die Meinungsfreiheit Schaden genommen oder was? Was sendet das denn für ein Signal nach Weissrussland wenn deren Regierhungspropagandisten hier nach lust und laune ihren Dreck veröffentlichen können?
    Zum kotzen “apolitisch” das ganze. Die journalismus-n00bs hier sind einfach nur Nieten die nix gerafft haben und versuchen jetzt ihren Arsch mit “MEINUNGSFREIHEIT! ZENSUR!” zu retten. erbärmlich.

  20. Mit diesem Artikel hat die taz einen großen Schritt aus der linken Gutmenschenecke gewagt.
    Davon muß man mehr als überrascht sein. Es ist lobenswert, dass ausgerechnet die taz endlich beginnt, die rosarote Brille abzunehmen und sich den Realitäten zu stellen. Dieser erste Schritt geht in die richtige Richtung. Nieder mit gutmenschlichen Denkverboten, nieder mit der Zensur, mit der die Systempresse versucht, besorgte Querdenker und Patrioten zum Schweigen zu bringen. Ich würde mir wünschen, dass die taz künftig auch den einen oder anderen Autor aus dem hervorragenden Fundus der nationalen Demokraten zu Wort kommen ließe. Die Scheuklappen müssen weg!
    Es gibt viel zu sagen – sprechen wir es aus!

  21. Ich denke, in einer Zeitung sollten unabhänhig von ihrer redaktionellen Ausrichtung auch unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen dürfen, insbesondere in Form von Gastbeträgen. Die Reaktionen überraschen mich, zeigen sie doch, dass auch taz-Leser im Innersten gegen Meinungsfreiheit sind und am liebsten nur noch die eigene gedruckt sehen würden.

  22. Barbara Oertel, Ihre Argumentation (wenn man das so nennen mag) ist einfach nur widerlich. “Zensur” wird doch in der taz allenthalben geübt: Meine kritische Replik auf eine reichlich merkwürdige Kolumne von Bettina Gaus zum Thema Sexismus beispielsweise wurde stur nicht veröffentlicht, sondern immer schön weggelöscht. Da verträgt die taz keinerlei Kritik. Aber weißrussische Regierungspropaganda für die Todesstrafe unter dem Deckmantel eines offenbar völlig unzureichend moderierten “Osteuropaseminars” bringt die taz ohne mit der Wimper zu zucken, ohne Kommentierung, ohne Einordnung, dafür in extra reißerischer Aufmachung. Abstoßend, einfach abstoßend – als würde Christian Semler inzwischen im Auftrag der BILD hetzen. Barbara Oertel: Wenn Sie für diese Veröffentlichung verantwortlich sein sollten und noch einen Funken Anstand im Leib haben, dann geben Sie bittesehr Ihre Leitungsfunktion sofort ab! Sonst wird dieser Artikel zum Genickschuss für die Glaubwürdigkeit der taz.

  23. Mann, Mann, Mann.
    Zensur ist es also, wenn eine Zeitung nicht jeden Blödsinn druckt, der unter ihrem Dach verfasst wird? So gern ich die taz auch lese (und sei es manchmal nur, weil sie ja leider alternativlos ist), so sehr wünsche ich mir doch, dass Ihr mal einen kritischen Blick auf das werft, was da so Euer Blatt füllt.
    Vielleicht hat dieser ekelerregende Text ja diese Wirkung? Wenn ja: Innehalten. Redaktionskonferenz. Scheuklappen ab.
    Und: Es ist keine Zensur, wenn Workshop-Teilnehmerinnen für die Tonne schreiben. Es ist auch keine Zensur, wenn das triviale Geschreibsel, das oft die Kontext-Seiten füllt, nicht den Weg aufs Papier findet oder die diversen “Übernahme”-Ideen vielleicht einfach mal nicht verwirklicht werden.
    taz, es ist toll, wenn Panther-Stiftung & Co Geld für solche Workshops ausgeben und wenn Ihr die Damen von “ProQuote” unterstützt. Aber vergesst dabei bitte nicht, das Ihr jeden Tag schlicht und ergreifend und zuallererst eine Zeitung herausbringen müsst!

  24. Der Rabulismus, mit dem dieser Genickschuss-“Journalismus” in der taz verteidigt wird, ist zynisch, eisig, abstoßend und unfassbar bösartig. Es fällt mir schon seit vielen Jahren auf, dass in der taz ein gewisser kritischer Impetus sich mit einem entsetzlichen Mangel an Humanität, Anstand und Empathie mischt. Es mangelt nicht an journalistischem Talent, sondern an etwas unendlich viel Wichtigerem. Die BILD ist niederträchtig aus Kalkül, die taz dagegen aus einem schrecklichen Defizit.

  25. Pingback: Pressefreiheit und die Todesstrafe | Private Leaks

  26. Diese Zensur-Argumentation ist einfach nur eklig. So sieht also die taz ohne Christian Semler aus.

  27. “Zensur” würden Sie das nennen, wenn Sie Ihrer Aufgabe als Redaktion nachkommen und nicht alles abdrucken was schriftlich bei Ihnen eingereicht wird? Zensur wäre es, wenn der Staat Ihnen verbietet, Artikel gegen die Todesstrafe zu veröffentlichen.

    Sie schreiben, Sie wollten “die Teilnehmer mit hiesigen journalistischen Standards sowie der Funktionsweise und derRolle von Medien vertraut zu machen”. Dazu gehört zweiffellos die redaktionelle Auswahl, mit der Sie die Autorin vertraut hätten machen sollen.

  28. Man kann über Pressefreiheit und guten Journalisms trefflich diskutieren.

    Aber eigentlich fällt mir nur eine Frage ein:

    taz, habt Ihr den Verstand verloren!?

  29. Eine solch fadenscheinige, eiligst zur Schadensbegrenzung zusammengezimmerte Schein-“Begründung” reisst genau GAR nichts mehr herum und wirkt komplett unglaubwürdig.

    Wie sagte Volker Pispers über die Grünen?
    “Auf ihrem Marsch durch die Institutionen sind die Grünen endlich im Ar**h derselben angekommen.”

    Das gleiche kann man wohl getrost über die taz sagen – das Niveau ist auf demjenigen der Kommentarspaltenhetze von Welt Online angekommen.

    Herzlichen Glückwunsch zur Selbstdemontage – herzlich willkommen im Springer’schen “Kampfverband”.

    Rien ne va plus, adieu.

  30. Kommunist: Die “wahre Meinung” der Redaktion zu dem Fall kann man eher hier nachlesen:
    http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2012/03/16/a0097

  31. “Das Ziel derartiger Seminare ist es, (…) sich über zivilgesellschaftliches Engagement zu verständigen.”

    Mission accomplished: Die Verständigung besteht in einem Plädoyer pro Todesstrafe. Und damit wurde auch ganz bestimmt ein Denk- und Lernprozess bei den “staatlichen Vertretern” in Weißrussland in Gang gesetzt. Ich mag mir nur nicht ausmalen, mit welchen Konsequenzen.

    Im Ernst: Auf diese Form zivilgesellschaftlichen Engagements kann getrost verzichtet werden.

  32. Naja, noch jede gute kommunistische Diktatur hat ihre Gegner umbringen lassen. Die taz ist das Sprachrohr des Kommunismus. Warum tun jetzt alle so überrascht? Es ist halt nur “aus Versehen” die wahre Meinung der Redaktion durchgerutscht.

    Wäre doch nett, wenn die taz jetzt mal eine Artikelserie über den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze veröffentlichen würde. Das würde das Genickschussbild abrunden.

  33. Ich bin absolut gegen die Todestrafe, verstehe die Aufregung hier aber nicht ganz: wenn ein weißrussischer Diktator zwei “Terroristen” hinrichtet sollte man dem nicht zustimmen, wie die Autorin des Artikels das getan hat, aber dass sich die EU und die Kommentatoren hier darüber derart aufregen, ist dann doch ein bißchen bigott. Denn der große “liberale” Bruder Obama läßt überall auf der Welt mit seinen Drohnen jeden Tag Menschen hinrichten, bei denen es sich angeblich immer um “Terroristen”, meistens aber um unschuldige Zivilisten handelt. Bei diesem perversen “Krieg gegen den Terror” machen EU, NATO, Bundeswehr und deutsche Steuerzahler brav und gehorsam mit – und die (oliv-)grüne taz und ihre Leser protestieren dagegen wenn überhaupt auf Sparflamme. Wer aber zu Washington und seiner mörderischen Politik schweigt sollte auf Weißrußland nicht derart einprügeln.

  34. “In der gedruckten Ausgabe war deutlich erkennbar, dass es sich um eine Beilage handelt, deren Inhalt nicht von der taz stammt”

    und

    jetzt der Hinweis unter der online Ausgabe:

    “Beiträge der GastautorInnen des Osteuropaworkshops spiegeln nicht die Meinung der taz-Redaktion wieder”

    erklären mir nicht warum man diesen Artikel veröffentlich hat.

  35. abhijay, maekkel, Facepalm, westernworld: In der gedruckten Ausgabe war deutlich erkennbar, dass es sich um eine Beilage handelt, deren Inhalt nicht von der taz-Redaktion stammt. Hier ist die erste Seite der Beilage:

    http://blogs.taz.de/hausblog/files/2013/02/taz-goes-east.jpg

    Das Foto zeigt die Teilnehmer des Workshops. Die Beilage hat – anders als der Rest der taz – keine Seitenzahlen. Der Text oben auf der Seite lautet wie folgt:

    taz goes east

    Vom 12. bis 20. Januar 2013 war die taz fest in osteuropäischer Hand: 13 junge Journalisten aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der Republik Moldau nahmen an einem Workshop der taz Panter Stiftung teil. Weitere Unterstützer waren die Zeit-Stiftung, die Marion-Dönhoff-Stiftung sowie der German Marshall Fund. Im Kern ging es darum, ins Gespräch zu kommen: über journalistisches Arbeiten, die Rolle des zivilgesellschaftlichen Forums der Östlichen Partnerschaft der EU, aber auch aktuelle Entwicklungen in den Herkunftsländern der Gäste. Dass letztendlich alle unter 200 Bewerbungen ausgewählten Teilnehmer in Berlin dabeisein konnten, war nicht selbstverständlich. Bei einigen von ihnen bedurfte es länglicher Korrespondenzen und Telefonate mit den zuständigen Visastellen, bis die Einreiseerlaubnis erteilt wurde. Das wirft unweigerlich die Frage auf, wie ernst es Deutschland, aber auch die EU damit meinen, die Zivilgesellschaft in den östlichen Nachbarstaaten zu fördern. Auf den folgenden vier Seiten finden Sie einige der Texte, die die Gäste bei dem Workshop erstellt haben. Diese Texte, die nicht die Meinung der taz-Redaktion wiedergeben, unterscheiden sich deutlich von den Beiträgen, die Sie sonst in unserer Zeitung finden. Aber das ist ein Ausdruck unterschiedlicher Realitäten im immer noch geteilten Europa. BARBARA OERTEL

    Unsere Webseite besitzt eine automatisierte Archiv-Funktion der Printausgabe. Jeder gedruckte Artikel wird dort einzeln online gestellt. Dabei ist der Kontext, der in der gedruckten Ausgabe sichtbar war, leider verloren gegangen. Wir arbeiten daran, wie wir das verbessern können.

  36. Danke für die Stellungnahme. Schön wäre es, wenn diese nicht nur aus Erklärung/Rechtfertigung (“Zensur nein.” – ernsthaft?!), sondern auch aus Selbstkritik (z.B. “Da ist was falsch gelaufen.”) bestünde. Dafür muss man das natürlich auch so sehen.

    Zu Ihrer Information: In der Online-Version fehlt jeder noch so kleine Hinweis auf die Herkunft des Artikels. Da ist das Lesen dann richtig gruselig.

  37. Ich weiß nicht ob es richtig sein kann, so einen Artikel unreflektiert zu veröffentlichen. Wenn ihr dies als Ergebnis des Workshops seht, hätte ich mir dazu eine kritische Begleitung gewünscht, so zu sagen eher ein Zwiegespräch oder eine Bewertung der Angelegenheit. So führt das zum Eindruck, den ihr wahrscheinlich aus den Mails und Blogbeiträgen erfahrt, dass ihr die Befürwortung der Todesstrafe unterstützt, zumindest unkritisch seht. Auf das Problem hinzuweisen, dass es auch in Europa Menschen gibt, die die Todesstrafe als Mittel des Strafvollzugs ansehen, halte ich nicht für negativ, aber es einfach so stehen zu lassen, ohne dass eine Gegenansicht dagegengestellt wird.

  38. Der Unterschied zwischen einer staatlichen Zensur von Presseerzeugnissen und der redaktionellen Oberhoheit einer freien Zeitung, die keinerlei staatlicher Eigentümerstruktur unterliegt, ist Ihnen wohl nicht eingefallen. Was für ein hanebüchener und despektierlicher Vergleich von staatlicher Zensur und Ihrer anscheinend fehlenden Courage.

    Presse- und Meinungsfreiheit ist fundamental wichtig für eine freie und offene Gesellschaft. Dass die taz sich hier aber freiwillig und ohne Zwang zu einer Propagandaplattform für das – zivilisatorisch niederträchtige – staatliche Ermorden von Menschen missbrauchen lässt, ist erschütternd!

  39. unter solche kommentare gehört eine kommentratfunktion! abgesehen davon gehört darunter das der inhalt nicht die meinung der taz wiederspiegelt und die affiliation der autorin.

    gerade bei einer publikation die sich ansonsten so pissig politisch korrekt gibt.

    man kann so etwas veröffentlchen aber man muß sich halt auch dafür schlagen lassen und geschlagen gehört ihr.

  40. Zensur ist staatliche Informationskontrolle. Redaktionelle Informationskontrolle nennt man Journalismus.

  41. Das wars, werde nie wieder eine Taz kaufen, Artikel flattern oder auch nur lesen.
    Das ist ja fast noch niveauloser als Springer und sich dann mit Zensur raus reden ist erbärmlich.
    Ihr solltet euch schämen.

  42. Ob es ein Skandal ist eine (sehr) kontroverse Meinung abzudrucken sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

    Definitiv ein Skandal ist es allerdings, Handlangern einer menschenverachtenden Diktatur Platz einzuräumen. Was erwartet den Leser als nächstes? Der Pressechef Nordkoreas schreibt über die US-Außenpolitik?

  43. Taz druckt Regierungspropaganda, verweigert dann die Kennzeichnung solcher.

    Clever.

  44. Naja.
    Aber nur OSTEUROPAWORKSHOP ist nicht gerade ausreichend.

    Hier redet keiner von Zensur, sondern journalistisch sauberen Arbeiten.

    Warum kommen diese Informationen jetzt erst hier? Warum ist der Gastbeitrag nicht besonders gekennzeichnet gewesen, z.B. wer die Autorin ist und für welche Gazette sie arbeitet? Man darf Gastbeiträge auch veröffentlichen und trotzdem als Redaktion auf Distanz gehen zur Meinung darin. Ist nicht wirklich vorher getan worden.
    Erst mit dieser Stellungnahme oben.

    Sorry, aber mit dem “Zensur”-Totschlagargument zu kommen ist unsachlich.

  45. ihr würdet entsprechend auch artikel abdrucken, die zur gewalt gegen schwule aufrufen abdrucken? ist auch gesellschaftliche realität in osteuropa. wie steht’s mit rassistischen texten? ist leider auch noch oft konsens dort. das würdet ihr alles veröffentlichen?

    und wenn hier “zensur” geschrieen wird: man kann und muss sowas drucken, ja! als zitat in anführungszeichen, mit einem fetten kommentar vorher, nebendran und hinterher. auf der verlinkten seite steht kein einziger kommentierender satz. unmöglich!

    wenn ihr jemandem über “pressefreiheit dozieren” wollt, dann befasst euch bitte selbst auch nochmal mit dem thema “redaktionelle verantwortung”.

  46. Zensur, was für ein hartes Wort.

  47. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn solche Artikel das Ergebnis sind, dann war der Workshop war ein Misserfolg, ein Schlag ins Wasser.