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vonBlogwart 25.02.2013

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Am Samstag erschienen in unserer Wochenendausgabe im Rahmen eines Workshops der taz Panter Stiftung vier Sonderseiten zum Thema Osteuropa. In einem Artikel über die Hinrichtung zweier mutmaßlicher Attentäter eines Anschlags, spricht sich die Autorin für die Todesstrafe aus. Um das Projekt vom restlichen Inhalt der Ausgabe abzugrenzen, wurde es auf der ersten Seite der vier Sonderseiten vorgestellt. Zudem haben alle vier Seiten die Überschrift „OSTEUROPAWORKSHOP“. Zu dem Artikel haben uns zahlreiche Leserbriefe erreicht, in denen kritisiert wird, wie die taz nur einen solchen Artikel veröffentlichen kann. Dazu meint Barbara Oertel, Leiterin der taz-Auslandsredaktion und des Workshops:

Zweifelos: Der Beitrag „Begnadigung oder Genickschuss?“ von Liza Krasavtceva in der Sonderbeilage der taz-Ausgabe vom 23./24. Februar 2013 ist ein Skandal. Dieser besteht nicht nur darin, dass die Autorin sich für die Höchststrafe ausspricht, sondern dass die taz dieses Plädoyer auch noch abdruckt – eine Zeitung, die in diesem konkreten Fall Mitinitiator einer Kampagne gegen die Hinrichtung der beiden Beschuldigten war und sich auch in ihrer sonstigen Auslandsberichterstattung klar und deutlich gegen die Todesstrafe positioniert.

Warum dann die Veröffentlichung? Der Beitrag entstand im Rahmen eines Osteuropawokshops der tazPanter Stiftung mit 13 jungen Journalisten aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der Republik Moldau. Das Ziel derartiger Seminare ist es, die Teilnehmer mit hiesigen journalistischen Standards sowie der Funktionsweise und derRolle von Medien vertraut zu machen, sich über zivilgesellschaftliches Engagement zu verständigen sowie sich über aktuelle politische Entwicklungen in den unterschiedlichen Ländern auszutauschen.

Mit Ausnahme der Republik Moldau, die erst am Anfang einer demokratischen Entwicklung steht, sind in den anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion zunehmend autoritäre Tendenzen zu beobachten. In Weißrussland herrscht seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Alexander Lukaschenko im Jahre 1994 das repressivste Regime in der Region – wie nicht zuletzt der Umstand zeigt, dass hier immer noch die Todesstrafe vollstreckt wird.

Grundsätzlich erhebt sich bei Unternehmungen wie dem Osteuropaworkshop die Frage, an wen sich dieses Angebot richtet: ausschließlich an diejenigen, die sich bei den wenigen unabhängigen Medien für einen Wandel der undemokratischen Verhältnisse einsetzen? Oder auch an Vertreter staatlicher Medien, die Sprachrohr der Regierungspropaganda sind, mit der Idee dabei auch hier einen Denk- und Lernprozeß in Gang zu setzen. Wir haben uns für beides entschieden. Und so fiel bei dem Osteuropaworkshop die Entscheidung in einem einzigen Fall zugunsten einer Teilnehmerin aus, die in einem staatlichen Medium in Weißrussland arbeitet – eben jene Verfasserin des Beitrages über die Todesstrafe.

An die erste Frage schließt sich eine zweite an: Sollen derartige Beiträge veröffentlicht oder wegzensiert werden? Die Antwort, über die man trefflich streiten kann, lautet: Zensur nein. Denn es wäre unglaubwürdig, über Pressefreiheit zu dozieren, aber gleichzeitig Meinungen zu deckeln. Zudem geben derartige Ansichten, die bedauerlicherweise immer noch eine Mehrheit der Weißrussen teilen, Aufschluß darüber, warum es heute in dem Land immer noch so aussieht, wie es aussieht. Und sie zeigen, warum die Arbeit und das Engagement der taz Panter Stiftung für diese Länder auch weiterhin von großer Bedeutung ist.

Update 26. Februar: Artikel von Spiegel Online über den Artikel

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aktuell auf taz.de

kommentare

  • Man kann über Pressefreiheit und guten Journalisms trefflich diskutieren.

    Aber eigentlich fällt mir nur eine Frage ein:

    taz, habt Ihr den Verstand verloren!?

  • Eine solch fadenscheinige, eiligst zur Schadensbegrenzung zusammengezimmerte Schein-„Begründung“ reisst genau GAR nichts mehr herum und wirkt komplett unglaubwürdig.

    Wie sagte Volker Pispers über die Grünen?
    „Auf ihrem Marsch durch die Institutionen sind die Grünen endlich im Ar**h derselben angekommen.“

    Das gleiche kann man wohl getrost über die taz sagen – das Niveau ist auf demjenigen der Kommentarspaltenhetze von Welt Online angekommen.

    Herzlichen Glückwunsch zur Selbstdemontage – herzlich willkommen im Springer’schen „Kampfverband“.

    Rien ne va plus, adieu.

  • „Das Ziel derartiger Seminare ist es, (…) sich über zivilgesellschaftliches Engagement zu verständigen.“

    Mission accomplished: Die Verständigung besteht in einem Plädoyer pro Todesstrafe. Und damit wurde auch ganz bestimmt ein Denk- und Lernprozess bei den „staatlichen Vertretern“ in Weißrussland in Gang gesetzt. Ich mag mir nur nicht ausmalen, mit welchen Konsequenzen.

    Im Ernst: Auf diese Form zivilgesellschaftlichen Engagements kann getrost verzichtet werden.

  • Naja, noch jede gute kommunistische Diktatur hat ihre Gegner umbringen lassen. Die taz ist das Sprachrohr des Kommunismus. Warum tun jetzt alle so überrascht? Es ist halt nur „aus Versehen“ die wahre Meinung der Redaktion durchgerutscht.

    Wäre doch nett, wenn die taz jetzt mal eine Artikelserie über den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze veröffentlichen würde. Das würde das Genickschussbild abrunden.

  • Ich bin absolut gegen die Todestrafe, verstehe die Aufregung hier aber nicht ganz: wenn ein weißrussischer Diktator zwei „Terroristen“ hinrichtet sollte man dem nicht zustimmen, wie die Autorin des Artikels das getan hat, aber dass sich die EU und die Kommentatoren hier darüber derart aufregen, ist dann doch ein bißchen bigott. Denn der große „liberale“ Bruder Obama läßt überall auf der Welt mit seinen Drohnen jeden Tag Menschen hinrichten, bei denen es sich angeblich immer um „Terroristen“, meistens aber um unschuldige Zivilisten handelt. Bei diesem perversen „Krieg gegen den Terror“ machen EU, NATO, Bundeswehr und deutsche Steuerzahler brav und gehorsam mit – und die (oliv-)grüne taz und ihre Leser protestieren dagegen wenn überhaupt auf Sparflamme. Wer aber zu Washington und seiner mörderischen Politik schweigt sollte auf Weißrußland nicht derart einprügeln.

  • „In der gedruckten Ausgabe war deutlich erkennbar, dass es sich um eine Beilage handelt, deren Inhalt nicht von der taz stammt“

    und

    jetzt der Hinweis unter der online Ausgabe:

    „Beiträge der GastautorInnen des Osteuropaworkshops spiegeln nicht die Meinung der taz-Redaktion wieder“

    erklären mir nicht warum man diesen Artikel veröffentlich hat.

  • abhijay, maekkel, Facepalm, westernworld: In der gedruckten Ausgabe war deutlich erkennbar, dass es sich um eine Beilage handelt, deren Inhalt nicht von der taz-Redaktion stammt. Hier ist die erste Seite der Beilage:

    http://blogs.taz.de/hausblog/files/2013/02/taz-goes-east.jpg

    Das Foto zeigt die Teilnehmer des Workshops. Die Beilage hat – anders als der Rest der taz – keine Seitenzahlen. Der Text oben auf der Seite lautet wie folgt:

    taz goes east

    Vom 12. bis 20. Januar 2013 war die taz fest in osteuropäischer Hand: 13 junge Journalisten aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und der Republik Moldau nahmen an einem Workshop der taz Panter Stiftung teil. Weitere Unterstützer waren die Zeit-Stiftung, die Marion-Dönhoff-Stiftung sowie der German Marshall Fund. Im Kern ging es darum, ins Gespräch zu kommen: über journalistisches Arbeiten, die Rolle des zivilgesellschaftlichen Forums der Östlichen Partnerschaft der EU, aber auch aktuelle Entwicklungen in den Herkunftsländern der Gäste. Dass letztendlich alle unter 200 Bewerbungen ausgewählten Teilnehmer in Berlin dabeisein konnten, war nicht selbstverständlich. Bei einigen von ihnen bedurfte es länglicher Korrespondenzen und Telefonate mit den zuständigen Visastellen, bis die Einreiseerlaubnis erteilt wurde. Das wirft unweigerlich die Frage auf, wie ernst es Deutschland, aber auch die EU damit meinen, die Zivilgesellschaft in den östlichen Nachbarstaaten zu fördern. Auf den folgenden vier Seiten finden Sie einige der Texte, die die Gäste bei dem Workshop erstellt haben. Diese Texte, die nicht die Meinung der taz-Redaktion wiedergeben, unterscheiden sich deutlich von den Beiträgen, die Sie sonst in unserer Zeitung finden. Aber das ist ein Ausdruck unterschiedlicher Realitäten im immer noch geteilten Europa. BARBARA OERTEL

    Unsere Webseite besitzt eine automatisierte Archiv-Funktion der Printausgabe. Jeder gedruckte Artikel wird dort einzeln online gestellt. Dabei ist der Kontext, der in der gedruckten Ausgabe sichtbar war, leider verloren gegangen. Wir arbeiten daran, wie wir das verbessern können.

  • Danke für die Stellungnahme. Schön wäre es, wenn diese nicht nur aus Erklärung/Rechtfertigung („Zensur nein.“ – ernsthaft?!), sondern auch aus Selbstkritik (z.B. „Da ist was falsch gelaufen.“) bestünde. Dafür muss man das natürlich auch so sehen.

    Zu Ihrer Information: In der Online-Version fehlt jeder noch so kleine Hinweis auf die Herkunft des Artikels. Da ist das Lesen dann richtig gruselig.

  • Ich weiß nicht ob es richtig sein kann, so einen Artikel unreflektiert zu veröffentlichen. Wenn ihr dies als Ergebnis des Workshops seht, hätte ich mir dazu eine kritische Begleitung gewünscht, so zu sagen eher ein Zwiegespräch oder eine Bewertung der Angelegenheit. So führt das zum Eindruck, den ihr wahrscheinlich aus den Mails und Blogbeiträgen erfahrt, dass ihr die Befürwortung der Todesstrafe unterstützt, zumindest unkritisch seht. Auf das Problem hinzuweisen, dass es auch in Europa Menschen gibt, die die Todesstrafe als Mittel des Strafvollzugs ansehen, halte ich nicht für negativ, aber es einfach so stehen zu lassen, ohne dass eine Gegenansicht dagegengestellt wird.

  • Der Unterschied zwischen einer staatlichen Zensur von Presseerzeugnissen und der redaktionellen Oberhoheit einer freien Zeitung, die keinerlei staatlicher Eigentümerstruktur unterliegt, ist Ihnen wohl nicht eingefallen. Was für ein hanebüchener und despektierlicher Vergleich von staatlicher Zensur und Ihrer anscheinend fehlenden Courage.

    Presse- und Meinungsfreiheit ist fundamental wichtig für eine freie und offene Gesellschaft. Dass die taz sich hier aber freiwillig und ohne Zwang zu einer Propagandaplattform für das – zivilisatorisch niederträchtige – staatliche Ermorden von Menschen missbrauchen lässt, ist erschütternd!

  • unter solche kommentare gehört eine kommentratfunktion! abgesehen davon gehört darunter das der inhalt nicht die meinung der taz wiederspiegelt und die affiliation der autorin.

    gerade bei einer publikation die sich ansonsten so pissig politisch korrekt gibt.

    man kann so etwas veröffentlchen aber man muß sich halt auch dafür schlagen lassen und geschlagen gehört ihr.

  • Das wars, werde nie wieder eine Taz kaufen, Artikel flattern oder auch nur lesen.
    Das ist ja fast noch niveauloser als Springer und sich dann mit Zensur raus reden ist erbärmlich.
    Ihr solltet euch schämen.

  • Ob es ein Skandal ist eine (sehr) kontroverse Meinung abzudrucken sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

    Definitiv ein Skandal ist es allerdings, Handlangern einer menschenverachtenden Diktatur Platz einzuräumen. Was erwartet den Leser als nächstes? Der Pressechef Nordkoreas schreibt über die US-Außenpolitik?

  • Naja.
    Aber nur OSTEUROPAWORKSHOP ist nicht gerade ausreichend.

    Hier redet keiner von Zensur, sondern journalistisch sauberen Arbeiten.

    Warum kommen diese Informationen jetzt erst hier? Warum ist der Gastbeitrag nicht besonders gekennzeichnet gewesen, z.B. wer die Autorin ist und für welche Gazette sie arbeitet? Man darf Gastbeiträge auch veröffentlichen und trotzdem als Redaktion auf Distanz gehen zur Meinung darin. Ist nicht wirklich vorher getan worden.
    Erst mit dieser Stellungnahme oben.

    Sorry, aber mit dem „Zensur“-Totschlagargument zu kommen ist unsachlich.

  • ihr würdet entsprechend auch artikel abdrucken, die zur gewalt gegen schwule aufrufen abdrucken? ist auch gesellschaftliche realität in osteuropa. wie steht’s mit rassistischen texten? ist leider auch noch oft konsens dort. das würdet ihr alles veröffentlichen?

    und wenn hier „zensur“ geschrieen wird: man kann und muss sowas drucken, ja! als zitat in anführungszeichen, mit einem fetten kommentar vorher, nebendran und hinterher. auf der verlinkten seite steht kein einziger kommentierender satz. unmöglich!

    wenn ihr jemandem über „pressefreiheit dozieren“ wollt, dann befasst euch bitte selbst auch nochmal mit dem thema „redaktionelle verantwortung“.

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