Bull-Analyse: Das “Nexus 7″ Tablet als Prämie

BullAnalyse

Auch auf der Generalversammlung der taz-Genossenschaft am vergangenen Samstag stand auch die Aboprämie der taz, das Nexus 7 Tablet, im Zentrum des Interesses. Verständlich, denn 3.500 der Tablets kosten rund 700.000 Euro. Dieser hohe Marketingaufwand könnte das Jahresergebnis belasten. Aber darum ging es letztlich nicht. Wer es bereits hat, ist zufrieden. Das Interesse ist groß. Doch es wurde Kritik laut, dass die taz ein Produkt vertreibt, dessen Herstellung nicht unter fairen Bedingungen zustande kommt.
Dies ist bedauerlich, aber derzeit unvermeidlich. Das einzige sogenannte fairphone wird gegenwärtig in den Niederlanden projektiert, sollte im Herbst fertig sein und ist für Dezember angekündigt. Wenn es lieferbar sein wird, werden wir zu den ersten gehören, die prüfen, ob es als Aboprämie taugt. Wir wollen allerdings nicht die Branche wechseln und praktische technische Produkte vertreiben. Ziel ist es, unsere LeserInnen zu halten und viele neue, gerade junge Leute mit der taz in Kontakt bringen. Wir wollen sie davon überzeugen, dass zeitgenössische digitale Mediennutzung und ein taz-Abo sich kombinieren lassen.
Die Preise unserer Abo-Angebote sind dabei budgetgerecht aufgebaut: vom digitalen täglichen ePaper für 11,95 Euro pro Monat über die Kombination des Print-Abos der taz.am wochenende mit dem täglichen ePaper für 23,90 Euro bis zum täglichen Print-Abo mit seinem solidarischen Preissystem, bei dem man sich zwischen drei Preisen frei entscheiden kann. Unsere Absicht ist es, möglichst viele AbonnentInnen zu gewinnen, die den Zweck des Ganzen stützen: den dauerhaften Erhalt des journalistischen Projekts taz.

■ Andreas Bull, taz-Geschäftsführer, analysiert hier regelmäßig die Lage der taz in der Medienkrise

Kommentare (5)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*

  1. Ich bin wirklich niemand, der Tablets als unnütz, schädlich oder von ihrer Aussage her als zweifelhaft bezeichnen muss.

    Dennoch: als Abo-Prämie für die taz wohl eine ziemliche (gelinde gesagt) Schnappsidee.

    Prinzipiel entwickelt sich Elektronik so schnell, dass man selbst als technisch affiner Nutzer mit gebrauchter Ware klarkommt. Das ist dann nicht ‘High End’ aber eben fast, und nur 2 Monate hintendrann. (‘second adopter’, sozusagen)
    Da gebrauchte Ware wohl nicht so leicht als Abo-Prämie zu organisieren ist, sollte man vielleicht in eine andere Richtung denken.

    Ich frage mich, was die Verantwortlichen für diese Marketingaktion für eine Einstellung haben. Aber egal:

    Wie wärs mit einem Ideen-Wettbewerb dazu, was man als Abo-Prämie anbieten soll, unter den taz-Lesern/Genossenschaftlern ???

    • Welche Bedürfnisse erfüllen Tablets denn Ihrer Meinung nach, welche gestillt werden müssen? Vor 5 – 10 Jahren habe ich niemanden sagen hören: “Ich brauche ein Tablet.”

      Es handelt sich um reinen angebotsbezogenen Konsum. Der Bedarf ensteht erst durch das Angebot. Ich will ja gar nicht von den Menschenrechten bei der Produktion anfangen. Aber es sollte doch nachvollziehbar sein, dass für so einen Quark Ressourcen verbraucht werden und diese endlich sind.

      Wer natürlich nur an sich denkt, dem kann das egal sein. Wenn das die Überzeugungen der taz sind, bitte. Gibt ja auch genug Lifestyle-Grüne die sich in ihrer Doppelmoral wohl fühlen. Menschen wie mir stößt es dann nur übel auf, wenn an anderen Stelle wieder von Nachhaltigkeit gesprochen wird (z.B. bei der Energieversorgung). Aber zu Verzicht ist diese satte Gesellschaft ja ohnehin nicht mehr in der Lage.

  2. Hallo,

    was mich doch sehr verwundert, ist der gewählte Prämiengegenstand. Tablets sind ja nun das aktuellste Beispiel eines perversen und egoistischen Konsumkapitalismus, welcher sich weder sozialer noch ökologischer Nachaltigkeit verpflichtet fühlt und kurzfristigem Profitstreben huldigt.

    Tablets sind Ausdruck unserer verlogenen westlichen Wohlstandsgesellschaft, welche Moral predigt aber nichtmal zum geringsten Konsumverzicht bereit ist. Diese vollkommen unnötige technische Spielerei verbraucht wertvolle und begrenzte Ressourcen, um nach kurzer Zeit als Elektronikschrott auf von Schwermetallen verseuchten Deponien in Afrika zu landen. Auf diesen dürfen afrikanische Kinder unseren obszönen westlichen “Traum” mit ihrer Gesundheit bezahlen.

    Meine Frage: Wie verträgt sich das mit den Werten der taz?

    Freundliche Grüße

    • Muss hier mal eine Lanze für die taz brechen, ich finde den Tablet als Abo-Prämie genial. Einen fair produzierten Tablet gibt es leider (noch) nicht, doch das Prinzip, Zeitung digital zu lesen ist eindeutig die Zukunft. Papier ist auch eine Ressource, und es macht keinen Sinn, diese für so ein schnelllebiges Medium wie eine Tageszeitung zu vergeuden.

    • Ich bezweifle, dass es afrikanischen Kindern besser ginge, falls ich auf mein Tablet verzichten würde.

      Grund für deren Misere dürfte in nicht unerheblichen Maße die Fertilität der dortigen Bewohner sein.