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von 09.01.2014

taz Hausblog

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Von Jürn Kruse

Da ich in meinem Text die anderen Medien dazu aufgefordert habe, sich nach dem Appell von Corinna Schumacher doch einer Diskussion ihrer eigenen Berichterstattung über den Unfall des ehemaligen Rennfahrers Michael Schumacher zu stellen, ist es angebracht, sich auch selbst zu hinterfragen: Muss ein solcher Artikel mit einem Foto von Corinna Schumacher beim Betreten der Klinik in Grenoble bebildert werden? Ein Foto, das von ebenjenen Leuten geschossen wurde, die die Ehefrau des früheren Formel-1-Piloten zum Verlassen der Klinik aufgefordert hat. Fördern wir eine solche Berichterstattung durch das Zeigen eines solchen Fotos?

Es ist der stets wiederkehrende Zwiespalt: Mache ich mich als Kritiker mit dem Kritisierten gemein, wenn ich den Stein des Anstoßes abbilde? Am einfachsten zu umgehen ist dieser Vorwurf, wenn man Ausrisse aus anderen Medien zeigt. Gerne genommen: Titelseiten der Bild-Zeitung. So kommt man um den Vorwurf herum, das selbe Material wie die Gescholtenen zu verwenden und gibt sich distanziert. Ein Ausriss dient ja schließlich nur der Dokumentation.

Doch was hätte das geändert, wenn wir nicht das Originalfoto gezeigt hätten, sondern eine Zeitungs- oder Webseite mit dem Foto abgebildet hätten? Gar nichts.

Und deshalb finde ich es in Ordnung, in einem solchen Fall den Grund für die Bitte von Corinna Schumacher zu zeigen. Zumal sie mit ihrem Aufruf sicherlich nicht die taz gemeint hat. Seit dem Skiunfall am 29. Dezember fanden sich in der gedruckten Ausgabe genau neun Artikel zu Schumi. Einer war eine Meldung, in den meisten anderen kam sein Unfall nur am Rande vor. Lediglich in zwei größeren Texten ging es ausschließlich um ihn, beide behandelten allerdings eher die Berichterstattung – und nicht den Unfall selbst, die Ermittlungen oder die Ursachen. Ein Foto von Corinna Schumacher oder von Angehörigen vor der Klinik haben wir bisher nicht gezeigt.

Zumal ich in meinem Artikel mitnichten die Berichterstattung über Schumacher in Gänze gegeißelt habe. Es gibt Artikel, die fürchterlich sind, es gibt aber auch ausgewogene – und es gibt vor allem gute Argumente für eine angemessene Berichterstattung. Dabei bleibe ich. Und ich bleibe auch dabei, dass eigentlich jedes Medium genug Argumente liefern können müsste, warum es so und nicht anders berichtet hat. Doch leider machen das nur die wenigsten. Auch das blieb bisher leider so.

Jürn Kruse ist Medienredakteur der taz

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http://blogs.taz.de/hausblog/2014/01/09/warum-wir-ein-foto-von-corinna-schumacher-vor-der-klinik-gezeigt-haben/

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kommentare

  • Darf man als Promi jetzt wählen, ob die Presse über einen berichtet?

    Wer sein Leben den Medien verkauft hat muss sich doch nicht wundern, wenn die sich das sterben gratis dazunehmen.

  • „Zumal sie mit ihrem Aufruf sicherlich nicht die taz gemeint hat.“ Geht es vielleicht NOCH überheblicher? NATÜRLICH SEID IHR AUCH GEMEINT, IHR PHARISÄER! Mann, Kruse, wie betriebsblind darf man denn sein?! NATÜRLICH SIND ALLE,DIE DIE PAPARAZZIBILDER BEZAHLEN GEMEINT, AUCH DIE GUTMENSCHEN VON DER TAZ! Herrgott, da werd ich zum Gernot Hassknecht bei so viel Verlogenheit…

    • Was sollen sie denn tun außer Lügen?
      Ich gehe schon davon aus, dass sie den Anspruch an sich selbst haben, besser und ehrenhafter als die anderen zu sein.
      Da sie das aber nicht hinkriegen, es eigentlich auch genau wissen und sich dafür (hoffentlich) auch schämen, lügen sie sich selbst ordentlich was in die Tasche.
      Mir scheint das recht menschlich. Sind wir nicht alle von Zeit zu Zeit so drauf?

      • Ja was könnte man tun? Man könnte NICHT lügen…
        Und, nö, wir sind nicht ALLE von Zeit zu Zeit so drauf
        Sorry, aber für diese verlogene Schreibe gibts von mir kein „Fleissbildchen“ und keinen Klapps auf die Schulter. Man ist nicht moralisch überlegen, nur weil man es sich vor dem Spiegel einredet. Kruse redet sich schlicht diesen boulevardesken Käse schön und erteilt der taz (im grunde sich selber) auch noch eine fette Absolution für besagten Käse.

  • Glaubt die taz wirklich, dieser Schumacher interessiert taz-Leser?
    Oder (schlimmer):
    Auch die taz-Leser wollen diese Meldungen sehen und „genießen“.
    .
    Das einzig interessante an diesem Schumacher war, als Harald Schmidt in in „Schmidteinander“ andauern veralbert hat.

  • Die bisherige Berichterstattung der taz seit dem Unfall von Michael Schumacher:

    – Am 31. Dezember erscheint eine Kurzmeldung „Michael Schumacher im künstlichen Koma„, ohne Foto. Es ist der einzige Artikel mit Details zu Schumachers Gesundheitszustand.

    – Am 3. Januar erscheint der Artikel „Auferstehung des Siegers über das Medieninteresse. Das Foto zeigt Schumi-Managerin Sabine Kehm.

    – Am gleichen Tag erscheint auf unserer Satire-Seite „Wahrheit“ der Text „Michael Schumacher bleibt das Kinn in der Brandung“, dazu ein Archiv-Bild von Michael Schumacher.

    – Am 4. Januar erwähnen wir Michael Schumacher in unserem Wochenrückblick „Der rote Faden„, ohne Foto.

    – Am 6. Januar wird Michael Schumacher in einem Interview mit Friedrich Küppersbusch über die Ereignisse der vergangenen Woche erwähnt. Das Foto zeigt Ronald Pofalla.

    – Am 7. Januar erwähnen wir Michael Schumacher in dem Artikel „Hoppala!„, in dem es um „eine kleine kleine Typologie der Skiunfälle“ geht. Das Foto dazu zeigt zwei Skier im Schnee, ohne Personen.

    – Am 8. Januar erscheint der Artikel „Der Sturz“ über das Hinfallen als deutsche Tugend, in dem auch Michael Schumacher erwähnt wird. Das Foto dazu zeigt eine Person, die man nicht erkennen kann, beim Schlittenfahren.

    – Am gleichen Tag erscheint die Kolumne „Die Kriegsreporterin“ von Silke Burmester, in dem auch Michael Schumacher erwähnt wird. Das Foto zeigt die Autorin.

    – Am 9. Januar erscheint der Artikel „Ihr wollt es doch auch“ von Jürn Kruse über die Bitte von Corinna Schumacher, ihre Familie in Ruhe zu lassen. Das Foto zeigt Corinna Schumacher, umringt von Fotografen, vor der Klinik in Grenoble.

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