Publikationsservice für brisante Dokumente

Bei der taz bieten wir einen besonderen Service für Informanten: Wir berichten nicht nur über brisante Dokumente, wir veröffentlichen sie auch. Dies vergrößert die Wirkung in der Öffentlichkeit erheblich.

Ein Beispiel: Die Berliner Verkehrsbetriebe haben mal durch Spekulationen an der Börse einen Verlust von 150 Millionen Euro verursacht. In London verhandelte ein Gericht über die Klage zwischen den Verkehrsbetrieben und ihrer Bank. Zuerst gelangten die Gerichtsunterlagen an den Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg, der daraus in zwei Artikeln zitierte, ohne aber die Akten selbst zu veröffentlichen.

Kein anderes Medium sprang auf das Thema auf.

Dann gelangten die Unterlagen auch zur Fachzeitschrift „Der Neue Kämmerer“ , die daraus zitierte. Wieder gab es keine Folgeberichterstattung. Denn Journalisten sind grundsätzlich misstrauisch: Wir möchten am liebsten alle Dokumente selbst lesen anstatt uns darauf zu verlassen, was andere Journalisten behaupten.

bvgSchließlich kamen die Dokumente auch zu mir, ich schrieb einen Artikel darüber und veröffentlichte sie zum Download. Jetzt ging es los: Der Spiegel zog nach, die Süddeutsche Zeitung ebenfalls, der Tagesspiegel, die Hamburger Morgenpost, die Berliner Zeitung, Die Welt, der Berliner Kurier und viele, viele weitere.

Online hatte ich auf taz.de die einzelnen Zitate aus den Dokumenten jeweils direkt mit der jeweiligen Stelle aus den Dokumenten verlinkt (mit Hilfe des genau dafür gegründeten Dienstes documentcloud.org). So konnte jeder Interessierte sofort nachlesen, an welcher Stelle in dem Schriftsatz die Verkehrsbetriebe argumentieren, sie hätten grundsätzliche Aspekte der CDO-Transaktion nicht verstanden. Das ermöglichte es anderen Journalisten, schnell den Einstieg in die besonders interessanten Seiten zu finden, sich dort sich dort eigene Zitate herauszuziehen und entsprechend auch recht groß zu berichten.

scan20140130144900_001Einen völlig anderen Aspekt als die anderen Medien arbeitete Juve heraus, eine Fachzeitschrift für Wirtschaftsanwälte, genau wie auch der Strafverteidiger Carsten Hoenig.

Schon in früheren Fällen haben sich Informationen aus brisanten Dokumenten auch deshalb so gut weiterverbreitet, weil ich sie auf www.taz.de veröffentlicht habe – etwa bei den Dokumenten über die Lobbyarbeit der Atomkonzerne oder den Verträgen über die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe.

Die Veröffentlichung der Unterlagen ermöglicht es natürlich auch einem Informanten selbst, unter Verweis auf die taz-Veröffentlichung gegenüber Dritten oder in der Öffentlichkeit die Stellen zu zitieren, die er für seine Zwecke zitieren möchte.

Sagen Sie jetzt nichts

Bevor Informanten brisante Dokumente an Journalisten weitergeben, sollten sie allerdings die Folgen bedenken: Können Sie damit umgehen, dass in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Behörde nach der Quelle gesucht wird? Dass Sie befragt werden? Dass Sie unter Verdacht geraten? Oder dass ein Kollege von Ihnen unter Verdacht gerät und Sie nicht sagen können, dass er es nicht war? Der beste Schutz besteht natürlich darin, nur Dokumente weiterzugeben, die einer hinreichend großen Personenzahl bekannt sind. Dafür können Sie übrigens auch selbst sorgen: Vergrößern Sie erst selbst den Verteiler und geben Sie dann die Unterlagen nach draußen.

Journalisten haben ein Zeugnisverweigerungsrecht: Der Staat kann mich nicht zwingen, meine Quellen zu nennen, und er darf auch meine Unterlagen nicht durchsuchen und mein Telefon nicht abhören. Das größte Risiko eines Informanten ist, sich selbst zu verraten. Überlegen Sie sich, ob Sie schweigen können. Chelsea Manning wurde gefasst, weil sie gegenüber einem Hacker in einem Chat geprahlt hatte. Nur so kam raus, von wem Wikileaks die Dokumente über die US-Militäreinsatze im Irak und in Afghanistan hatte. Am besten ist es naturgemäß, wenn Sie den Kreis der Mitwisser so gering wie möglich zu halten, am besten bei Null. Überlegen Sie sich, ob Sie ihrem Partner davon erzählen wollen.

Keine Spuren

An meine E-Mail-Adresse heiser@taz.de sollten Sie brisante Unterlagen nur schicken, wenn Sie gar nicht erst vorhaben, anonym zu bleiben. Natürlich gibt es theoretisch auch noch den Weg, in einem Internetcafé bei einem Anbieter wie GMX auf einen falschen Namen ein neues Konto zu eröffnen und mir so die Unterlagen zu schicken. Aber auch dabei könnten Ihnen leicht Fehler passieren, durch die Sie identifizierbar werden.

Am besten ist es immer, die Unterlagen in einen Briefumschlag zu stecken und mit der Post zu schicken: taz.die tageszeitung, Sebastian Heiser, Rudi-Dutschke-Straße 23, 10969 Berlin. Das geht natürlich auch mit USB-Sticks und Daten-CDs. Wenn Sie mit mir reden wollen, gehen Sie in eine Telefonzelle und wählen die 030/25902-140.

Übrigens bezahlen wir bei der taz kein Geld für Unterlagen. Dafür veröffentlichen wir sie, wenn Sie nichts dagegen haben.

Mehr Informationen und Tipps für Informanten gibt es auf der Webseite www.whistleblowerinfo.de.

Kommentare (2)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Pingback: SZ-Leaks: Schleichwerbung für Steuerhinterziehung | klar und deutlich

  2. Pingback: Übersicht: Die Super-GAU-Dokumente | Rechercheblog