Blattkritik: Lann Hornscheidt

tzinfo_Blattkritik

Am 20. Juli war Profx Lann Hornscheidt zur Blattkritik in der taz-Redaktionskonferenz. Im Anschluss an eine sehr kontrovers geführte Diskussion baten wir Lann, die Kritik noch einmal für den Hausblog zu konkretisieren. Zugleich wollten wir auch wissen, ob und wo die taz gute Arbeit macht. Ein Gespräch.

Es war eine der bestbesuchten Blattkritiken der letzten Monate und eine, die nicht ohne Widerhall blieb: Lann Hornscheidt, Profiks für Gender Studies an der HU, war zu Gast in der Morgenkonferenz der taz.

Hornscheidt beschäftigt sich mit Sprache, Diskriminierung und Machtverhältnissen und hatte vergangenes Jahr mit dem Vorschlag Aufsehen erregt, das Deutsche um ein x oder iks als Pronomen und Endung zu erweitern, um die Zweigeschlechtlichkeit der Sprache aufzulösen. Insbesondere (weiße) Männer reagierten ablehnend bis hasserfüllt; Hornscheidt bekam sogar Morddrohungen.

Während der Blattkritik in der taz war zumindest der Ton, mit dem auf Hornscheidts Kritik reagiert wurde, zum Teil erstaunlich aggressiv.

Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass Kritik von Seiten einer Person, die der taz nahesteht – Hornscheidt ist selbst taz-Genossx – und aus linker Perspektive kritisiert, stärker trifft als etwa von Thomas de Maizière. Da steht die taz ja quasi drüber.

Um darüber nachzudenken, wie die Kritik in der journalistischen Praxis umsetzbar sein kann, bleibt in der Blattkritik keine Zeit. Aus der Redaktion kam aber schnell der Wunsch, Hornscheidt zu einem Workshop einzuladen, um genau darüber zu sprechen.

Wer schreibt für wen? Wie schreiben wir, weil wir von einer bestimmten Position für ein bestimmtes Publikum schreiben? Welche Machtverhältnisse reproduzieren wir damit? Hornscheidt hat den Workshop zugesagt.

Von den bisher mehr als 20 InteressentInnen aus Redaktion und Verlag sind die große Mehrheit Frauen.


Blattkritik: Lann Hornscheidt – Ein Gespräch

„Auch ich würde lieber eine andere Tageszeitung lesen,
es gibt aber keine andere Tageszeitung“

 

taz: Auf welcher taz-Ausgabe basierte Ihre Blattkritik?

Lann Hornscheidt: Konkret ging es um die Wochenendausgabe vom 18. Juli. Da ich die taz aber regelmäßig lese, ist natürlich meine Analyse der letzten Jahre mit eingeflossen.

Was ist Ihnen bei der Lektüre besonders aufgefallen?

Stark hervor sticht die fast durchgängige Verwendung des androgendernden Maskulinums. Also dass Formen, die sich auf Personen beziehen, im Maskulinum geschrieben werden. Und dadurch eine Uneindeutigkeit besteht. Frauen sind nur Geschlecht und Männer allgemein menschlich.

Ein supersimples Beispiel der letzten Zeit dafür: In der taz gibt es Fußballweltmeisterschaften und Frauen-Fußballweltmeisterschaften. Genau dies wären aber Dinge, die nicht sein müssten und die sehr einfach veränderbar wären.

Weiterer Kritikbedarf?

Ein weiterer Punkt ist die häufig fehlende Positionierung in Artikeln. Dass beim Lesen also nicht deutlich wird, aus welcher Position heraus sie eigentlich schreiben. Auffällig ist ebenso die Reproduzierung von Rassismen. Dies ist ja ein altbekanntes Problem der taz und wird in auch LeserInnenbriefen zurecht immer wieder angesprochen.

Gleiches gilt für die Reproduzierung der Zweigeschlechtlichkeit, dass es also nichts gibt jenseits der Zweigeschlechtlichkeit. Außer es wird extra zum Thema gemacht.

Zuschriften von taz-LeserInnen kritisieren relativ häufig das fehlende Binnen-I in taz-Texten. Ist es überhaupt noch zeitgemäß, das Binnen-I zu verwenden oder sollte es allmählich überwunden werden?

Überwinden sicherlich nicht, da würde die taz einen wichtigen Schritt überspringen. Aber ich finde es sehr spannend, dass dieser Kritikpunkt in den Zuschriften weit verbreitet ist.

Außerdem ist es wirklich interessant zu sehen, dass Leute sagen, sie wollen die taz lesen, sie wollen sich da engagieren, könnte die taz bitte die Formen verändern. Zugleich scheint in der taz selbst dahingehend seit Längerem eine Stagnation zu existieren.

Diese Zuschriften zeigen zwei Aspekte auf: Einerseits der Wunsch, gehört zu werden und anwesend sein. Andererseits der Umgang der taz mit diesem Wunsch.

Welcher Schluss könnte daraus denn nun gezogen werden, auch in Bezug auf mögliche Veränderungen?

Eine der größten gesellschaftlichen Veränderungen wäre sicherlich, gelänge es uns hinzuhören, zuzuhören und respektvoll zu agieren, wenn Leute, die diskriminiert sind, anders angesprochen sein wollen und sich selber identifizieren wollen mit Texten, indem sie in diesen Texten vorkommen – durch Binnen-I oder Unterstrich-Formen.

Insofern sehe ich das Binnen-I nicht als obsolet oder überholt an, sondern es wäre vielmehr ein immenser Schritt hin zu einer inhaltlichen Veränderung. Das Binnen-I ist keine formelle Veränderung, sondern eine inhaltliche Stellungnahme, die Ausdrucksweisen wandelt.

 

„Jede gesellschaftliche politische Veränderung stößt auf breitere Abwehr,
das gehört wohl dazu“

 

Also mehr Mut zum Binnen-I, denn es ist mehr als ein Buchstabe?

Ich würde eher Respekt sagen als Mut. Ist es mutig, respektvoll zu sein? Und Abwehr kennt die taz doch auch genug von Menschen, die stagnieren und Angst vor Veränderungen haben, das dürfte Sie doch nicht schrecken.

Jede gesellschaftliche politische Veränderung stößt auf breitere Abwehr, das gehört wohl dazu.

Jenseits dessen: Natürlich fände ich es als Trans*-Person cool, würde die taz den Unterstrich wählen. Denn dadurch wären sowohl Frauen direkt anwesender als auch Menschen, die sich in der Zweigeschlechtlichkeit nicht verordnen.

Und die Formen sind einfach, klar und nehmen nicht viel Raum ein: Journa_listinnen, Lese_rinnen

Ausgehend von der heutigen Situation fände ich es aber schon sehr sehr schön, wenn zumindest das Binnen-I in der taz endlich ankäme.

Dies würde einen erheblichen Unterschied in der Identifikation für viele Menschen machen und könnte tatsächlich auch die Welt verändern – denn es fordert Wahrnehmungen heraus – wie wir ja auch an der immensen Abwehr innerhalb der taz sehen.

In der taz gibt es dazu aber auch sehr kritische Sichtweisen und gelegentlich Widerstand gegen das Binnen-I.

Das schließt an das Letzte an, was ich gesagt habe: Wenn ich glaube, ich kann für alle sprechen, ich bin das linke allgemeine Sprachrohr, dann fordert es mich vielleicht ganz schön heraus zu hören, dass meine Sprechweise exkludierend ist.

Welche Personen können es sich heute immer noch leisten, zu glauben, sie wären die allgemeine Menschlichkeit? Und bräuchten nicht andere Leute zu hören.

Aber selbst wenn diese das Binnen-I als unnötig empfinden, kann man nicht trotzdem wenigstens zuhören? Zuhören, dass andere Leute sich dadurch überhaupt erst angesprochen fühlen würden. Was kostet es denn, dies zu tun?

Für mich geht es da auch um das Nicht-reflektieren-Können eigener Privilegien oder der Teilhaftigkeit an Macht durch Diskriminierte und letztendlich auch um Machterhalt.

Denn selbst wenn ich gewisse Dinge zunächst nicht verstehe, aber als Redaktion einer linken Tageszeitung seit Jahrzehnten darauf angesprochen werde, dann könnte sich da doch irgendwann auch mal eine Akzeptanz entwickeln.

Eine Offenheit dafür, Dinge aus der Bewegung aufzunehmen. In anderen Bereichen der Bewegung klappt es doch auch, nur hier nicht. Ich finde das unglaublich interessant, zu sehen, wie so mit Sexismus umgegangen wird, wie Sexismus kleingeredet wird, Sprache als unwichtig hergestellt wird gerade von Leuten, deren Handwerkszeug Sprache ist und die an die Macht sprachlicher Benennungen glauben.

Ihre Kritik blieb in der Redaktionskonferenz nicht unwidersprochen, es gab teils kontroverse Reaktionen.

Ja, natürlich. Nun war das für mich aber auch keine verwundernswerte Sitzung nach dem Motto: „Oh, in der taz ist ja alles anders als sonst in der Gesellschaft.“ Natürlich zeigen sich hier die ganzen sexistischen Muster und Abwehrstrategien wie sonst in der Gesellschaft.

Die taz als Ganzes ist ja nun kein feministisches Projekt, auch wenn es ganz klar einzelne Femin_istinnen gibt, die in der taz arbeiten – und kämpfen.

Auch ich würde lieber eine andere Tageszeitung lesen, es gibt aber keine andere Tageszeitung. Es ist wirklich superschade, dass sich die taz sich da nicht auch selber progressiver gestaltet.

Allerdings scheint sich nun doch etwas zu bewegen, nicht umsonst steht jetzt die Idee eines Workshops.

Ich finde es immer wichtig, mit denen zu arbeiten, die ein Interesse und eine Offenheit dafür haben. Das ist mir grundlegend: mit denjenigen zu arbeiten, die Austausch und Inspiration und Herausforderung wollen und mich nicht abzuarbeiten an Personen, die in Abwehr sind, das bringt nichts.

Ich arbeite für gesellschaftliche Veränderungen und nicht gegen Personen. In Bezug auf sprachliche Veränderungen geht es mir darum, mehr Variation zuzulassen und nicht neue Normen vorzusetzen. Die Normen diktieren andere.

 

„Warum wird Kritik nicht als Chance verstanden?“

 

Sprechen wir hier auch über eine Generationenfrage?

Sicherlich. In gewisser Hinsicht ist es bei den Alt-68ern dieses Selbstbildnis als diejenigen Linken, die alles kritisiert und infrage gestellt haben.

Die deshalb auch wissen, was die Kritik ist, und dementsprechend nicht kritisiert werden können. Und die Kritik nicht als etwas Produktives erleben, um sich immer weiter verändern zu können.

Allerdings gibt es genauso auch viele Jüngere, die nichts mit Feminismus zu tun haben wollen. Insofern ist das Problem einer Ignoranz gegenüber Sexismus in allen Generationen verbreitet.

Und der Ansatz, um hier mehr Bewegung zu schaffen, sähe wie aus?

Dem Gegenüber respektvoller zu begegnen, wäre die wichtigste Veränderung. Und da fand ich es dann in der Redaktionskonferenz schon erstaunlich, wie wenig respektvoll Äußerungen waren.

Wie wenig Menschen ihre Irritationen als Impuls für sich verstehen können und damit arbeiten können, sondern sie anderen Leuten entgegenwerfen. Und damit auch wieder neue Normen aufstellen.

Einen konstruktiven Austausch hätte ich mir an dieser Stelle sicherlich anders vorgestellt. Dabei ist es viel entscheidender, wie wir einander zuhören und wie wir miteinander respektvoller umgehen. Wichtiger noch als Veränderungen einer kleinen Sprachform.

Warum wird Kritik nicht als Chance verstanden? Dass ich auf Einladung aus der taz zur taz komme, stellt doch auch ein Commitment meinerseits dar.

Warum wird daraus kein konstruktiver Dialog, sondern solch ein Schlagabtausch für einige, die dann auch noch den ganzen Rederaum einnehmen müssen – und nicht einfach mal schweigen und zuhören können?

Denn es gab ja genug Leute, die es inspirierend und konstruktiv fanden. Dies ist sehr schade, zeigt aber auch generell, wie wir in vielen Kontexten wenig gelernt haben, konstruktiv mit Kritik umzugehen.

 

„Die taz ist eine der wenigen Zeitungen, die positionierte Artikel bringt“

 

Was mögen Sie denn an der taz?

Ich mag viele der positionierten Artikel. In meinen Augen ist die taz eine der wenigen Zeitungen, die positionierte Artikel bringt. Super ist auch, wie teilweise sehr witzige Überschriften gewählt und teilweise auf der Titelseite andere Schwerpunkte gesetzt werden. Wie dadurch ja auch ein anderes Weltbild geschaffen wird – verglichen mit anderen Tageszeitungen.

Ich schätze viele der Rezensionen im Kulturteil sehr und freue mich ebenso über die Vielfalt an interviewten Menschen.

Da macht die Redaktion eine sehr gute und auch coole Arbeit, die mich immer wieder reizt, die taz zu lesen.

Ist die taz schön?

Diese Aufteilung in Tageszeitung unter der Woche und Wochenzeitung am Wochenende finde ich sehr schön. Wo sich die taz bemüht, in Diskurse zu intervenieren, ganz andere Stimmen zu Gehör zu bringen und eine andere Öffentlichkeit zu schaffen.

Die vielen Veranstaltungen der taz mag ich ebenfalls. Hier versucht sie ja eine Form von Politik zu betreiben und Menschen zum Gespräch einzuladen.

Wie sollte sich die taz in den kommenden zehn Jahren entwickeln?

Ich wünsche mir tatsächlich mehr Kreativität und Wille in Bezug auf das Experimentieren mit Sprach- und Ausdrucksformen. Oder auch welche Stimmen eingeladen werden, etwas zu sagen.

Weniger neoliberal sollte sie sein. Des öfteren erscheint mir die taz heute thematisch zu stark an Marktangelegenheiten angepasst.

Prinzipiell wünsche ich sie mir als Stachel in der Zeit. Als kontinuierliche Verunsicherung, Irritation und Aufforderung, über Dinge noch mal anders nachzudenken oder überhaupt neu zu denken – und Unterstrich-Formen könnten da definitiv zu beitragen.

Also eine wichtige, aber respektvolle Stimme zu sein, die andere Themen zu Gehör bringt in einer Gesellschaft, die immer mehr dem Mainstream anheimfällt. Da hat die taz eine ganz wichtige Rolle, und es wäre cool, wenn sie die noch mehr auch in Bezug auf eine Kritik an Sexismus und Rassismus ausfüllt.

Einführender Text von Patricia Hecht.
Das Gespräch führte Manuel Schubert.
Foto: Nicola Schwarzmaier

Kommentare (60)

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  1. mir hängt das thema genderisierung bezüglich der deutschen sprache ordentlich zum halse heraus. linguisten: creiert endlich eine durchgängige form des neutrums. falls das nicht gelingt, bin ich bereit, mich als mann in der weiblichen form anreden zu lassen – hauptsache, das getue hört endlich auf. der beseitigung der nachteile, die frauen haben, sollte das bemühen gelten! (schrieb mal eine schülerzeitung: „… die schülerinnen und schüler begrüßen das bemühen der lehrerinnen und lehrer, unterstützt von den elterinnen und eltern, …“

  2. Ich finde wichtig, dass sich Menschen mit marginalisierten Geschlechtern sichtbarer machen! Ich denke bis dato, dass Trans*, Metro usw. eine Mikroheit bilden, keine Minderheit. Ihr seid zu wenige. Für einen gesellschaftsbreiten Sprachwandel. Oder?

  3. An dem Spruch, dass sich der Mensch an alles gewöhnt, ist viel Wahres.

    So, den langen Sachkunde-Artikel zu gendergerechter Sprache in der taz vom Wochenende bin ich durch. Die taz überlässt (künftig) also ihren „AutorInnen“, auch den RedakteurInnen und allen anderen (?), die Unterscheidung is mir unklar, selbst zu entscheiden, ob sie Sternchen, Lücken, Binnen-I whatever verwenden. Frage ich mich nur, ob die das alle mitgeteilt bekommen und wie die Menschen in der taz sich entscheiden werden, die stets für Gleichberechtigung schreiben und gegen Ausgrenzungen … könnte Vorbildcharakter für mich bekommen.

    Bin gespannt auf einen Artikel zu dem Workshop.

  4. Meiner Meinung nach hemmen das Binnen-I und die Unterstrichlösung den Lesefluss.

    Bsp. 1: „Verbechen durch Deutsch Bank ManagerInnen“.
    Bsp. 2: „Jagd nach Kinderschänder_innen“.
    Bsp. 3: „Mehr männliche ErzieherInnen für KITAs gefordert.

  5. An das Binnen-I habe ich mich gewöhnt und nutze es selbst beim Schreiben fast durchgehend. Unterstrich oder * finde ich dagegen sehr schwierig, ich habe große Probleme beim Lesen, da mein Blick stolpert (genau wie bei fehlenden Großbuchstaben). Die taz als linke Informationsquelle verliert für mich ihre Funktion, wenn ich sie nicht mehr lesen kann. Solltet Ihr die Texte wie von Lann vorgeschlagen verändern, so bleibe ich zwar Leser und Abonnent (bessere Analysen als von Ulrike Herrmann finde ich nirgendswo!), aber mir würde das Lesen erschwert. Bitte nicht!

  6. Frage an die Moderation: Werden die nicht zum Thema des Blogposts geschriebenen Kommentare von User „Kampfschlesier!“ bleiben? Hintergrund, ich überlege, ob eine inhaltliche Erwiderung zu seinen kruden Thesen zur deutschen Verfassung hier Sinn macht?

    • #Kampfschlesier

      Jeder Internettroll sucht sich ein Forum, welches er als „Maskottchen“ in Beschlag nimmt. Der „Kampfschlesier“ hat sich die taz ausgesucht, wir nehmen es zur Kenntnis.

      Und nein, es macht ganz und gar keinen keinen Sinn auf seine Thesen einzugehen.

  7. Könnte mir bitte wer erklären, was genau mit positionierten Artikeln gemeint ist? Ich kann mir darunter wenig vorstellen. Vielen Dank im Voraus!

  8. bezeichnend ist die forderung nach „positionierten artikeln“. ich möcht bei artikeln sachlich, vielschichtig und ausgewogen informiert werden. positionirungen erwarte und wünsche ich mir bei kommentaren. den wunsch, bei der gesellschaft und mir „kontinuierliche Verunsicherung“ beim lesen von zeitungsartikeln auszulösen, empfinde ich befremdlich und tatsächlich – hoffentlich! – völlig ungeeignet mit vernunftbegabte menschen ins gespräch zu kommen. dass die gesellschaft und ich diese verunsicherung, als aufforderung verstehen sollen „über Dinge noch mal anders nachzudenken oder überhaupt neu zu denken“ wäre mir nie in den sinn gekommen. um was geht es denn überhaupt? kann man nicht normal und sachlich argumentieren und es tunlichst unterlassen den gesprächspartner kontinuierlich zu verunsichern zu versuchen?

    das bringt mich zum thema höflichkeit und achtung. das kann man von mir erwarten und erarte ich auch. tatsächlich empfinde ich es als zumutung, mur gedanken machen zu müssen wie ich mensch profx. hornscheid ansprechen soll. und text zu schreiben und zu lesen habe. ist das ihr größter wunsch mensch profx. hornscheid? gibt es nichts wichtigeres zu tun? übrigens gibt es sprachen, bei denen das personalpronomen 1. singular viel wichtiger ist, als das 2., um eine soziale struktur und selstverständnis auszudrücken. kinder sagen wörtlich übersetzt: die kleine maus hat heute eine 1 in mathe bekommen.

    • Kommentator Albert gebe ich recht. Ist gerade die taz nicht für eindeutig positionierte Artikel bekannt?
      Was Hornscheidt fordert, ist denn tatsächlich eine reine Herold-Funktion der Zeitung. Und DAS soll Journalismus sein?
      Journalismus soll – ausgewogen – berichten, differenzieren, beleuchten und kritisieren.
      Wir sind eine pluralistische Demokratie, Leute. Hornscheidt gibt mit ihrem Satz eindeutig zu, daß sie ihre skurrile Weltsicht, die selbst Linken allmählich auf den Geist geht, propagiert haben will.

    • Jede Kommunikation, jede Aussage, jede Geste ist eine Positionierung. Es gibt keine Neutralität oder Objektivität. Allerdings werden solche Kriterien oftmals verwendet um die tatsächlichen Machtverhältnisse zu verschleiern. Autor*innen, die das generische Maskulinum verwenden, eine Sprachregelung, die von der Männlichkeit als Norm und Universalie ausgeht, positionieren sich ebenso, wie andere, die andere, gendersensible Sprachregelungen benutzen.

      • @ histrio und albert:
        Nein, nicht jede Geste ist eine Positionierung, da zum Bsp. die deutsche Grammatik und Rechtschreibung bestimmte Regeln neutral vorgeben. Da irgendeine politische Haltung hineinzuinterpretieren, erinnert an den absurden Satz der 68er, alles sei politisch (Stuhlgang?).
        Daß die „Objektivität“ nicht existiere, ist eine taktische Aussage, die gern den Genderkritikern und sogar Naturwissenschaftlern vorgehalten wird.
        Die eigene politisch korrekte Haltung ist hingegen natürlich unbedingt „wissenschaftlich“, „objektiv“, „moralisch“ und so weiter.

        Aber schön, daß sie „gendersensible Sprachregelungen“ so nennen. Genau das sind sie nämlich: politisch gesäuberter Neusprech, wie bei Orwell. Big Mother* is watching you!

  9. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die taz generell die Unterstrich-Schreibung einführen würde, und zwar genau in der Form, wie im Interview vorgeschlagen.

    Im Prinzip wäre das ja auch eine Art des positionierten Artikels. Während andere Medien weiter verzweifelt versuchen, einen Schein von journalistischer Neutralität zu wahren, würde die taz so ehrlich und direkt zum Ausdruck bringen, daß ihre Beiträge aus einer bestimmten politischen und sozialen Perspektive geschrieben sind.

    Die taz-Journali_stinnen würden so im Print zu Vorr_eiterinnen des Meinungsjournalismus, der sich im Netz in Form vor allem von Blogs schon längst durchgesetzt hat.

    B20

  10. Die TAZ ist ein linksgrün versiffter Saftladen!!!

    Das Niveau bewegt sich auf der Tiefe einer Schülerzeitung!!!

    Und das von Anfang an!!!

    Der Kampfschlesier und Reichsbürger!

    • So helf mir doch jemand!!! Ich muss die Welt mit Unterhaltung beglücken! Wäre doch langweilig, wenn zur Diskussion um Lann Hornscheidt’s Forderungen nur sachlicher Austausch von Meinungen und Argumenten stattfinden würde. Regt sich bestimmt jemand auf über meinen kontextlosen Kommentar, hihi. Hoffe ich zumindest, bitte! Ich habe extra rechtsextreme Topics und Beleidigungen reingeschrieben!

      Mama, was? Ich bin gerade beschäftigt! Du siehst doch, dass ich am Computer schreibe! Nein, ich kann jetzt nicht mein Zimmter aufräumen!! Mist, ich muss aufhören. Hoffentlich sind die langweiligen Sommerferien bald vorbei :)

      • @Innere Stimme von Kampfschlesier!

        Da schau mal her, da ist tatsächlich eine linksgrün versiffte
        „Kanalratte“, oder soll ich besser gendergerecht schreiben,
        „KanalrättIn schreiben, aus dem Erdwurmloch herausgekrochen
        und schwingt unreflektiert die „Nazikeule“! Zitat:

        „Ich habe extra rechtsextreme Topics und Beleidigungen reingeschrieben!“

        Zitat Ende.

        Das zeugt wieder einmal von linksgrün versifften, infantilem Denken.

        Der Kampfschlesier und Reichsbürger!

        • Bei diesem „Kampfschlesier“ handelt es sich um Sie, richtig?
          http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&dig=2014%2F04%2F25%2Fa0022&cHash=9522b3d04e576d0f502f783fafe1ce41

          Wenn Sie die taz hier in den Blogs auch noch belästigen müssen, bitte. Ruhe vor mir werden Sie dann aber nicht finden.

          Der deutsche Verfassungsschutz definiert es übrigens als rechtsextrem, wenn die Verfassung nicht anerkannt wird und ein Fortbestand des Dritten Reiches behauptet wird. Oder sind Ihre Kommentare allesamt Käse und sollen vielleicht sogar satirisch wirken?

          • @leser,

            zur Info:

            https://www.bundestag.de/presse/hib/2015_06/-/380964

            Zitat:

            „Berlin: (hib/AHE) Das Bundesverfassungsgericht hat in ständiger Rechtsprechung festgestellt, dass das Völkerrechtssubjekt „Deutsches Reich“ nicht untergegangen und die Bundesrepublik Deutschland nicht sein Rechtsnachfolger, sondern mit ihm als Völkerrechtssubjekt identisch ist.“

            Zitat Ende!

            Wenn er/sie die Verfassung der BRD findet, dann bitte ich
            um eine Verlinkung oder Informationnen diesbezüglich…

            So, jetzt kann er/sie wieder in den linksgrün versifften Sandkasten
            einkehren, um sich dort mit seinen GenosssInen mit Förmchen zu bewerfen!

            Der Kampfschlesier und Reichsbürger!

  11. Ich kann nichts zur Sinnhaftigkeit von Hornscheidts Vorschlägen sagen, denn dazu fehlen mir sowohl das Fachwissen als auch die Perspektive. (Als weißer Hetero-Mann bin ich nun mal automatisch im privilegierten Teil der Gesellschaft.) Was mir aber aufgefallen ist: Wenn Hornscheidt bei der Blattkritik eine ähnliche Haltung hatte wie in diesem Interview, wundert es mich nicht, dass es zu keiner konstruktiven Diskussion kam.

    Denn ich erkenne in diesem Gespräch bei Hornscheidt selbst keinerlei Diskussionsbereitschaft oder Kritikfähigkeit: Horscheidt hat Recht, und alle die das anders sehen, sind (evtl. unbewusst) Sexisten.

    Wie, bitteschön, soll man, frau oder iks denn vernünftig mit einer Person diskutieren, die sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt und Widerspruch als Ausdruck von Sexismus deutet? Da bleiben zur Konfliktvermeidung doch nur unkritische Zustimmung oder stummes Aussitzen.

    Wie gesagt, das heißt nicht, dass alles, was Hornscheidt vorschlägt, Unsinn ist – nur dass hier wohl auch der Spruch mit dem Hineinrufen in den Wald gilt.

    Im Übrigen ist mir beim Verfassen dieses Kommentars schon mal ein praktisches Problem aufgefallen: Wenn gender-neutral, dann bitte auch mit passenden neutralen Pronomen. Ich hab‘ hier viel zu oft „Hornscheidt“ geschrieben, weil ich weder „er“ noch „sie“ noch „der Profx“ noch „die Profx“ schreiben konnte.

  12. In meinen Augen begibt sich die TAZ hier auf eine Gratwanderung.
    Einerseits will sie als Zeitung ihre Leser informieren. Unabhängig, offen, alternativ, gerne gegen den Strich gebürstet.
    Da hilft es, wenn Texte lesbar sind.
    Auch wenn zuweilen Sprachexperimente auch Fortschritte sein können.
    Aber wann werden prach- und Schreibexperimente so radikal, dass sie vom Lesen abschrecken? Ich habe mich dabei erwischt, bei den Unterstrich-Worten mit dem Lesen aufhören zu wollen, weil ich auf merkwürdig sinnfreie, weil halbierte Wörter traf. Ich vermute, dass man mich mit Unterstrich-Texten verlieren würde.
    Ähnlich bei den X-Wörtern, auch wenn diese eine enorme Sehnsucht nach meinen Asterix-Comics erzeugen. Ultimativer Sieg eines gallischen Dorfes, ein unerwarteter, später Erfolg der asterixinischen Kriege. ;-)

    Wie auch immer, bleibt bitte lesbar.

  13. In einem text unter anderem über Binnen-I, Unterstrich etc. wäre es ganz wunderbar, wenn der Unterstrich auch richtig verwendet würde: Leser_innen statt Lese_rinnen, Journalist_innen statt Journa_listinnen…

    • Liebe Charlotte,

      im Zuge der Bearbeitung des Textes, räumten wir Lann Hornscheidt auch die Möglichkeit ein, die zur Veröffentlichung bestimmten Äußerungen gegenzulesen. Einer der (wenigen), von Lann Hornscheidt, geäußerten Änderungswünsche betraf die Setzung der Unterstriche. Wir bilden nun im Interview die Form ab, wie sie von Lann Hornscheidt artikuliert wurde,
      also Lese_rinnen statt Leser_innen.

      Freilich kann man über diese Setzung diskutieren, wir respektieren jedoch zunächst einmal den Wunsch Hornscheidts nach dieser Form.

    • Ich bin mir ziemlich sicher dass der Binnenunterstrich hier absichtlich so gesetzt wurde, dass er den Wortstamm von der Geschlechsspezifischen Endung(ssilbe) und nicht wie üblich das männliche Wort von der weiblichen Endung trennt.

  14. Gottseidank gibt es die „JUNGE FREIHEIT“, deswegen brauche ich die TAZ und diesen unseligen xxl- Irrsinn nicht. Bin ich jetzt Nazi? Na, meine e-mail -Adresse wurde ja mit gesendet. Also, Behoerden, Massnahmen ergreifen.

  15. Häh, wo sind die ganzen Kommentare hin? Vor etwa einer Stunde gab es hier noch über 40 Stück. Im Augenblick sind es 21. Alle wegen Netiquette wegmoderiert?

    • Schlicht und ergreifend: Ja.

      Liebe Grüße aus dem Onlinebunker

      • Danke fürs wegmoderieren. Das war überwiegend grauselig, realitätsfern & unangenehm. Krass, dass man über das Ganze nicht entspannt reden kann – ob man das im einzelnen jetzt richtig findet oder nicht.

    • Ich vermute, der Link von bildblog hierher hat die Moderation vor eine harte Probe gestellt – man ist vermutlich einiges noch nicht gewohnt.

  16. Niedlich das Ganze. Als ich in die Schule gegangen bin sollten wir Buchstabenkombinationen nennen die nicht auszusprechen sind. fx, bx etc. Und nun? Wie soll man Profx denn aussprechen können? Es mag für Lann schwer sein, sich nicht einem Geschlecht zugehörig zu fühlen, aber darum ein unaussprechliches Wortkonstrukt als sinnvoll vorzuschlagen macht weder Ihre/Seine/was für ein Wort brauche ich jetzt Situation besser, aber die aller anderen schwieriger. Besten Dank.

  17. Sprache ist ausgrenzend. Jugendsprache entwickelt sich (unter anderem), um von den Erwachsenen nicht verstanden zu werden oder zumindest eindeutig eine Gruppenzugehörigkeit zu verdeutlichen.
    Das gleiche gilt für andere Sprachentwicklungen auch. Und der männliche Plural oder die meistens männlichen Berufsbezeichnungen bilden ebenfalls nur ab, was (ob unterschwellig oder offen) das Gesellschaftsbild der Sprecher, Schreiber, Leser oder Zuhörer widerspiegelt. Während mit Ingenieur (dem männlichen Plural) alle gemeint sind, egal ob Männlein oder Weiblein ist das bei Hausfrauen nicht der Fall. Niemand denkt bei der Bezeichnung Hausfrau an Männer. Oder?

    Vor diesem Hintergrund hat Profx Lann Hornscheidts Position ihre Berechtigung. Trotzdem wird eine Sprache niemals politisch Korrekt sein, da sie die Ausgrenzung immer mit sich führt. Seien es Fremdworte oder Fachtermini, seinen es Slangausdrücke oder gramatikalische Vereinfachungen.

    Ob die vorgeschlagenen Lösungen zu mehr Akzeptanz führen, wie sich dies Profx Hornscheidt wünscht ist ein anderer Punkt. Das Binnen-I fällt in jedem Fall auf. Es unterbricht den Lesefluss. Zum einen, weil die Gewöhnung aufgebrochen wird (beabsichtigt) zum anderen aber auch, weil es nicht sehr leicht lesbar ist (vor allem bei einer Zeitung eher unbeabsichtigt). Wir haben es hier mit dem Deutschen auch gar nicht so einfach. Besonders, weil die meisten Gruppenbezeichnungen eine männliche wie eine weibliche (innen) Form haben, bei der die männliche Form aber eben immer die gesamtheitliche Form darstellt. Mir gefällt die von Profx Lann Hornscheidt verwendete x/icks Form in der Hinsicht deutlich besser, da diese Form nach einiger Zeit auch ähnlich leicht zu lesen sein dürfte wie alle heutigen Bezeichnungen. Bei den Binnen-Is fürchte ich wird dies nie erreicht werden, da die Form der Tendenz zur Vereinfachung in jeder Sprache doch sehr zuwider läuft.

    • „Mir gefällt die von Profx Lann Hornscheidt verwendete x/icks Form in der Hinsicht deutlich besser, da diese Form nach einiger Zeit auch ähnlich leicht zu lesen sein dürfte wie alle heutigen Bezeichnungen.“

      Ich finde das X nach einem Konsonanten auch nicht wirklich schön zu sprechen. Profx mutiert beim sprechen dann wahrscheinlich immer weiter in Richtung Profix.

    • Dann mache ich aus linguistischer Sicht einen neuen, vermutlich auch aufsehenerregenden, Vorschlag. Bevor die Folgestreitereien um die Flexion von Nomen losgehen, erfinden wir einfache neue bestimmte und unbestimmte, geschlechtsneutrale Artikel für Lebewesen – diks und einsiks. Alle eindeutig männlichen Lebewesen werden mit „der“ klassifiziert, weibliche mit „die“, leblose Objekt mit „das“ (das Hose, das Rock) und wo wir es nicht wissen, oder im Kontext nicht äußern wollen, eben „diks Professor“ oder „einsiks“ Informatiker. Was machen wir dann aber mit Toilettenfrau – ich habe da noch nie ein männliches Äquivalent zu vernommen?

      • Toilettenmann?

        Oder einfach „Fachkraft für Sanitärhygiene“.

      • Warum so umständlich? Die dafür notwendige Form gibt es bereits – das Neutrum. Nicht nur für Objekte, auch für Lebewesen, solange das biologische Geschlecht im Kontext unbeachtlich bleiben kann. Das heißt auch, dass das generische Neutrum der Standard werden muss und eben nicht das generische Maskulinum.

  18. Abgesehen davon das sprachliche Verrenkungen mit Sternen, Strichen etc. schon daran scheitern das man sie kaum aussprechen kann ist es vollkommen korrekt von Fußballweltmeisterschaften und Frauen-Fußballweltmeisterschaften zu sprechen.

    Die offiziellen, vom Veranstalter gewählten Namen, sind nun mal „FIFA World Cup“ und „FIFA Women’s World Cup“.

    • Ich widerspreche heftigst: als Volleyballspieleriks fühle ich mich auch immer ausgeschlossen, wenn mit der einfachen Angabe von Weltmeisterschaften oder Bundesliga impliziert wird, jeder weiß, das wir gerade vom Fußball reden. Und da sehe ich für den Profiks noch erheblichen Forschungs- und Vorschlagsbedarf.

      • Im Beispiel wird explizit von Fußballweltmeisterschaften gesprochen.

        Mir geht Fußball am allerwertesten vorbei trotzdem ist Deutschland eben Fußballland und die Leute wissen in der Regel wovon man spricht wenn man von der WM redet.

        • in Ihrem Beispiel wird explizit davon gesprochen, aber in vielen Medien sind Begriffe wie WM oder Bundesliga automatisch mit Fußball assoziiert. das ist genauso diskriminierend wie Endungen mit oder ohne -in.

          Mir geht die ganze Diskussion am Allerwertesten vorbei, Sprache ist ein Prozeß, den man definitiv nicht durch Verordnungen oder Regeln dermaßen beeinflussen kann, wie es sich manche Vertreter manchmal etwas schräg interpretierter Sozialwissenschaften wünschen.

    • Das liesse sich doch einfach lösen. Lasst die Frauen mit den Männern spielen, schon gibt es nur noch eine WM.

    • Außerdem dürften die Statuten der FIFA keine Einschränkungen bezüglich des Geschlechts der Teilnehmer der Fußball-WM beinhalten, bei der Frauenfußball-WM sind Spie_lerinnen mit Y-Chromosom dagegen nicht zugelassen. OK, gemischtgeschlechtliche Mannschaften im Fußball werden wohl in der Spitze noch länger auf sich warten lassen, ausgeshlossen ist es aber nicht.
      Im Schach z.B. kenne ich kaum noch Turniere ohne weibliche Beteiligung, reine Frauen- (bzw. Mädchen)wettbewerbe schon.

    • Nur weil etwas formal korrekt oder „offiziell“ ist, heißt es noch lang nicht, dass es „gut“, „unproblematisch“ oder „wünschenswert“ ist.

      Es ist kein Naturgesetz, dass die Veranstaltungen so benannt sind, wie sie benannt sind. Sie könnten auch anders heißen. Man könnte ja zum Beispiel darüber nachdenken, warum die FIFA ihre Veranstaltungen wohl so nennt und welche Sexismen, Machtverhältnisse und Selbstverständlichkeiten dahinter stehen.

  19. Ist mal wieder bezeichnend, dass sich hier fast ausschließlich Männer zu Wort melden. Die grundlegende Aussage besteht dann darin, dass die überkommenen Schreibweisen genügen, schließlich sind die Männer auf jeden Fall gemeint. Frauen sollen sich mal nicht so anstellen, können sich doch mitdenken. Schnarch…

    • Wer hindert Frauen daran, hier zu antworten? Woher wissen Sie, daß sich hinter einigen Namen nicht vielleicht Frauen, hinter anderen überraschenderweise Männer verbergen?

      Im übrigen gehorcht Sprache weder Ihren Befehlen noch denen eines Professoriks.

    • Und wenn ich Deinen Satz umdrehe und sage „Ist mal wieder bezeichnend, dass sich hier fast keine Frauen zu Wort melden“, ist das sexistisch?
      Wenn Frauen nicht genug Motivation haben, auf so einen Artikel einen Kommentar zu schreiben, was sagt das über Frauen aus?
      Was sagt das über das ganze Thema aus?
      Vielleicht, dass das Verwenden von Kunstworten in der Schriftsprache Frauen im realen Leben nichts hilft.
      Vielleicht aber auch nicht.
      Wenn Frauen sich zu diesem Thema nicht äußern, kannst Du Dich gerne bei den Frauen beschweren, nicht bei den Männern, nur weil Letztere motivierter sind, hier einen Kommentar zu schreiben.

  20. Probleme von Wohlstandseuropäern. Albern.

    • Probleme von Wohlstandsdeutschen. Andere Länder machen so einen Quatsch nicht mit oder das „Problem“ stellt sich anhand ihrer Sprache erst gar nicht.

      Wie derdiedas Volleyballtype schon beispielhaft zeigt, wird jeder Krümel seine sprachliche Berücksichtigung anmelden und am Ende kann man die deutsche Sprache gar nicht mehr verstehen oder sprechen.

      Schon alleine diese Seite inkl der Kommentare wäre selbst für Monty Python in den 70ern zu absurd und albern gewesen.

      • Sie haben das falsch vestanden. Mir persönlich is es Wurst, ob man von Bundesliga oder Fußballbundesliga spricht, genauso dieser -innen oder noch absurder zu lesen, Innen-I-Quatsch. Es geht in erster Linie darum, was gemeint ist, der Rest spielt sich im Kopf ab. Egal, wie man es nennt oder nennen darf oder muß.

        Das Beispiel mit Bundesliga und Volleyball sollte einfach zeigen, daß es absurd ist, Sprache regulieren zu wollen. Es gibt nun mal Begrifflichkeiten, die sind aus welchen Gründen auch immer, schon eindeutig besetzt, auch wenn sie nicht unbedingt eindeutig sind. Daran ändern Verordnungen nichts und daran ändert sich auch nichts, wenn jeder seine Besonderheit in sprachlicher Form geregelt sehen möchte.

  21. Geschriebene Sprache hat für mich vor allem eines zu sein: Ein Abbild der gesprochenen Sprache.
    Daher sind Binnen-I und Unterstrich_innen für mich einfach Konstrukte, die den Lesefluss hemmen, weil sie kein Pendant in der gesprochenen Sprache haben. Und daher sind sie in einer Debatte über Sexismus in der Sprache (!) keineswegs hilfreich.

    Daneben muss bei einer solchen Weiterentwicklung auch an Nebenwirkungen gedacht werden: Aus „Krankenschwestern“ wurden zunächst „KrankenpflegerInnen“ und später „Pflegepersonal“. Damit geht aber auch der Bezug verloren, dass es sich dabei um Menschen handelt und nicht nur eine Kostenposition in Gewinn- und Verlustrechnungen großer Konzerne.

    Die deutsche Sprache kennt das „männliche“, „weibliche“ und „sächliche“ Geschlecht. Die Angst davor, durch die Unterscheidung von „männlich“ und „weiblich“ in Sexismus zu verfallen, sollte uns aber nicht zu „Sachen“ machen.

  22. Ich amüsier mich immer mehr, je tiefer ich – auch Linguist nebenbei bemerkt – hier eintauche: wie aufsehenerregend war denn dieser Vorschlag mit der IKS- oder X-Endung? Zumindest an mir ist er vorübergegangen. Und warum ist die taz ein-was-auch-immer-Projekt? Ein Projekt ist im technischen Sinne etwas, das zeitlich befristet bis zum Erfolg (seltener und nicht erwünscht: Scheitern) existiert – da hoffe ich doch mal, daß die taz eher unbefristet bleibt. Dieser hanebüchene Unsinn, alles als Projekt zu bezeichnen, hat sich gerade vor ca 20 Jahren heftigst in die Medien eingeschlichen.

    Vielleicht wäre es auch mal ein Thema, sich über bestimmte Phrasen, die in den Medien immer wieder auftauchen (und einer sich selbst als kreativ bezeichnenden Branche ob der sprachlichen Einfalt/Schlichtheit/Monotonie unwürdig sind), auseinanderzusetzen?

    – Projekt
    – Wie fühlt es sich an?
    – belastbare Aussagen
    – konfrontieren ABC mit…
    – Buzzern, Einloggen
    – machen den Check, checken
    – Kreativbranche (was die Schlußfolgerung zuläßt, daß höchst kreativ arbeitende Bauingenieuriks oder Informatiks in einer Unkreativbranche tätig sind)

    • Ich vergaß das wichtigste Wort: Experten

      Berufs- oder Tätigkeitsbezeichnungen scheinen gerade kein medialer Sprachtrend zu sein, stattdessen „Expert für ABC“ oder „Experten haben herausgefunden“. Der Leser/das Zuhörer/die Lesixen oder Zuhöriksis werden es bei Google schon allein herausfinden, wenn es ihn/sie/iks interessiert.
      Noch absurder wird es, wenn die Überschrift behauptet mehrere Personen („Experten“) hätten irgendwas gesagt, aber im Text genau ein Expertiks (nicht verwechseln mit Expertise) zitiert wird – das ist eine sprachliche Inkongruenz, die mich mehr auf die Palme bringt als der Gedanke an sexismusauflösende Präfixe.

      Das deutsche Medium, das 24 Stunden (Radio, Fernsehen) oder in seiner gesamten Ausgabe (Print) oder in allen Artikeln auf der Startseite (online) ohne das Wort Experte auskommt, schlage ich für den Literaturnobelpreis vor.

  23. Alles, was ich so über die Sprache weiß – sie entwickelt sich und man kann aus diesen Entwicklungen Regeln für Syntax, Verwendung, Grammatik, auch soziologische und gesellschaftliche Stimmungen und Fakten etc. ableiten – es ist nahezu unmöglich, Wörter oder gar Grammatiken (um die geht es hier) zu verordnen. Ein Luxusproblem, bei der die selbstbewußte Frau, die noch aus der DDR stammt, einfach nur abwinkt und sich denkt: ham wa nüscht Besseret zu tun? Möchte auch mal wissen, was persische Frauen, solange sie sich nicht selber in diesen höchst grotesk übertriebenen Zweig der Soziologie – Gender – verorten, dazu sagen – bei dem hohem Bildungsniveau finden die andere rechtliche Gleichstellungen – auch symbolisch Art – sicher wichtiger als Präfixe und Suffixe.

  24. Unbeantwortete Frage Nr. 2:
    Haben Sie sich so als quasi universitärer Theoriemensch eigentlich Gedanken darüber gemacht, was die Umsetzung von gendergerechteren Umgangsformen im Alltag für Probleme mit sich bringen würde? Wie mensch diese Probleme in den Griff bekommen würde?

    Bei mir hat das Lesen der taz über die Jahre viele Verhaltensänderungen bewirkt. Ich gehe beim Sehen von anderen Menschen nicht mehr durch die Welt und denke unterbewusst bis bewusst: Frau, Mann, Frau, Mann, Mann, Frau, Mann, Frau … Ich Orden nicht mehr wie die meisten Menschen andere automatisch einem Geschlecht zu, da ich niemanden durch meine Reaktion zu nahe treten möchte. Der Haken dabei? Meine Alltagswelt ist anonymer, da individueller geworden. Verallgemeinert: Anonymität kann ordnungspolitisch für zusammenhaltende Massen von Menschen Nachteile bei der gemeinsamen Abwehr von Gefahren mit sich bringen.

  25. Unbeantwortete Frage Nr. 1:
    Kann die taz den deutschen Pressekodex weiterhin erfüllen, wenn sie sich sprachlich aktiv bis aktivistisch für die Anerkennung von kleinen bis sehr kleinen Minderheiten engagiert?

    Im Pressekodex heißt es, dass die Presse ihr Ansehen schützt. Was praktisch als Ansehen im Sinne von Zeitung kaufen und ansehen gelesen werden kann. Wenn es hieße, das ist doch die Zeitung mit den schwer leserlichen Artikeln. Weniger verkaufte tazzen, weniger versorgte Presse, weniger taz-Berichterstattung überhaupt.

    • Schuldigung, dass ich mich einmische. Der „Pressekodex“ ist doch nur ein verstaubtes Schriftstück. Irgendwo müssen gesellschaftliche Veränderungen anfangen. ;)

  26. An Lann Hornscheidt:
    Den Vorwurf von Rassismus in der taz oben im Text hätte ich überzeugender gefunden, wären wie beim Aspekt des ausgrenzenden Genderns in der taz konkrete Beispiele genannt worden.