Auch dieser Hausmeister-Poller wurde infolge von Wiedervereinigung und Privatisierung ausgemustert. Die neuen Investoren – aus Hamburg und Wiesbaden (damals wurden sie noch nicht Heuschrecken, sondern scheue Rehe genannt) – wollten alles inklusive Personal ganz neu und schick haben: in dieser Fabrik bei Magdeburg. Aber dann ging ihnen das Geld aus. Und seitdem verrotten die Dinge da vor sich hin.
Archive for Mai, 2007

Welch ein Unterschied: Einmal ein Interview mit dem IG Metall-Funktionär und Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat Wolfgang Müller über die von Siemens finanzierte gelbe Gewerkschaft AUB. Und zum anderen zwei Interviews mit dem Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Comme über den Korruptionsskandal. Beginnen wir mit dem ersten – abgedruckt in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift konkret:
konkret: Wer steckt hinter der »Arbeitsge-
meinschaft Unabhängiger Betriebsangehöri-
ger« (AUB)?
Müller: Anders als in den Medien oft dar-
gestellt, ist die AUB keine Gewerkschaft, auch
keine Klientel- oder Splittergewerkschaft, son-
dern ein von Herrn Schelsky gegründetes Per-
sonaldienstleistungsunternehmen. Erklärtes
Ziel ist es, dem Wohl des Unternehmens zu
dienen. Eine Dienstleistung unter vielen ande-
ren, die Schelsky seinen Kunden bietet, ist es,
ihre Unternehmen möglichst gewerkschafts-
frei zu halten »union busting« nennt man
das in den USA. Doch anders als in den USA
benötigt man… weiter lesen
Diese beiden sowohl mobilen als auch variablen Poller als eine Art serielle Unikate bastelte der Hausmeister eines ehemaligen DDR-Ministeriums in Ostberlin – auf die Schnelle während der “Umbauphase” des Gebäudes. Sie landeten anschließend auf dem Müll – und er im “Vorruhestand”, danach arbeitete er gelegentlich für eine Sicherheitsfirma aus Köpenick als Objektschützer – “wenn mal wieder Not am Mann” war.
Im Katalog einer Ausstellung des Deutschen Historischen Museums über die “Bohème in der DDR” (unter der Leitung des schrecklichen Münchners Stölzl noch entstanden ) heißt es im Kapitel “Kleine Ökonomie der Bohème/ Freiräume in der Planwirtschaft”:
“Liest man in den biografischen Anmerkungen von DDR-Bohemiens, stellt man erstaunt fest, wie oft diese über Jahre, manche sogar über Jahrzehnte als proletarische Hilfskräfte tätig waren und mit welcher Selbstverständlichkeit sie diese biografische Periode heute noch der Erwähnung für würdig erachten. Diese Wertschätzung des Hilfsarbeiter-Status hat einen triftigen Grund: Er bot vielen freizügig lebenden Bohemiens, vor allem in der nach Wolf Biermanns Ausbürgerung einsetzenden kulturpolitischen Eiszeit, einen juristischen Schutz vor der möglichen Kriminalisierung, die mit der in der DDR verankerten Arbeitspflicht gegeben war. Jemand, der sich ohne staatliche Genehmigung und vorzeigbaren Hochschulabschluß zum (Lebens-)Künstler stilisierte und keiner geregelten Arbeit nachging, mußte damit rechnen, als Asozialer strafrechtlich verfolgt zu werden. Damit verfügte der Staat über… weiter lesen
Um das Parken direkt vor diesem Restaurant in Böhmen zu verhindern, mußten Poller her. Die Stadtverwaltung weigerte sich, welche aufzustellen, deswegen wurde der Hausmeister aktiv: Er schuf aus Beton drei an schlafende Kamele gemahnende Formen, die ihm zur Verkehrsabweisung geeignet schienen; damit sie nicht übersehen wurden, strich er sie gelb an, anschließend wurde das Ganze noch mit drei roten Querstreifen verziert.
Kellnerinnen und Putzfrauen gehen in einer Schicht manchmal 30 Kilometer. Die eher im Sitzen arbeitenden Kuratoren des Kunstraums Kreuzberg im Bethanien bereiten derzeit eine Ausstellung über das Gehen vor: “Walk! Spazierengehen als Kunstform – Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Gehen“. Dazu haben sie einen Wettbewerb ausgerufen: “Gesucht wird der liebste, der schönste Spaziergang dieser Stadt.”
Die Idee geht auf den Berliner Verleger Martin Schmitz zurück, der kürzlich einen Lehrauftrag für Spaziergangswissenschaft an der Uni Kassel bekam, wo schon der Basler Spaziergangsforscher Lucius Burckhardt seit 1987 “Promenadologie” lehrte – ein Fach, für das er lange und leidenschaftlich warb. Burckhardt starb im Sommer 2003.
1981 traf er sich mit mir, der ich gerade von einem Langen Marsch zurückgekehrt war – von der Wesermarsch in die Toskana, wobei jedoch ein Pferd mein Gepäck getragen hatte. Zuvor, 1978, hatte ich auf dem Tunix-Kongress in Berlin ein Flugblatt verteilt, in dem ich davor… weiter lesen
Diesen Poller schweißte der Hausmeister einer kleinen Textilfabrik bei Florenz zusammen – aus drei Eisenstücken, die er anschließend rot anstrich.
Der Bundestag beschäftigt Putzfrauen, die von ihrer Reinigungsfirma noch 2,50 Euro weniger bezahlt bekommen als der tarifliche Mindestlohn für Gebäudereiniger vorsieht: 7,78 Euro pro Stunde. Die Firma meinte dazu, dass die Putzfrauen zu langsam arbeiten würden, um ordentlich entlohnt zu werden. Als das ruchbar wurde, beschloss der Bundestag, erst die IG BAU als Anzeiger zu rügen und dann den Vorfall zu prüfen, gegebenenfalls der Reinigungsfirma zu kündigen. Auch die taz beschäftigt eine solche Firma. Man müßte deren Putzfrauen mal fragen, was sie verdienen. Sie sind aber schwer zu interviewen, denn sie kommen um vier Uhr nachts und gehen wieder, noch bevor morgens die ersten taz-mitarbeiter das Rudi-Dutschke-Haus in der Rudi-Dutschke-Straße betreten – “Dutschkes später Sieg” laut Berliner Kurier. Und ob sdie Putzfrauen überhaupt bereit sind, Journalisten ihre Stundenlohn zu verraten?
Kurz vor der Fußball-WM wurde den Putzbrigaden in sechs Fünf-Sterne-Hotels der Lohn pro Zimmer von 3,58 Euro auf 2,90 Euro… weiter lesen
Der Privatpoller der Hausmeisters Bernd Henning in der Berliner Muskauerstraße 42. Er benutzt ihn als sozusagen ruhender Pol im Wohnzimmer, um den herum er die für ihn notwendigen Dinge des Lebens vorübergehend stapelt bzw. ablegt.
Der Streik der Telekom-Bediensteten geht in die zweite Woche. Die ehemalige Krankenschwester Angelika meinte, man müsse sie unbedingt unterstützen. Das leuchtete mir ein, aber wo sind sie – mit ihren Streikutensilien?
Im “Freitag” von gestern schreibt Robert Kurz:
Verliert Verdi, wird niemand mehr an die Eingriffsmacht der Gewerkschaften glauben
Scheinbar alles wie gehabt: Gewerkschaftsfahnen, Transparente, Trommeln, lokal begrenzte Nadelstich-Streiks und die Hoffnung auf den erträglichen Kompromiss. Aber was durch den aktuellen Export-Hype bei den Metallern noch einmal funktioniert hat, ist nicht nur bei der Telekom längst Nostalgie. Dem “Rausch des Aufschwungs” (Die Zeit) kann angesichts der wackligen Weltkonjunktur alsbald der große Kater folgen. Ganz unabhängig vom aktuellen Export-Boom geht so in vielen Branchen der soziale Kahlschlag ungebremst weiter. Der beispiellose Versuch der Telekom, 50.000 Beschäftigte bei drastischer Lohnsenkung und Arbeitszeitverlängerung in Tochtergesellschaften auszulagern, markiert eine neue Qualität des Bruchs mit dem Nachkriegs-Sozialkompromiss.
Ein Gelingen dieser Attacke hätte Signalwirkung für die… weiter lesen