(Photo: Peter Grosse)
In den Sozial- und Geisteswissenschaften redet man gerne von schwachen bzw. starken Thesen und Begriffen, in der (Latourschen) Wissenschaftssoziologie spricht man nun – ähnlich wie die Schimpansenforscher im Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie – von einer “schwachen” und einer “starken Moral”. Zuvor war bereits von Moral versus Zwang die Rede gewesen. Konkret herausgearbeitet hatten Bruno Latour und Michel Callon diese Begriffe am Beispiel von “Spead-Breakern” (- sogenannte “sleeping cops”, mit denen man Straßen verkehrsberuhigt) und Pollern (Straßenbegrenzungspfähle, auch “stumme Polizisten” genannt, die das Parken auf Gehsteigen verhindern).
Mit dieser Technik aus Beton, Stahl und neuerdings Elektronik wird die zu “schwache Moral” der Autofahrer ersetzt durch eine “starke Moral” der Technik: Statt an ihren Altruismus (Nimm Rücksicht auf Fußgänger!) zu appellieren, verläßt man sich dabei umgekehrt auf ihren Egoismus – als Autobesitzer, die sich von den Pollern bzw. Speed-Breakern nicht die Karosserie ramponieren lassen wollen. Die… weiter lesen

