I. Als Thomas vor einigen Jahren seine Paradontose-geschwächten Zähne dem Zahnarzt seines Vertrauens vorstellte, fragte der ihn nach seiner Lebensperspektive. Thomas verstand erst nicht, dann war er entrüstet. Was soll man denn sagen: Ich will noch dreißig Jahre leben, davon noch zwanzig Jahre kauen können?! Aber genau so ist die Frage gemeint: Wie lange sollen die Zähne noch halten? Danach bestimmt sich, wie viel in sie investiert werden muss.
Thomas wird nichts investieren, weil er nichts zum Investieren hat. Wir haben uns entschieden, ein Leben in selbstbestimmter Armut zu führen; und die ärztliche Kunst ist kostspielig. Wir sind beide in einer Zeit groß geworden, in der das Zähneputzen vor allem dem schlechten Atem vorbeugen sollte. Es wurde daher auch nur morgens kontrolliert. Bis die verheerenden Folgen dieses Aufklärungsmangels wirklich durchschaut und schlechte Gewohnheiten dauerhaft korrigiert sind, ist das Zahnfleisch bereits auf irreversiblem Rückzug.
Meine Zähne sind noch viel schlimmer dran… weiter lesen