Der Tag ist heute also. Ich wache auf. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ach so, O. und I. sind im Bauwagen; ich bin im Haus. Ich weiß nicht, was für ein Tag ist. Ich probiere alle Tage durch. Kannsein Dienstag, das hieße: polnisch. Kannsein, schon Mittwoch. Ach nein, I. ist ja heute nicht in ihrem Laden sondern zuhause erreichbar. Also ist kein Wochentag. Samstag. Samstag vor Pfingsten. Was muss ich heute machen, was wollte ich heute machen? In der Charité anrufen, dann I. anrufen. Sonst Zeit, Nachmittags nach Biesenthal vielleicht, vielleicht auch nach Berlin. Die Katze spürt durch die Tür, dass ich mir Gedanken mache. Sie bringt sich in Anschlag: Mrräh. Mrrau. Braucht sie Futter, muss sie dringend raus? Wieviel Uhr? Neun Uhr. Das geht. Aber für was? Gemessen an was? Was war denn heute? Ach, die Pfingsttagung ist ja. Ich wollte da wenigstens heute hingehen. Aber es ist… weiter lesen
Archive for Mai, 2009
ich bin nicht in Stimmung zum Schreiben. Ich drücke mich in Warteschläuchen vor Intensivstationen rum, telefoniere mit Ärzten, sortiere Unterlagen, warte, mach mir Gedanken…
Natürlich könnte ich versuchen, meine Bedrücktheit sprachlich zu formstabilen Briketts zu verarbeiten, aber ich habe das Gefühl, dass ich zur Zeit in der Verwirrung besser aufgehoben bin. Kein Wort mehr.
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gestern: ging einfach nichts dazwischen. Nicht ein Blatt Papier oder fünf Sätze im blog.
Samstagnachmittag Tauschmarkt in Dahmsdorf. Rübel zum Tauschen austeilen und wieder einsammeln, die Buchhaltung auf Datei umstellen. Ein paar Einkäufe, ein paar Gespräche. Einpacken. Nach Altbarnim zu den Kunst-loosen Tagen auf W.’s Hof. Die Installationen laufen noch, die Gäste sind schon fort. Die AusstellerInnen hängen schlapp da. Wir hängen uns dazu. Auch schlapp. Ein Glas Wein im Abendlicht. Zurück. Nudeln mit Salat am Bauwagen. Bisschen Feuer noch, aber das erreicht uns nicht mehr. Jeder geht seines/ihres Wegs.
Sonntagmorgen. Thomas schon los mit dem Roller. Ich noch Kuchen fertig machen, Sachen für Popcorn zusammensuchen. Ist doch stilvoll zum Thema „Mais in meiner Hand“. Mit dem prekären lila Auto los, das wir für zehn Tage gegen unsere schicke Limousine eingetauscht haben, damit damit zwei junge Frauen an verheißungsvolle Orte fahren können. Ich also mit… weiter lesen
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gestern: saßen die W.’s und ihre Gäste auf der Rasenfläche ihres Vierseitenhofes und bewunderten den üppigen Kirschbaum in der Mitte, wie er so üppig ist. Aber die Stare, die Stare. Wie verteidigt man die Kirschen gegen die Stare, die in der Masse auch den üppigsten Kirschbaum niedermachen, noch bevor die Menschen Freude an den Kirschen haben konnten? Böllerschüsse, Alu-Streifen. Einer erzählt, dass ein Freund einen Ghettoblaster in den Baum gehängt hat, der rund um die Uhr Tekkno-Musik von sich gegeben hat.
Der Eingangsbereich der U-Bahn-Station gegenüber vom Bielefelder Hauptbahnhof hat einen postmodernen Vorbau, ein in die Stadtlandschaft hineinragendes aufgefaltetes Glasdach, das die in die Tiefe führenden Rollgänge gegen den Regen schützt. Gegenüber ist der Spätkauf. Unter dem postmodernen Haken sammeln sich die Menschen, die gern ihren Alkohol draußen und in Gesellschaft zu sich nehmen. Das soll nicht sein. Sie verschmutzen das Stadtbild und besonders die teure postmoderne… weiter lesen
Der Tag ist schon vorbei. Vergisses. Morgen ist auch noch einer.
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Am Morgen fliegt eine dicke Fliege ganz nah um meinen Kopf herum, oder ist das eine Mücke? Aber da ist doch das Moskitonetz dazwischen. Das ist auch keine Mücke, der Ton ist tiefer. Eine Fliege oder vielleicht sogar eine Hornisse?? Das Brummen schnürt sich immer enger um meinen Kopf, von einem Ohr zum anderen, auf gerader Bahn jetzt. Die Hornisse ist in meinem Kopf!
Viele Flaschen Wein, viele Gläser, lampka wina czerwonego, eine Flasche Grappa mit einem grotesk zusammengeschmurgelten Flaschenhals, soll elegant aussehen, eine kleine Flasche mit gelblicher Flüssigkeit, selbst aufgesetzter Brennnesselschnaps, der nach Acker schmeckt und schläfrig macht. Ein Lichtraum unter dem Walnussbaum, in dem sich fünf lachende Gesicher einander zuwenden, die Geschichten sich umschlingen. „Wir machens wie die Kölner. Keiner geht allein“, sagt J. „erst wenn einer mitgeht, sagt der Kölner zu dem:‚lo mer jonn!’ und dann isser weg.“ Thomas geht dann aber doch alleine.
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kein Eintrag heut. Zu lang schon im Bett gearbeitet, Texte korrigiert. Jetzt aufstehen und Dinge tun, die getan werden müssen.
Meine Tomatenpflänzchen sind stramm und kerngesund. Die pflanz ich jetzt.
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Der durchdringende Blick, der bohrende Blick, der Blick, der nicht ausweicht. Das Auge scheint eine Waffe zu sein. Das Ohr erleidet. Geräusche fallen in es hinein. Das Auge schweift suchend, wählt aus, richtet sich aus, fixiert sein Objekt.
Blickkämpfe. Dem Blick standhalten. Den Blick senken heißt die Waffen niederlegen. Blicktechniken. Augenaufschlag, langsam und erotisch, nervös flatternd. Dem Gegenüber aufs Nasenbein gucken. Schnell zwischen seinen Augen hin und her springen.
Manche lassen ihren Blick auf mir ruhen, tauchen ein und paddeln in aller Seelenruhe in meinem Augenlicht herum, bis mirs zu blöd wird und ich woanders hingucke. Wie machen die das, wie halten die die Intimität aus.
Das Geheimnis ist die Küchengardine. Auch Scheibengardine genannt. Die dünne Gazeschicht hinter der Scheibe macht, dass man, solange es draußen hell ist, rausgucken kann, ohne selbst gesehen zu werden. Diese blickdichten Menschen halten ihr Inneres verhüllt. Die… weiter lesen
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Erschöpfung. Landephase. Gefahr der Depression. Liegen am kalten Feuerplatz. Auf dem Theaterbett.
Der Himmelrand im Westen ist gülden rot. Vor dem hellen Blau tuscheln Robinienblättchen in den hohen Zweigen. Sie tuscheln und tuscheln; die Ahornblätter geben winkend Antwort. Wolken wie Trekkerspuren, graue Aufprägung in der Abendhelligkeit. Sie ziehen voran, sind dann weiß vor dem dunkleren Blau. Ein Stern. Er bewegt sich: Ein Flugzeug das strahlt wie ein Stern. Oder ein Satellit mit Sonnensegeln. Und überall der Große Wagen. Späte Schwalben fliegen Zickzack. Oder Fledermäuse.
Der Vergnügungsdampfer MS Reichenow kommt zur Ruhe. Das Lachen verebbt. Die Lichter hinter den Kajütenfenstern gehen an. Die Geselligkeit wird in kleine Portionen geteilt. Ich bin fern. Und nah.
heute: Nacharbeiten von gestern. Hoffentlich nicht zu verschlingend. Wäsche waschen. Weitere DVDs brennen. Das Filmchen für die Wartenberg-Installation zusammenstellen. Vielleicht schon den Highländer-Trekk einspielen.
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gestern: Vom Aufbau der Fensterleibung gesehen ist in meinem Keller radioaktives Material eingemauert. Und zwar endgelagert. Der reine, stahlharte Beton. Thomas und die Dreiertruppe haben mit kleinkalibrigen Maschinen – einem Bohrhammer und einer Bohrmaschine, was gerade zurhand war – daran rumgeknuspelt. Gegenüber, auf dem Schlossvorplatz ist eine heitere Hochzeit. Der Bohrhammer wird eingesetzt, nachdem die Gesellschaft im Schloss verschwunden ist. Die Jungs stemmen bis abends, aber der Betonberg will nicht weichen. Das wird nun heute schwer, den Rest der Kellerwand freizulegen.
Die Fensterleibung ist genau genommen eine 1 qm große Rutsche für Kohlen. Hinter dem Fenster liegt der Heizungskeller, der zusammen mit den zwei Räumen darüber in den 70er Jahren an das alte Kutscherhaus angebaut wurde. In der Zeit wurden auch normale Wände oft mit Betonmörtel aufgemauert. Was ist die Idee dahinter? Sollte der Sozialismus für alle Zeiten gegen die Revanchisten befestigt werden, die als Wühlmäuse, Frostrisse und… weiter lesen