22.09.2011 von Imma Luise Harms
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Im herrschaftlichen Schlosspark lag der See. Alte Reichenowerinnen erzählen, dass sie ihn nach dem Krieg das erste Mal zu Gesicht bekommen haben. Im Privatvergnügen der Familie von E. hatten die Dorfbewohner unsichtbar zu bleiben. Das war mit dem Ende der Junker-Ära vorbei. Das Schloss, der Park und der See gehörten plötzlich allen. Es sprach also nichts mehr dagegen, die Verbindung von den Gutshof-Gebäuden, dem ersten Teil der „Neuen Dorfstraße“ zu ihrem dahinter gelegenen zweiten Teil einfach durch den dazwischen liegenden Schlosspark laufen zu lassen. Die Neue Dorfstraße zweigte also von der Hauptstraße des Dorfes ab, führte auf das riesige, mit Kopfsteinen gepflasterte Gutshofareal, machte von dort einen Schlenker durch den Schlosspark und mündete in den von beiden Seiten bebauten, etwa 50 Meter breiten Streifen Grasland.
Mag sein, dass der traditionelle Dorfaufbau dieser Region die Planung beeinflusste. Der Platz in der Mitte der Dörfer war wie erwähnt traditionell für Kirche,… weiter lesen
12.09.2011 von Imma Luise Harms
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Über die Hälfte der Einwohner Reichenows sind ehemalige Flüchtlinge. Die meisten sind aus Pommern herüber gekommen, das auf der anderen Seite der Oder begann. Sie wurden zuerst in dem verlassenen Schloss und in den zu Wohneinheiten aufgeteilten Gutshof-Gebäuden untergebracht. Dann kam die Bodenreform. Die Flüchtlinge bekamen ein Stück Land und wurden Siedler. So entstand die Neue Dorfstraße. Sie wurde als Ausleger vom Schloß-Gutshof-Komplex aus in das nördliche Ackerland hineingetrieben.
Wie bei vielen Siedlungsdörfern in Brandenburg umschließen die Grundstücke einen lang gezogenen Dorfanger, auf dem anderswo traditionell die für die Gemeinde wichtigen Einrichtungen stehen – die Kirche, die oft auch Versammlungsraum ist, die Schule, die Schmiede, ein Stück Freifläche für Dorffeste, eine Obstwiese, ein bisschen Gartenland zum Anbauen. Hier ist der Dorfanger fiktiv: die freie Grasfläche, die der Straße ihre Weite gibt. Gemeinde-Entwicklungsland – aber davon später.
Durch die Reichenower „Stalinallee“ fahren weder Panzer noch die riesigen Erntemaschinen, mit denen… weiter lesen