21.03.2010 von Imma-Luise Harms
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Im Theater am Rand zeigte Thomas im Rahmen der Ökofilmtour den Film “science under attack”, der darstellt, unter welchem Druck Wissenschaftler stehen (und auch -Innen, aber von denen war im Film nicht die Rede), um ihnen die für die industrielle Entwicklung günstigen Ergebnisse abzumelken.
Ich war als Referentin eingeladen. Zur Beantwortung der Frage: was ist, was kann, was darf, was soll Wissenschaft? Ich hab ein bisschen Popper, Kuhn, Feyerabend und Wikipedia gelesen und einen kleinen Bogen konstruiert, meine Gedanken dann mit meinem Sohn abgeglichen, der gerade eine Hausarbeit zu Wissenschaftstheorie abgegeben hatte.
Leider bin schlecht im Referieren, da mach ich mir dann vorher die Gedanken schriftlich. Und dann wirds noch schwerer, nicht am Text zu kleben. Frei vortragen ist nicht meine Stärke. Deshalb hinterlasse ich es hier als Schriftstück. In eine Flasche stopfen, Korken drauf und ab die Post. Vielleicht findet jemand ein brauchbares Körnchen darin:
Nutzen der… weiter lesen
25.02.2010 von Imma-Luise Harms
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Einer der Umstände, die das Leben auf dem Land so angenehm machen, ist die Fülle an Bedeutungslosigkeit. Die Wolken ziehen dahin, wie von ungefähr. Auf den Feldern liegt eine weiße Schneedecke, die das Auge zum Horizont gleiten lässt. Die Häuser stehen auf ihrem Platz; da verändert sich wenig.
Der große Reichtum an Bedeutungslosigkeit – informationstheoretisch Rauschen genannt – lädt zur inneren Einkehr ein. Man kann spazieren gehen oder einfach dasitzen und in die Landschaft schauen, ohne dass einen etwas behelligt. Deshalb kommen die Städter zur Erholung so gern aufs Land.
Nun muss ich präziser werden. Nur für die Stadt-gegerbten BesucherInnen ist das Land bedeutungslos. Die Wolkenformen deuten auf einen Wetterwechsel, der Wind steht auf süd-südwest. Durch die Schneedecke schaut der Winterweizen; es wird Zeit, dass der Schnee schmilzt. Schulzes haben anscheinend doch eine Baugenehmigung für ihren Dachausbau bekommen.
Das Rauschen ist eine subjektive Kategorie. Wer die… weiter lesen
02.02.2010 von Imma-Luise Harms
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Thomas arbeitet seit Jahren an einer Filmidee. Sie handelt vom Blinken, oder vielmehr vom Nicht-Blinken abbiegender Autos. Das empört ihn als Kraftfahrer und als Mitbürger – diese Tendenz, sich im Verkehr so zu bewegen, als sei kein anderer da, als sei der Verkehrsfluss tatsächlich ein Fluss, in dem man, das Medium beiseite schiebend, sich den eigenen Wünschen entsprechend durchwühlt. Aber das Medium des Verkehrs sind die anderen Verkehrsteilnehmer; sie wollen als Subjekte anerkannt werden, sie wollen eine Mitteilung, was der Vor-Fahrer beabsichtigt, um sich darauf einrichten zu können.

Als Kind trampte ich mit meiner Tante Else manchmal ins benachbarte Dorf. Einmal nahm uns ein junger Mann mit einem VW-Käfer mit. Es war ein altertümliches Modell mit Richtungszeigern, die in den Holmen neben den Seitentüren versenkt waren und durch einen elektrischen Impuls gehoben wurden. Nachdem die Kurve genommen war, sollte der Zeiger, nach Abschalten… weiter lesen
19.12.2009 von Imma-Luise Harms
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Ich kann keine Geschichten erfinden. Dazu habe ich zu viel Tatort geguckt. Die Erzählung fließt wie Gips in den Reifenabdruck und bildet Handlungs¬muster, die einem verdächtig bekannt vorkommen:
Die junge Kommissarin dampft ihren Atem in die Morgenkälte. In der einen Hand das Brötchen, in der anderen einen Kaffeebecher, schiebt sie das rotweisse Absperrband routiniert mit dem Ellen¬bogen hoch und nähert sich dem abgedeckten Körper. Für ihr klingelndes Handy hat sie keine Hand mehr frei. Sie drückt dem verdutzten Spurenermittler den Pappbecher in die Hand…
So geht das los. War es wirklich ein Unfall, wie es auf den ersten Blick scheint? Das Auto sieht eher nach einem heftigen Blechschaden aus. Die Windschutzscheibe ist nur auf der Beifahrerseite geborsten. Warum kam die Rettung so spät? Wieso war der Freund schon vor Ort, als die Feuerwehr eintrifft? Hinter dem eingedrückten Wagen steht eine junge Frau in Feuerwehr-Uniform und weint. Die… weiter lesen
05.12.2009 von Imma-Luise Harms
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Liebes Tagebuch, da bin ich wieder.
Inzwischen ist das Highlander Rind geschlachtet worden. Aber ich war nicht dabei. Ich war bei Glatteis mit dem Auto gegen einen Baum geschleudert und für einige Wochen außer Dienst gestellt.
Das Tier ist verteilt. Alle wollten Filet oder Tafelspitz, haben dann aber auch was anderes genommen. Thomas ist durch die große Nachfrage ermutigt. M., der Halter der kleinen Herde aus der Märkischen Schweiz, ist durch das reibungslose Geschäft ermutigt. Nun will er drei weitere Kälber loswerden. Thomas hat erst noch den Versuch gemacht, ihnen woanders ein neues Leben zu ermöglichen – bei Bekannten im Uckermärkischen, die auch eine Herde aufbauen wollen. Aber es hat nichts ergeben. Und M. wollte die drei Tiere unbedingt weghaben, weil er seine Herde verkleinern muss. Sie wurden also letzte Woche geschlachtet. Eines der fast ausgewachsenen Tiere wurde noch einmal von Thomas und zwei anderen befreundeten Fleischparteien… weiter lesen
23.10.2009 von Imma-Luise Harms
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Ein blog über das Schlachten unserer Wollschweine vor zwei Jahren hat eine sich über Monate hinziehende Ejakulation der Abscheu von Tierrechtlern über dieser Seite niedergehen lassen.
Jetzt zum Rind.

M. aus der Märkischen Schweiz hat eine kleine Highlander-Herde. Die zotteligen Tiere grasen zwischen den Streuobstwiesen und auf kleinen Auenstücken. Das reicht gerade für die acht Tieren. Aber es dürfen nicht mehr werden. Ein Jungbulle muss geschlachtet werden, bevor er weitere Highlander-Kälbchen produziert. M. fragt an, ob wir ein ganzes Tier nehmen würden. Seine Preisvorstellung ist hoch, aber angemessen. Rindfleisch von einem Tier, das ein glückliches Leben auf der Wiese verbracht hat, das auch dort sterben wird (“mit Heu im Maul”, wie M. sagt), das sollte auch anderen den Preis wert sein. Wir denken, das wird sich unter denen verteilen lassen, die gutes Fleisch bevorzugen.
Das Fleisch wird beim Schlachter “vom Haken” verkauft. D.h. es… weiter lesen
07.10.2009 von Imma-Luise Harms
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S. und J., ein mir bekanntes Paar, hat im Sommer auf einem großen Festival einen Waffelstand gemacht. Das Geschäft lief gut, blieb aber doch hinter den kühnen Erwartungen zurück. Weil ich für meine Letztverwertungs-Anstrengungen bekannt bin, fragte S. mich, ob ich Verwendung für eine größere Menge von H-Milch kurz vor dem Verfallsdatum habe.
Mein Nachkriegstrauma, dass man nichts umkommen lassen darf, setzte sofort ein. Meine Tante Else, die in einer westdeutschen Kleinstadt Gemeindeschwester war, hatte mich als Sechsjährige mitgenommen, wenn sie Milchpulver zu armen Flüchtlingsfamilien brachte. Ich schickte Rundfragen an Email-Verteiler der solidarischen Ökonomie, wer die Milch brauchen kann. Thomas riet, sie den Bauernverbänden für ihre nächste Protestaktion zur Verfügung zu stellen.
S. hat die Milchreste mittlerweile für mich griffbereit in einen Schuppen gestellt. Es ist wirklich eine Palette mit 50 5-Liter-Kanistern H-Milch, also ¼ Tonne. Zusätzlich ein halber Karton Pflanzenmargarine, 15 Liter Sahne in Kanistern und eine… weiter lesen
26.09.2009 von Imma-Luise Harms
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Eigentlich wollte ich grad heute was schreiben. Goldene Zeit, Ernte eingebracht. Aber da ist mir gestern abend der Rehbraten vermatscht. Unter der Kruste zu Mus zerbraten. Scheiß-Niedrigtemperaturbraterei! Nun habe ich keine Worte für meine Trauer. Aber bald gibt es hier DSL, dann kann ich meine Klagelaute direkt ins Netz schicken.
10.09.2009 von Imma-Luise Harms
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Zwischen mir und der Fahne auf dem Schlossturm vor meinem Fenster besteht eine persönliche Feindschaft. Ich knurre sie an, wenn ich sie sehe, und sie winkt hämisch zu mir herüber, weil sie weiß, dass ich doch immer wieder gucken muss.
Blöde Herzchenfahne. Was heißt “-chen”? Ein riesiger weißer Lappen mit einem Ampelsignal-roten Industrieherz drauf, so eins wie auf Spielkarten, wie gestempelt, klappsymmetrisch, ohne jede Unregelmäßigkeit. Wie kann man sich sowas nur auf seinen Schlossturm hängen?
“Was hast du bloß gegen ein Symbol, das für zwei Menschen steht, die sich lieben?” wurde ich gefragt? Hah. Ein Herz und eine Seele, was? Das ist kein Symbol, das ist eine Anordnung zur symbiotischen Vereinigung!
Das Schloss ist – ich sagte es an anderer Stelle – ein Hochzeitshotel. Die Paare lassen sich hier trauen; es gibt extra eine Niederlassung des Standesamtes darin. Dann werden Reiskörner gestreut, Baumstämme zersägt, Tauben oder Ballons… weiter lesen
09.07.2009 von Imma-Luise Harms
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Liebe Imma,
stimmt überhaupt nicht, dass ich nichts von mir hören lasse. Ich habe so oft versucht, dich zu erreichen. Hör doch selbst.
hallo-imma
Melde dich doch mal.
liebe Grüße.