Archive for September 14th, 2008

14.09.2008 von Claudius Prößer
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Krisengipfel in Santiago

von Claudius Prößer

Sonderlich bekannt ist diese Flagge nicht, weder in Europa, noch in La­tein­amerika. Es handelt sich um das Banner der Ende Mai in Bra­si­lia feier­lich ins Leben gerufenen Union Südamerikanischer Nationen, UNASUR (bzw. UNASUL). Laut Gründungsurkunde soll sie den Kampf gegen „Ungleichheit, soziale Ausgrenzung, Hunger, Armut und Un­si­cher­heit“ führen und innerhalb von zwei Jahrzehnten eine der EU ver­gleich­bare Integration erreichen, inklusive gemeinsamer Wirtschafts- und Au­ßen­po­li­tik, Währung und Passwesen.

Viel zu sehen ist davon bis jetzt nicht, aber das angesichts der bo­li­vi­ani­schen Krise eilig anberaumte Treffen der UNASUR-Staatschefs am Montag könnte der Organisation ein wenig Legitimität verleihen – oder auch nicht. Stattfinden wird es in Santiago, denn Chiles Präsidentin Mi­chelle Bachelet übt derzeit den rotierenden Vorsitz aus. Bis zur Grün­dung war Chile der einzige südamerikanische Staat gewesen, der kei­nem der beiden regionalen Bündnisse – Andengemeinschaft und Mer­co­sur – angehörte.

Wer genau am Krisengipfel teilnehmen wird,… weiter lesen

14.09.2008 von Gerhard Dilger
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„Spiegel Online“ contra Evo Morales

von Gerhard Dilger

In bemerkenswerter Offenheit hat Spiegel Online im bolivianischen Konflikt gegen Präsident Evo Morales Partei ergriffen.

„Der Indio-Präsident (…) spricht schlecht und ungern Spanisch, er nennt sich Sozialist, in seinem Büro hängt ein riesiges Porträt von Che Guevara aus Kokablättern,“ höhnt Jens Glüsing, langjähriger Spiegel-Korrespondent in Rio. Der „unbedarfte Indio-Präsident“, ein – wie könnte es anders sein – „Schützling“ von Hugo Chávez aus Venezuela, „spaltet das Land“, lautet Glüsings schlichte Diagnose.

Dazu passt die wohlwollende Charakterisierung des Unternehmers Branko Marinkovic: „Er ist in Santa Cruz geboren, hat sich hier hochgearbeitet, jetzt besitzt er eine Fabrik für Speiseöl. Er ist weiß, er zählt zur wirtschaftlichen Elite des Landes, er hat Arbeitsplätze geschaffen und mitgeholfen, die von der Zentralregierung in La Paz lange vernachlässigte Provinzstadt in eine blühende Metropole zu verwandeln.“

Kein Wort davon, dass es die rechtsextremen jugendlichen Anhänger von Marinkovic waren, die am Dienstag Regierungsbüros in Santa Cruz besetzten und… weiter lesen