Archive for Dezember, 2008

28.12.2008 von Claudius Prößer
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Folgenschwere Irrtümer

von Claudius Prößer

Wer hätte das gedacht – dass irgendwann die große, unerfüllbare Hoff­nung der Hinterbliebenen von verschwundenen Opfern der Diktatur sich in ihr Gegenteil verkehren würde? Dass sich der schreckliche Ver­dacht und, später, die schreckliche Gewissheit doch als falsch he­raus­stellt – und keiner freut sich darüber? Nachdem Mitte November ein Mann in Argentinien aufgetaucht war, dessen Name auf der langen Liste der detenidos desaparecidos stand, gibt es jetzt neue Zweifel in drei wei­te­ren Fällen – von offiziell anerkannten 1.183. Für Organisationen wie die Ver­ei­nigung der Familienangehörigen Verschwundener (AFDD) ist das ein schwe­rer Schlag – denn es liefert den ewiggestrigen Pi­no­chet­anhängern und der rechten Opposition willkommenes Futter.

Im Gegensatz zu dem seit Jahrzehnten im argentinischen Mendoza wohnhaften Germán Cofré, den die Fernsehkameras in Fleisch und Blut einfangen konnten, sind zwei der jetzt in Frage stehenden Personen offenbar längst tot.

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20.12.2008 von Claudius Prößer
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Bush Puppies

von Claudius Prößer

Der aktuelle Geschenktipp von The Clinic.

17.12.2008 von
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Teile und herrsche – EU contra Bolivien

von

David Choquehuanca spricht leise. Selbst ein handfester Skandal bringt den bolivianischen Außenminister nicht verbal in Rage. Dabei ist das, was er letzte Woche vor einer Gruppe von Europaabgeordneten berichtete, skandalös.

Vor zweieinhalb Jahren wurde beim EU-Lateinamerika-Gipfel der Staatschefs die Aufnahme von Verhandlungen zu einem Assoziationsabkommen zwischen der EU und den vier Ländern der Andengemeinschaft CAN (Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien) beschlossen. Bolivien und in geringerem Maße Ecuador verfolgten dabei eine entwicklungsorientierte Strategie: Im Handelskapitel etwa sollten Liberalisierungsschritte an nachweisbare Fortschritte bei der Diversifizierung der gehandelten Produkte aus den Andenländern geknüpft werden.

Von Anfang an waren die VertreterInnen der verhandlungsführenden EU-Kommission wie auch die der neoliberal regierten Länder Peru und Kolumbien skeptisch bis unwillig, ließen sich aber immerhin auf die Ausweitung der Agenda ein.

Beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima im Mai 2008 jedoch kündigte  Noch-Handelskommissar Peter Mandelson an, gegebenenfalls mit einzelnen Ländern ein Freihandelsabkommen anzustreben, falls die Bolivianer nicht auf Linie… weiter lesen

15.12.2008 von Claudius Prößer
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Zehn Höhepunkte

von Claudius Prößer
Das 1998 anlässlich Augusto Pinochets Klinik-Arrest in London als anarchistisches Witzblättchen entstandene Magazin The Clinic ist längst über die Satire hinausgewachsen. Woche für Woche finden sich hier hervorragende Interviews, Reportagen und investigative Texte, für die in keinem anderen Medium Platz wäre. Zum zehnjährigen Jubiläum gab es jetzt eine Sonderausgabe, für die man unter anderem den streitbaren His­to­ri­ker Alfredo Jocelyn-Holt (“Die Republik ist tot, die Zwei­hun­dert­jahr­fei­er im Jahr 2010 kann ausfallen”) gebeten hatte, die politisch-ge­sell­schaftlichen Höhepunkte der ersten Clinic-Dekade zu notieren. Das Er­geb­nis in Auszügen:

1. Kritik an der transición Beginnt mit der Veröffentlichung von Tomás Moulians Chile: Anatomie eines Mythos (…) und einer Reihe von Aufsätzen, die von den Medien kaum gewürdigt wurden. Die Texte arbeiten heraus, wie die transición, als Deal zwischen Aylwin und Pinochet, in Sachen Wirtschaftsmodell und Verfassung das Erbe der Diktatur antritt. (…)

2. Festnahme

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14.12.2008 von Gerhard Dilger
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Munterer Papstkritiker

von Gerhard Dilger

Leonardo Boff hat heute seinen 70. Geburtstag gefeiert.

“Immer wieder neu kreativ zu sein, im wunderbaren Durcheinander zwischen der profanen Wirklichkeit und dem religiösen Denken – das macht mir am meisten Spaß.” Nichts liegt Boff, der sich als “franziskanischen und ökumenischen Katholiken” definiert, ferner als der Gedanke an den Ruhestand. “Bis zum Jüngsten Gericht werde ich für Gerechtigkeit kämpfen”, versichert der Befreiungstheologe.

Genézio Darci Boff wurde 1938 als Enkel italienischer Einwanderer in Concordia im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina geboren. Den Namen Leonardo nahm er in einem franziskanischen Priesterseminar an. Von 1965 bis 1970 studierte und promovierte er in München.

Der erste große Einschnitt in seinem Leben war seine Rückkehr nach Brasilien. Im Amazonasgebiet musste der frischgebackene Doktor der Theologie erfahren, dass die dort lebenden Menschen mit “dem hochgescheiten Zeugs aus Deutschland” nichts anfangen konnten. In Petrópolis bei Rio de Janeiro, wo er bis heute lebt, schrieb Boff anschließend das… weiter lesen

12.12.2008 von Claudius Prößer
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Unrein & begeistert

von Claudius Prößer

“Dieser Tage erleben wir eine große Aufregung, Schwestern und Brüder, weil diese Frau zu Besuch kommt, die mit unglaublicher Dreistigkeit eine verrückte Begeisterung entfacht und unzüchtige, unreine Gedanken weckt. Aber die Unreinheit ist eine Kränkung Gottes und ein Schandfleck auf unserem Herzen.” So weit der bereits im vorangegangenen Post zitierte Kardinal Jorge Medina. Mit “dieser Frau” meint er natürlich Ma­donna, und seine Analyse stimmt insofern, als die Begeisterung für die reina del pop in Chile tatsächlich keine Grenzen kennt.

Aus den entferntesten Winkeln des langen Landes sind ihre Verehrer angereist, manche haben laut Presseberichten ihren Job dafür ge­schmissen, andere kampierten schon vor dem Eingang des Na­tio­nal­stadions, als die Sängerin sich noch in Buenos Aires von ihren dor­ti­gen vier Sticky-&-Sweet-Auftritten erholte. Hier eine hübsche Bil­der­ga­le­rie der eingefleischten Fans.

In allen möglichen Internetforen wird nun über das gestrige erste von zwei

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11.12.2008 von Claudius Prößer
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Recht und Rache

von Claudius Prößer
Am 10. Dezember 2006, vor genau zwei Jahren also, starb Augusto Pi­no­chet Ugarte 91-jährig an Herzversagen. Zu einer Verurteilung für die auf seine Weisung geschehenen Verbrechen war es nicht mehr ge­kom­men.



Oben: Vor einem Jahr war’s ein Jahr her.

Unten: Pinochet-Fans bei dessen Totenfeier vor zwei Jahren (Foto: The Clinic)

Am gestrigen zweiten Todestag wurde auch die Komplizenschaft zwi­schen einflussreichen Teilen der katholischen Kirche und den Putschis­ten von ’73 wieder einmal mehr als deutlich. Kardinal Jorge Medina ließ es sich nicht nehmen, eine Gedenkmesse in der Militärkathedrale zu ze­le­brie­ren und in seiner Predigt Pinochets Opfer moralisch zu dis­kre­di­tie­ren:

Unser Land braucht die Vergebung, es ist der einzige Weg zum Frieden. Statt zu vergeben, verlangen aber viele “Gerechtigkeit” – ein Wort, das ein anderes, hässlicheres Wort verbirgt, das sie sich nicht trauen auszusprechen. Dieses Wort heißt “Rache”.

Der Kardinal, von 1998weiter lesen

09.12.2008 von Gerhard Dilger
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Gioconda Belli wird 60

von Gerhard Dilger

Die nicaraguanische Erfolgsautorin Gioconda Belli wird heute 60 Jahre alt.

Gerade lese ich ihre Autobiographie “Die Verteidigung des Glücks“, in der sie ihren abenteuerlichen Werdegang als Sandinistin seit den frühen 70er Jahren schildert. Angesichts der absurden Willkürherrschaft, die Daniel Ortega und seine Frau Rosario Murillo gerade in Nicaragua zusammen mit den rückständigsten Teilen der katholischen Kirche etablieren, ist das eine zwiespältige Erfahrung.

Belli, so schreibt sie zum Schluss, sieht sich als “Doña Quijota, die in den Schlachten des Lebens gelernt hat, dass nicht nur die Siege Täuschungen sein können, sondern auch die Niederlagen”. Ein Trost für die NicaraguanerInnen?

Für das österreichische Magazin Südwind hat Werner Hörtner ein schönes Porträt der Jubilarin verfasst.

07.12.2008 von Claudius Prößer
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Wenn Bürger schreiben

von Claudius Prößer
Wenn das mal keine ungleichen Partner sind: CNN Chile und das chilenische Netzwerk Bürgerjournalismus sind eine “strategische Allianz” eingegangen, von der beide Medien profitieren sollen. “Netzwerk Bürgerjournalismus” ist ein wenig eingedeutscht, es müsste eigentlich “Netz der Bürgerzeitungen” (Red de Diarios Ciudadanos) heißen, aber das klingt so altbacken.

Dabei handelt es sich um ein faszinierendes Unterfangen, das in Lateinamerika, aber auch in Europa seinesgleichen sucht. Was vor drei Jahren mit dem Morrocotudo, einem diario ciudadano in Chiles nördlichster Stadt Arica begann, umfasst inzwischen mittlerweile zehn Webauftritte in verschiedenen Regionen des Landes. Die Bürgerzeitungen sind nämlich alle virtuell, quasi Kollektiv-Blogs mit redaktioneller Betreuung. Vergleichbar in Deutschland wäre vielleicht der Hauptststadtblog, der freilich sehr viel subjektiver daherkommt.


Bezeichnend für die chilenischen Online-Bürgerzeitungen ist auch, dass die allermeisten in der Provinz entstehen – vielleicht eine Reaktion auf das verbreitete Gefühl, von den “großen”

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05.12.2008 von Gerhard Dilger
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Schroeder liegt in Brasilien

von Gerhard Dilger

Der brasilianisch-bajuwarische Sprachkünstler und Autor Zé do Rock hat seinen ersten “richtigen” Film gemacht: “Schroeder liegt in Brasilien“.

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In die Kinos kommt das Meisterwerk über die deutsch-brasilianischen Beziehungen erst nächstes Jahr. Aber wer im Rheinland wohnt, kann es schon morgen (6.12.) ab 19 Uhr im Bonner “Mistura Fina” (Weiherstr. 16) bewundern. Zé do Rock kommt auch.

P. S. Schroeder liegt im Bundesstaat Santa Catarina, ganz in der Nähe des Überschwemmungsgebietes um Blumenau. Die deutschen Hilfsmaßnahmen werden seit dieser Woche von einem DRK-Mitarbeiter koordiniert.