Frank Zappa and the Mothers Were at the best place around But some stupid with a flare gun Burned the place to the ground
Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich eine Band, deren bis heute populärster Song erschien, als ich drei war, noch live zu Gesicht bekomme – sechsunddreißig Jahre später und immerhin in Drei-Fünftel-Originalbesetzung. Deep-Purple-Sänger Ian Gillan war aber auch ziemlich hinfällig und musste ständig nebens Mikro husten. Zudem verschwand er alle paar Minuten hinter die Bühne, um sich dort irgendwelche illegalen Substanzen, vielleicht aber auch nur einen Stoß Asthmaspray zu verpassen. Die restlichen Musiker rissen’s raus, mit richtig gut abgerocktem Rock, ebenso kreischenden wie virtuosen Soli und extrem routiniertem Timing. Aber das darf man nach vierzig Jahren Bandgeschichte ja auch erwarten.
Natürlich hätte ich in den vergangenen 20 Jahren in beliebig viele Deep-Purple-Konzerte gehen können, wenn ich gewollt hätte… weiter lesen
Um zu verstehen, dass Chile ein sehr musikalisches Land ist, muss man nicht auf das Festival Internacional de la Canción hinweisen, das gerade – wie immer Ende Februar – in der Schicki-Micki-Stadt Viña del Mar zelebriert wird. Es schadet aber auch nicht. Zwar feiert sich hier eine ganze Woche lang die Fernseh- und sonstige Prominenz mit viel Trara, aber Musik gemacht wird auch. Welchen Stellenwert das Festival – oder einfach Viña – für die Chilenen hat, ist Außenstehenden nicht leicht zu vermitteln, insbesondere Deutschen, die mit Musikfestivals nur den öden und blutleeren Grand Prix d’Eurovision verbinden. Viña ist Grand Prix plus Grammy Award plus Last Night of the Proms plus Bayreuth, natürlich auf chilenisch und ohne klassische Musik, aber mit Promi-Auftrieb und Mainstream-Künstlern, die trotzdem rocken. Dieses Jahr, zum 50. Jubiläum, treten unter anderem Joan Manuel Serrat, Juanes, Carlos Santana und Marc Anthony auf.
Die EU schlägt Kolumbien und Peru ein hartes Patentregime vor.
„Die EU sieht in ihrem Freihandelsabkommen mit der EU sogar Gefängnisstrafen für Patentverstöße bei Medikamenten vor“ entsetzte sich Portafolio in der zweiten Februarwoche 2009. Die Wirtschaftsbeilage der konservativen kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo hatte den Abbruch der Verhandlungen zu einem Assoziationsabkommen zwischen der EU und der Andengemeinschaft (Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru) zugunsten von separaten Verhandlungen mit den willigen, sprich neoliberalen Regierungen der Region zunächst heftig unterstützt. Der neue Kurs der EU geht ihr dann aber doch erheblich zu weit. Doch die Geister, die Kolumbien rief…
Die EU-Kommission hat in Handelsfragen ein Problem: Die EU ist (noch) der größte Wirtschafts- und zweitgrößte Handelsblock der Welt, auf absehbare Zeit wird sich dies jedoch ändern. Denn die Zeichen stehen schlecht für Europas Exportindustrie. Der multilaterale Rahmen, die Welthandelsorganisation WTO, fällt zur Erzwingung weiterer Marktöffnungen mehr und mehr aus. Die sogenannte Doha-Agenda, die letzte… weiter lesen
Am 12. Februar dachten in Buenos Aires viele Menschen an Julio Cortázar, der vor 25 Jahren starb. So auch die Latin@rama-Autorin Florencia Abbate: Hier ist ihre persönliche Hommage an den großen argentinischen Autor.
Als ich Anfang der 90er Jahre begann, Julio Cortázar zu lesen, gehörte es zum guten Ton unter Argentiniern, Lobesreden auf Borges zu halten – selbst wenn sie keins seiner Werke gelesen hatten. Nur wenige erinnerten sich an Cortázar, wie er es verdient hätte: Er war aus der Mode gekommen, und seine moralischen und politischen Botschaften wurden weitestgehend ignoriert.
Während ich später durch Lateinamerika reiste, freute ich mich um so mehr, dass die Bewunderung für Cortázar keine Grenzen zu kennen scheint: Überall redeten Leser, Kritiker und Autoren mit derselben Hochachtung von Cortázar. Juan Carlos Onetti verehrte ihn genauso wie Roberto Bolaño. Der Chilene, nicht dafür bekannt, große Worte zu verlieren, sagte… weiter lesen
Das Weltsozialforum im brasilianischen Belém begann mit einem Bad in der Menge. In jeder Hinsicht. Eine halbe Stunde lang goss es in apokalyptischen Strömen, kaum waren 80 bis 100 000 Menschen, darunter zahllose indianische Gemeinschaften, vom Hafen Richtung Kundgebungsplatz losgezogen. Kein Faden blieb trocken, Transparente wurden zu Megaschirmen umfunktioniert, Instrumente unter Plastikplanen versteckt. Doch den unverhofften Karneval im Januar ließ sich niemand nehmen. Kleider trocknen schnell unter der tropischen Sonne. Die Amazonasregion feierte vor allem sich selbst und ihre Vielfalt. Ein anderes WSF schien möglich.
“Belém, Glanz und Elend des Kapitalismus“, überschrieb die französische Tageszeitung Le Monde in ihrer Wochenendausgabe vor dem Beginn des achten Weltsozialforums (WSF) einen Artikel zum Schauplatz im Norden Brasiliens. Der Korrespondent ging ein auf Aufstieg und Niedergang der einstigen Blüte des Kautschukbooms, beschrieb den abgeblätterten Lack aus den eigens aus Europa Stück für Stück angeschipperten Stahlträgern des Eiffel’schen Marktgebäudes und schilderte Museumsimpressionen.… weiter lesen