Archive for Juli, 2009

26.07.2009 von Hans-Ulrich Dillmann
blogavatar

Hilde Domin wollte Dichter, keine jüdische Dichterin sein!“

von Hans-Ulrich Dillmann

„Ich nannte mich
Ich selbst rief mich
Mit dem Namen einer Insel.“1
Hilde Domin schrieb diese Zeilen 1954. Die damals noch unbekannte Lyrikerin leitete ihren Künstlernamen von Santo Domingo ab. Am 6. August 1940 war die gebürtige Kölnerin gemeinsam mit ihrem Mann, dem Archäologen Erwin-Walter Palm, mit einem Wasserflugzeug der Pan American Airways aus Puerto Rico kommend in der dominikanischen Hafenstadt San Pedro de Macoris gelandet. Aus Angst vor den deutschen Bombenangriffen und einer möglichen Invasion hatten die beiden ihr englisches Exil gegen die weit entfernte Insel eingetauscht. Am 27. Juli wäre Hilde Domin, die am 22. Februar 2006 in Heidelberg gestorben ist, 100 Jahre alt geworden. Hans-Ulrich Dillmann sprach mit der Domin-Biografin Marion Tauschwitz, die während der letzten fünf Lebensjahre Domins engste Mitarbeiterin war, über die Lyrikerin, deren Ängste und Verhältnis zu Judentum, Religion und Tradition.

Warum kommt in der Lyrik von Hilde Domin das Judentum nicht vor?
Tauschwitz: Judentum, erklärte sie immer wieder, habe in ihrem Leben keine Rolle gespielt; dennoch war Hilde Domin ein religiöser Mensch. In den Briefen, die ich ausgewertet habe, ist sehr oft die Rede von Gott, seiner Existenz, dem Leben nach dem Tod und ihrer Angst, die sie als theologische Furcht bezeichnete. Doch ist  der bedingunslose Optimismus, der aus ihren Gedichten spricht und der unzerstörbare Glaube an das Gute im Menschen nicht doch Ausdruck des Judentums?
… weiter lesen

20.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Ein Putsch – ist ein Putsch – ist ein Putsch

von Gerhard Dilger

Der Widerstand gegen das Putschistenregime in Honduras geht in die vierte Woche.

Ein gute Analyse der innenpolitischen Verhaltnisse hat die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht, Raúl Gutiérrez von IPS weist auf die Gefahren für andere zentralamerikanischen Staaten hin. Aktuelle Nachrichten bei laxxi, amerika21 und der ila.

Update:  Kommentar des früheren taz-Korrespondenten Leo Gabriel.

16.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Der Film des Jahres

von Gerhard Dilger

Heute läuft in deutschen Kinos Birdwatchers (in Brasilien Terra Vermelha) an.


Den hervorragenden Spielfilm über den Kampf der Guarani-Kaiowá-Indígenas um ihr Land hat der italochilenische Regisseur Marco Bechis gedreht.

YouTube Preview Image

Nichts wie hin!

12.07.2009 von Claudius Prößer
blogavatar

Talfahrt

von Claudius Prößer

… und danke für den Fisch: Der Abgesang des “Mercurio” auf Puerto Montt

Eigentlich ist es ein Zufall, dass wir sie nicht kennen, Bernarda García und Alvaro Quintana. Sie wohnen irgendwo bei uns um die Ecke, in un­se­rem Viertel, die Kinder gehen auf die Deutsche Schule. Gingen. Denn wie eine gerade im “Mer­cu­rio” erschienene Reportage schildert, sit­zen die vier auf gepackten Kof­fern. Das Kapitel Puerto Montt ist für sie ab­ge­schlos­sen: “Hier geht einfach nichts mehr.”

Der Ingenieur Quintana verdiente bis vor kurzem 5 Millionen Pesos (6.500 Euro) in einer Firma, die hydraulische Anlagen für die Lachsindustrie in­stal­liert und wartet. Die beiden Kinder besuchten die teuerste Schule am Ort, die Familie mietete ein großes Haus mit Garten, ging an den Wo­chen­en­den gut essen oder ins Casino von Puerto Varas, alles lief wie ge­schmiert. Dann geriet der Lachs in die Krise. Heute kann die Familie kaum nochweiter lesen

10.07.2009 von Claudius Prößer
blogavatar

Hormoneller Aufruhr

von Claudius Prößer
Wer dieser Tage beim Zappen im Programm des chilenischen Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses landet, wähnt sich in einem Seminar der Re­pro­duk­tions­medizin. Der Gesundheitsausschuss hat Experten zur Anhörung geladen – durch die Bank Männer -, die in länglichen Po­wer­points den Mens­tru­ationszyklus zerpflücken und Kurven hor­mo­nel­ler Ausschüttungen interpretieren. Dabei geht es nur um eine Fra­ge: Ist die “Pille danach” eine “Abtreibungspille” oder nicht?

Hintergrund dieses Tuns ist der erbitterter Kampf der katholischen Ul­tra­rech­ten gegen das Hormon Levonorgestrel, das etwa unter dem Mar­ken­na­men “Postinor 2″ Schwangerschaften auch noch nach un­ge­schütztem Geschlechtsverkehr verhindern kann. Der Wirkstoff bzw. die entsprechenden Präparate sind fast in jedem Land der Welt erhältlich, die WHO empfiehlt ihre Rezeptfreiheit als probates Mittel zur Vorbeugung ungewollter Schwangerschaften.

In Chile, wo Abtreibung selbst dann unter Strafe steht, wenn die Frau ver­ge­wal­tigt wurde oder durch die Schwangerschaft gesundheitlich ge­fähr­det ist, hat eine Gruppe rechter Parlamentarier im vergangenen Jahr eine Beschwerde eingereicht, der dasweiter lesen

06.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Honduras kämpft

von Gerhard Dilger

Über die ersten Toten in Honduras schreibt der Filmemacher Walter Hernández:

Wieviele Menschen müssen noch sterben, bis uns befreundete Länder helfen, jene Usurpatoren von der Macht zu verdrängen, die schon Terrormethoden gegen uns einsetzen? 10? Vielleicht 50? Oder wäre 2.000 eine angemessenere Zahl?

YouTube Preview Image
05.07.2009 von Claudius Prößer
blogavatar

Böse Simpsons

von Claudius Prößer
Wenn die Kinder von Ned Flanders, dem christlich-fundamentalistischen Nachbarn der Simpsons, etwas Obszönes gesehen haben, bekommen sie die Augen mit Seife ausgewaschen. In Ecuador hat die Rund­funk­auf­sichts­be­hörde Conartel jetzt die Ausstrahlung der “Simp­sons” vor den späten Abendstunden untersagt.

Die Conartel beschied dem Sender Teleamazonas am Donnerstag mit sofortiger Wirkung, er dürfe die Serie lediglich zwischen 21 und 6 Uhr übertragen, solange die Behörde die Wirkung der Fernsehserie auf Kinder und Heranwachsende prüfe. Die Maßnahme diene dem Schutz min­der­jähriger Zuschauer vor dem Einfluss von “Programmen und Bot­schaf­ten, die Gewalt und Rassen- oder Geschlechterdiskriminierung pro­pa­gieren”, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Der Sender, gegen den die Conartel bereits mehrere Sanktionsverfahren in anderen Angelegenheiten an­gestrengt hat, teilte daraufhin mit, er werde die “Simpsons” ab sofort um 5.30 Uhr ausstrahlen.

Anlass für das Sendeverbot am Tag soll die Folge “Lisas Krieg” gewesen sein, die am 22. Mai über den… weiter lesen

03.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Hintergründe zum Putsch in Honduras…

von Gerhard Dilger

…bringt die neue ila.

Und zwar hier.

03.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

In Honduras ist nichts los, alles ist ruhig…

von Gerhard Dilger
YouTube Preview Image

Danke, Klaus!

02.07.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Obama contra Morales

von Gerhard Dilger

In der Lateinamerikapolitik zieht Washington die Daumenschrauben an. Evo Morales reagierte empört: Auf dem Amerika-Gipfeltreffen im April habe Barack Obama die Lateinamerikaner angelogen, als er Beziehungen auf Augenhöhe versprach, sagte der bolivianische Präsident gestern.

Evo Morales (r.) und Außenminister David Choquehuanca

Der US-Präsident hatte den Beschluss seines Vorgängers George W. Bush aufrechterhalten, Bolivien wegen Differenzen in der Drogenpolitik Handelserleichterungen zu entziehen, vor allem für den Export von Textilien.

“In allem Respekt sage ich zu Präsident Obama: Auch wenn sich in den USA das Aussehen der Regierenden geändert hat, so ist doch die Politik des Empire gleich geblieben”, erklärte Evo Morales. Die USA agierten als “Patron und Polizist”, der die interne Politik Boliviens in Frage stelle.

Durch den Wegfall der Handelserleichterungen entgingen Bolivien 25 Millionen Dollar im Jahr, sagte Morales, die “Würde der Bolivianer” sei jedoch mehr wert als 25 Millionen.

Die Einbußen könnten sich sogar auf 63… weiter lesen