30.03.2011 von Gerhard Dilger
Dieser Tage haben wir wieder einmal der Waldforschungsstation Pró-Mata einen Besuch abgestattet, wo der Tübinger Biologe Rainer Radtke samt Studierenden im Rahmen seiner alljährlichen Brasilienexkursion weilt. Zuvor war die Gruppe u. a. im Naturschutzpark Cristalino in Amazonien und dem Feuchtgebiet Pantanal.
RR 2009 bei der Feldforschung
Von Porto Alegre geht es vier Autostunden lang, die letzte querfeldein über eine Schotterpiste, bis zur wunderschön im Araukarienwald gelegenen Station. Besonders von 1920 bis 1960 tobte hier der Raubbau wie heute in Amazonien, nun ersetzen im Norden des Bundesstaates Rio Grande do Sul an vielen Stellen Kiefernplantagen (“grüne Wüsten”) den Primärwald.
Immerhin kommt das Projekt der brasilianischen und deutschen Biologen, die ältesten Bäume der Welt und damit auch die Artenvielfalt im südlichsten Teil des Atlantik-Regenwaldes zu schützen, noch nicht ganz zu spät – in der chilenischen Region Araucanía haben die Eukalyptus- und Kiefernmonokulturen… weiter lesen
29.03.2011 von Knut Henkel
Barack Obama und Hillary Clinton haben sich bereits die Zähne ausgebissen. Auf sämtliche Appelle von ihrer Seite reagierte die kubanische Führung unterkühlt. Nun soll ein Altmeister das schwierige Klima zwischen Washington und Havanna wieder ins Lot bringen – Jimmy Carter. In Kuba ist der Ex-Präsident überaus angesehen, aber ob es ihm gelingt, die verfahrenen Beziehungen wieder flott zu machen, darf bezweifelt werden. Zumindest dann, wenn er nichts mitbringt.
Am Montag traf Ex-Präsident Jimmy Carter auf Einladung der kubanischen Regierung in Havanna ein. Carter gilt als vernünftiger Mann auf der Insel und ist zugleich einer der fähigsten Mediatoren, den die USA zu bieten haben. Ein Grund, weshalb Barack Obama den altgedienten Diplomaten ins Rennen schickt, um die festgefahrenen Beziehungen zur Insel zu verbessern und um zu sehen, was sich imFall Alan Gross noch erreichen lässt. 15 Jahre lautet die Haftstrafe, die die Richter in Havanna vor ein paar Wochen für den… weiter lesen
28.03.2011 von Peter Strack
“Auch einer wie David Choquehuanca war mal ein Kind”, mit diesem Allgemeinplatz beginnt Anja Maier in der sonntaz ihre Reportage aus Bolivien, um den verfuegbaren Platz zunaechst mit Spekulationen darueber zu fuellen, was der bolivianische Aussenminister als Bauernkind wohl gedacht haben mag. Vielleicht war es eine der Fragen, die unbeantwortet blieben, wie Maier beklagt. Doch auch ein bolivianischer Minister redet lieber ueber seine eigenen Anliegen, als auf Klischees und Vorurteile zu antworten, die den Artikel wie ein roter Faden durchziehen.
David Choquehuanca und Evo Morales
Schon vor einem Vierteljahrhundert, mit 25 Jahren, soll Choquehuanca bereits „der“ Koordinator der bolivianischen Kleinbauern gewesen sein – die Anfuehrer und Anfuehrerinnen von damals, die verschiedenen Ausrichtungen, die Konflikte untereinander, dass mit Evo Morales am Ende die Gewerkschafter gegenueber den radikalen Indígenas wie dem „Mallku“ Felipe Quispe die Oberhand behielten, nun gut, das mag eher ein Thema fuer Historiker… weiter lesen
26.03.2011 von Hildegard Willer
Endlich wird es spannend. Während sich der limenische Sommer dem Ende zuneigt, wird es im Rennen um die Präsidentschaftswahl am 10. April nochmal richtig heiss.
Nachdem es wochenlang danach aussah, als ob Alejandro Toledo auf jeden Fall in die zweite Runde kommen würde, und Ollanta Humala und Pedro Pablo Kuczynski (auf Grund seines für Peruaner unaussprechlichen Namens nur PPK genannt) weit abgeschlagen waren, ist 2 Wochen vor den Wahlen wieder alles offen. Die letzte Umfrage von Datum S.A. sieht Toledo mit 19,4% knapp vor Ollanta Humala und PPK mit 17,6% der Stimmen. Keiko Fujimori, die Tochter des einsitzenden Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, folgt mit 16,1%, der vormalige OB von Lima, Luis Castañeda, dicht dahinter mit 15%.
Zum einen ist dies ein guten Zeichen: Endlich könnte über Inhalte geredet werden. Denn der Links-Kandidat Ollanta Humala und der als Vertreter der Wirtschafts-Elite angesehene PPK vertreten ursprünglich antagonistische Positionen, auch wenn beide Kandidaten mit… weiter lesen
23.03.2011 von Gaby Küppers
Vierte Konferenz gegen Feminicidios im Europäischen Parlament beklagt mangelnden Umsetzungswillen von Regierungen
Wenige Tage vor dem Internationalen Frauentag trafen sich am 3. März 2011 AktivistInnen, ForscherInnen, Regierungsgesandte und VertreterInnen der EU-Institutionen im Brüsseler Europäischen Parlament (EP) zum Thema Morde an Frauen (Feminicidios). Auf dieser vierten Konferenz seit 2007 ging es um Bilanz und Perspektiven im Hinblick auf Verantwortlichkeiten und Fortschritte bei deren Bekämpfung insbesondere in Mexiko und Zentralamerika. Gleichzeitig stand die Planung von Aktionen im Vorfeld des 7. Gipfels der Staatschefs aus EU, Lateinamerika und der Karibik im Mai 2012 in Santiago de Chile.
Ein Großteil der TeilnehmerInnen kam nicht zum ersten Mal zu dieser ganztägigen Veranstaltung, auch diesmal auf Einladung von Raul Romeva, grünes Mitglied des EP aus Katalonien und Berichterstatter des ersten EP-Berichts zur Straflosigkeit von Feminicidios in Mexiko und Zentralamerika, der Heinrich-Böll-Stiftung, CIFCA, Grupo Sur, ALOP und Amnesty International. Sie attestierten der Konferenz Fortschritte in der strategischen… weiter lesen
05.03.2011 von Peter Strack
Mit ihrer Weigerung, ihre Zoepfe und ihren traditionellen Rock auf dem Abschlussfoto der juristischen Fakultaet der staatlichen Universitaet von Cochabamba retouchieren und durch Toga und Barett ersetzen zu lassen, wurde Amalia Laura Vilca aus einem Quechua-Dorf im Norden von Potosí von einem auf den anderen Tag bekannt. Es sind eher solche kleinen Geschichten, die in Bolivien heute noch Hoffnung machen. … weiter lesen
05.03.2011 von Gaby Küppers
Interview mit Moacyr Scliar (1937-2011)
Er beschrieb die Welt, in der er lebte, und heraus kamen in jeder Hinsicht phantastische Geschichten. Moacyr Scliar, Sohn einer jüdisch-russischen Einwandererfamilie, kannte als Arzt Alltag, Wünsche und Ängste der Menschen im brasilianischen Süden sehr genau. Das Sichtbarmachen des Hintergrundes im scheinbar Vordergründigen war seine Kunst. Mit ihrem nachdenklich-traurigen Humor gehören seine Kurzgeschichten mit zu dem Besten, was die brasilianische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. 1994 habe ich Scliar interviewt.
Eines der zentralen Themen Ihrer Literatur ist das jüdische Brasilien. Wie groß ist die jüdische Gemeinde in Brasilien in etwa, und wo lebt sie hauptsächlich?
Nun, die jüdische Gemeinde in Brasilien ist sehr klein. Es handelt sich um schätzungsweise 150 000 Personen bei einer Gesamtbevölkerung in Brasilien von rund 150 Mio Menschen. Sie macht also bei weitem nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus. Aber auch wenn die Anzahl der Leute sehr klein ist, sind sie… weiter lesen
02.03.2011 von Gerhard Dilger

Moacyr Scliar ist tot. Und ganz Porto Alegre trauert. Das ist durchaus keine Übertreibung, denn gab wohl keinen Schriftsteller, der in Brasilien über alle – auch ideologischen – Grenzen so beliebt war. Das stimmt vor allem in seiner Heimatstadt. Hier war Scliar, der stets gut gelaunte, humorvolle und leidenschaftliche Arzt, Erzähler und Kolumnist jüdischer Herkunft auch noch ein Symbol des Regionalstolzes – allerspätestens seit seiner Wahl in die Brasilianische Akademie der Geisteswissenschaften vor acht Jahren.
73 Jahre wurde der Sohn einer bessarabischen Auswandererfamilie alt, mindestens 73 Bücher hat er allein in Brasilien veröffentlicht. Er gehörte auch zu den meistausgezeichneten, meistübersetzten Autoren des Landes. Seine ins Deutsche übertragenen Klassiker wie Die Ein-Mann-Armee (1973) oder Ein Zentaur im Garten (1980) sind nur noch antiquarisch erhältlich, seine Kurzgeschichten wurden im deutschen Sprachraum nur vereinzelt veröffentlicht. In den USA hingegen fand er große Anerkennung.
Zum Allerbesten gehören neben einer ganzen Reihe… weiter lesen
01.03.2011 von Hildegard Willer
Er bevölkert seit Wochen meine Facebook-Seite. Und ruft mich per Telefon an, ich solle ihm meine Stimme geben. Heute steht mein ungebetener Freund nun vor mir, und ich kann mir kaum jemanden vorstellen, auf den Facebook- und Telefonmarketing weniger passt denn auf Pedro Pablo Kuczynski, auch PPK genannt. Steif kommt er daher und heute zumindest sieht man ihm jedes seiner 72 Jahre an. Vielleicht liegt es an der Grippe, die ihn gestern im Bett hielt, wie er betont. Oder aber auch an den mickrigen 6% der Wählerstimmen, die ihm die jüngste Umfrage bescheinigt.
Pedro Pablo Kuczynski ist der älteste Kandidat, der um die peruanische Präsidentschaft ins Rennen geht. Auch der politik-erfahrenste. Ende der 60-er Jahre war er Perus jüngster Zentralbankpräsident, in den 80-er Jahren war er Energieminister unter Belaunde Terry, von 2000-2005 unter Alejandro Toledo sowohl Finanz- wie auch Premierminister. Wenn er nicht gerade ein politisches Amt in… weiter lesen