Archive for Dezember, 2012
“Der TIPNIS hat gesprochen”, titelt die Beilage der bolivianischen Regierung zu den grossen bolivianischen Tageszeitungen am vorweihnachtlichen Sonntag. Und 80% der Gemeinden haetten „Ja“ zum Bau der heftig umstrittenen Ueberlandstrasse mitten durch das indigene und Naturschutzgebiet gesagt. 11 der 69 Gemeinden haetten sich geweigert, an der Befragung teilzunehmen, nur 3 haetten „Nein“ zum Strassenbau gesagt. Eine oekologische Strasse sei vereinbart worden, hatte der fuer oeffentliche Bauten zustaendige Minister Sanchez kurz zuvor mitgeteilt. Ueber das entscheidende, bislang weitgehend erhaltene Stueck Natur hinweg sollte die Strasse als Bruecke ueber die Baumwipfel hinweg gefuehrt werden, damit die Tiere sich ungestoert bewegen koennten. Doch ob das alles so einfach ist und die von der Regierung angegebenen Zahlen stimmen, wird in Bolivien diskutiert. … weiter lesen
Die ersten Auswirkungen des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Kolumbien sind auf der Hochebene von Bogotá schon zu spüren. Die Preise für Frischmilch sinken, weil sich die Molkereien auf EU-Milchpulver aus Lagerbeständen einstellen. Ein Dilemma für Kleinbauern.
„Manchmal geht es deutlich zu schnell. Den kolumbianischen Produzenten bleibt kaum Zeit, um sich auf den veränderten Wettbewerb einzustellen“, erklärt Daniel Fernández. Der Vorsitzender von Siemens in der Andenregion hat bei seiner Analyse zwar weniger das EU-Freihandelsabkommen mit Kolumbien im Sinn, sondern eher jenes mit Korea, aber das Abkommen mit Brüssel wirft seinen Schatten bereits voraus.
„Unsere Bauern haben von dem Abkommen nichts Gutes zu erwarten“, erklärt Tarcisio Mora vom Gewerkschaftsdachverband CUT. Dessen Experten haben schon frühzeitig begonnen, die Auswirkungen des Abkommens zu anylisieren und haben auch darauf gedrängt längere Übergangsfristen sowie Paragraphen für den Schutz von Arbeits- wie Menschenrechten einzuführen. Mit begrenztem Erfolg.
„Freihandelsabkommen erleichtern schließlich nicht per se den Handel,… weiter lesen
Ich habe letzte Woche ein paar spannende Tage im Europaparlament in Brüssel verbracht. Für Lateinamerikainteressierte standen die Bemühungen progressiver Abgeordneter im Vordergrund, die Ratifizierung der Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kolumbien/Peru bzw. Zentralamerika in letzter Minute doch noch zu verhindern.
Morgen wird in Straßburg über die Freihandelsabkommen abgestimmt. Es zeichnet sich eine klare Mehrheit für die Verträge ab, denn schon längst hat sich ein Großteil der sozialdemokratischen Fraktion der neoliberalen Freihandelslogik unterworfen. Zur Wahrung der Menschenrechte gibt diese Mehrheit nur noch Lippenbekenntnisse ab, die sich manchmal ziemlich peinlich anhören.
Doch linke und grüne MdEPs, ihre AssistentInnen, Menschenrechtler und kirchliche Hilfswerke, Gewerkschafter und Umweltschützer lassen nicht locker. Sie bereiteten ihre Auftritte in Straßburg vor oder machen Druck auf die ParlamentarierInnen – hier kann man entsprechende Mails an alle Abgeordneten abschicken. Am Dienstag nahmen die belgischen… weiter lesen
Ein Dutzend Haftbefehle sind es diesmal, was die mexikanische Regierung der Delegation aus dem Europaparlament (EP) im Oktober andient. Ein bedeutender Fortschritt, scheint es, aber die Grünen Satu Hassi und Ska Keller wollen sich nicht zu früh freuen. Seit zweieinhalb Jahren reisen sie regelmäßig nach Mexiko, immer mit demselben Ziel: Sie verlangen Aufklärung und Bestrafung im Falle des Mordes an dem Finnen Jyri Jaakkola und der Mexikanerin Bety Cariño und damit ein Signal gegen die allgegenwärtige Straflosigkeit im Land. Die beiden MenschenrechtsbeobachterInnen starben am 27. April 2010 im Kugelhagel, als eine humanitäre Karawane auf dem Weg in die autonome Gemeinde San Juan de Copala im mexikanischen Oaxaca von Paramilitärs beschossen wurde. Weitere TeilnehmerInnen wurden verletzt und bedroht. Seither verkündete die Regierung bei jedem Besuch aus dem EP einen „Fortschritt“, der sich weitgehend in Luft auflöste, sobald er dem Land wieder den Rücken zudrehte.
Diesmal aber sind einige Koordinaten anders… Weiterlesen… weiter lesen
Oscar Niemeyer ist tot. Am Mittwochabend, wenige Tage vor seinem 105. Geburtstag, ist Brasiliens Stararchitekt in Rio gestorben.
“Samstags und sonntags arbeite ich am meisten”, erzählte er noch vor ein paar Jahren in seinem Atelier an der Copacabana. “Alleine blättere ich einige Bücher durch, schreibe einen Text, zeichne oder denke ganz einfach über das Leben nach.”
“Das Leben ist ein Hauch”, umriss der bekennende Kommunist und Atheist seine Philosophie. “Der Mensch ist nichts wert, er wird geboren und stirbt. Also muss er zum Himmel sehen und fühlen, dass er klein ist, dass er bescheiden sein muss, dass nichts wichtig ist.”
Eines seiner letzten umgesetzten Projekte war das 2011 eingeweihte Kulturzentrum im nordspanischen Avilés (s. u., Foto: dpa), eine gewohnt kurvenreiche, luftige Anlage. In Havanna ist nach seinem Entwurf ein neues Gebäude für die brasilianische Botschaft geplant, und in Caracas soll ein riesiges Denkmal zum… weiter lesen

