06.02.2012 von Peter Strack
International war er die schauspielerische Entdeckung im Kinofilm “Und selbst der Regen”: Juan Carlos Aduviri
spielte einen jungen Bolivianer, der sich bei der Bewerbung um die Rolle eines Indigena-Fuehrers
in einem Historienfilm ueber die Eroberung Amerikas gleich durch sein energisches Auftreten Aufmerksamkeit verschafft. Im Film geht der Regisseur das Risiko ein, einen charakterstarken Schauspieler zu bekommen, der auch Probleme machen kann. Wenig spaeter ist „Daniel“ im Film als einer der Wortfuehrer in den ebenso historischen „Wasseraufstand von Cochabamba“ verwickelt und das Filmprojekt im Film gefaehrdet.
Mag zwar die fast am Schluss liegende Szene einer rasanten Rettungsfahrt durch die brennenden
Barrikaden, die die Cochabambiner Bevoelkerung gegen die Erhoehung der Wasserpreise errichtet hatte, ein wenig unrealistisch wirken – Aduviri scheint nicht nur auf der Leinwand ein Rebell. Sagte er vor gut zwei Wochen aus gesundheitlichen Gruenden noch eine Reise nach Spanien zur Verleihung der Goya-Filmpreise… weiter lesen
17.11.2011 von Gerhard Dilger
Klasse oder Glamour, eigenes Profil oder Volksnähe? Zum Abschluss des 8. Amazonas-Filmfestivals brach noch einmal die ganze Ambivalenz des Events von Manaus auf, das sich vor Jahren als “Öko-Cannes” etablieren wollte. Die lokale Version des Oscar-Rituals samt Feuerwerk und prächtigem Folklorespektakel fand zwar auf dem Platz vor dem berühmten Opernhaus statt, doch die Bevölkerung wurde von Sicherheitsbeamten auf Distanz gehalten. Höhepunkt der Siegerehrung war nicht der internationale Wettbewerb mit dem iranischen Berlinale-Gewinner “Nader und Simin – eine Trennung” an der Spitze, sondern die Auszeichnung der Kurzfilme aus dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas. Hauptredner war der Gouverneur.
Sieger im Kurzfilm-Wettbewerb Brasilien: “Cachoeira” von Sérgio Andrade
Um im internationalen Festivalbetrieb punkten zu können, ist ein eigenes Profil erforderlich. Robério Braga, langjähriger Kulturminister des Bundesstaates und Übervater des Festivals, versucht den Spagat. Zusammen mit einer französischen Agentur setzte er zunächst auf Ökologie und “Abenteuer”. Sozialkritische Dokumentarfilme gehörten zu den Highlights,… weiter lesen
08.11.2011 von Gerhard Dilger
Meine Zimmernummer in Manaus lautet 1001.
Wie ein Märchen aus Tausendundeinernacht mutet auch La source des femmes von Radu Mihaileanu an, jener Wettbewerbsbeitrag vom Amazonas Film Festival, der bisher im Opernhaus der Amazonasmetropole mit Abstand den meisten Beifall bekam.
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Der “Quell der Frauen”, gerade in den französischen Kinos angelaufen, ist eine flott gedrehte Utopie, die in einem ungenannten Maghrebdorf spielt. Munter bedient sich Mihaileanu in der griechischen Antike, beim französischen Orientalismus des 18. Jahrhunderts sowie bei zeitgenössischen feministischen Diskursen und strickt aus all dem eine politisch korrekte Komödie.
Selbst wenn der Film bewusst mit Stereotypen arbeitet – aber welches Märchen tut das nicht? – unter dem Strich ist er auch noch ein wunderbares Gegengift zur antiislamischen Hysterie in Europa.
05.11.2011 von Gerhard Dilger
Ich bin wieder einmal auf dem Amazonas Film Festival in Manaus. Die größte Attraktion fand gleich zum Auftakt statt: die Weltpremiere von Xingu, einer Hommage von Regisseur Cao Hamburger an die legendären Villas-Bôas-Brüder – jene Waldläufer, auf deren Initiative die Gründung des Xingu-Nationalparks 1961 zurückgeht.
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Da das Produzententeam um Starregisseur Fernando Meirelles den einfühlsam gedrehten Film auf der kommenden Berlinale groß herausbringen möchte, lief er in Manaus außerhalb des Wettbewerbs. Der Begeisterung des Publikums tat das keinen Abbruch.
Der Spielfilm endet mit Archivaufnahmen vom Bau der Transamazônica-Fernstraße Anfang der 1970er – die Parallele zum Megastaudamm Belo Monte ist gewollt. Regisseur Hamburger brachte es auf den Punkt: “Erneut haben wir die Wahl: Welche Art der Entwicklung wollen wir?”
Ähnlich wie in Birdwatchers von Marco Bechis, der 2008 in Manaus gezeigt wurde, ist auch in Xingu Platz für Zwischentöne: Die drei… weiter lesen
10.10.2011 von Gerhard Dilger
Unterstützt Deutschland selbst unter Schwarz-Gelb doch noch Ecuadors “Dschungel statt Öl”-Projekt? Diese Woche könnte es wieder einige Schritte voran gehen.
1. Zunächst kommen vier Bundestagsabgeordnete aus Ecuador zurück, wo sie mit Präsident Rafael Correa und anderen Regierungsmitgliedern zusammentrafen. Bei seinem samstäglichen TV-Auftritt Enlace hoben Correa und Ministerin María Fernanda Espinosa die Unterstützung der MdBs für die Yasuní-ITT-Initiative hervor (0:00-0:41):
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Espinosa: “Die Schlusssätze des Abgeordneten, der im Haushaltsausschuss sitzt, waren: Präsident Correa, zählen Sie auf unseren Rückhalt im Bundestag”. Am Wochenende reisten die ParlamentarierInnen in das so genannte ITT-Gebiet im Osten des Yasuní-Parks.
2. Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño kommt nach Berlin.
3. Ebenfalls in Berlin finden zwei interessante Veranstaltungen statt, die u. a. von der Heinrich-Böll-Stiftung mitorganisiert werden:
Am Do, 13.10.11 von 19 bis 21:30, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin, Schumannstr. 8
Öl versus Wald: Ist Yasuní noch zu retten? Podiumsdiskussion mit Ivonne Yáñez, Acción… weiter lesen
01.08.2011 von Gerhard Dilger
In unserem Programmkino um die Ecke läuft gerade ein brillianter Film aus Argentinien: El hombre de al lado (Der Mann von nebenan) von Mariano Cohn und Gastón Duprat, gedreht in der Casa Curutchet in La Plata. Sehr lateinamerikanisch und zugleich ziemlich universell!
20.07.2011 von Benjamin Kiersch
Der Kinostart des neuen Harry Potter Streifens in Chile letzte Woche brach alle Rekorde: Über 80 000 begeisterte Kinobesucher sahen den Film am ersten Tag, nach knapp einer Woche waren es bereits 278 000, und stellten damit den bisherigen Besucherrekord von Ice Age 3 in den Schatten. Vor den chilenischen Kinos bildeten sich lange Schlangen zauberstabschwingender Kinder und Jugendlicher mit lustigen Hüten. Und täglich werden es mehr.

Was nur wenige wissen: der Film kam in Chile mit extra editierten Untertiteln in die Kinos, die zeigen, dass Harry in Hogwarts mit seinen magischen Kräften die Revolution der Piguine unterstützt, über die bereits an anderer Stelle in diesem Blog berichtet wurde:

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Ein Schelm, der sich denkt, dies sei der wahre Grund für den zauberhaften Erfolg von Harry Potter in Chiles Kinos.
22.05.2011 von Gerhard Dilger

Heißer Tipp für Cariocas und BrasilientouristInnen: In Rio de Janeiro hat gestern das 1. Internationale Uranium-Film-Festival mit einem üppigen Programm begonnen.
Organisiert haben es der deutsche Umweltjournalist Norbert Suchanek und seine Frau Márcia Gomes de Oliveira.

06.03.2010 von Benjamin Kiersch
Pünktlich zur bevorstehenden Oscar-Verleihung schickt uns Martin Brauer aus Argentinien einen Text über den Film “El secreto de sus ojos”, der als “bester fremdsprachiger Film” nominiert ist:
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Wenn an diesem Sonntag in Hollywood der rote Teppich ausgerollt wird, wird die Welt erfahren, ob der Film „Das Geheimnis ihrer Augen“ den zweiten Oscar für einen argentinischen Film nach „Die offizielle Geschichte“ (1986) erhält.

Es gibt viele Berührungspunkte zwischen beiden Filmen: Zum einen beleuchten beide die dunkelste Vergangenheit Argentiniens, die Repression in den siebziger Jahren. Zum anderen war die Drehbuchautorin von „Die offizielle Geschichte“ die erste Professorin von Campanella, dem Regisseur von „Das Geheimnis seiner Augen“.
Ein Anliegen des Films ist es, den Abschnitt der argentinischen Geschichtsschreibung zu beleuchten, der eine klare Trennlinie zwischen der Präsidentschaft Isabel Peróns und dem Militärputsch im März 1976 zieht, als ob bis unmittelbar zu diesem Zeitpunkt alles in bester Ordnung gewesen… weiter lesen
16.11.2009 von Claudius Prößer
Das hat bislang noch kein chilenischer Film geschafft:
“La Nana” von Sebastián Silva wurde nicht nur beim Sundance Festival 2009 prämiert, sondern hatte in den USA bis Anfang November bereits knapp 150.000 Dollar
eingespielt. Schon deswegen fand Regisseur Silva, sein Werk habe verdient, als chilenischer Kandidat für den besten ausländischen Film der Oscar-Akademie ins Rennen zu gehen. Aber die zuständige Jury
nominierte Miguel Littins “Dawson – Isla 10″, und seitdem gibt es viel böses Blut unter Chiles Cineasten.
Silva versuchte Littin mit einem nächtlichen Telefonat davon zu überzeugen, seinen Film zurückzuziehen, der war selbstverständlich tief gekränkt, und mancher unterstellte der Jury, sich vor einen politischen Karren spannen zu lassen. Dabei bedurfte es gar keiner Einflussnahme von oben, um “Dawson” durchzusetzen, den Film, der von dem Lager erzählt, das die Militärs nach dem Putsch von 1973 für hochrangige Politiker der Unidad Popular auf einer patagonischen Insel… weiter lesen