Als die Horrors vor gut zwei, drei Jahren zum ersten Mal ins Blickfeld rückten, geschah zweierlei: zunächst war man sich – auch hier – bewusst, dass diese Band enormes Potential hat, andererseits aber auch verunsichert, wie Außendarstellung und Soundkostüm eigentlich zusammen passten. Denn auch schon auf dem Debütalbum (und vor allem live!) spielten die Horrors einen sehr kompromisslosen, obskure Legenden verehrenden Garagenpunk, der so gar nicht zu dem Image als Gothic-Herzensbrecher schwarzgekleideter 14jähriger passen wollte. Dass das erste, selten dämliche NME-Coverbild jeglicher Credibility den Garaus machte, war da nur folgerichtig.
Dennoch! Auf der Habenseite waren nun einmal eine hervorragende Debütsingle, ein gutes Album und überraschend beeindruckende Liveshows zu verzeichnen, so dass sich das Popblog noch nicht dem allgemeinen Horrors-Verdammen hingeben wollte. Wie gut, wie gut! Denn mit „Primary Colours“ gelingt den Londonern um Faris Rotter (falls er den Künstlernamen heute noch trägt?) etwas ganz, ganz erstaunliches – wann ist es zuletzt einer klassische „Hype-Band“ gelungen, die kommerziell gnadenlos gefloppt war und von ihrem Label geworfen wurde, mit Album Nummer Zwei derart selbstbewusst, stilsicher und, ja, besser, größer, wichtiger zurückzukommen?
