Wahrscheinlich lernten viele andere Thees Uhlmann wie ich kennen: über sein Tocotronic-Tourtagebuch, das lakonisch den RocknRoll abfeierte und in dieser Hinsicht, wie Uhlmann wohl sagen würde, ordentlich deliverte. Das Büchlein mag lange vergessen sein, aber Uhlmanns eigene Band Tomte sollte in den folgenden Jahren zu einer der größten des Landes heranwachsen. Eine Tatsache, die man sich im Jahr 2000 bei “Sonnige Nacht” noch nicht einmal hätte erträumen können!

Während Tomte in den Folgejahren immer weiter aus der Garage in die neue Bürgerlichkeit schritten, war “Sonnige Nacht” im Vergleich zum wilden Schrammelindiepunk des Debüts “Du weißt was ich meine” vielleicht der Moment, an dem die verschiedenen Tomte-Elemente am vollkommendsten zueinander fanden. Thees mag 2000 noch eher versuchen zu singen und der für die Instrumentierung Verantwortliche würde wohl nur darüber lachen, wenn jemand von “Geigen wie bei Wonderful World” spräche, aber einen unschätzbaren Vorteil hatte diese Herangehensweise gerade für Thees Uhlmanns Texte, die schon immer bevorzugt mit ordentlich Pathos oder der in die Luft gestreckten Faust uns an die Wand drücken wollten: durch die noch schroffe musikalische Untermalung wird eben jener Pathos nie zuviel, sondern baut im Gegenteil ein Spannungsfeld auf, das diese Songs auch nach zehn Jahren noch so verdammt lebendig macht.
