Was ist denn nun los? Kurz vor Jahresende und auf einmal die vielzitierte “gerechte Welt” vor der Tür? Als ich im Januar Girls, die Zweimannband aus San Francisco, in meiner I Predict A Riot – Musikglaskugelschau als eine der potentiell wichtigsten Bands für 2009 benannte, war ehrlich gesagt der gute alte Wunsch der Vater des Gedankens. Ich kannte damals zwei Songs, von denen vor allem “Hellhole Ratrace” mich derart beeindruckte, dass ich der Band – bis dato ohne jede Veröffentlichung in Europa – mehr Weltbeherrschung als irgendeiner anderen zu jener Zeit wünschte. Gleichzeitig dachte ich aber auch: die kennt heute noch keiner und die wird wohl auch morgen keiner kennen.

So kann man sich täuschen. Sacht, aber bestimmt wurde die Band um Christopher Owens bekannter und geheimtippiger: im Grunde begann alles mit jenem Videoclip, der das halbjahr alte “Hellhole Ratrace” mit einem Kurzfilm versah, für den man das Wort “kongenial” dann doch mal ziehen darf. Hier war alles drin: die Lust am Feiern, die Melancholie, der Sex, kurz: das Jetzt, das sich dem Später verweigert. Und dann diese Stelle, als die Band mit Freunden auf den Hügeln vor San Francisco sitzt, auf die Stadt blickt, die Sonne aufgeht und die Gitarren krachen, als gäbe es nur diesen einen Moment und alles andere wäre irrelevant, egal, kann-uns-später-kümmern. Hier, in diesen Sekunden, in diesem Lied, in diesem Videoclip war die ganze Kraft des Rock’n'Roll, dieser flüchtige Blick in eine bessere Welt, der dir die Tränen in die Augen treibt.

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I work to eat and drink and sleep just to live /
feels like im never getting back what I give /
I’ve got a sad song in my sweet heart /
and all I really ever need is some love and attention
and I dont want to cry my whole life through /
I want to do some laughing too /
so come on, come on, come on, come on, laugh with me.

Wenig später fing Pitchfork (9.1/10) an sich zu überschlagen und der große Gegenpart auf der anderen Seite des Atlantik, der NME, zückte ebenfalls 9/10 Punkten. Die Band kam auf ihre erste – jaja, von uns präsentierte – Deutschlandtournee und verwirrte wie beglückte mit fahrigen Konzerten, die vom Abgrund wie von der Erleuchtung erzählten. Dann Single Nummer 2. “Lust For Life”. … weiter lesen