Berlinale (3): Banksys Exit Through The Gift Shop, Martin Scorseses Shutter Island, Submarino
von Christian IhleExit Through The Gift Shop
1. Der Film in einem Satz:
Banksy Superstar.
2. Darum geht‘s:
Im Grunde ist “Exit Through The Gift Shop” mindestens zwei Filme: zunächst eine Dokumentation über StreetArt und ihre wichtigsten Protagonisten der letzten zehn Jahre (vor allem Space Invader, Shepard Fairey sowie Banksy), der es hauptsächlich mit Archivmaterial gelingt, die Aufregung und den Adrenalinrausch der nächtlichen StreetArt-Aktionen zu vermitteln. Die Figur, die im Mittelpunkt des ganzen Films steht, ist allerdings weder Fairey noch Banksy sondern der in L.A. lebende Franzose Thierry Guetta der (wohl) sämtliches Archivmaterial gedreht hat. Nachdem Banksy im Film Guetta trifft, dreht sich das Leben des Franzosen wie der Inhalt des Films. Inspiriert von Banksy wird Guetta selbst zu einem StreetArt Künstler, zu Mr. Brainwash. Wer von den Besten lernt, will natürlich gleich hoch hinaus: statt sich auf der Straße Spaß und Erfahrung zu holen, startet MBW mehr oder minder gleich mit der größten StreetArt-Ausstellung, die Los Angeles je gesehen hat. Die fehlende Street Credibility holt er sich durch zwei Zitate von Fairey und Banksy, mit denen er seine Ausstellung bewirbt – und wird durch jene Stellvertreterqualität aus dem Nichts zum Coverstar, seine Ausstellung zu einem unfassbaren Hit und Guetta verkauft Werke im Wert von einer Million Dollar innerhalb der ersten Monate.
… wenn denn alles stimmt, was wir hören – denn, und dies mag in dem an Guerilla-Aktionen und Medienmanipulationen reichen Leben Banksys die Meisterleistung sein: was wenn Mr Brainwash nichts anderes als eine Banksy-Kunstfigur ist, wenn auch eine zugegebenermaßen sehr elaborierte? Dann wird der Film nicht nur eine tolle StreetArt-Doku, sondern vielmehr ein brillantes, raffiniertes Statement über den Kunstmarkt, die Medien und den Wert bzw. die Definition von Kunst an sich. Banksy hätte dann gezeigt, wie einfach sich der Kunstmarkt und die Medien manipulieren ließen – er hätte auch aufgezeigt, wie das Prinzip der Kopie arbeitet, wie Kitsch und Kunst untrennbar miteinander verbunden sind, wie es keinen objektiven Maßstab für Kunst geben kann, wie sie immer dem Kontext unterworfen ist und hätte zugleich noch die ewige Frage nach Authentizität und ihren Wert im Rahmen von Kunst gestellt. Und Damien Hirst eine Breitseite verpasst… Kurz: dann wäre Exit Through The Gift Shop einer der wichtigsten (und unterhaltsamsten!) Filme über Kunst überhaupt. … weiter lesen
